Der US-Kongress hat neue Aussagen von Bill Gates zu seinen früheren Kontakten mit Jeffrey Epstein veröffentlicht. In dem Transkript bestätigt Gates eine weitere außereheliche Beziehung und widerspricht zugleich dem Eindruck, Epstein habe diese Verbindung angebahnt. Die Unterlagen werfen damit erneut die Frage auf, wie der verurteilte Sexualstraftäter persönliche Informationen über einflussreiche Kontakte sammelte – und wofür er sie nutzte.
Washington, 24. Juni 2026 – Die neuen Aussagen aus dem Epstein-Ausschuss bringen Bill Gates erneut in eine schwierige öffentliche Lage. Der Microsoft-Mitgründer musste sich vor dem Kontrollausschuss des US-Repräsentantenhauses zu seinen früheren Begegnungen mit Jeffrey Epstein äußern. Es ging um Treffen, um private Beziehungen, um mögliche Einflussversuche – und um die Frage, weshalb Epstein offenbar über intime Details aus Gates’ Umfeld verfügte.
Im Zentrum steht ein nun öffentlich gewordenes Transkript. Darin bestätigt Bill Gates eine außereheliche Beziehung mit der Ärztin Alice Jacobs Nesselrodt. Die Verbindung habe nach seiner Darstellung bereits vor 2010 begonnen. Gates sagte zugleich, er habe Jacobs Nesselrodt nicht über Jeffrey Epstein kennengelernt, sondern bei einer Konferenz. Von einer möglichen Kommunikation zwischen ihr und Epstein habe er nichts gewusst.
Für den Ausschuss ist diese Aussage nicht nur eine private Randnotiz. Sie berührt einen Kern des Epstein-Komplexes: Wie gelang es Epstein, trotz seiner Vorstrafen weiter Zugang zu vermögenden, einflussreichen und gut vernetzten Personen zu behalten? Und sammelte er gezielt Informationen, die später als Druckmittel dienen konnten?
Neue Passage im Transkript rückt private Informationen in den Fokus
Die Befragung von Bill Gates folgte einer Spur in den Ausschussunterlagen. An einer Stelle tauchte ein geschwärzter Name auf. Ausschussmitarbeiter erklärten Gates, nach ihrer Kenntnis handele es sich dabei um Alice Jacobs, vollständig Alice Jacobs Nesselrodt. Gates bestätigte, sie zu kennen. Er beschrieb sie als Ärztin, die im Bereich Gesundheitsdienstleistungen beratend tätig sei.
Auf die Frage, ob er sie im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein kennengelernt habe, antwortete Gates mit Nein. Später wurde er mit einer Formulierung aus einem E-Mail-Kontext konfrontiert, wonach ein bestimmtes Thema zwischen zwei Personen bleiben müsse. Daraufhin erklärte Gates, es habe eine Zeit gegeben, in der er eine Affäre mit Dr. Jacobs gehabt habe. Diese Erklärung könne zu der Formulierung passen.
Die Aussage ist brisant, weil der Epstein-Ausschuss nachvollziehen will, ob Epstein persönliche Informationen über Bill Gates sammelte und ob er dieses Wissen nutzte, um Nähe oder Einfluss zu sichern. Gates trennte die Vorgänge klar voneinander: Die Affären seien seine private Verantwortung, sie hätten aber keinen Zusammenhang mit Epstein gehabt. Dennoch zeigt das Transkript, dass persönliche Details aus Gates’ Umfeld in Unterlagen auftauchten, die nun im Rahmen der Epstein-Aufarbeitung öffentlich bewertet werden.
Was Gates über die dritte Beziehung sagte
Gates sagte aus, die Beziehung mit Alice Jacobs Nesselrodt habe vor seinen Kontakten zu Jeffrey Epstein begonnen. Seine damalige Ehefrau Melinda French Gates sei bereits früher darüber informiert gewesen, noch bevor später zwei weitere Affären öffentlich oder im Ausschuss thematisiert wurden. Nach Gates’ Darstellung gab es zu dieser Beziehung keine Gespräche mit seinem damaligen wissenschaftlichen Berater Boris Nikolic.
Der Ausschuss hielt Gates vor, dass Jacobs Nesselrodt nach Unterlagen des US-Justizministeriums im Oktober 2009 per E-Mail Kontakt zu Epstein aufgenommen haben soll. Außerdem stand im Raum, sie könne an einer Einführung zwischen Epstein und Nikolic beteiligt gewesen sein. Gates erklärte, er habe davon keine Kenntnis gehabt. Aus Medienberichten kenne er eine andere Darstellung. Wer die Verbindung tatsächlich hergestellt habe, könne er nicht sagen.
Damit bleibt eine entscheidende Frage offen: Wie nah waren einzelne Personen aus Gates’ beruflichem und privatem Umfeld tatsächlich an Epstein herangerückt? Gates selbst lieferte darauf keine weiterführende Erklärung. Er beschränkte sich darauf, seine eigene Kenntnis und seine eigenen Kontakte zu schildern.
Zwei weitere Affären und der Vorwurf des Druckmittels
Neben Alice Jacobs Nesselrodt wurden in der Befragung zwei weitere Frauen thematisiert: die Bridge-Spielerin Mila Antonova und die Nuklearwissenschaftlerin Karima Nigmatulina. Bill Gates bestätigte auch mit ihnen außereheliche Beziehungen. Er stellte zugleich klar, dass er diese Kontakte nicht als von Jeffrey Epstein vermittelt ansah.
Antonova habe er bei einem Bridge-Turnier kennengelernt. Nigmatulina sei ihm über geschäftliche Aktivitäten begegnet, unter anderem im Umfeld von Krankheitsmodellierung und Nukleartechnologie. Die privaten Beziehungen, so Gates’ Linie, seien von seinen späteren Epstein-Kontakten zu unterscheiden.
Besonders der Fall Mila Antonova zeigt jedoch, weshalb der Ausschuss so genau nachfragt. Gates schilderte, Epstein habe später behauptet, Ausgaben für Antonova übernommen zu haben, und von ihm eine Erstattung verlangt. Gates sagte, er habe nicht gewusst, ob Epstein diese Kosten tatsächlich getragen habe. Er beschrieb Epstein in diesem Zusammenhang als unehrlich. Die Forderung habe auf ihn wie ein Versuch gewirkt, über eine persönliche Beziehung Druck aufzubauen oder einen erneuten Kontakt zu erzwingen.
Die drei im Ausschuss behandelten Beziehungen im Überblick
| Person | Darstellung im Transkript | Bezug zu Epstein nach Gates’ Aussage |
|---|---|---|
| Mila Antonova | Bridge-Spielerin, von Bill Gates als frühere Affäre bestätigt | Epstein soll später angebliche Ausgaben erwähnt haben |
| Karima Nigmatulina | Nuklearwissenschaftlerin, im Zusammenhang mit geschäftlichen Aktivitäten kennengelernt | Gates sagte, die Beziehung habe nichts mit Epstein zu tun gehabt |
| Alice Jacobs Nesselrodt | Ärztin und Beraterin im Gesundheitsbereich, Beziehung laut Gates vor 2010 | Gates sagte, er habe keine Kenntnis von einer Verbindung zu Epstein |
Gates räumt Fehlentscheidung bei Epstein-Kontakten ein
Bill Gates sagte vor dem Epstein-Ausschuss, er habe Jeffrey Epstein zwischen 2011 und 2014 mehrfach getroffen. Die Zahl der Begegnungen bezifferte er auf etwa zwölf bis 14 Treffen. Hinzu seien nach seiner Darstellung zwei Skype-Gespräche gekommen. Gates erklärte, er habe damals einen philanthropischen Zweck verfolgt. Epstein habe behauptet, Zugang zu vermögenden Personen zu haben, die für große Spenden im Bereich globaler Gesundheit infrage kommen könnten.
Diese Erklärung hat Gates in den vergangenen Jahren bereits öffentlich ähnlich vertreten. Im Transkript bekräftigte er nun, die Verbindung zu Epstein sei eine schwere Fehleinschätzung gewesen. Er habe das Ausmaß von Epsteins Verbrechen damals nicht vollständig verstanden. Zugleich sagte Gates, er habe bei seinen Begegnungen keine Straftaten beobachtet. Eine Beteiligung an Epsteins kriminellen Aktivitäten wies er zurück.
Der Ausschuss untersucht den staatlichen Umgang mit den Ermittlungen gegen Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell. Im Blick stehen frühere Vereinbarungen mit der Justiz, Versäumnisse bei Ermittlungen, Epsteins Tod in Haft und die Frage, wie Netzwerke entstanden, die sexuelle Ausbeutung ermöglichten oder begünstigten. Bill Gates ist in diesem Zusammenhang nicht wegen eigener Straftaten angeklagt. Seine Aussage ist für die politische Aufarbeitung dennoch relevant, weil Epstein Kontakte zu prominenten und mächtigen Personen pflegte – und diese Nähe offenbar gezielt als Teil seiner gesellschaftlichen Stellung nutzte.
Melinda French Gates hatte Epstein deutlich abgelehnt
Auch Melinda French Gates kam in der Befragung zur Sprache. Gates sagte, ihre einzige Begegnung mit Jeffrey Epstein sei ein gemeinsames Abendessen gewesen. Danach habe sie einen ausgesprochen negativen Eindruck von Epstein gehabt. Frühere öffentliche Äußerungen von Melinda French Gates passen zu dieser Darstellung: Sie hatte die Verbindung ihres damaligen Ehemanns zu Epstein deutlich kritisiert und sie als einen von mehreren Belastungsfaktoren ihrer Ehe beschrieben.
Die Ehe von Bill und Melinda French Gates wurde 2021 geschieden. Über Jahrzehnte hatten beide gemeinsam eine der einflussreichsten Stiftungen der Welt aufgebaut. Die nun veröffentlichten Aussagen verändern nichts an der Stiftungsarbeit selbst. Sie zeigen aber, wie eng Gates’ private Entscheidungen, seine später bereute Nähe zu Epstein und die öffentliche Aufarbeitung inzwischen miteinander verwoben sind.
Warum die Veröffentlichung politisch brisant ist
Die neuen Transkripte erscheinen in einer Phase, in der der Epstein-Komplex in den USA weiterhin politisch aufgeladen ist. Der Ausschuss hat neben Bill Gates auch weitere Personen aus Epsteins Umfeld befragt. Parallel stehen die Arbeit des Justizministeriums, Forderungen nach vollständiger Transparenz und der Schutz mutmaßlicher Opfer im Zentrum der Debatte.
Für Gates geht es dabei nicht allein um private Fehltritte. Seine Aussage macht sichtbar, wie Jeffrey Epstein persönliche Schwächen prominenter Kontakte erkennen und möglicherweise strategisch nutzen konnte. Gates stellte seine Treffen mit Epstein als Versuch dar, zusätzliche Mittel für philanthropische Projekte zu erschließen. Der Ausschuss interessiert sich jedoch vor allem für die Mechanismen, mit denen Epstein Nähe zu Reichen und Mächtigen herstellte, Vertrauen erzeugte und daraus Einfluss ableitete.
- Der Epstein-Ausschuss veröffentlichte das Transkript von Gates’ Befragung vom 10. Juni 2026.
- Bill Gates bestätigte eine weitere frühere Affäre mit Alice Jacobs Nesselrodt.
- Er sagte, die Beziehung habe vor seinen Kontakten zu Jeffrey Epstein begonnen.
- Gates räumte mehrere Treffen mit Epstein ein und bezeichnete sie als schwere Fehlentscheidung.
- Eine strafrechtliche Anschuldigung gegen Gates ergibt sich aus den veröffentlichten Aussagen nicht.
Ein persönliches Geständnis mit politischer Sprengkraft
Das Transkript zeigt, weshalb der Fall Jeffrey Epstein auch Jahre nach seinem Tod nicht abgeschlossen ist. Es geht nicht nur um einzelne Treffen, Namen oder private Verfehlungen. Es geht um Macht, Zugang, Abhängigkeiten und die Frage, wie ein verurteilter Sexualstraftäter weiter in Kreisen verkehren konnte, in denen Geld, Einfluss und Reputation eng miteinander verbunden sind.
Bill Gates hat persönliche Fehler eingeräumt und zugleich versucht, eine klare Grenze zu ziehen: Die Affären seien seine Verantwortung, Epsteins Wissen darüber aber kein Beleg für eine Beteiligung an dessen Verbrechen. Genau diese Grenze wird nun öffentlich geprüft. Nicht, weil das Transkript neue strafrechtliche Vorwürfe gegen Gates erhebt, sondern weil es sichtbar macht, wie wertvoll private Informationen im Umfeld Epsteins gewesen sein konnten. Für den Ausschuss bleibt deshalb eine Frage zentral: Wer wusste was, wann – und wie gelangten solche Informationen in die Hände eines Mannes, dessen Einfluss auch aus den Geheimnissen anderer bestand?













