Vor dem Landgericht Köln hat ein Prozess begonnen, der sich um einen mutmaßlich geplanten Auftragsmord auf Mallorca dreht. Angeklagt sind eine 62 Jahre alte Frau und ihre 36-jährige Tochter aus Frechen. Die Staatsanwaltschaft wirft beiden vor, den Ehemann beziehungsweise Schwiegersohn im Zuge eines eskalierten Trennungs- und Sorgerechtskonflikts töten lassen zu wollen. Im Zentrum des Verfahrens stehen nun Geldzahlungen, mutmaßliche Absprachen und die Frage, wie konkret die Pläne tatsächlich waren.

Köln, 13. Mai 2026 – Der Prozessbeginn am Landgericht Köln zieht bereits am ersten Verhandlungstag erhebliche Aufmerksamkeit auf sich. Im Saal geht es um den Vorwurf eines geplanten Auftragsmords, dessen mutmaßlicher Hintergrund tief in familiären Konflikten liegen soll. Angeklagt sind eine 62-jährige Frau aus Berlin und ihre Tochter aus Frechen im Rhein-Erft-Kreis. Beide müssen sich wegen versuchter Anstiftung zum Mord verantworten.

Die Staatsanwaltschaft zeichnet das Bild eines Vorhabens, das nicht spontan entstanden sein soll. Vielmehr gehe es um eine überlegte Planung, ausgelöst durch einen eskalierenden Streit rund um Trennung, Sorgerecht und das gemeinsame Kind der Tochter mit ihrem Ehemann. Der Mann hielt sich zu diesem Zeitpunkt auf Mallorca auf. Dort soll sich nach Überzeugung der Ermittler auch der mutmaßliche Tatplan konkretisiert haben.

Schon zum Auftakt des Verfahrens wurde deutlich, welche Schwere die Anklage dem Fall beimisst. Im Mittelpunkt stehen Gespräche mit einem Restaurantbetreiber auf Mallorca, Geldzahlungen und die Weitergabe persönlicher Informationen über das mutmaßliche Opfer. Das Gericht muss nun klären, ob die Grenze von belastenden Äußerungen hin zu einer strafbaren versuchten Anstiftung überschritten wurde.

Auftragsmord-Prozess in Köln: Ermittler sehen gezielte Vorbereitung

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft sollen Mutter und Tochter im September 2025 den gemeinsamen Entschluss gefasst haben, den Mann töten zu lassen. Die ältere Angeklagte habe sich während eines Aufenthalts auf Mallorca an den Betreiber eines italienischen Restaurants gewandt. Dabei soll sie gefragt haben, ob dieser jemanden kenne, der gegen Bezahlung einen Mord ausführen würde.

Der Gastronom ging nach bisherigen Erkenntnissen lediglich zum Schein auf die Anfrage ein. Laut Ermittlungsstand stellte er in Aussicht, einen entsprechenden Kontakt herstellen zu können. Die Ermittler sehen darin den Beginn einer konkreten Vorbereitung eines Auftragsmords.

Im weiteren Verlauf sollen Geldzahlungen erfolgt sein. Genannt wird eine Summe von insgesamt 5.000 Euro. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden zunächst 1.000 Euro als Anzahlung übergeben. Außerdem sollen Fotos des mutmaßlichen Opfers und Aufnahmen des Hauses auf Mallorca weitergeleitet worden sein.

Die Anklage wertet diese Schritte als deutliches Indiz für eine gezielte Planung. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft sei damit die Schwelle bloßer Gedankenspiele längst überschritten worden.

Trennung und Sorgerechtsstreit als mutmaßlicher Hintergrund

Das Verfahren wirft zugleich ein Schlaglicht auf einen familiären Konflikt, der sich nach bisherigen Erkenntnissen über längere Zeit zugespitzt hatte. Im Zentrum stehen Streitigkeiten zwischen der Tochter und ihrem Ehemann. Das Paar hat einen gemeinsamen Sohn.

Nach Darstellung der Ermittler sollen insbesondere Fragen des Sorge- und Umgangsrechts die Situation belastet haben. Die Staatsanwaltschaft sieht darin das Motiv für den mutmaßlich geplanten Auftragsmord.

Vor Gericht wurde deutlich, dass die familiären Spannungen für die Ermittler ein zentraler Bestandteil des Gesamtbildes sind. Gleichwohl bleibt offen, wie das Gericht die Motivlage letztlich juristisch einordnet.

Restaurantbetreiber spielt zentrale Rolle im Verfahren

Eine Schlüsselfigur des Prozesses ist der Restaurantbetreiber auf Mallorca. Ohne dessen Verhalten wäre der mutmaßliche Tatplan möglicherweise nie bekannt geworden. Nach bisherigen Informationen ließ sich der Mann nicht auf das Vorhaben ein und spielte lediglich mit, um weitere Informationen zu erhalten.

Für die Ermittler ist seine Aussage von erheblicher Bedeutung. Sie dürfte im Verlauf des Prozesses eine zentrale Rolle spielen, insbesondere bei der Frage, wie konkret die angeblichen Mordpläne tatsächlich waren.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Gastronom früh erkannte, wie ernst die Situation sein könnte. Die Kommunikation mit der älteren Angeklagten bildet deshalb einen wesentlichen Teil der Beweisführung.

Festnahme auf Mallorca und Untersuchungshaft

Die Ermittlungen führten schließlich zur Festnahme der 62-Jährigen auf Mallorca. Medienberichten zufolge erfolgte der Zugriff in Arenal. Wenig später kamen beide Angeklagten nach Deutschland in Untersuchungshaft.

Die Anklage wurde bereits im Februar 2026 erhoben. Das Landgericht Köln setzte anschließend mehrere Verhandlungstage an. Wegen der Vielzahl möglicher Zeugen und der umfangreichen Ermittlungsakten rechnen Prozessbeobachter mit einer längeren Beweisaufnahme.

Zum Auftakt erschienen beide Angeklagten ruhig im Gerichtssaal. Öffentliche Stellungnahmen zu den Vorwürfen gaben sie zunächst nicht ab. Vertreten werden sie von mehreren Verteidigern.

Juristisch außergewöhnlicher Fall

Der Prozess am Landgericht Köln gilt auch aus juristischer Sicht als bemerkenswert. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer sogenannten Kettenanstiftung. Gemeint ist damit der Versuch, eine Person dazu zu bewegen, wiederum einen Dritten zu einer Tötung anzustiften.

Solche Konstellationen sind vor deutschen Gerichten vergleichsweise selten. Entsprechend genau wird das Gericht prüfen müssen, ob die vorliegenden Handlungen den Tatbestand der versuchten Anstiftung zum Mord erfüllen.

Dabei geht es nicht nur um mögliche Gespräche oder Äußerungen. Entscheidend dürfte sein, wie das Gericht die Gesamtheit der mutmaßlichen Vorbereitung bewertet – also Geldflüsse, Kommunikation, die Weitergabe von Bildern und mögliche Absprachen.

Keine tatsächliche Gewalttat ausgeführt

Zu einem Angriff auf den Mann kam es nie. Nach bisherigem Ermittlungsstand wurde die mutmaßliche Tat bereits im Vorfeld gestoppt. Gerade das macht die juristische Bewertung anspruchsvoll.

Denn im Mittelpunkt steht nun die Frage, ab welchem Punkt eine strafbare versuchte Anstiftung beginnt. Die Staatsanwaltschaft sieht diese Schwelle eindeutig überschritten. Die Verteidigung dürfte dagegen argumentieren, dass kein konkreter Mordauftrag zustande gekommen sei.

Auch deshalb wird die genaue Rekonstruktion der Gespräche und Abläufe eine zentrale Rolle spielen. Das Gericht muss bewerten, welche Absichten tatsächlich verfolgt wurden und wie belastbar die einzelnen Aussagen sind.

Großes öffentliches Interesse am Prozess

Der Fall sorgt nicht nur wegen des Vorwurfs eines geplanten Auftragsmords für Aufmerksamkeit. Auch die familiäre Konstellation und der internationale Bezug nach Mallorca tragen dazu bei, dass das Verfahren bundesweit verfolgt wird.

Auftragsmorde gehören in Deutschland zu den seltenen Delikten. Wenn entsprechende Vorwürfe öffentlich werden, stoßen sie regelmäßig auf besonderes Interesse. Gleichzeitig zeigt der Prozess, wie eng familiäre Konflikte, Trennungsstreitigkeiten und strafrechtliche Vorwürfe miteinander verwoben sein können.

Im Gerichtssaal wird sich nun Schritt für Schritt zeigen müssen, welche Teile der Anklage sich durch Zeugenaussagen und Beweise tatsächlich stützen lassen. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für beide Angeklagten die Unschuldsvermutung.

Der Prozess dürfte das Landgericht noch länger beschäftigen

Schon der erste Verhandlungstag hat erkennen lassen, dass das Verfahren komplex werden dürfte. Die Anklage stützt sich auf zahlreiche Details, die aus Sicht der Staatsanwaltschaft ein klares Bild ergeben sollen. Gleichzeitig bleibt offen, wie das Gericht einzelne Aussagen und mutmaßliche Handlungen letztlich bewertet.

Im weiteren Verlauf werden vor allem die Aussagen des Restaurantbetreibers sowie mögliche Kommunikationsdaten und Geldbewegungen entscheidend sein. Für das Gericht geht es dabei um weit mehr als nur einzelne Gespräche oder Vermutungen. Es muss geklärt werden, ob tatsächlich ein konkreter Auftragsmord vorbereitet wurde oder ob die Vorwürfe strafrechtlich anders einzuordnen sind.

Der Prozess am Landgericht Köln wird deshalb nicht nur wegen seines spektakulären Hintergrunds aufmerksam verfolgt. Er könnte auch juristisch Bedeutung erlangen – insbesondere bei der Frage, wie Gerichte sogenannte Kettenanstiftungen und frühzeitig gestoppte Tatplanungen bewerten.