SPD-Arbeitsministerin plant Nullrunde beim Bürgergeld 2026 – Kritik vorprogrammiert?

In Politik
August 31, 2025

Berlin – Erneut sorgt die Debatte um das Bürgergeld für Schlagzeilen: Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat angekündigt, dass es auch im Jahr 2026 keine Erhöhung der Regelsätze geben soll. Stattdessen steht eine Nullrunde im Raum – und damit bleiben die bisherigen Beträge für Millionen Bürgergeldempfänger unverändert. Die Entscheidung sorgt für breite Diskussionen, von Sozialverbänden bis hin zu politischen Lagern, und wirft Fragen nach der Zukunft der sozialen Absicherung in Deutschland auf.

Die geplante Nullrunde im Überblick

Das Bürgergeld, das rund 5,6 Millionen Menschen in Deutschland erhalten – darunter knapp vier Millionen erwerbsfähige Leistungsbezieher und über eine Million Rentnerinnen und Rentner in Grundsicherung –, soll ab Januar 2026 nicht angepasst werden. Für alleinstehende Erwachsene bedeutet dies weiterhin einen monatlichen Regelsatz von 563 Euro, während Kinder je nach Alter zwischen 357 und 471 Euro erhalten. Die Nullrunde wurde von der Bundesregierung als rechtlich zulässige Option gewählt, da der gesetzliche Fortschreibungsmechanismus aktuell keine Erhöhung vorsieht.

Rechtlicher Hintergrund

Im deutschen Sozialrecht ist eine Kürzung von Leistungen ausgeschlossen. Stattdessen wurde mit der Nullrunde eine Lösung gefunden, die den Bestandsschutz wahrt. Während also die Regelsätze nicht steigen, wird gleichzeitig sichergestellt, dass sie nicht gesenkt werden. Sozialexperten sprechen von einer „technischen Anpassung“, die sich aus den vorangegangenen, sehr deutlichen Erhöhungen der Jahre 2023 und 2024 ergibt. Damals hatte die Bundesregierung die Sätze um zweistellige Prozentsätze angehoben, um auf die hohe Inflation zu reagieren.

Warum bleibt das Bürgergeld 2026 unverändert?

Eine der häufigsten Fragen lautet: „Warum gibt es 2026 überhaupt keine Erhöhung beim Bürgergeld?“ Die Antwort liegt in der Berechnungsgrundlage. Der Fortschreibungsmechanismus berücksichtigt die Preisentwicklung der vergangenen Jahre. Da die Inflation zuletzt stark zurückgegangen ist, erscheinen die aktuellen Regelsätze statistisch überhöht. Folglich ergibt sich für 2026 keine rechnerische Notwendigkeit einer Anpassung – eine Nullrunde ist die Konsequenz.

Während Befürworter diese Entscheidung als sachgerecht betrachten, weil die Sätze zuvor überproportional gestiegen seien, kritisieren Sozialverbände, dass die Nullrunde die Lebensrealität vieler Menschen verfehlt. Energiepreise und Lebensmittelkosten seien weiterhin hoch, und viele Bürgergeldempfänger litten schon jetzt unter finanziellen Engpässen.

Soziale Kritik an der Nullrunde

Sozialverbände wie der Paritätische Gesamtverband, der SoVD oder der VdK äußern scharfe Kritik. Sie sprechen von einem „gefährlichen Signal“ an die ärmsten Menschen im Land. Insbesondere für Familien mit Kindern oder Rentner in der Grundsicherung sei die Nullrunde problematisch. In einer Stellungnahme hieß es, die Maßnahme „verschärfe bestehende Armut, statt ihr entgegenzuwirken“.

Eine weitere häufige Nutzerfrage lautet: „Wie stark belastet die Bürgergeld-Nullrunde Rentner?“ Tatsächlich sind rund 1,2 Millionen Rentner betroffen, die entweder Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung beziehen. Da diese Leistungen an das Bürgergeld gekoppelt sind, erleben sie dieselben Auswirkungen. Sozialverbände warnen davor, dass insbesondere ältere Menschen in prekären Lebenssituationen noch stärker unter Druck geraten.

Politische Debatte und Sanktionen

Die Nullrunde ist nicht die einzige Maßnahme, die das Bundesarbeitsministerium plant. Parallel dazu kündigte Ministerin Bas schärfere Sanktionen für Bürgergeldempfänger an. Wer künftig ohne Entschuldigung Termine versäumt, muss mit Kürzungen von bis zu 30 Prozent rechnen – bislang lag die Grenze bei 10 Prozent. Wiederholte Ablehnungen von Jobangeboten können sogar zum vollständigen Leistungsentzug führen.

Diese geplante Verschärfung wird politisch kontrovers diskutiert. Vertreter konservativer Parteien begrüßen die Linie, da sie Leistungsbereitschaft stärken soll. Sozialverbände hingegen warnen, dass eine solche Sanktionspolitik Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen härter trifft und den eigentlichen Sinn des Bürgergeldes – nämlich Sicherheit in Notlagen – untergräbt.

Vergleich mit Asylbewerberleistungen

Während das Bürgergeld 2026 nicht steigt, werden die Leistungen für Asylbewerber um 14 Euro auf 455 Euro pro Monat erhöht. Der Grund: Für diese Leistungen gibt es keinen Bestandsschutz, weshalb eine Anpassung nach den üblichen Indizes möglich ist. Dieser Umstand sorgt für zusätzliche politische Brisanz, da Kritiker einen Widerspruch zwischen den Regelungen sehen. Befürworter argumentieren dagegen, dass unterschiedliche rechtliche Grundlagen gelten.

Studien und wissenschaftliche Perspektiven

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat die geplante Nullrunde untersucht und kommt zu dem Schluss, dass sie statistisch nachvollziehbar, aber sozial problematisch ist. Die IW-Studie weist auf Schwächen im aktuellen Anpassungsmechanismus hin: Preisentwicklungen werden mit Verzögerung berücksichtigt, und fehlende Inflationserwartungen spielen keine Rolle. Dadurch entstehen Über- oder Unteranpassungen, die in bestimmten Jahren zu Nullrunden führen können.

Die Autorin der Studie schlägt eine Reform vor: Anpassungen sollten nur dann greifen, wenn die Verbraucherpreise um mehr als drei Prozent steigen. Dadurch würden kurzfristige Überreaktionen vermieden und gleichzeitig die Kaufkraft der Empfänger langfristig stabilisiert.

Fragen aus der Bevölkerung – und Antworten

Viele Menschen suchen im Netz nach Antworten auf konkrete Fragen. Hier einige typische Suchanfragen, die aktuell kursieren:

  • „Wird das Bürgergeld 2026 erhöht oder bleibt es gleich?“
    Es bleibt gleich – die Regelsätze verharren auf dem Stand von 2025.
  • „Welche Stimmen kommen aus den Sozialverbänden zur Nullrunde 2026?“
    Sozialverbände kritisieren die Entscheidung massiv, warnen vor wachsender Armut und fordern eine Reform des Berechnungsmechanismus.
  • „Hat die Regierung eine Alternative zur Nullrunde vorgeschlagen?“
    Ja, diskutiert wird die Rückkehr zum Mischindex, ein Berechnungsmodell, das stärker an die Preisentwicklung gekoppelt ist und für 2026 eine moderate Erhöhung um rund 12 Euro ermöglicht hätte.

Historische Einordnung

Das Bürgergeld wurde 2023 als Nachfolger von Hartz IV eingeführt und sollte eine modernere, sozialere Grundsicherung bieten. Die ersten beiden Jahre waren von deutlichen Anhebungen geprägt, die vor allem auf die außergewöhnlich hohe Inflation zurückzuführen waren. Die Nullrunde 2026 markiert somit den ersten Zeitpunkt, an dem keine Steigerung erfolgt – ein Einschnitt, der die Reform auf die Probe stellt.

Internationaler Vergleich

Im europäischen Vergleich bewegt sich das deutsche Bürgergeld im Mittelfeld. Während die Regelsätze in skandinavischen Ländern oft höher ausfallen, liegt Deutschland über den Leistungen vieler osteuropäischer Staaten. Kritiker betonen jedoch, dass reine Zahlenvergleiche wenig aussagen, da auch Lebenshaltungskosten stark variieren.

Auswirkungen auf Betroffene

Für die Empfänger bedeutet die Nullrunde vor allem eines: weniger Spielraum im Alltag. Schon jetzt berichten viele Betroffene von Schwierigkeiten, steigende Lebensmittel- und Mietpreise zu bewältigen. Besonders Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern sehen sich mit finanziellen Engpässen konfrontiert.

Zudem sorgt die Unsicherheit über mögliche Sanktionen für zusätzlichen Druck. Wer Termine verpasst oder Jobangebote ablehnt, muss mit spürbaren Kürzungen rechnen. Kritiker sprechen von einer „Doppelbelastung“: Stagnierende Leistungen bei gleichzeitig verschärften Anforderungen.

Politische Reaktionen und Zukunftsaussichten

Während die SPD die Nullrunde als rechnerisch unausweichlich darstellt, fordern Teile der Opposition Nachbesserungen. Die Union spricht sich für eine Rückkehr zum Mischindex aus, um eine moderate Anpassung zu ermöglichen. Grüne und Linke hingegen plädieren für eine stärkere soziale Komponente, die auch Lebensrealitäten wie steigende Energie- und Mietkosten berücksichtigt.

Die Debatte dürfte sich in den kommenden Monaten weiter zuspitzen. Für den September ist die Verabschiedung der Verordnung im Bundeskabinett vorgesehen. Sollte es keinen Einspruch geben, tritt die Nullrunde zum 1. Januar 2026 automatisch in Kraft.

Die geplante Nullrunde beim Bürgergeld 2026 ist weit mehr als eine technische Anpassung im Sozialgesetzbuch. Sie steht sinnbildlich für die Spannung zwischen statistischer Berechnung und sozialer Realität. Während die Regierung betont, dass es sich um eine rechnerische Korrektur handelt, fühlen sich viele Betroffene allein gelassen. Sozialverbände warnen vor wachsender Armut, und wissenschaftliche Studien belegen Schwächen im System. Ob eine Rückkehr zum Mischindex oder ein völlig neues Anpassungsmodell nötig wird, bleibt abzuwarten – klar ist jedoch: Die Diskussion um das Bürgergeld hat gerade erst begonnen.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.