Die Zahl der Keuchhustenfälle in Rheinland-Pfalz steigt wieder spürbar an. Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklung mit wachsender Aufmerksamkeit, weil insbesondere Säuglinge von schweren Krankheitsverläufen betroffen sein können. Nach dem außergewöhnlich starken Infektionsjahr 2024 rückt die Frage in den Mittelpunkt, ob Deutschland vor einer neuen größeren Pertussis-Welle steht.

Mainz, 13. Mai 2026 – Die Warnsignale werden deutlicher. In Rheinland-Pfalz breitet sich Keuchhusten wieder stärker aus. Nach aktuellen Angaben des Landesuntersuchungsamts registrierten die Behörden in den vergangenen Wochen deutlich mehr gemeldete Infektionen als noch zu Beginn des Jahres. Besonders aufmerksam verfolgen Fachleute die Entwicklung bei kleinen Kindern und Neugeborenen. Für sie kann die bakterielle Erkrankung gefährlich werden.

Die aktuellen Daten zeigen einen klaren Trend. Während im Januar und Februar durchschnittlich 0,7 Fälle pro 100.000 Einwohner gemeldet wurden, lag der Wert im März und April bereits bei 1,4 Fällen. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Zahl der registrierten Erkrankungen damit verdoppelt.

In Gesundheitsämtern und Arztpraxen erinnert die Entwicklung zunehmend an die Dynamik des vergangenen Jahres. 2024 war bundesweit die stärkste Keuchhustenwelle seit Einführung der Meldepflicht registriert worden. Auch Rheinland-Pfalz verzeichnete damals einen deutlichen Anstieg der Infektionen.

Die Sorge der Behörden richtet sich dabei weniger auf die absolute Zahl der Fälle als auf die Geschwindigkeit, mit der sich Pertussis derzeit wieder ausbreitet. Denn Keuchhusten gehört zu den ansteckendsten bakteriellen Atemwegserkrankungen überhaupt. Bereits beim Sprechen, Husten oder Niesen können die Erreger übertragen werden.

Warum Keuchhusten wieder zunimmt

Keuchhusten galt lange als typische Kinderkrankheit. Heute zeigt sich ein anderes Bild. Immer häufiger infizieren sich Jugendliche und Erwachsene – oft, ohne die Erkrankung sofort zu erkennen. Genau darin sehen Fachleute eines der größten Probleme.

Die ersten Symptome wirken harmlos. Anfangs ähnelt die Erkrankung meist einer gewöhnlichen Erkältung: leichter Husten, Schnupfen, Halskratzen, manchmal leicht erhöhte Temperatur. Erst später entwickeln sich die charakteristischen Hustenattacken, die sich über Wochen hinziehen können.

Viele Erwachsene bringen die Beschwerden deshalb zunächst nicht mit Keuchhusten in Verbindung. Wer infiziert ist, kann die Krankheit jedoch schon in einem frühen Stadium weitergeben – häufig unbemerkt.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Der Impfschutz gegen Keuchhusten hält nicht lebenslang an. Selbst Menschen, die als Kinder vollständig geimpft wurden, können Jahre später erneut erkranken. Auffrischimpfungen spielen deshalb eine zentrale Rolle. Genau diese werden jedoch häufig versäumt.

Nach Einschätzung von Fachleuten trägt dieser nachlassende Immunschutz wesentlich dazu bei, dass sich Pertussis wieder stärker verbreitet. Die Erkrankung verlagert sich dadurch zunehmend in ältere Altersgruppen.

Besonders gefährlich für Säuglinge

Für Erwachsene verläuft Keuchhusten häufig langwierig, aber vergleichsweise mild. Bei Säuglingen kann die Situation dagegen dramatisch werden. Neugeborene entwickeln oft nicht einmal die typischen Hustenanfälle. Stattdessen treten Atemaussetzer auf, die lebensbedrohlich werden können.

Gerade deshalb warnen Gesundheitsbehörden regelmäßig vor Infektionen im direkten Umfeld von Babys. Eltern, Großeltern oder andere enge Kontaktpersonen können Erreger übertragen, ohne selbst schwer erkrankt zu sein.

Besonders im Fokus stehen deshalb Schwangere. Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Pertussis-Impfung während jeder Schwangerschaft. Dadurch gelangen schützende Antikörper bereits vor der Geburt auf das Kind.

Mediziner betonen seit Jahren, dass dieser Schutz in den ersten Lebensmonaten entscheidend sein kann. Säuglinge können erst schrittweise selbst geimpft werden. Bis dahin sind sie auf den sogenannten Nestschutz angewiesen.

Die Erfahrungen aus dem Jahr 2024 wirken nach

Die aktuellen Zahlen lösen auch deshalb Aufmerksamkeit aus, weil Deutschland erst vor kurzer Zeit eine ungewöhnlich starke Pertussis-Welle erlebt hat. Im Jahr 2024 wurden bundesweit so viele Fälle registriert wie noch nie seit Einführung der bundesweiten Meldepflicht.

In mehreren Bundesländern meldeten Gesundheitsbehörden damals einen sprunghaften Anstieg der Erkrankungen. Kinderkliniken, Hausärzte und Gesundheitsämter berichteten von deutlich mehr diagnostizierten Fällen als in den Jahren zuvor.

Fachleute führten diese Entwicklung unter anderem auf Nachholeffekte nach der Corona-Pandemie zurück. Während der Pandemie hatten Kontaktbeschränkungen, Maskenpflichten und geringere soziale Kontakte die Verbreitung vieler Atemwegserkrankungen deutlich reduziert.

Nach dem Wegfall dieser Maßnahmen stiegen zahlreiche Infektionszahlen wieder an – darunter auch Pertussis. Gleichzeitig wurde in mehreren Ländern Europas beobachtet, dass Auffrischimpfungen seltener wahrgenommen wurden.

Die Weltgesundheitsorganisation registrierte deshalb europaweit außergewöhnlich hohe Fallzahlen. Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklung seitdem genauer.

Wie sich die Krankheit entwickelt

Der Verlauf von Keuchhusten zieht sich häufig über Wochen oder sogar Monate. Die Erkrankung verläuft typischerweise in mehreren Phasen.

Zu Beginn stehen unspezifische Beschwerden im Vordergrund. Erst später entwickeln Betroffene die typischen krampfartigen Hustenattacken. Besonders nachts kann es zu schweren Hustenanfällen kommen, die Betroffene körperlich stark belasten.

Bei Kindern tritt häufig das charakteristische keuchende Einatemgeräusch auf, das der Krankheit ihren Namen gegeben hat. Erwachsene zeigen dieses Symptom oft nicht. Gerade dadurch bleibt die Erkrankung bei ihnen häufiger unerkannt.

Medizinisch problematisch ist zudem die lange Dauer der Ansteckungsfähigkeit. Unbehandelte Erkrankte können andere Menschen über mehrere Wochen infizieren.

Diese Symptome gelten als typisch

  • anhaltender trockener Husten
  • krampfartige Hustenanfälle
  • nächtliche Hustenattacken
  • Würgen oder Erbrechen nach Hustenanfällen
  • Atemprobleme bei Säuglingen

Besonders bei länger anhaltendem Husten empfehlen Ärzte deshalb, eine mögliche Pertussis-Infektion ärztlich abklären zu lassen.

Impfquoten bleiben ein entscheidender Faktor

Die Impfquote bei Kindern in Rheinland-Pfalz liegt nach Angaben der Gesundheitsbehörden weiterhin vergleichsweise hoch. Dennoch reicht das allein nicht aus, um größere Ausbrüche zuverlässig zu verhindern.

Der Grund liegt im Charakter der Erkrankung selbst. Anders als bei manchen anderen Infektionskrankheiten entsteht nach einer Impfung oder überstandenen Erkrankung keine lebenslange Immunität. Der Schutz nimmt mit den Jahren ab.

Deshalb empfehlen Fachleute regelmäßige Auffrischimpfungen – auch im Erwachsenenalter. Viele Menschen wissen allerdings nicht, wann ihre letzte Pertussis-Impfung erfolgt ist.

Besonders relevant wird das bei Personen, die engen Kontakt zu Säuglingen haben. Gesundheitsbehörden raten deshalb ausdrücklich dazu, den eigenen Impfstatus überprüfen zu lassen.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Erwachsenen, die nächste reguläre Auffrischung gegen Tetanus und Diphtherie mit einer Keuchhusten-Impfung zu kombinieren.

Gesundheitsämter beobachten die Entwicklung genau

Ob sich aus den aktuellen Zahlen tatsächlich eine größere Keuchhusten-Welle entwickelt, lässt sich derzeit noch nicht sicher vorhersagen. Die Dynamik der vergangenen Wochen sorgt jedoch für erhöhte Aufmerksamkeit bei Gesundheitsbehörden.

Vor allem die Verdopplung der gemeldeten Fälle innerhalb kurzer Zeit wird als ernstzunehmendes Signal bewertet. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr, wie schnell sich Pertussis regional ausbreiten kann.

Hinzu kommt, dass Keuchhusten häufig unterschätzt wird. Viele Menschen verbinden die Erkrankung noch immer ausschließlich mit Kindern. Tatsächlich infizieren sich inzwischen zahlreiche Erwachsene – oft mit unspezifischen Beschwerden und entsprechend spät erkannt.

Dadurch entstehen Infektionsketten, die sich nur schwer nachvollziehen lassen.

Eine Infektionskrankheit, die zurückkehrt

Über viele Jahre spielte Keuchhusten im öffentlichen Bewusstsein kaum noch eine größere Rolle. Die aktuellen Entwicklungen zeigen jedoch, dass die Erkrankung keineswegs verschwunden ist.

Die steigenden Fallzahlen in Rheinland-Pfalz passen in ein europaweites Bild wachsender Pertussis-Infektionen. Gesundheitsbehörden setzen deshalb verstärkt auf Aufklärung, Impfkontrollen und Prävention.

Wie stark sich die Infektionslage in den kommenden Monaten entwickelt, bleibt offen. Klar ist jedoch schon jetzt: Keuchhusten zählt wieder zu den Infektionskrankheiten, die Gesundheitsämter, Kinderärzte und Kliniken mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen.