
Maulbronn. Eine der größten Pferdekliniken Europas verlässt ihren langjährigen Standort in Bretten und verlegt ihren Betrieb nach Maulbronn. Was zunächst wie eine einfache Standortverlagerung erscheint, ist in Wirklichkeit ein bedeutendes regionales Ereignis mit wirtschaftlichen, infrastrukturellen und politischen Auswirkungen. Hinter dem Umzug stehen strategische Entscheidungen, kommunale Entwicklungen und der Blick auf eine moderne tiermedizinische Zukunft.
Die Pferdeklinik Salzhofen: Ein Schwergewicht in der Pferdemedizin
Die Pferdeklinik Salzhofen gehört zu den größten ihrer Art in Europa. Gegründet im Jahr 1987, hat sie sich innerhalb von fast vier Jahrzehnten einen exzellenten Ruf in der Tiermedizin erarbeitet. Mit einem Team von rund 100 Mitarbeitenden, darunter etwa 30 spezialisierte Tierärztinnen und Tierärzte, betreut die Klinik jährlich tausende tierische Patienten. Pro Woche werden rund 1.000 Fälle behandelt, und jährlich erfolgen rund 700 Operationen – darunter orthopädische Eingriffe, Kolik-Operationen oder rekonstruktive Chirurgie.
Besonders hervorzuheben ist die technische Ausstattung der Klinik: Neben klassischen bildgebenden Verfahren steht seit 2024 ein modernes MRT zur Verfügung, das eine schonende Diagnostik ermöglicht. Zudem wurde die Klinik in das ECVS-Residency-Programm aufgenommen – ein Qualitätssiegel für chirurgische Weiterbildung in der Tiermedizin. Dies macht Salzhofen zu einem der wenigen privaten Zentren Europas, die diese Auszeichnung tragen.
Warum zieht die Pferdeklinik Salzhofen von Bretten nach Maulbronn um?
Diese Frage beschäftigt nicht nur die lokale Bevölkerung, sondern auch viele Pferdebesitzer in ganz Süddeutschland. Die Antwort liegt im Kern der Standortlogik: Der bisherige Standort in Bretten war schlichtweg zu klein geworden. Die Klinik platzte „aus allen Nähten“, wie es ein Sprecher des Klinikpersonals formulierte. Wachsende Fallzahlen, steigende Ansprüche an Technik und Infrastruktur sowie ein gestiegener Platzbedarf für Notfallversorgung und Rehabilitation machten eine Expansion am bisherigen Ort unmöglich.
„Wir haben viele Jahre versucht, innerhalb Brettens zu wachsen, aber es fehlte an geeigneten Flächen“, heißt es von Seiten der Klinikleitung. Die Entscheidung zum Umzug fiel nach langer Suche – und Maulbronn bot schließlich das passende Gelände.
Das neue Zuhause: Mahdwiesenhof in Maulbronn
Der neue Standort ist nicht nur ein symbolischer Neuanfang, sondern eine konkrete strategische Weiterentwicklung. Der Mahdwiesenhof liegt nördlich des Tiefen Sees und bietet ausreichend Fläche für einen modernen Klinikcampus. Das Areal umfasst mehrere Hektar und erlaubt den Bau zusätzlicher OP-Säle, Reha-Bereiche, Quarantäne-Stationen sowie Stallungen nach neuesten veterinärmedizinischen Standards.
Der Maulbronner Gemeinderat hat den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Pferdeklinik Maulbronn“ am 4. Juni 2025 einstimmig verabschiedet. Damit ist der rechtliche Weg für den Neubau geebnet. Bürgermeister Aaron Treut bezeichnete die Ansiedlung als „einen Meilenstein für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt“.
Welche Vorteile bringt Maulbronn dem Umzug der Pferdeklinik?
- Mehr Fläche für Ausbau und moderne Infrastruktur
- Bessere verkehrstechnische Anbindung für Kundschaft aus Südwestdeutschland
- Wirtschaftlicher Gewinn durch Steuerabgaben
- Neue Arbeitsplätze im medizinischen, technischen und verwaltungstechnischen Bereich
Reaktionen aus Bretten: Kritik und verpasste Chancen
Während man in Maulbronn den wirtschaftlichen und medizinischen Zugewinn begrüßt, überwiegt in Bretten die Enttäuschung. Viele Bürgerinnen und Bürger zeigen Unverständnis darüber, warum es der Stadt nicht gelungen ist, die renommierte Klinik zu halten. In Leserbriefen und Social-Media-Kommentaren ist von einem „hausgemachten Exodus“ die Rede. Es habe an langfristiger Flächenplanung, Flexibilität und Standortförderung gefehlt.
„Bretten verliert mit Salzhofen nicht nur einen Großbetrieb, sondern auch ein Aushängeschild für Tiermedizin“, schrieb eine Bürgerin auf Facebook. Der Imageschaden sei kaum bezifferbar, ebenso wie die entgangenen Gewerbesteuereinnahmen.
Gab es Kritik oder negative Reaktionen zum Wegzug der Klinik aus Bretten?
Ja. Vor allem seitens lokaler Kommentatoren wird die Stadtpolitik kritisiert. Es sei versäumt worden, frühzeitig auf die Expansionsbedürfnisse der Klinik einzugehen. Auch in wirtschaftlicher Hinsicht gilt der Umzug als Rückschlag für die Stadt Bretten, die über Jahrzehnte von der nationalen und internationalen Bekanntheit der Klinik profitiert hatte.
Ein Gesundheitszentrum der Zukunft
Der neue Standort ist nicht einfach nur eine „Kopie“ des bisherigen Betriebs, sondern ein zukunftsorientiertes Projekt: Die Klinik will in Maulbronn ein vollwertiges Tiergesundheitszentrum etablieren. Neben klassischen OP- und Notfallbereichen sind Reha-Zentren, ein eigener Bereich für Pferdephysiotherapie sowie Seminar- und Schulungsräume geplant.
„Unsere Vision ist ein Ort, an dem medizinische Versorgung, Weiterbildung und Forschung ineinandergreifen“, sagte ein Kliniksprecher. Bereits jetzt bietet Salzhofen regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse für Pferdehalter an und plant, dieses Angebot auszubauen.
Wie viele Operationen führt die Pferdeklinik Salzhofen pro Jahr durch?
Aktuell sind es etwa 700 Operationen jährlich – Tendenz steigend. Durch die Verlagerung nach Maulbronn erwartet die Klinik eine Kapazitätssteigerung, sowohl in der chirurgischen Versorgung als auch in der stationären Betreuung. Vor allem in der orthopädischen Chirurgie sowie bei Notfällen will man die Zahl der Fälle deutlich erhöhen.
Ökonomischer Schub für Maulbronn
Mit dem Einzug der Pferdeklinik positioniert sich Maulbronn nicht nur als Gesundheitsstandort, sondern profitiert auch wirtschaftlich. Bereits vor Baubeginn ist absehbar, dass die Klinik zu einem der größten Gewerbesteuerzahler der Kommune wird. Neue Arbeitsplätze entstehen – nicht nur im medizinischen Bereich, sondern auch in Verwaltung, Logistik und Gebäudemanagement.
Wird die Pferdeklinik in Maulbronn wirtschaftlich relevant für die Gemeinde?
Unbedingt. Bürgermeister Aaron Treut betont, dass die Stadt mit der Ansiedlung der Klinik sowohl steuerlich als auch strukturell gestärkt wird. Auch regionale Dienstleister – etwa im Baugewerbe oder in der Tierfutterlogistik – dürften vom neuen Standort profitieren.
Die menschliche Seite: Mitarbeitende und Patient:innen
Bei allem Fokus auf Technik und Infrastruktur bleibt eines zentral: die Menschen und Tiere, die tagtäglich mit der Klinik zu tun haben. Das 100-köpfige Team blickt laut Social-Media-Berichten mit Vorfreude auf den Umzug. Neue Arbeitsbereiche, moderne Technik und ein großzügigerer Arbeitsraum bedeuten nicht nur Effizienz, sondern auch bessere Arbeitsbedingungen.
Wie viele Mitarbeitende hat die Pferdeklinik Salzhofen?
Die Klinik beschäftigt derzeit rund 100 Mitarbeitende, darunter etwa 30 Tierärzt:innen. Viele davon sind in spezialisierten Fachrichtungen wie Orthopädie, Reproduktionsmedizin oder innerer Medizin tätig. Auch für junge Tierärzt:innen bietet Salzhofen ein breites Weiterbildungsangebot – darunter das renommierte ECVS-Residency-Programm in Pferdechirurgie.
Ein Klinikprojekt mit Perspektive
Die Entscheidung für den Umzug war wohlüberlegt und zeigt beispielhaft, wie moderne Tiermedizin, wirtschaftliches Denken und kommunale Entwicklung ineinandergreifen können. Für Maulbronn ist die Klinikansiedlung ein Glücksfall – für Bretten ein bitterer Verlust. Doch aus Sicht der Klinik ist es ein notwendiger Schritt in eine neue Ära.
Was bleibt, ist ein starkes Zeichen für die Zukunftsfähigkeit tiermedizinischer Versorgung in Deutschland. Wenn die Bauarbeiten planmäßig voranschreiten, könnten die ersten Patienten bereits 2026 am neuen Standort behandelt werden. Bis dahin bleibt die Klinik in Bretten weiterhin im Betrieb.
Ein Zitat von Bürgermeister Treut bringt die Situation auf den Punkt: „Diese Klinik ist mehr als nur ein Wirtschaftsstandort – sie ist ein Ort, an dem Tierwohl, Forschung und Innovation zusammenfinden.“
Mit dem geplanten Tiergesundheitszentrum entsteht in Maulbronn ein Ort, der nicht nur medizinische Versorgung bietet, sondern auch Wissen schafft und neue Maßstäbe für die Zukunft setzt.