
Der Begriff Femizid bezeichnet die Tötung von Frauen oder Mädchen aufgrund ihres Geschlechts. Er wird verwendet, um Gewaltverbrechen zu beschreiben, bei denen geschlechtsspezifische Motive eine zentrale Rolle spielen. Der Begriff dient der analytischen Einordnung solcher Taten und wird vor allem in wissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Kontexten genutzt.
Der Begriff Femizid leitet sich vom lateinischen Wort femina für Frau ab. Er wird genutzt, um Tötungsdelikte zu kennzeichnen, bei denen Frauen gezielt betroffen sind, weil sie Frauen sind. Dabei geht es nicht um jede Tötung einer Frau, sondern um solche Fälle, bei denen strukturelle, soziale oder persönliche Machtverhältnisse sowie geschlechtsspezifische Gewalt eine Rolle spielen.
In der wissenschaftlichen Debatte existieren unterschiedliche Definitionen. Gemein ist ihnen der Fokus auf die besondere Form der Gewalt, die sich aus Geschlechterrollen, Ungleichheiten oder Abhängigkeitsverhältnissen ergibt.
Der Begriff Femizid wurde in den 1970er-Jahren im Rahmen feministischer Forschung geprägt und weiterentwickelt. Ziel war es, auf eine Form tödlicher Gewalt aufmerksam zu machen, die in klassischen Kriminalstatistiken häufig nicht gesondert betrachtet wurde.
Durch die Einführung des Begriffs sollte verdeutlicht werden, dass bestimmte Gewaltmuster nicht zufällig auftreten, sondern in gesellschaftlichen Strukturen verankert sind. In den folgenden Jahrzehnten fand der Begriff zunehmend Eingang in internationale Berichte, Studien und politische Diskussionen.
Femizide treten in unterschiedlichen Kontexten auf. Eine häufig diskutierte Form ist der sogenannte intime Femizid, bei dem Frauen durch aktuelle oder ehemalige Partner getötet werden. Diese Taten stehen oft im Zusammenhang mit Trennungssituationen, Kontrollverhalten oder eskalierenden Konflikten.
Weitere Formen sind Femizide im familiären Umfeld, im Zusammenhang mit sogenannter Ehrgewalt oder im Kontext von organisierter Kriminalität. In einigen Regionen der Welt werden auch strukturelle Formen diskutiert, bei denen staatliches Versagen, fehlender Schutz oder systematische Gewalt eine Rolle spielen.
In vielen Ländern existiert kein eigenständiger Straftatbestand mit der Bezeichnung Femizid. Stattdessen werden entsprechende Taten nach allgemeinen Strafrechtsnormen wie Mord oder Totschlag verfolgt. Der Begriff Femizid dient daher primär der gesellschaftlichen und statistischen Einordnung, nicht der juristischen Klassifizierung.
Gleichwohl gibt es Staaten, die spezielle Gesetze oder Strafschärfungen eingeführt haben, um geschlechtsspezifische Gewalt stärker zu berücksichtigen. International befassen sich Organisationen wie die Vereinten Nationen mit der Erfassung und Prävention solcher Taten.
Die Ursachen von Femiziden sind vielschichtig und nicht auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen. Häufig werden Macht- und Kontrollverhältnisse, traditionelle Geschlechterrollen und Abhängigkeitsstrukturen als zentrale Risikofaktoren genannt. Auch soziale Isolation, wirtschaftliche Unsicherheit oder vorherige Gewalt können eine Rolle spielen.
In vielen Fällen gehen den Taten längere Phasen nicht-tödlicher Gewalt voraus. Diese Dynamik macht Prävention und frühzeitige Intervention zu wichtigen Ansatzpunkten im Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt.
Femizid ist Gegenstand intensiver gesellschaftlicher Debatten. Befürworter der Begriffsverwendung betonen, dass er hilft, strukturelle Zusammenhänge sichtbar zu machen und Gewalt gegen Frauen als gesellschaftliches Problem zu benennen. Kritiker weisen darauf hin, dass eine klare Abgrenzung zu anderen Gewaltverbrechen notwendig sei, um Begriffsunschärfen zu vermeiden.
Unabhängig davon wird Femizid häufig im Zusammenhang mit Fragen von Gleichstellung, Gewaltprävention und Opferschutz diskutiert. Medienberichterstattung, Statistik und politische Maßnahmen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Präventionsansätze zielen darauf ab, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und Betroffene zu schützen. Dazu gehören Beratungsangebote, Schutzunterkünfte, rechtliche Maßnahmen wie Kontakt- und Näherungsverbote sowie Aufklärungsarbeit.
Auch die Sensibilisierung von Behörden, Justiz und Öffentlichkeit gilt als wichtiger Bestandteil der Prävention. Ziel ist es, Warnsignale ernst zu nehmen und wirksame Schutzmechanismen bereitzustellen.
International wird Femizid als Menschenrechtsproblem betrachtet. Organisationen und Staaten erfassen entsprechende Fälle zunehmend systematisch, um Vergleichbarkeit zu schaffen und Präventionsstrategien zu entwickeln. Die Ausprägung und Häufigkeit variiert stark zwischen Regionen und sozialen Kontexten.
Internationale Berichte betonen die Bedeutung von Rechtsstaatlichkeit, Bildung und sozialer Unterstützung bei der Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt.
Femizid ist heute ein fest etablierter Begriff in Forschung, Politik und öffentlicher Debatte. Er dient der Analyse von Gewaltstrukturen und der Entwicklung gezielter Präventionsmaßnahmen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema trägt dazu bei, geschlechtsspezifische Gewalt sichtbar zu machen und langfristig zu reduzieren.





