
Erfurt, 28. Januar 2026 – Staub liegt in der Luft an heißen Tagen, Asphalt flimmert, Regen sammelt sich in Minuten zu Pfützen und verschwindet ebenso schnell in der Kanalisation. Thüringen spürt die Folgen eines Klimas, das aus dem Takt geraten ist. Zwischen Hitzeperioden und Starkregen wächst der Druck, Städte und Gemeinden widerstandsfähiger zu machen. Mit dem Projekt Schwammstadt Thüringen setzt der Freistaat auf einen grundlegenden Kurswechsel: Versiegelte Flächen sollen aufgebrochen, Böden reaktiviert und Wasser wieder dort gehalten werden, wo es fällt.
Ein politischer Schritt mit langfristiger Wirkung
Mit dem Projekt Schwammstadt Thüringen schlägt die Landesregierung ein neues Kapitel in der Umwelt- und Stadtentwicklungspolitik auf. Kern des Vorhabens ist ein Entsiegelungsfonds mit einem Volumen von rund zehn Millionen Euro, der gezielt dafür eingesetzt werden soll, versiegelte Flächen zurückzubauen und ökologisch aufzuwerten. Die Mittel sind Teil des 100-Tage-Programms der Regierung und gehen auf Gelder zurück, die aus einem Rechtsstreit um das ehemalige Teerverarbeitungswerk Rositz-Schellditz stammen und künftig treuhänderisch verwaltet werden.
Im Fokus stehen zunächst Flächen in öffentlicher Hand: alte Parkplätze, brachliegende Gewerbeflächen oder versiegelte Areale ohne aktuelle Nutzung. Orte, die bislang kaum mehr waren als funktionale Restflächen, sollen wieder zu Böden werden, die Wasser aufnehmen, speichern und langsam an die Umgebung abgeben können. Damit verbindet das Projekt Schwammstadt Thüringen ökologische Ziele mit einer strategischen Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen.
Die politische Stoßrichtung ist eindeutig. Versiegelung gilt zunehmend als Risiko, nicht als Fortschritt. Asphalt und Beton beschleunigen den Wasserabfluss, heizen Städte auf und entziehen Böden ihre natürlichen Funktionen. Die Entsiegelung soll diese Entwicklung umkehren – nicht punktuell, sondern systematisch.
Schwammstadt Thüringen als Leitbild moderner Stadtentwicklung
Das Projekt Schwammstadt Thüringen orientiert sich an einem Konzept, das in der Fachwelt seit Jahren an Bedeutung gewinnt. Die Schwammstadt steht für einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Wasser in Siedlungsräumen. Anstelle einer schnellen Ableitung von Regenwasser tritt das Prinzip des Rückhalts: Wasser soll gespeichert, versickert oder verdunstet werden – und damit Teil eines natürlichen Kreislaufs bleiben.
Dieser Ansatz reagiert auf zwei zentrale Herausforderungen zugleich. Einerseits nehmen Starkregenereignisse zu, die Kanalisationen überfordern und zu Überflutungen führen können. Andererseits leiden viele Regionen unter längeren Trockenphasen, in denen Böden austrocknen und Vegetation geschädigt wird. Die Schwammstadt verbindet beide Probleme zu einer gemeinsamen Lösung.
Typische Maßnahmen, die im Rahmen des Projekts Schwammstadt Thüringen eine Rolle spielen, sind:
- die Entsiegelung asphaltierter oder betonierter Flächen,
- der Einsatz wasserdurchlässiger Beläge,
- die Anlage von Grünflächen, Mulden und Versickerungsbereichen,
- die Rückhaltung von Regenwasser direkt vor Ort.
Diese Elemente greifen ineinander. Sie entlasten die Kanalisation, verbessern das Mikroklima und tragen dazu bei, Grundwasserreserven zu stabilisieren. Gleichzeitig verändern sie das Erscheinungsbild von Städten und Gemeinden – weg von rein funktionalen Flächen, hin zu lebendigen, klimaangepassten Räumen.
Warum Entsiegelung im Zentrum steht
Im Zentrum des Projekts Schwammstadt Thüringen steht die Entsiegelung. Kaum eine Maßnahme entfaltet so unmittelbare Wirkung auf Boden, Wasserhaushalt und Klima. Versiegelte Flächen lassen kein Wasser durch, verhindern Verdunstung und speichern Hitze. Entsiegelte Böden hingegen können Regen aufnehmen, ihn verzögert abgeben und durch Verdunstung zur Kühlung beitragen.
Die ökologischen Effekte sind vielfältig. Entsiegelung kann die Biodiversität fördern, indem sie Lebensräume für Pflanzen und Kleinstlebewesen schafft. Sie verbessert die Bodenqualität und erhöht die Widerstandsfähigkeit von Städten gegenüber Extremwetterereignissen. Studien zeigen, dass selbst kleinere entsiegelte Flächen messbare Effekte auf das lokale Klima haben können.
Für Thüringen ist dies von besonderer Bedeutung. Viele Städte und Gemeinden sind historisch dicht bebaut, Grünflächen sind begrenzt. Jede zurückgewonnene Fläche zählt – nicht nur ökologisch, sondern auch städtebaulich.
Zwischen Landespolitik und kommunaler Praxis
Damit das Projekt Schwammstadt Thüringen Wirkung entfalten kann, ist die Zusammenarbeit mit den Kommunen entscheidend. Städte und Gemeinden tragen die Verantwortung für konkrete Planung und Umsetzung. Der Entsiegelungsfonds soll ihnen den finanziellen Spielraum eröffnen, Projekte anzustoßen, die bislang an knappen Haushalten gescheitert wären.
Zugleich betonen Landesvertreter, dass Entsiegelung nicht isoliert gedacht werden darf. Sie muss Teil integrierter Planungsprozesse sein, die Verkehr, Wohnen, Gewerbe und Grünflächen zusammendenken. Das erfordert neue Prioritäten – und mitunter auch politische Aushandlungsprozesse vor Ort.
Perspektivisch könnte das Projekt Schwammstadt Thüringen auch private Akteure einbeziehen. Denkbar sind Anreize für Hauseigentümer oder Unternehmen, versiegelte Flächen auf ihren Grundstücken zurückzubauen. Noch steht dieser Schritt nicht im Zentrum, doch er gilt als logische Weiterentwicklung des Ansatzes.
Zwischen Anpassung und Aufwertung
Das Projekt Schwammstadt Thüringen ist mehr als ein Umweltprogramm. Es ist ein Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel – und zugleich ein Instrument zur Aufwertung öffentlicher Räume. Entsiegelte Flächen können Aufenthaltsqualität schaffen, Stadtbilder verändern und soziale Begegnungsräume ermöglichen.
Gleichzeitig stehen die Verantwortlichen vor Herausforderungen. Entsiegelung kostet Geld, Planung und Zeit. Flächen, die heute als Parkplätze oder Verkehrsraum genutzt werden, erfüllen Funktionen, die nicht ohne Weiteres ersetzt werden können. Der Umbau verlangt daher sorgfältige Abwägungen und transparente Entscheidungsprozesse.
Doch der Druck wächst. Hitzeperioden, Starkregen und Trockenheit machen sichtbar, dass bisherige Planungslogiken an ihre Grenzen stoßen. Die Schwammstadt Thüringen setzt genau hier an: Sie verbindet kurzfristige Schutzmaßnahmen mit langfristiger Resilienz.
Leise Entsieglung mit großer Tragweite
Der Umbau zur Schwammstadt vollzieht sich nicht spektakulär. Keine Großprojekte, keine ikonischen Bauwerke stehen im Mittelpunkt. Stattdessen sind es viele kleine Eingriffe: aufgebrochener Asphalt, neu gestaltete Grünstreifen, Böden, die wieder atmen können. Gerade darin liegt die Stärke des Konzepts.
Indem Wasser zurückgehalten und Böden reaktiviert werden, entsteht ein System, das mit klimatischen Extremen besser umgehen kann. Für Thüringen bedeutet das, Städte und Gemeinden Schritt für Schritt robuster zu machen – ohne ihre Identität zu verlieren.
Das Projekt Schwammstadt Thüringen sendet damit ein Signal über die Landesgrenzen hinaus. Es zeigt, dass Klimaanpassung nicht nur in großen Strategien gedacht werden muss, sondern im konkreten Umgang mit Flächen, Wasser und Boden beginnt.
Wie erfolgreich das Projekt Schwammstadt Thüringen sein wird, hängt von seiner konsequenten Umsetzung ab. Der Entsiegelungsfonds ist ein Anfang, kein Endpunkt. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, das Leitbild der Schwammstadt dauerhaft in Planung, Bau und Verwaltung zu verankern.
Fest steht: Der Umgang mit Wasser wird zu einer zentralen Frage der Stadtentwicklung. Thüringen hat sich entschieden, diese Frage aktiv zu beantworten – mit weniger Beton, mehr Boden und einem neuen Verständnis von Natur im urbanen Raum. Es ist ein leiser, aber weitreichender Umbau, dessen Wirkung sich erst über Jahre entfalten wird.



