USA führen Abgabenpflicht für Billigimporte ein: Zollfreiheit für günstige Pakete fällt weg

In Wirtschaft
August 29, 2025

Die USA haben die Zollfreiheit für günstige Pakete aus dem Ausland beendet. Millionen Verbraucher und Händler sehen sich ab sofort mit Abgaben, höheren Preisen und längeren Lieferzeiten konfrontiert. Was bisher vor allem Online-Shopping über Plattformen wie Temu, Shein oder Etsy so günstig machte, gehört nun der Vergangenheit an.

Das Ende der Zollfreiheit: Hintergrund der Entscheidung

Seit Jahrzehnten existierte in den Vereinigten Staaten die sogenannte de-minimis-Regelung. Diese besagte, dass Einfuhren von Waren bis zu einem Wert von 800 US-Dollar zollfrei ins Land gelangen konnten. Diese Regelung galt als großzügig im internationalen Vergleich und trug maßgeblich zum Boom von Billigimporten bei. Verbraucher konnten Kleidung, Elektronik oder Alltagswaren zu äußerst günstigen Preisen bestellen, ohne zusätzliche Gebühren zahlen zu müssen.

Mit Wirkung zum 29. August 2025 hat die US-Regierung diese Regel jedoch vollständig aufgehoben. Bereits seit Mai galt das Ende der Zollfreiheit für China und Hongkong, nun wurde sie für alle Länder abgeschafft. Grundlage ist eine Executive Order, die ausdrücklich die Aussetzung der de minimis-Behandlung vorsieht.

Die neue Abgabenpflicht – wie sie funktioniert

Das Ende der Zollfreiheit bedeutet nicht automatisch, dass jedes Paket sofort den vollen Zolltarifen unterliegt. Stattdessen gibt es eine Übergangsphase von sechs Monaten. Während dieser Zeit können Postdienste entweder pauschale Gebühren von rund 80 bis 200 Dollar pro Sendung erheben oder prozentuale Zölle, die je nach Warenkategorie zwischen 10 und 50 Prozent liegen. Ab dem 1. März 2026 entfällt diese Wahlmöglichkeit – dann gilt ausschließlich die volle Zollveranlagung.

Betroffen sind nicht nur Privatkunden, die auf internationale Schnäppchen setzen. Auch kleinere Händler und Etsy-Shops müssen sich auf zusätzliche Kosten und kompliziertere Abfertigungsprozesse einstellen. Für große Plattformen mit US-Lagerbeständen bleibt der Effekt hingegen geringer, da sie weiterhin aus dem Inland versenden können.

Ökonomische Folgen für Verbraucher

Eine Studie des Yale Tobin Center hat die Kosten für Konsumenten berechnet. Demnach zahlen US-Bürger durch die neue Abgabenpflicht jährlich zwischen 10,9 und 13 Milliarden Dollar zusätzlich. Pro Person entspricht das rund 34 bis 41 Dollar, pro Familie etwa 136 bis 163 Dollar. Besonders hart trifft es Haushalte mit geringen Einkommen, da sie überproportional häufig auf günstige Importe angewiesen sind. In diesen Haushalten entfallen 73 Prozent aller Bestellungen auf frühere de-minimis-Sendungen – bei wohlhabenderen Familien liegt der Wert nur bei 52 Prozent.

Die Frage vieler Verbraucher lautet nun: „How much extra will shipping cost after de minimis exemption ends?“ Die Antwort ist klar: Je nach Herkunftsland und Warenwert kann der Preis pro Paket um bis zu 200 Dollar steigen. Hinzu kommen mögliche Versandverzögerungen, da die Zollbehörden ein enormes zusätzliches Volumen abfertigen müssen.

Verändertes Kaufverhalten – besonders bei jungen Generationen

Umfragen zeigen, dass sich das Konsumverhalten bereits verändert. 80 Prozent der Generation Z haben im letzten Jahr Waren über internationale Plattformen bestellt, ähnlich hoch ist die Zahl bei den Millennials. Doch nun berichten 44 Prozent der Käufer von höheren Preisen, 43 Prozent von gestiegenen Versandkosten und 31 Prozent von längeren Lieferzeiten. Das Resultat: 45 Prozent der Kunden kaufen weniger oder gar nicht mehr bei den betroffenen Shops.

Besonders jüngere Käufergruppen wie Gen Z (23 Prozent) und Millennials (20 Prozent) haben ihre Einkäufe deutlich reduziert. Auch ältere Generationen wie Baby Boomer (37 Prozent) und Gen X (28 Prozent) bestellen seltener, wenn auch aus anderen Gründen – sie waren ohnehin weniger stark in den internationalen Onlinehandel eingebunden.

Auswirkungen auf kleine Händler und Plattformen

Die neue Zollregelung ist nicht nur eine Belastung für Verbraucher. Kleine Händler, die ihre Waren über Plattformen wie Etsy oder eBay verkaufen, sehen sich plötzlich mit bürokratischen Hürden konfrontiert. Die Frage „De minimis rule ended for all countries what does it mean for Etsy sellers?“ bewegt derzeit viele Shop-Betreiber. Höhere Preise und die Pflicht zur Zollanmeldung zwingen sie, ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Manche Händler müssen ihre Preise deutlich erhöhen, andere überlegen, ob sie weiterhin in die USA liefern können.

Hinzu kommt, dass einige Plattformen internationale Versandlabels vorübergehend deaktiviert haben. Etsy beispielsweise setzte bestimmte Versandoptionen aus, da Postdienste wie Royal Mail oder Canada Post Schwierigkeiten hatten, die neuen Abgabenprozesse umzusetzen. Das führt zu Unsicherheit bei den Verkäufern und zu Verzögerungen bei den Käufern.

Reaktionen von Post- und Lieferdiensten

Die Einführung der Abgabenpflicht hat auch Auswirkungen auf internationale Postdienste. In mehreren Ländern wurden Lieferungen in die USA vorübergehend eingestellt. Auf die Frage „Why are postal services suspending deliveries to US after de minimis end?“ gibt es eine einfache Antwort: Viele nationale Postgesellschaften sind technisch noch nicht in der Lage, die Zollinformationen korrekt zu übermitteln und Abgaben einzuziehen. Bis diese Prozesse eingerichtet sind, setzen sie den Versand aus.

Logistikunternehmen wie UPS und FedEx bestätigen, dass jede Sendung unter 800 Dollar nun eine Zollabfertigung erfordert. Für die Mitarbeiter bedeutet das mehr Dokumentation, zusätzliche Schulungen und höhere Fehleranfälligkeit. Besonders in den ersten Monaten wird mit Verzögerungen gerechnet, bis sich die Abläufe eingespielt haben.

Importvolumen bricht drastisch ein

Analysten prognostizieren einen deutlichen Rückgang des Importvolumens. Vor der Neuregelung kamen rund 800 bis 900 Millionen Pakete jährlich in die USA, die unter die de-minimis-Regel fielen. Nun wird erwartet, dass sich diese Zahl auf 200 bis 300 Millionen reduziert. Das entspricht einem Rückgang von bis zu 75 Prozent. Damit verliert der US-Markt einen großen Teil seines Billigimportvolumens, was wiederum direkte Auswirkungen auf internationale Handelsströme hat.

Übergangsphase und offene Fragen

Die US-Regierung hat eine sechsmonatige Übergangszeit eingerichtet. In dieser Phase können Postdienste selbst entscheiden, ob sie eine Pauschale oder prozentuale Zölle erheben. Viele Verbraucher fragen sich: „What is the transition period after de minimis ends US?“ – die Antwort lautet: Bis Ende Februar 2026 herrscht eine Mischform. Ab März 2026 gibt es nur noch die Zollveranlagung nach regulären Tarifen.

Auch beim Thema Geschenke gibt es Unsicherheit. Die Frage „Are gifts still duty-free after US ends de minimis exemption?“ beschäftigt viele Menschen. Tatsächlich bleiben kleine Geschenke unter 100 Dollar weiterhin zollfrei, solange sie eindeutig als persönliche Sendungen ohne kommerziellen Zweck erkennbar sind.

Fragen von Verbrauchern im Fokus

Viele Konsumenten sind verunsichert und stellen sich praktische Fragen. Eine davon lautet: „What happens to my order when de minimis exemption ends in US?“ Die Realität ist: Jede Bestellung muss nun beim Zoll angemeldet werden. Dadurch verlängern sich Lieferzeiten und erhöhen sich die Kosten. In vielen Fällen lohnt sich eine Bestellung im Ausland nicht mehr, wenn der Preisunterschied zu US-Händlern durch Zollabgaben aufgezehrt wird.

Langfristige Auswirkungen auf Handel und Markt

Die Maßnahme der USA hat nicht nur innenpolitische Gründe, sondern auch handelspolitische. Mit dem Ende der Zollfreiheit soll der Import billiger Waren gebremst und der heimische Einzelhandel gestärkt werden. Befürworter sehen darin eine Chance für US-Unternehmen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. Kritiker hingegen befürchten, dass gerade einkommensschwache Haushalte am stärksten belastet werden.

Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Händler müssen neue Preisstrategien entwickeln, Verbraucher ihr Kaufverhalten anpassen und Postdienste ihre Systeme modernisieren. Ob sich die Maßnahme langfristig auszahlt, hängt davon ab, wie schnell sich alle Beteiligten auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen können.

Das Ende der Zollfreiheit für günstige Pakete markiert einen tiefen Einschnitt in den internationalen Onlinehandel. Millionen Verbraucher in den USA stehen vor höheren Preisen und längeren Lieferzeiten. Kleine Händler und Plattformen müssen ihre Geschäftsmodelle überdenken, während Postdienste mit der Abwicklung kämpfen. Klar ist: Der unkomplizierte Einkauf billiger Produkte aus aller Welt gehört der Vergangenheit an. Die USA setzen auf mehr Kontrolle und Einnahmen – doch ob dies wirklich den erhofften Effekt für den heimischen Markt hat, bleibt abzuwarten. Für Konsumenten hingegen ist die Botschaft eindeutig: Online-Schnäppchen aus dem Ausland sind ab sofort nicht mehr so günstig wie früher.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.