
Berlin, 6. Februar 2026 – Eis liegt auf den Seen, Raureif überzieht die Uferzonen, und in den Parks der Hauptstadt herrscht eine trügerische Stille. Zwischen zugefrorenen Wasserflächen und verschneiten Wiesen häufen sich die Funde verendeter Wildvögel. Der Winter zeigt sich von seiner härtesten Seite – und treibt eine bekannte Tierseuche in eine neue Eskalationsstufe.
Die Geflügelpest in Berlin hat sich in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Nach Angaben der zuständigen Landesbehörden wurden im gesamten Stadtgebiet zahlreiche infizierte Wildvögel nachgewiesen. Besonders betroffen sind Wasservögel, vor allem Schwäne, aber auch Möwen, Reiher und Greifvögel. Der außergewöhnlich strenge Winter wirkt dabei wie ein Brandbeschleuniger: Gefrorene Gewässer zwingen die Tiere auf wenige eisfreie Flächen – ideale Bedingungen für die Ausbreitung des hochpathogenen Vogelgrippevirus H5N1.
Was sich derzeit in Berliner Parks, an Seen und entlang der Spree abspielt, ist kein lokales Randphänomen. Vielmehr reiht sich die Hauptstadt in eine bundesweit angespannte Lage ein, die Tierseuchenexperten seit Monaten beschäftigt. Doch die urbane Dichte, die Nähe zwischen Mensch, Hausgeflügel und Wildtierpopulationen sowie die Witterungslage verleihen der Situation in Berlin eine besondere Brisanz.
Infektionsgeschehen in Berlin: Ein Winter mit Folgen
Seit Beginn der kalten Jahreszeit melden die Berliner Veterinärämter eine steigende Zahl bestätigter Fälle der Aviären Influenza bei Wildvögeln. Allein im Stadtgebiet wurden mehr als vier Dutzend infizierte Tiere registriert. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, da nicht jedes verendete Tier entdeckt oder untersucht wird. Auffällig ist die Häufung von Fällen bei Schwänen, die aufgrund ihres Verhaltens und ihrer Aufenthaltsorte besonders anfällig für Infektionen sind.
Der aktuelle Winter spielt dabei eine zentrale Rolle. Über Wochen anhaltender Frost hat zahlreiche Seen und Teiche vollständig zufrieren lassen. Für Wasservögel bedeutet das: Rückzug auf wenige offene Wasserstellen, häufig in unmittelbarer Nähe zueinander. Wo sich sonst Tiere verteilen, drängen sie nun auf engem Raum zusammen – und erhöhen so den Infektionsdruck erheblich.
Ballungsräume der Ansteckung
An diesen verbliebenen offenen Wasserflächen entsteht ein epidemiologischer Brennpunkt. Kot, Atemluft, direkter Körperkontakt – das Virus findet ideale Bedingungen, um von Vogel zu Vogel zu springen. Die Geflügelpest in Berlin zeigt hier ein Muster, das Fachleute aus früheren Wintern kennen, das sich in dieser Intensität jedoch selten beobachten ließ.
Hinzu kommt die Rolle von Aasfressern. Greifvögel und Möwen infizieren sich häufig, indem sie bereits verendete Tiere fressen. Dadurch wird das Virus in andere Stadtteile weitergetragen. Die Dynamik der Ausbreitung ist komplex, schwer vorhersehbar und eng mit dem Verhalten der Wildvögel verknüpft.
Geflügelpest: Ein Virus mit hoher Aggressivität
Die Geflügelpest, auch als Aviäre Influenza bezeichnet, ist eine Virusinfektion, die vor allem Vögel betrifft. Der aktuell in Berlin nachgewiesene Subtyp H5N1 gilt als hochpathogen. Infizierte Tiere zeigen oft schwere Symptome, darunter Apathie, Koordinationsstörungen und Atemprobleme. Nicht selten endet die Erkrankung tödlich – oft innerhalb weniger Tage.
Wildvögel, insbesondere Wasservögel, fungieren als natürliche Wirte des Virus. Sie können das Virus über große Distanzen verbreiten, insbesondere während der Zugzeiten. In den vergangenen Jahren hat sich H5N1 in Europa fest etabliert, mit wiederkehrenden Ausbrüchen in unterschiedlichen Regionen. Die aktuelle Lage in Berlin ist Teil dieser Entwicklung, verstärkt durch die außergewöhnlichen Wetterbedingungen.
Übertragungswege und Risikofaktoren
Die Übertragung des Virus erfolgt hauptsächlich durch direkten Kontakt zwischen Vögeln, über kontaminierte Oberflächen oder durch Ausscheidungen. Wasser spielt dabei eine zentrale Rolle: In Teichen und Seen kann das Virus über längere Zeit infektiös bleiben, insbesondere bei niedrigen Temperaturen. Der Winter konserviert den Erreger gewissermaßen und verlängert seine Überlebensfähigkeit in der Umwelt.
Für Hausgeflügel stellt die Geflügelpest in Berlin ein erhebliches Risiko dar. Gelangt das Virus in einen Bestand, kann es sich rasch ausbreiten und massive wirtschaftliche Schäden verursachen. Aus diesem Grund gelten für Geflügelhalter strenge Biosicherheitsmaßnahmen, insbesondere in Zeiten erhöhten Infektionsdrucks.
Behördliche Maßnahmen und Appelle an die Bevölkerung
Angesichts der angespannten Lage haben die Berliner Behörden ihre Überwachungs- und Schutzmaßnahmen intensiviert. Fundmeldungen toter Wildvögel werden systematisch erfasst, Proben analysiert und Infektionsketten nachvollzogen. Ziel ist es, die Ausbreitung der Geflügelpest in Berlin so früh wie möglich zu erkennen und einzudämmen.
Gleichzeitig richten sich klare Appelle an die Bevölkerung. Spaziergänger, Hundehalter und Vogelbeobachter werden dringend gebeten, Abstand zu kranken oder verendeten Tieren zu halten. Das Berühren oder gar Mitnehmen von Vögeln ist strikt zu vermeiden. Stattdessen sollen entsprechende Funde den zuständigen Stellen gemeldet werden, um eine fachgerechte Bergung und Untersuchung zu ermöglichen.
- Kein direkter Kontakt mit kranken oder toten Wildvögeln
- Funde umgehend den Veterinärbehörden melden
- Hunde anleinen, um Kontakt mit Kadavern zu verhindern
Für Geflügelhalter gelten zusätzliche Auflagen. In Risikogebieten wurden Stallpflichten ausgesprochen, um den Kontakt zwischen Hausgeflügel und Wildvögeln zu unterbinden. Diese Maßnahmen sind einschneidend, gelten aber als wirksam, um größere Ausbrüche zu verhindern.
Zwischen Tierseuche und öffentlicher Wahrnehmung
Die Geflügelpest in Berlin ist für viele Menschen erst sichtbar geworden, als die Zahl der verendeten Tiere zunahm. Schwäne an Uferpromenaden oder in innerstädtischen Parks sind Teil des vertrauten Stadtbilds. Ihr Tod wirkt verstörend, ruft Besorgnis hervor und wirft Fragen auf – auch nach möglichen Risiken für den Menschen.
Nach Einschätzung von Fachbehörden ist die Gefahr einer Übertragung auf den Menschen äußerst gering. Infektionen treten in der Regel nur bei sehr engem, ungeschütztem Kontakt mit infizierten Tieren auf. Eine Weitergabe von Mensch zu Mensch ist bislang nicht belegt. Dennoch unterstreicht die aktuelle Situation, wie eng ökologische, tiergesundheitliche und gesellschaftliche Fragen miteinander verwoben sind.
Abhängigkeit vom Wetter
Wie sich die Lage weiterentwickelt, hängt maßgeblich vom Wetter ab. Anhaltender Frost begünstigt die Konzentration der Tiere und die Stabilität des Virus. Mit steigenden Temperaturen und tauenden Gewässern könnte sich der Infektionsdruck wieder verteilen – ein Effekt, der in früheren Jahren beobachtet wurde. Eine schnelle Entwarnung gilt dennoch als unwahrscheinlich.
Die Geflügelpest in Berlin bleibt damit ein Thema, das die Stadt noch über Wochen begleiten dürfte. Veterinärämter, Naturschutzorganisationen und Forschungseinrichtungen beobachten das Geschehen aufmerksam. Jede neue Fundmeldung liefert weitere Mosaiksteine in einem komplexen Bild, das zeigt, wie verletzlich selbst urbane Ökosysteme gegenüber global verbreiteten Tierseuchen sind.
Ein Seuchengeschehen im Spiegel der Stadt
Der aktuelle Ausbruch der Geflügelpest macht sichtbar, was im Alltag oft übersehen wird: Berlin ist nicht nur Metropole, sondern auch Lebensraum für tausende Wildtiere. Der strenge Winter legt diese fragile Koexistenz offen. Zwischen Eisflächen, Parks und Wohngebieten entfaltet sich ein Seuchengeschehen, das leise, aber unnachgiebig voranschreitet – und das mahnt, Tiergesundheit, Umwelt und Vorsorge als untrennbare Einheit zu begreifen.



