Mehr für die Umwelt Regenwasser-Tankstellen in Chemnitz: Stadtrat berät über nachhaltiges Wassermanagement der Grünen

21. Februar 2026 | 07:30 Uhr |

Chemnitz diskutiert über neue Wege im Umgang mit Wasser. Die Grünen im Stadtrat wollen sogenannte Regenwasser-Tankstellen einführen, um Stadtbäume und Grünflächen künftig mit gesammeltem Niederschlagswasser statt mit Trinkwasser zu versorgen. Am 18. März soll das Vorhaben beraten werden – mit möglichen Folgen für Infrastruktur, Haushalt und Klimaanpassung der Stadt.

Chemnitz, 21. Februar 2026 – In Chemnitz nimmt die Debatte um nachhaltiges Wassermanagement an Fahrt auf. Die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat einen Antrag eingebracht, der die Einrichtung sogenannter Regenwasser-Tankstellen vorsieht. Ziel ist es, bei der Bewässerung von Stadtbäumen und Grünanlagen künftig verstärkt auf gespeichertes Regenwasser zurückzugreifen – und den Einsatz von aufwendig aufbereitetem Trinkwasser zu reduzieren.

Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem lange Trockenphasen und Hitzeperioden auch in Sachsen spürbar sind. Gerade im Sommer geraten Straßenbäume und junge Pflanzungen zunehmend unter Stress. Die Bewässerung erfolgt bislang mit Trinkwasser – ein Umstand, den die Grünen für nicht mehr zeitgemäß halten.

Regenwasser-Tankstellen als Antwort auf zunehmende Trockenheit

Das Kernanliegen des Antrags ist klar umrissen: In Chemnitz sollen großvolumige Speicher für Niederschlagswasser entstehen, ausgestattet mit Zapfstellen, an denen städtische Gießfahrzeuge ihre Tanks füllen können. Das Regenwasser soll zuvor gesammelt, gespeichert und gefiltert werden. So ließe sich nach Ansicht der Grünen ein Teil des kommunalen Wasserbedarfs ökologischer decken.

Hintergrund ist die Beobachtung, dass während trockener Sommer regelmäßig Fahrzeuge der Stadt unterwegs sind, um Grünflächen mit Trinkwasser zu versorgen. Dieses Wasser durchläuft zuvor aufwendige Aufbereitungsprozesse. Für die Bewässerung von Bäumen sei das aus Sicht der Antragsteller weder ressourcenschonend noch langfristig wirtschaftlich.

Regenwasser hingegen fällt kostenlos an – allerdings nur dann nutzbar, wenn entsprechende Infrastruktur vorhanden ist. Genau hier setzt die Idee der Regenwasser-Tankstellen an.

Was die Grünen konkret vorschlagen

Der Antrag sieht zunächst eine Prüfung vor. Die Verwaltung soll untersuchen,

  • an welchen Standorten geeignete Regenwasserspeicher realisierbar wären,
  • welche technischen Anforderungen erfüllt werden müssen,
  • wie hoch Investitions- und Betriebskosten ausfallen würden,
  • und ob Förderprogramme von Land, Bund oder EU in Anspruch genommen werden können.

Ein mögliches Szenario: ober- oder unterirdische Speicheranlagen mit Filtertechnik und klar geregelter Entnahme für städtische Fahrzeuge. Denkbar wären Standorte in der Nähe größerer Grünflächen oder Bauhöfe. Auch Pilotprojekte stehen im Raum, um Praxiserfahrungen zu sammeln, bevor flächendeckend investiert wird.

Regenwasser als Ressource – nicht als Abfallprodukt

Die Forderung nach Regenwasser-Tankstellen ist kein isolierter Einfall. Sie fügt sich ein in eine seit Jahren geführte Diskussion über den Umgang mit Niederschlagswasser in Städten. Vertreter der Grünen argumentieren, Regenwasser sei keine Belastung für die Kanalisation, sondern eine Ressource, die sinnvoll genutzt werden könne.

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In diesem Zusammenhang fällt regelmäßig der Begriff der „Schwammstadt“. Dahinter steht das Prinzip, Regenwasser möglichst vor Ort zu halten – durch Versickerung, Speicherung oder gezielte Nutzung. Ziel ist es, Städte widerstandsfähiger gegenüber Hitze, Dürre und Starkregen zu machen. Auch in Chemnitz ist dieser Gedanke bereits Gegenstand politischer Initiativen gewesen.

Regenwasser-Tankstellen wären ein konkreter Baustein innerhalb eines solchen Konzepts. Sie verbinden ökologische Zielsetzungen mit praktischer Anwendung im Alltag der Stadtpflege.

Zwischen Klimaanpassung und Haushaltsdisziplin

Die politische Debatte dürfte sich nicht allein um ökologische Fragen drehen. Kommunale Investitionen stehen stets unter dem Vorbehalt knapper Kassen. Der Aufbau von Speichern, Leitungen und Zapfstellen verursacht Kosten – ebenso Wartung, Kontrolle und Betrieb.

Gleichzeitig verweisen Befürworter auf mögliche Einsparungen beim Trinkwasserverbrauch. Gerade in trockenen Sommern steigen Bewässerungsintervalle und damit auch die Ausgaben. Langfristig könne eine Umstellung auf Regenwasser wirtschaftliche Vorteile bringen, argumentieren die Grünen.

Die Verwaltung wird daher nicht nur ökologische, sondern auch finanzielle Aspekte bewerten müssen. Wie hoch ist das Einsparpotenzial? Ab wann amortisieren sich Investitionen? Welche Fördermittel stehen realistisch zur Verfügung? Antworten darauf sind Voraussetzung für eine belastbare Entscheidung im Stadtrat.

Städtische Grünflächen unter Druck

Die Diskussion um Regenwasser-Tankstellen steht im Kontext einer sichtbaren Veränderung des Stadtklimas. Längere Hitzeperioden setzen vor allem jungen Straßenbäumen zu. Ohne zusätzliche Bewässerung drohen Ausfälle – mit langfristigen Folgen für das Stadtbild und das Mikroklima.

Chemnitz hat in den vergangenen Jahren mehrere Programme zur Begrünung urbaner Räume aufgelegt. Neue Straßenbäume wurden gepflanzt, Grünflächen aufgewertet. Diese Investitionen verlieren an Wert, wenn Bewässerungskonzepte nicht Schritt halten.

Regenwasser-Tankstellen könnten hier ansetzen: Sie würden die Pflege bestehender Pflanzungen sichern und zugleich den ökologischen Fußabdruck der Bewässerung reduzieren. Das Argument der Grünen lautet, dass nachhaltige Stadtentwicklung nicht nur im Pflanzen neuer Bäume bestehe, sondern auch in der klugen Nutzung vorhandener Ressourcen.

Technische Fragen im Detail

Regenwasser ist nicht automatisch einsatzbereit. Es muss gesammelt, gespeichert und gegebenenfalls gefiltert werden. Die Wasserqualität spielt eine Rolle, ebenso hygienische Anforderungen und Wartungsintervalle. Für die Bewässerung von Grünanlagen gelten andere Standards als für Trinkwasser, dennoch müssen klare Vorgaben eingehalten werden.

Auch logistische Aspekte sind zu berücksichtigen: Wie gelangen Gießfahrzeuge effizient an die Zapfstellen? Wie werden Speicher befüllt und überwacht? Welche Kapazitäten sind nötig, um Trockenperioden von mehreren Wochen zu überbrücken?

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All diese Punkte werden Gegenstand der Prüfung sein, bevor aus der Idee konkrete Bauprojekte werden können.

Politische Entscheidung mit Signalwirkung

Am 18. März steht der Antrag auf der Tagesordnung des Stadtrats. Dort dürfte zunächst über eine Überweisung in die zuständigen Ausschüsse entschieden werden. In diesen Gremien werden Fachämter, Verwaltung und politische Vertreter das Konzept vertieft beraten.

Die Abstimmung wird zeigen, wie groß die Bereitschaft ist, in eine neue Form des Wassermanagements zu investieren. Für die Grünen ist das Projekt mehr als eine technische Maßnahme. Es geht um ein Signal: dass Chemnitz den Herausforderungen des Klimawandels aktiv begegnen will.

Andere Fraktionen könnten Zurückhaltung anmahnen. Sie dürften die Wirtschaftlichkeit, Prioritätensetzung und Umsetzbarkeit kritisch prüfen. Gerade bei Infrastrukturprojekten ist die Differenz zwischen politischer Idee und praktischer Realisierung häufig größer als zunächst angenommen.

Regenwasser-Tankstellen im größeren Kontext

Über Chemnitz hinaus wird in vielen Kommunen darüber diskutiert, wie mit Niederschlagswasser umzugehen ist. Starkregenereignisse wechseln sich mit Trockenperioden ab. Städte stehen vor der Aufgabe, sowohl Überflutungsrisiken zu mindern als auch Wasser in Dürrezeiten verfügbar zu halten.

Regenwasser-Tankstellen sind eine mögliche Antwort auf diese doppelte Herausforderung. Sie stehen für einen pragmatischen Ansatz: Wasser, das ohnehin fällt, wird gespeichert und gezielt genutzt, statt unmittelbar in die Kanalisation zu gelangen.

Ob Chemnitz diesen Weg einschlägt, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Fest steht: Die Diskussion über Regenwasser-Tankstellen berührt zentrale Fragen urbaner Zukunft – Ressourcenschonung, Klimaanpassung, Infrastruktur und kommunale Verantwortung.

Eine Stadt zwischen Dürre und Verantwortung

Die Initiative der Grünen zwingt die Stadt, ihren Umgang mit Wasser neu zu bewerten. Regenwasser-Tankstellen könnten zum sichtbaren Zeichen eines Umdenkens werden – oder als ambitionierter Vorschlag in den Ausschüssen verharren. In einer Zeit, in der Trockenperioden keine Ausnahme mehr sind, sondern Teil einer neuen Normalität, ist die Frage nach nachhaltigem Wassermanagement keine theoretische. Sie entscheidet darüber, wie widerstandsfähig Chemnitz in Zukunft sein wird.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.