Bretten-Diedelsheim – Ab dem 4. August 2025 wird es ernst: Die stark frequentierte Bundesstraße B 35 wird für mehrere Wochen komplett gesperrt. Grund dafür ist der Ersatzneubau der maroden Brücke über die Bahnstrecke, ein Projekt mit weitreichenden Auswirkungen auf die Region.
Betroffen sind nicht nur Autofahrer, sondern auch der öffentliche Nahverkehr, Radfahrer sowie zahlreiche Anwohner. Die Maßnahme bringt zwar langfristige Verbesserungen, doch die Herausforderungen während der Bauzeit sind immens.
Ein Großprojekt mit langer Vorgeschichte
Bereits seit September 2024 laufen in Bretten-Diedelsheim vorbereitende Maßnahmen für den Ersatzneubau der Brücke über die Bahnstrecke. Die bestehende Brücke ist in die Jahre gekommen und gilt laut Fachgutachten als dringend erneuerungsbedürftig. Die Schäden an der Tragstruktur und die unzureichende Durchfahrtshöhe für die Deutsche Bahn machten eine Sanierung unmöglich – ein vollständiger Abriss und Neubau ist erforderlich.Der Ersatzneubau ist technisch aufwendig und wurde bereits in Seitenlage vorgefertigt, um Eingriffe in den laufenden Straßenverkehr so gering wie möglich zu halten. Nun steht die entscheidende Bauphase bevor: der Abriss der alten Brücke und das Einheben der neuen Konstruktion.
Zeitraum und Verkehrsmaßnahmen
Die Vollsperrung beginnt am 4. August 2025 und soll voraussichtlich bis zum 20. Oktober 2025 andauern. In dieser Zeit wird die Brücke vollständig ersetzt, parallel erfolgt eine umfassende Erneuerung der Fahrbahndecke sowie Anpassungen an den angrenzenden Straßenverläufen.Die Umleitungsstrecken im Überblick
Zur Umfahrung der Baustelle wurden mehrere Umleitungsrouten festgelegt, die bereits im Vorfeld ausgeschildert werden:- Von Norden kommend: Über die B 3, B 10 und L 611 in Richtung Maulbronn und zurück zur B 35
- Von Süden: Via L 571, L 611 auf die B 35 bei Rinklingen
- Innerörtliche Umleitungen für Anlieger über Weißhoferstraße und Georg-Wörner-Straße
Ein massives Verkehrsaufkommen
Rund 26 000 Fahrzeuge, darunter mehr als 2 000 Lkw, nutzen täglich die B 35 im Bereich Diedelsheim. Die Sperrung wird daher spürbare Auswirkungen auf die gesamte Region haben – nicht nur für den Individualverkehr, sondern auch für den Wirtschaftsverkehr.Besonders kritisch sehen die Ortsvorsteher in Diedelsheim und Rinklingen die potenziellen Ausweichrouten durch Wohngebiete und über Feldwege. Martin Kern, Ortsvorsteher von Diedelsheim, warnt: „Es droht Chaos pur. Unsere Ortsstraßen sind für diese Mengen nicht gemacht.“ Auch Timo Hagino aus Rinklingen berichtet von ersten Beobachtungen: „Einige nutzen schon jetzt Schleichwege über unbefestigte Feldwege – das wird ein Problem.“
Technische Hintergründe des Neubaus
Die neue Brücke wird rund 1,20 Meter höher als die alte – ein notwendiger Schritt, um den erhöhten Sicherheitsanforderungen der Bahn gerecht zu werden. Der Neubau erfolgt in einer sogenannten „Seitenlage“, sodass der Bahnbetrieb bis zum Einheben des neuen Überbaus weitgehend unbeeinträchtigt bleibt.Die Koordination mit der Deutschen Bahn ist essenziell: Arbeiten, die über der Bahnlinie stattfinden, wurden genau auf Sperrfenster abgestimmt, die meist nachts oder an Wochenenden liegen. Nur so kann der Fahrbetrieb aufrechterhalten werden.
Materialbedarf und Baukosten
| Baumaterial | Menge |
|---|---|
| Stahl | 500 Tonnen |
| Beton | 2 500 m³ |
| Asphalt | 11 000 m² |
| Aushub | 30 000 Tonnen |
Betroffene Verkehrsteilnehmer
Öffentlicher Nahverkehr
Auch Buslinien sind von der Sperrung betroffen. Ersatzrouten werden derzeit erarbeitet, um Anschlussmöglichkeiten zwischen den Ortsteilen sowie zum Bahnhof Bretten zu gewährleisten. Haltestellen werden teilweise verlegt, in Einzelfällen fallen Verbindungen aus.Radverkehr
Für Radfahrer ist die Sperrung eine besondere Herausforderung. Viele nutzen die B 35 als direkte Verbindung, alternative Routen führen über Wirtschaftswege mit eingeschränkter Beleuchtung und unzureichender Ausschilderung. Schon während früherer Sperrungen kam es zu Beschwerden über schlecht zugängliche Umleitungen.Informationspolitik und Kommunikation
Die Stadt Bretten setzt auf eine mehrgleisige Kommunikation: Neben Pressemitteilungen informiert sie via Instagram und auf ihrer Website. Besonders Hinweise zu Halteverboten und temporären Sperrungen, etwa in der Robert-Bosch-Straße, wurden über soziale Medien verbreitet. Dort wird regelmäßig über Baufortschritte und Änderungen im Verkehrsfluss informiert.Die Robert-Bosch-Straße wird im Zeitraum vom 28. Juli bis 12. August 2025 ebenfalls komplett gesperrt. Anlieferungen für Fertigteile sowie Montagegeräte machen den Abschnitt unpassierbar. Nur ÖPNV und Anlieger dürfen diesen Bereich in Ausnahmefällen nutzen.
Langfristiger Nutzen trotz kurzfristiger Belastung
Auch wenn die Maßnahme für viele eine Belastung darstellt, wird sie langfristig die Sicherheit und Effizienz der Verkehrsanbindung verbessern. Die neue Brücke wird breiter, belastbarer und auf Jahrzehnte hin stabiler sein. Zudem entsteht durch die höhere Durchfahrt ein sicherer und zukunftstauglicher Übergang für den Schienenverkehr.Langfristige Verkehrsprojekte wie die geplante B 294-Umfahrung Bretten könnten die neue Brücke zusätzlich entlasten und das innerstädtische Verkehrsaufkommen nachhaltig senken. Die Brücke ist somit nicht nur ein Ersatz, sondern Teil einer umfassenden Modernisierungsstrategie für die Region.


















