Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat sich bei der Weltmeisterschaft in Zürich mit einem deutlichen 6:2-Erfolg gegen Ungarn im Turnier zurückgemeldet. Nach vier Spielen ohne Sieg verschaffte sich das Team von Bundestrainer Harold Kreis wieder Luft im Rennen um das Viertelfinale. Vor allem die deutlich verbesserte Chancenverwertung und der starke Auftritt von Dreifach-Torschütze Leon Gawanke geben der Mannschaft vor den entscheidenden Vorrundenspielen neue Stabilität.

Zürich, 23. Mai 2026 – Der Druck war spürbar, lange bevor der erste Puck fiel. Vier Spiele, nur ein Punkt, dazu eine empfindliche Niederlage gegen die Schweiz und zunehmende Zweifel an der Offensivkraft des Teams: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft stand bei der Weltmeisterschaft bereits früh unter Zugzwang. Gegen Außenseiter Ungarn blieb deshalb kaum Spielraum für einen weiteren Rückschlag.

Die Antwort fiel deutlich aus. Mit einem souveränen 6:2-Erfolg hat sich das deutsche Team in Zürich nicht nur den ersten Sieg des Turniers gesichert, sondern auch die Chance auf das Viertelfinale gewahrt. Über weite Strecken kontrollierte die Mannschaft die Partie, spielte strukturierter als zuletzt und nutzte ihre Möglichkeiten konsequenter. Besonders Leon Gawanke rückte dabei in den Mittelpunkt. Der Verteidiger erzielte drei Treffer und prägte den bislang klarsten deutschen Auftritt bei dieser Eishockey-Weltmeisterschaft.

Der Sieg gegen Ungarn beendet zwar nicht die schwierige Ausgangslage, verändert aber die Stimmung rund um die deutsche Mannschaft erheblich. Nach Tagen der Kritik präsentierte sich das Team erstmals stabil, zielstrebig und offensiv effizient.

Deutschland nutzt seine Überlegenheit diesmal konsequent

Die deutsche Mannschaft übernahm früh die Kontrolle über die Begegnung. Schon in den ersten Minuten war erkennbar, dass das Team mit deutlich mehr Tempo und Klarheit agierte als in den vorherigen Partien. Die Pässe kamen präziser, die Wege wirkten abgestimmter, die Abschlüsse entschlossener.

Eric Mik brachte Deutschland früh in Führung und verschaffte der Mannschaft damit die nötige Sicherheit. Anders als in den Spielen zuvor verlor das DEB-Team danach nicht den Rhythmus. Stattdessen erhöhte Deutschland kontinuierlich den Druck auf die ungarische Defensive.

Besonders auffällig war die Präsenz vor dem gegnerischen Tor. Genau dort hatte es der Mannschaft in den vergangenen Tagen häufig gefehlt. Gegen Finnland, Lettland und die Schweiz erspielte sich Deutschland zwar phasenweise gute Möglichkeiten, blieb im Abschluss jedoch zu harmlos. Gegen Ungarn änderte sich dieses Bild deutlich.

Immer wieder gelang es der deutschen Offensive, die ungarische Abwehr tief in deren Drittel zu binden. Die Angriffswellen wirkten variabler, direkter und deutlich zielstrebiger. Gleichzeitig ließ Deutschland defensiv nur wenig zu.

Leon Gawanke prägt den deutschen Auftritt

Im Mittelpunkt stand Leon Gawanke. Der Verteidiger erwischte einen Abend, an dem nahezu jede Aktion Wirkung entfaltete. Bereits sein erster Treffer gab der deutschen Mannschaft zusätzliche Ruhe. Im weiteren Verlauf der Partie legte Gawanke zwei weitere Tore nach und avancierte damit zum auffälligsten Spieler auf dem Eis.

Sein Auftritt hatte dabei weit mehr Bedeutung als nur die drei Treffer. Gawanke verlieh dem deutschen Spiel Struktur, schob immer wieder nach vorne an und setzte offensive Akzente aus der zweiten Reihe. Gerade in einem Turnier, in dem Deutschland bislang oft ideenlos wirkte, bekam das Angriffsspiel dadurch neue Dynamik.

Auch Lukas Reichel zeigte eine deutlich verbesserte Leistung. Der NHL-Stürmer suchte häufiger den direkten Abschluss, arbeitete aggressiver gegen die Scheibe und brachte mehr Tempo in die deutschen Angriffe. Samuel Dove-McFalls trug sich ebenfalls in die Torschützenliste ein.

Die deutsche Mannschaft profitierte insgesamt davon, dass mehrere Reihen sichtbar besser harmonierten als noch in den vorherigen WM-Spielen. Die Kombinationen wirkten eingespielter, die Laufwege klarer abgestimmt.

Ungarn bleibt engagiert, kann das Spiel aber nicht drehen

Ungarn trat kämpferisch auf und versuchte insbesondere im letzten Drittel, noch einmal Druck aufzubauen. Die Mannschaft nutzte einzelne Nachlässigkeiten der Deutschen und kam zu zwei Treffern. An der klaren Rollenverteilung änderte das jedoch nichts mehr.

Vor allem defensiv geriet der Außenseiter immer wieder an seine Grenzen. Deutschland erspielte sich über die gesamte Partie hinweg ein deutliches Chancenplus und kontrollierte das Tempo der Begegnung nahezu durchgehend.

Mehrfach musste der Videobeweis eingreifen. Ein ungarischer Treffer wurde nach Überprüfung aberkannt, ein anderer dagegen bestätigt. Der Spielfluss wurde dadurch zwar kurzzeitig unterbrochen, das Kräfteverhältnis auf dem Eis blieb jedoch unverändert.

Ungarns Torhüter Bence Balizs verhinderte mit mehreren starken Paraden sogar eine höhere Niederlage. Ohne seine Reaktionen wäre das Ergebnis für den Außenseiter noch deutlicher ausgefallen.

Der schwierige Turnierstart wirkt weiter nach

Trotz des klaren Erfolgs bleibt die Ausgangslage für Deutschland angespannt. Die ersten Tage dieser Eishockey-Weltmeisterschaft haben tiefe Spuren hinterlassen. Vor allem die deutliche Niederlage gegen die Schweiz sorgte intern wie extern für erhebliche Unruhe.

Beim 1:6 gegen den Nachbarn brach die deutsche Mannschaft phasenweise komplett auseinander. Nach einem zunächst ausgeglichenen Beginn verlor das Team zunehmend die Ordnung, leistete sich schwere Fehler im Aufbau und kassierte mehrere Gegentreffer innerhalb kurzer Zeit.

Auch gegen Lettland fehlte Deutschland die Durchschlagskraft. Trotz längerer Druckphasen blieb die Offensive ohne Treffer. Die 0:2-Niederlage verschärfte die Situation zusätzlich.

Gegen die USA zeigte sich das DEB-Team anschließend zwar verbessert und verlor erst im Penaltyschießen mit 3:4, doch die Mannschaft stand vor dem Spiel gegen Ungarn bereits massiv unter Druck. Ein weiterer Punktverlust hätte die Chancen auf das Viertelfinale deutlich reduziert.

Harold Kreis fordert mehr Konstanz

Bundestrainer Harold Kreis hatte in den Tagen vor dem Ungarn-Spiel vor allem die fehlende Konsequenz seiner Mannschaft kritisiert. Immer wieder sprach er die mangelnde Chancenverwertung an und forderte mehr Präsenz in den entscheidenden Zonen vor dem Tor.

Genau diese Aspekte funktionierten nun deutlich besser. Deutschland spielte gradliniger, suchte häufiger den direkten Weg zum Abschluss und agierte insgesamt mit mehr Klarheit.

Dennoch dürfte auch Kreis wissen, dass ein überzeugender Sieg gegen Ungarn allein nicht ausreicht, um die bisherigen Probleme vollständig auszublenden. Gegen stärkere Gegner werden defensive Konzentration, Umschaltspiel und Effizienz weiterhin entscheidend sein.

Vor allem in der Rückwärtsbewegung offenbarten sich im bisherigen Turnierverlauf immer wieder Abstimmungsprobleme. Gegen Ungarn fiel das weniger ins Gewicht, weil Deutschland über weite Strecken die Kontrolle behielt. Gegen offensiv stärkere Teams dürfte jede Unsicherheit deutlich härter bestraft werden.

Das Rennen um das Viertelfinale bleibt offen

Mit dem Sieg gegen Ungarn hat sich Deutschland zumindest wieder in Schlagdistanz zu den Viertelfinalplätzen gebracht. Die verbleibenden Vorrundenspiele gewinnen dadurch zusätzlich an Bedeutung.

Insbesondere das direkte Duell mit Österreich dürfte nun entscheidend werden. Die Konkurrenz in der Gruppe liegt eng beieinander, jeder Punkt kann am Ende ausschlaggebend sein.

Der Spielplan spielte Deutschland zu Beginn des Turniers allerdings nur begrenzt in die Karten. Mit Finnland, der Schweiz und den USA traf das DEB-Team früh auf mehrere hochklassige Gegner. Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass Deutschland gegen Topmannschaften phasenweise durchaus mithalten kann.

Gerade gegen die USA präsentierte sich die Mannschaft über weite Strecken auf Augenhöhe. Das Penaltyschießen entschied letztlich zugunsten der Amerikaner. Diese Leistung nährte bereits die Hoffnung, dass die deutsche Mannschaft im Verlauf des Turniers noch zulegen könnte.

Mehr Ruhe, mehr Klarheit, mehr Präsenz

Der Unterschied zum bisherigen Turnierverlauf lag gegen Ungarn weniger im spielerischen Ansatz als vielmehr in der Konsequenz. Deutschland wirkte entschlossener, strukturierter und mental stabiler.

Nach den schwierigen Tagen zuvor war genau das notwendig. Die Diskussionen über fehlende Durchschlagskraft, defensive Fehler und mangelnde Stabilität hatten spürbar zugenommen. Der klare Sieg dürfte diese Debatten zumindest vorübergehend beruhigen.

Gleichzeitig zeigte die Partie, welches Potenzial in dieser deutschen Mannschaft grundsätzlich vorhanden ist. Sobald das Team konsequent spielt, den Gegner früh unter Druck setzt und seine Chancen nutzt, entsteht ein deutlich anderes Bild als noch zu Beginn der Eishockey-Weltmeisterschaft.

Ob daraus tatsächlich eine nachhaltige Trendwende entsteht, werden allerdings erst die kommenden Tage zeigen. Die Anforderungen steigen nun erneut, ebenso der Druck.

Die deutsche Mannschaft hat sich zurückgemeldet

Der Sieg gegen Ungarn war mehr als nur ein Pflichtsieg gegen einen Außenseiter. Für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bedeutete er zunächst vor allem eine dringend benötigte Stabilisierung in einem bislang komplizierten Turnier.

Nach dem schwachen Start zeigte das Team erstmals über längere Phasen die Qualität, die ihm vor der Eishockey-Weltmeisterschaft zugetraut worden war. Die Offensive agierte variabler, die Defensive kontrollierter, das gesamte Auftreten geschlossener.

Vor allem aber gelang Deutschland etwas, das in den Spielen zuvor oft fehlte: Ruhe in den entscheidenden Momenten. Genau diese Ruhe könnte in den kommenden Partien entscheidend werden.

Denn trotz des deutlichen Erfolgs bleibt die Lage offen. Das Viertelfinale ist wieder erreichbar, gesichert ist allerdings noch nichts. Die deutsche Mannschaft hat sich in Zürich zurückgemeldet – mehr jedoch zunächst auch nicht.