Politische Kehrtwende in der Wärmewende Heizgesetz 2026: Regierung kippt 65-Prozent-Regel und reformiert das Gebäudeenergiegesetz grundlegend

26. Februar 2026 | 07:23 Uhr |

Berlin, 25. Februar 2026 – Die Bundesregierung hat zentrale Vorgaben des bisherigen Heizgesetzes aufgehoben und die verpflichtende 65-Prozent-Quote für erneuerbare Energien beim Heizungseinbau gestrichen. Künftig sollen Gas- und Ölheizungen unter bestimmten Bedingungen wieder zulässig sein, ergänzt durch eine stufenweise eingeführte Grüngasquote. Die Reform des Gebäudeenergiegesetzes markiert eine energiepolitische Richtungsentscheidung – mit offenen Fragen für Klimaziele, Investitionssicherheit und Verbraucher.

Berlin, 25. Februar 2026 – Das Heizgesetz war kaum in Kraft, da wurde es bereits zum Symbol einer gesellschaftlichen Grundsatzdebatte. Nun steht fest: Die 2024 eingeführte Pflicht, neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben, wird in ihrer bisherigen Form nicht fortgeführt. Die Bundesregierung hat sich auf Eckpunkte verständigt, die das Gebäudeenergiegesetz (GEG) grundlegend verändern. An die Stelle verbindlicher technischer Vorgaben tritt ein Modell, das stärker auf Flexibilität, Quotenregelungen und langfristige Umsteuerung setzt.

Was als technisches Gesetz zur Modernisierung des Gebäudesektors begann, ist längst zu einem Politikum geworden. Kaum eine energiepolitische Maßnahme der vergangenen Jahre wurde so kontrovers diskutiert wie das Heizgesetz. Für die einen war es ein überfälliger Schritt zur Dekarbonisierung von Millionen Heizkellern. Für die anderen eine staatliche Zumutung, die Eigentümer überfordert und Investitionsentscheidungen unter politischen Druck setzt. Die Reform 2026 versucht, diesen Konflikt neu auszutarieren.

Heizgesetz 2026: Das ändert sich konkret

Im Kern geht es um drei Punkte: die Abschaffung der verbindlichen 65-Prozent-Regel, die Wiederzulassung fossiler Heizsysteme unter Auflagen und die Einführung einer schrittweise steigenden Grüngasquote. Das bisherige Heizgesetz sah vor, dass neu eingebaute Heizungen in Neubauten und perspektivisch auch im Bestand überwiegend auf erneuerbaren Energien basieren müssen – etwa durch Wärmepumpen, Fernwärme oder hybride Systeme.

Mit der Reform entfällt diese generelle Verpflichtung. Gas- und Ölheizungen bleiben installierbar, sofern sie perspektivisch mit einem wachsenden Anteil klimafreundlicher Energieträger betrieben werden. Ab 2029 ist eine Grüngasquote von zehn Prozent vorgesehen. In den Folgejahren soll dieser Anteil steigen. Ziel ist es, fossile Brennstoffe schrittweise durch Biomethan, synthetische Gase oder Bioöl zu ergänzen.

Von der Technikvorgabe zur Mengenquote

Der Unterschied ist erheblich. Während das ursprüngliche Heizgesetz konkrete Anforderungen an jedes einzelne neu eingebaute System stellte, setzt die Reform stärker auf Quoten und Marktmechanismen. Eigentümer sollen künftig selbst entscheiden können, welches Heizsystem sie einbauen – solange über die Zeit ein wachsender Anteil erneuerbarer Energien in den Energieträgermix eingespeist wird.

Damit verschiebt sich die Verantwortung teilweise von der einzelnen Immobilie hin zur Energieversorgung insgesamt. Die Frage, ob diese Systemlogik die gleiche klimapolitische Wirkung entfaltet wie eine direkte Technikvorgabe, steht im Zentrum der aktuellen Debatte.

Politischer Kurswechsel beim Heizgesetz

Union und SPD bezeichnen die Reform als Korrektur. Die ursprüngliche Fassung des Heizgesetzes sei zu starr gewesen, heißt es aus Regierungskreisen. Man wolle Bürgern Planungssicherheit geben und technologische Offenheit gewährleisten. Gerade im ländlichen Raum, wo Fernwärmenetze fehlen und Wärmepumpen nicht immer ohne Weiteres installierbar sind, habe das bisherige Modell Unsicherheit erzeugt.

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Gleichzeitig betont die Bundesregierung, dass die Klimaziele nicht infrage gestellt würden. Der Gebäudesektor bleibt verpflichtet, seinen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen zu leisten. Deutschland strebt weiterhin Klimaneutralität bis 2045 an. Das Heizgesetz 2026 soll dieses Ziel mit „pragmatischeren Instrumenten“ erreichen.

Doch die Kritik ist deutlich. Oppositionspolitiker sprechen von einem energiepolitischen Rückschritt. Die Streichung der 65-Prozent-Regel sei ein falsches Signal an Industrie, Handwerk und Investoren. Wer heute in klimafreundliche Technologien investiere, brauche verlässliche Rahmenbedingungen – kein Zurückrudern.

Signalwirkung für die Wärmewende

Das Heizgesetz war ein Kernstück der sogenannten Wärmewende, also des Umbaus der Wärmeversorgung hin zu erneuerbaren Energien. Der Gebäudesektor gilt seit Jahren als Sorgenkind der deutschen Klimapolitik. Die Emissionen stagnieren, Effizienzgewinne werden durch steigende Wohnflächen teilweise kompensiert. Gerade deshalb galt die verbindliche 65-Prozent-Quote als Hebel, um strukturelle Veränderungen zu beschleunigen.

Mit der Reform stellt sich die Frage, ob der Umbau nun langsamer verläuft. Umweltverbände verweisen darauf, dass Investitionen in fossile Infrastruktur langfristige Bindungen schaffen. Eine neu installierte Gasheizung bleibt in der Regel 20 bis 30 Jahre in Betrieb. Jede Entscheidung heute wirkt bis weit in die 2040er-Jahre hinein – also in die Phase, in der Klimaneutralität erreicht sein soll.

Verfügbarkeit von Grüngas und wirtschaftliche Realität

Ein zentraler Baustein des neuen Heizgesetzes ist die Grüngasquote. Doch wie realistisch ist ihr Einsatz in großem Maßstab? Der Markt für Biomethan und synthetische Gase ist bislang begrenzt. Produktionskapazitäten sind aufwendig, die Kosten liegen deutlich über denen fossiler Brennstoffe. Experten weisen darauf hin, dass die verfügbare Menge klimafreundlicher Gase nicht unbegrenzt ist und auch in anderen Sektoren – etwa in der Industrie – benötigt wird.

Damit rückt eine praktische Frage in den Vordergrund: Wird die Quote tatsächlich zu einer signifikanten Emissionsminderung führen oder vor allem zu höheren Kosten für Verbraucher? Die Bundesregierung verweist darauf, dass sich Märkte entwickeln, wenn regulatorische Signale gesetzt werden. Kritiker halten dagegen, dass der Hochlauf erneuerbarer Gase Zeit braucht – Zeit, die angesichts der Klimaziele knapp ist.

Wegfall der Beratungspflicht

Ein weiterer Unterschied betrifft die verpflichtende Beratung beim Heizungstausch. Im bisherigen Heizgesetz war vorgesehen, dass Eigentümer vor dem Einbau neuer Systeme eine Beratung zu Effizienz, Fördermöglichkeiten und langfristigen Kosten erhalten. Diese Pflicht entfällt nun. Befürworter sehen darin Bürokratieabbau. Skeptiker warnen vor Informationsdefiziten, insbesondere bei komplexen Investitionsentscheidungen mit hohen finanziellen Folgen.

Gerade im Bestandsbau, wo individuelle Gebäudestrukturen, Dämmstandards und technische Voraussetzungen stark variieren, spielt fachkundige Beratung eine zentrale Rolle. Ohne sie könnte die Entscheidungsqualität sinken – mit Auswirkungen auf Energieverbrauch und Betriebskosten über Jahrzehnte.

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Gesellschaftliche Dimension des Heizgesetzes

Kaum ein Gesetz hat in den vergangenen Jahren so stark in private Lebensbereiche eingegriffen wie das Heizgesetz. Heizungskeller wurden zum Schauplatz politischer Auseinandersetzungen. Eigentümer fürchteten hohe Investitionskosten, Mieter steigende Umlagen. Gleichzeitig wurde die Wärmewende als notwendiger Bestandteil einer umfassenden Klimastrategie verteidigt.

Die Reform 2026 ist daher nicht nur eine juristische Anpassung, sondern auch eine kommunikative Neujustierung. Der Staat signalisiert Zurückhaltung bei direkten Technikvorgaben und setzt stattdessen auf längerfristige Transformationspfade. Ob diese Strategie gesellschaftlich befriedet oder neue Unsicherheiten erzeugt, bleibt offen.

Investitionssicherheit und Marktreaktionen

Für Hersteller von Wärmepumpen und Anbieter erneuerbarer Heiztechnik hatte das ursprüngliche Heizgesetz einen klaren Marktrahmen gesetzt. Die Nachfrage war planbar, Produktionskapazitäten wurden ausgebaut. Mit der Abschwächung der Vorgaben könnte sich die Dynamik verändern. Branchenvertreter warnen vor einem Einbruch der Investitionsbereitschaft, sollten politische Leitplanken zu häufig wechseln.

Gleichzeitig könnte die größere Wahlfreiheit Eigentümer beruhigen, die bislang aus Sorge vor technischen oder finanziellen Risiken gezögert haben. Ob das Heizgesetz 2026 zu mehr oder weniger Modernisierungsaktivität führt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Parlamentarischer Prozess und rechtliche Fragen

Die Eckpunkte sollen zeitnah in den Bundestag eingebracht werden. Geplant ist ein Inkrafttreten zum 1. Juli 2026. Im parlamentarischen Verfahren sind noch Änderungen möglich. Beobachter rechnen mit intensiven Debatten, insbesondere zur Vereinbarkeit mit bestehenden Klimaschutzvorgaben.

Einige Kritiker haben bereits angekündigt, die Reform rechtlich prüfen zu lassen. Hintergrund ist die Frage, ob eine deutliche Abschwächung des Heizgesetzes mit den verbindlichen Emissionszielen des Bundes vereinbar ist. Das Bundesverfassungsgericht hatte in der Vergangenheit klimapolitische Vorgaben als grundrechtlich relevant eingestuft. Ob daraus konkrete Anforderungen an die Ausgestaltung des Gebäudeenergiegesetzes folgen, ist offen.

Zwischen Klimaziel und Realpolitik

Das Heizgesetz 2026 steht exemplarisch für einen grundlegenden Konflikt der deutschen Energiepolitik: Wie schnell und wie verbindlich darf Transformation sein? Ambitionierte Klimaziele verlangen klare Leitplanken. Zugleich müssen Investitionen tragfähig, sozial verträglich und technisch umsetzbar sein.

Mit der Abkehr von der 65-Prozent-Regel setzt die Bundesregierung auf Flexibilität und Marktentwicklung. Ob dieser Ansatz ausreicht, um den Gebäudesektor auf Klimakurs zu halten, wird sich an Zahlen messen lassen – an Emissionen, Modernisierungsraten und Energiepreisen.

Fest steht: Das Heizgesetz bleibt ein Brennpunkt der politischen Auseinandersetzung. Und es zeigt, wie eng Energiepolitik, Klimaschutz und Alltagsrealität miteinander verknüpft sind. Jede Veränderung im Gesetzestext wirkt bis in den Heizungskeller – und damit in die Lebenswirklichkeit von Millionen Haushalten.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.