Kälte kehrt mit Wucht zurück Polarluft über Deutschland: Schnee, Frost und Glätte in mehreren Bundesländern erwartet

16. Februar 2026 | 07:29 Uhr |

Berlin, 16. Februar 2026. Deutschland steht erneut unter dem Einfluss markanter Polarluft. Nach einem kurzen Zwischenhoch drücken kalte Luftmassen aus nördlichen Breiten in mehrere Bundesländer und bringen Schnee, Frost und Glätte. Meteorologische Modelle deuten auf spürbare Auswirkungen für Verkehr und Infrastruktur hin – mit regional sehr unterschiedlichen Intensitäten.

Die Polarluft ist zurück. Und sie kommt nicht zaghaft, sondern mit jener Klarheit, die Winterwetter in Deutschland binnen Stunden verändern kann. Binnen weniger Tage sind die Temperaturen deutlich gefallen, in einigen Regionen bis unter den Gefrierpunkt – begleitet von Schneeschauern, gefrierendem Niederschlag und teils böigem Wind. Was meteorologisch nüchtern als Vorstoß arktisch geprägter Luftmassen beschrieben wird, bedeutet im Alltag vor allem eines: rutschige Straßen, verspätete Züge, erhöhte Unfallgefahr.

Polarluft erreicht Deutschland – was jetzt wetterbestimmend ist

Die aktuelle Wetterlage wird von einer markanten Luftmassengrenze bestimmt. Entlang dieser Grenze trifft mildere Atlantikluft auf deutlich kältere Polarluft, die aus nördlichen Richtungen nach Mitteleuropa geführt wird. Solche Konstellationen sind im Winter nicht ungewöhnlich, doch ihre Intensität entscheidet über die konkreten Auswirkungen. In dieser Woche fällt die Abkühlung deutlich aus.

Meteorologen sprechen von einer arktisch geprägten Kaltluftadvektion – also dem Transport kalter Luftmassen in südlichere Breiten. Diese Polarluft ist vergleichsweise trocken, kann aber in Verbindung mit feuchteren Luftströmen kräftige Schneeschauer erzeugen. Genau dieses Zusammenspiel sorgt nun vielerorts für winterliche Verhältnisse.

Warum die Polarfront entscheidend ist

Im Zentrum der Entwicklung steht die sogenannte Polarfront – die Grenze zwischen kalter Polarluft und milderen Luftmassen. Verschiebt sich diese Front nach Süden, geraten Teile Deutschlands rasch in den Einflussbereich frostiger Luft. Entlang dieser Zone entstehen häufig kleinräumige Tiefdruckgebiete, die Niederschläge intensivieren und lokal für überraschend kräftigen Schneefall sorgen können.

Hinzu kommt eine blockierende Hochdrucklage weiter nördlich, die den Zustrom milderer Luft hemmt. Dadurch bleibt die Polarluft länger wetterwirksam. In Kombination mit nächtlicher Ausstrahlung sind in vielen Regionen strenge Fröste möglich.

Diese Bundesländer sind besonders betroffen

Die Auswirkungen der Polarluft zeigen sich regional unterschiedlich. Während in einigen Landesteilen lediglich frostige Nächte dominieren, rechnen andere mit Schneefall bis in tiefe Lagen.

  • Schleswig-Holstein: Hier werden verbreitet Schneeschauer erwartet. Besonders in Küstennähe kann Wind für verwehte Straßen sorgen.
  • Niedersachsen: In weiten Teilen drohen Glätte und gefrierender Regen, insbesondere im östlichen Landesteil.
  • Nordrhein-Westfalen: Das Münsterland und Teile des Ruhrgebiets müssen sich auf winterliche Fahrbahnbedingungen einstellen.
  • Sachsen und Sachsen-Anhalt: Dort sind teils anhaltende Schneefälle möglich, die den Berufsverkehr beeinträchtigen könnten.
  • Thüringen und Bayern: In höheren Lagen kann sich eine geschlossene Schneedecke bilden, begleitet von Dauerfrost.

Gerade in Mittelgebirgslagen und in offenen Flächen steigt die Wahrscheinlichkeit für Schneeverwehungen. In Ballungsräumen hingegen sind vor allem morgendliche Glättephasen kritisch, wenn überfrierende Nässe auf Straßen trifft.

Verkehr unter Druck – Glätte, Schnee und Verzögerungen

Mit dem erneuten Vorstoß der Polarluft wächst die Belastung für Straßen- und Schienenverkehr. Bereits in den vergangenen Winterwochen hatten Kälteeinbrüche regional zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt. Nun steigt erneut das Risiko für Unfälle und Verspätungen.

Besonders problematisch sind Temperaturbereiche knapp unter null Grad. Hier kann es zu gefrierendem Regen kommen – eine Wettererscheinung, bei der Regen auf kalten Untergrund trifft und schlagartig gefriert. Das Resultat: spiegelglatte Fahrbahnen.

Schienen- und Luftverkehr im Blick

Auch im Bahnverkehr können Weichenstörungen und vereiste Oberleitungen zu Einschränkungen führen. Fluggesellschaften kalkulieren zusätzliche Zeit für Enteisungsmaßnahmen ein. In der Vergangenheit haben vergleichbare Wetterlagen wiederholt zu Ausfällen und Verzögerungen geführt.

Kommunen bereiten sich mit Räum- und Streudiensten vor, dennoch bleiben Engpässe bei plötzlichem Schneefall nicht ausgeschlossen. Vor allem im morgendlichen Berufsverkehr sind die Auswirkungen erfahrungsgemäß am stärksten.

Atmosphärischer Hintergrund: Rolle des Polarwirbels

Die aktuelle Polarluft-Lage steht auch im Zusammenhang mit Veränderungen in der Stratosphäre. Der sogenannte Polarwirbel – ein großräumiges Windsystem über der Arktis – kann in bestimmten Konstellationen an Stabilität verlieren. Schwächt sich dieser Wirbel ab, wird kalte Luft aus dem arktischen Raum häufiger nach Süden verlagert.

Solche Prozesse sind komplex und werden intensiv beobachtet. Klar ist: Wenn sich der Polarwirbel verlagert oder aufspaltet, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für markante Kaltluftvorstöße nach Europa. Die jetzige Wetterlage passt in dieses Muster, ohne jedoch außergewöhnlich zu sein.

Warum die Kälte länger anhalten könnte

Solange blockierende Hochdruckgebiete die atmosphärische Zirkulation festsetzen, kann die Polarluft über mehrere Tage dominieren. Erst wenn sich die Druckverhältnisse neu ordnen und mildere Luftmassen wieder nachrücken, entspannt sich die Situation spürbar.

In den kommenden Tagen bleibt die Wetterentwicklung daher dynamisch. Zwischenzeitliche Auflockerungen sind ebenso möglich wie erneute Schneeschauer.

Auswirkungen auf Alltag und Energieverbrauch

Mit sinkenden Temperaturen steigt nicht nur die Unfallgefahr, sondern auch der Energiebedarf. Frostige Nächte treiben den Heizbedarf nach oben. Gleichzeitig müssen Städte und Gemeinden zusätzliche Ressourcen für Winterdienste bereitstellen.

Für Pendler bedeutet die Polarluft vor allem eines: Zeitpuffer einplanen. Wer früh unterwegs ist, trifft häufiger auf gefrorene Fahrbahnen. Auch Fußgänger sollten auf rutschige Gehwege achten – besonders nach nächtlichem Niederschlag.

Wetterlage bleibt in Bewegung

Ob die aktuelle Phase der Polarluft nur ein kurzes Intermezzo bleibt oder sich zu einer längeren Kälteperiode entwickelt, hängt von der weiteren Druckverteilung über dem Nordatlantik und Europa ab. Meteorologische Modelle zeigen derzeit unterschiedliche Szenarien, doch ein rascher, flächendeckender Temperaturanstieg zeichnet sich zunächst nicht ab.

Damit bleibt Deutschland vorerst im Bann winterlicher Luftmassen. Für viele Regionen bedeutet das mehrere Tage mit Frost, gelegentlichen Schneeschauern und anhaltender Glättegefahr.

Winterliche Realität im Spätwinter

Die Rückkehr der Polarluft zeigt, wie rasch sich Wetterlagen im Spätwinter ändern können. Ein milder Abschnitt genügt, um das Gefühl eines nahenden Frühlings zu erzeugen – doch atmosphärische Dynamiken kennen keine Kalendergrenzen. Der erneute Kälteeinbruch erinnert daran, dass Februar und selbst März noch Wintermonate sind.

Für Behörden, Verkehrsbetriebe und Bürger heißt das: aufmerksam bleiben, Prognosen verfolgen, vorbereitet sein. Denn so nüchtern meteorologische Begriffe wie „Kaltluftadvektion“ oder „Polarfront“ klingen mögen – ihre praktischen Folgen sind unmittelbar spürbar. Und solange die Polarluft Deutschland im Griff hat, bleibt das Land in einer Phase erhöhter Wachsamkeit gegenüber Schnee, Frost und winterbedingten Störungen.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.