Mit einer bundesweiten Schwerpunktaktion hat der Zoll erneut die Paketbranche ins Visier genommen. In Paketzentren und Zustellbasen kontrollierten Beamte Arbeitsverhältnisse, Mindestlohnregelungen und mögliche Fälle illegaler Beschäftigung. Besonders die weit verzweigten Subunternehmerstrukturen stehen im Fokus der Ermittler – erste Auffälligkeiten wurden bereits registriert, zahlreiche Prüfungen laufen weiter.

Stuttgart, 7. Mai 2026 – Seit den frühen Morgenstunden überprüften Einsatzkräfte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) zahlreiche Paketzentren und Zustellstandorte in Baden-Württemberg. Die Kontrollen waren Teil einer bundesweiten Schwerpunktaktion des Zolls gegen Schwarzarbeit, Mindestlohnverstöße und illegale Beschäftigung in der Kurier-, Express- und Paketbranche.

Nach Angaben der Behörden beteiligten sich bundesweit mehr als 2.900 Zollbeamte an den Maßnahmen. Auch im Zuständigkeitsbereich des Hauptzollamts Stuttgart wurden Fahrer, Zusteller und Beschäftigte direkt an ihren Arbeitsorten überprüft. Im Mittelpunkt standen dabei Arbeitszeiten, Lohnabrechnungen, Sozialversicherungsnachweise und mögliche Verstöße gegen arbeitsrechtliche Vorgaben.

Die Paketbranche gilt seit Jahren als besonders sensibler Bereich für die Finanzkontrolle Schwarzarbeit. Grund dafür sind komplexe Unternehmensstrukturen, hoher Kostendruck und der extensive Einsatz von Subunternehmen. Genau dort setzen die aktuellen Ermittlungen an.

Zoll nimmt Paketbranche erneut unter Druck

Die Kontrollen in den Paketzentren erfolgten unangekündigt. Ziel war es, Beschäftigte unmittelbar während ihrer Arbeit anzutreffen und ihre Angaben später mit Geschäftsunterlagen und Lohnabrechnungen abzugleichen. Der Zoll verfolgt dabei einen doppelten Ansatz: Einerseits sollen konkrete Verstöße aufgedeckt werden, andererseits dienen die Kontrollen der präventiven Abschreckung.

Insbesondere in der Paketbranche beobachten Ermittler seit Jahren Strukturen, die eine konsequente Kontrolle erschweren. Große Paketdienstleister arbeiten häufig mit mehreren Ebenen von Subunternehmen zusammen. Zustelltouren werden weitervergeben, teilweise an kleinere Firmen mit wechselnden Beschäftigungsverhältnissen und hoher Personalfluktuation.

Genau diese Konstruktionen rücken bei den aktuellen Prüfungen erneut in den Mittelpunkt. Denn in verschachtelten Unternehmensketten wird die Verantwortung für Arbeitsbedingungen oft unübersichtlich. Behörden prüfen deshalb nicht nur die unmittelbaren Arbeitgeber der Zusteller, sondern auch die dahinterliegenden Auftragsstrukturen.

Mindestlohn im Zentrum der Ermittlungen

Ein Schwerpunkt der Zollkontrollen liegt auf der Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns. Seit Januar 2026 beträgt dieser bundesweit 13,90 Euro pro Stunde. Nach Erkenntnissen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit kommt es in Teilen der Branche jedoch immer wieder zu Unregelmäßigkeiten bei der Erfassung und Vergütung von Arbeitszeiten.

Besonders problematisch sind dabei Tätigkeiten außerhalb der eigentlichen Zustellzeit. Ermittler prüfen unter anderem, ob Ladezeiten, Wartezeiten oder Fahrten zwischen Depot und Zustellgebiet vollständig dokumentiert und bezahlt werden. Werden solche Zeiten nicht erfasst, kann der reale Stundenlohn trotz offizieller Angaben unter die gesetzliche Mindestgrenze sinken.

Deshalb befragten die Beamten Fahrer und Beschäftigte direkt zu ihren Touren, täglichen Arbeitszeiten und Beschäftigungsmodellen. Parallel dazu beginnt nun die zweite Phase der Kontrollen: die Auswertung von Geschäftsunterlagen, Schichtplänen, Zeiterfassungssystemen und Lohnabrechnungen.

Erst diese Prüfungen entscheiden darüber, ob sich aus den aktuellen Kontrollen Bußgeldverfahren oder strafrechtliche Ermittlungen ergeben.

Erste Auffälligkeiten bereits festgestellt

Nach Angaben der Behörden wurden während der Schwerpunktaktion bereits erste Auffälligkeiten festgestellt. Dazu zählen Verdachtsfälle möglicher Verstöße gegen sozialversicherungsrechtliche Vorgaben sowie Hinweise auf nicht ordnungsgemäß angemeldete Beschäftigungsverhältnisse.

In einzelnen Fällen prüfen die Ermittler zudem mögliche Verstöße gegen Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen. Auch Hinweise auf Sozialleistungsbetrug wurden registriert. Konkrete Zahlen für Baden-Württemberg nannten die Behörden zunächst nicht. Die Auswertungen der sichergestellten Unterlagen dauern an.

Erfahrungsgemäß ziehen sich solche Prüfverfahren häufig über Wochen oder Monate hin. Denn viele Sachverhalte lassen sich erst durch detaillierte Vergleiche von Arbeitszeiten, Lohnzahlungen und Unternehmensunterlagen nachvollziehen.

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit verweist darauf, dass insbesondere die Paketbranche wegen ihrer hohen Dynamik und der Vielzahl beteiligter Unternehmen einen erheblichen Kontrollaufwand verursacht. Tourenpläne ändern sich kurzfristig, Beschäftigte wechseln häufig zwischen Subunternehmen, Zustellgebiete werden neu vergeben.

Subunternehmer-System bleibt problematisch

Seit Jahren kritisieren Gewerkschaften und Arbeitsmarktexperten die Strukturen innerhalb der Paketbranche. Besonders der extensive Einsatz von Nachunternehmern gilt als problematisch. Kritiker werfen Teilen der Branche vor, Verantwortung entlang der Lieferkette weiterzureichen und dadurch Arbeits- sowie Sozialstandards auszuhöhlen.

Vor allem kleinere Zustellfirmen geraten immer wieder in den Fokus der Ermittlungsbehörden. Dort prüfen Beamte regelmäßig, ob Beschäftigte korrekt angemeldet sind, Sozialabgaben ordnungsgemäß abgeführt werden und die Arbeitszeitdokumentation den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Die Nachunternehmerhaftung soll eigentlich verhindern, dass Sozialversicherungsbeiträge oder Mindestlohnansprüche innerhalb komplizierter Unternehmensstrukturen verloren gehen. Dennoch sehen Behörden weiterhin erheblichen Kontrollbedarf.

Die aktuellen Schwerpunktkontrollen zeigen, dass die Paketbranche auch Jahre nach Einführung verschärfter Regelungen weiterhin als Risikobereich gilt.

Hoher Wettbewerbsdruck verschärft die Situation

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche gelten seit Jahren als angespannt. Mit dem boomenden Onlinehandel steigt die Zahl der Paketsendungen kontinuierlich. Gleichzeitig erwarten Kunden kurze Lieferzeiten, flexible Zustellung und möglichst niedrige Versandkosten.

Dieser Druck wirkt sich unmittelbar auf die Logistikunternehmen aus. Besonders kleinere Zustellfirmen arbeiten häufig mit geringen Margen und engem Zeitkorsett. Ermittlungsbehörden und Gewerkschaften sehen darin einen möglichen Grund dafür, dass gesetzliche Vorgaben in einzelnen Fällen nicht konsequent eingehalten werden.

Der Zoll kontrolliert deshalb regelmäßig Branchen mit erhöhtem Risiko für Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung. Neben der Paketbranche zählen dazu unter anderem das Baugewerbe, die Gastronomie, Sicherheitsdienste sowie Teile der Logistikbranche.

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit gilt innerhalb der Zollverwaltung als zentrale Einheit zur Bekämpfung illegaler Beschäftigung. Ihre Beamten überprüfen nicht nur Mindestlohnverstöße, sondern auch Sozialversicherungsbetrug, Scheinselbstständigkeit und illegale Arbeitsverhältnisse.

Kontrollen sollen Signalwirkung entfalten

Die aktuellen Maßnahmen dienen nach Angaben der Behörden nicht allein der Aufdeckung konkreter Verstöße. Großangelegte Schwerpunktkontrollen sollen auch eine deutliche Signalwirkung entfalten – sowohl gegenüber Unternehmen als auch innerhalb der Branche insgesamt.

Der Zoll verweist regelmäßig darauf, dass Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung nicht nur Beschäftigte benachteiligen, sondern auch den fairen Wettbewerb verzerren. Unternehmen, die gesetzliche Vorgaben einhalten, geraten unter Druck, wenn Konkurrenten Arbeitskosten durch Verstöße künstlich senken.

Hinzu kommen mögliche Schäden für die Sozialversicherungssysteme. Werden Beschäftigte nicht ordnungsgemäß angemeldet oder Sozialabgaben nicht vollständig abgeführt, fehlen entsprechende Beiträge in den Sozialkassen.

Die Behörden betonen deshalb, dass die Kontrollen auch künftig fortgesetzt werden sollen. Schwerpunktaktionen in personalintensiven Branchen gehören inzwischen zum festen Instrumentarium der Finanzkontrolle Schwarzarbeit.

Paketzentren bleiben im Fokus der Ermittler

Für die Paketbranche dürfte der Druck in den kommenden Monaten hoch bleiben. Mit dem anhaltenden Wachstum des Onlinehandels steigt auch die Bedeutung der Zustellunternehmen – und damit die Aufmerksamkeit der Kontrollbehörden.

Die aktuellen Einsätze in Stuttgart und anderen Teilen Baden-Württembergs machen deutlich, dass der Zoll die Einhaltung von Mindestlohn- und Sozialvorschriften weiterhin eng überwacht. Besonders dort, wo komplexe Subunternehmerstrukturen auf hohen wirtschaftlichen Druck treffen, sehen die Ermittler offenbar weiterhin erheblichen Prüfbedarf.

Ob aus den laufenden Kontrollen konkrete Strafverfahren entstehen, dürfte sich erst nach Abschluss der umfangreichen Dokumentenprüfungen zeigen. Klar ist bereits jetzt: Die Paketbranche bleibt für den Zoll eines der wichtigsten Beobachtungsfelder im Kampf gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung.