Ex-Präsident unter Druck Epstein-Ausschuss im US-Kongress: Bill Clinton weist Vorwürfe zu Jeffrey Epstein zurück

28. Februar 2026 | 07:45 Uhr |

WASHINGTON/NEW YORK – Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat vor einem Untersuchungsausschuss des US-Repräsentantenhauses jede Kenntnis von den Straftaten des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein bestritten. In einer mehrstündigen, nicht öffentlichen Befragung erklärte Clinton, er habe „nichts falsch gemacht“ und keine Hinweise auf kriminelle Aktivitäten wahrgenommen. Die Anhörung ist Teil einer politisch aufgeladenen Untersuchung zu Epsteins Netzwerk – und wirft neue Fragen nach Transparenz, Verantwortung und politischer Instrumentalisierung auf.

Chappaqua, Bundesstaat New York, Freitagmorgen. In seinem privaten Wohnsitz stellte sich Bill Clinton den Fragen des House Oversight Committee – eines Ausschusses, der seit Monaten Akten, Flugprotokolle und Zeugenaussagen im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein auswertet. Mehr als sechs Stunden dauerte die Befragung des 42. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Öffentlich war sie nicht. Doch bereits im Vorfeld hatte Clinton deutlich gemacht, wie er sich positionieren würde.

Er habe nichts gesehen, nichts gewusst und nichts gedeckt, erklärte Clinton in einer schriftlichen Stellungnahme. Wäre ihm auch nur ein Verdacht gekommen, hätte er entsprechende Schritte eingeleitet. Der ehemalige Präsident bestritt damit jegliche Mitwisserschaft oder Mitverantwortung im Zusammenhang mit Epsteins kriminellen Aktivitäten, die erst Jahre nach den gemeinsamen Kontakten öffentlich bekannt wurden.

Der Kern der Vorwürfe

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen Verbindungen prominenter Persönlichkeiten zu Jeffrey Epstein, der 2008 erstmals wegen Sexualdelikten verurteilt wurde und 2019 in Untersuchungshaft starb. Flugprotokolle aus den frühen 2000er-Jahren belegen, dass Bill Clinton mehrfach mit Epsteins Privatjet reiste – unter anderem zu humanitären Projekten in Afrika. Diese Reisen fanden im Kontext von Aktivitäten der Clinton Foundation statt.

Der Epstein-Ausschuss prüft, in welchem Umfang politische oder wirtschaftliche Kontakte bestanden – und ob daraus Hinweise auf Kenntnis oder Duldung strafbarer Handlungen ableitbar sind. Clinton betonte in seiner Aussage, dass seine Begegnungen mit Epstein begrenzt gewesen seien und sich auf ein relativ kurzes Zeitfenster konzentrierten. Die Kontakte seien Jahre vor Epsteins erneuter Festnahme beendet worden.

Fotos, Gästelisten und Flugaufzeichnungen wurden dem früheren Präsidenten im Verlauf der Befragung vorgelegt. Clinton erklärte, er könne sich an viele Details nicht mehr erinnern – die fraglichen Ereignisse lägen teils mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Entscheidend sei für ihn jedoch, dass er sich keiner strafbaren oder moralisch fragwürdigen Handlung bewusst sei.

Historische Dimension der Anhörung

Dass ein ehemaliger US-Präsident vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aussagt, ist selten. Seit den 1970er-Jahren hat es keinen vergleichbaren Fall gegeben, in dem ein Ex-Staatsoberhaupt auf Aufforderung des Kongresses persönlich Stellung beziehen musste. Schon allein deshalb besitzt die Befragung im Epstein-Ausschuss eine erhebliche politische Symbolkraft.

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Der Ausschuss wird von Republikanern dominiert. Vorsitzender James Comer sprach im Anschluss von einer „produktiven Sitzung“ und kündigte weitere Anhörungen an. Demokratische Mitglieder hingegen äußerten Bedenken, die Untersuchung könne parteipolitisch instrumentalisiert werden. Der Umgang mit dem Fall Epstein ist in Washington längst auch zu einem Schauplatz parteipolitischer Auseinandersetzungen geworden.

Clintons Verteidigungslinie

Bill Clinton legte seine Verteidigungsstrategie klar dar: Er habe Epstein in einem gesellschaftlichen Kontext kennengelernt, die Kontakte seien sporadisch gewesen, und es habe keinen Anlass gegeben, illegales Verhalten zu vermuten. In einer Passage seiner Stellungnahme formulierte er sinngemäß, dass Fotos oder Reiseaufzeichnungen allein keinen Rückschluss auf Wissen oder Beteiligung zuließen. Maßgeblich sei, was er tatsächlich getan oder eben nicht getan habe.

Auch seine Ehefrau Hillary Clinton spielte in der Anhörung eine Rolle. Sie hatte bereits am Vortag vor dem Ausschuss ausgesagt und erklärt, Epstein nie getroffen oder dessen Anwesen besucht zu haben. Bill Clinton bekräftigte diese Darstellung. Nach derzeitigen Ermittlungsständen existieren keine strafrechtlichen Vorwürfe gegen das Ehepaar Clinton im Zusammenhang mit Epsteins Verbrechen.

Gleichwohl bleibt der öffentliche Druck hoch. Die Veröffentlichung zahlreicher Dokumente hatte in den vergangenen Monaten neue Aufmerksamkeit auf frühere Bekanntschaften Epsteins gelenkt – darunter Politiker, Unternehmer und Mitglieder gesellschaftlicher Eliten. Der Epstein-Ausschuss steht damit im Zentrum eines komplexen Geflechts aus juristischer Aufarbeitung, politischer Verantwortung und öffentlicher Erwartungshaltung.

Politische Spannungen im Hintergrund

Die Befragung von Bill Clinton erfolgte in einem Klima zunehmender Polarisierung. Republikanische Abgeordnete betonen, die Untersuchung sei notwendig, um mögliche Netzwerke und institutionelle Versäumnisse offenzulegen. Demokratische Vertreter warnen hingegen vor selektiver Fokussierung und fordern eine umfassende, parteiübergreifende Transparenz.

In diesem Zusammenhang wird auch diskutiert, ob weitere prominente Namen vor dem Ausschuss erscheinen sollen. Mehrere Mitglieder haben angekündigt, zusätzliche Zeugen laden zu wollen, um ein vollständigeres Bild der damaligen Kontakte zu erhalten. Die Frage nach Gleichbehandlung aller Beteiligten steht dabei im Raum.

Was der Epstein-Ausschuss klären soll

Die zentrale Aufgabe des Ausschusses besteht darin, die politischen und gesellschaftlichen Verbindungen Epsteins zu beleuchten und mögliche Versäumnisse staatlicher Stellen zu untersuchen. Dabei geht es nicht nur um individuelle Kontakte, sondern auch um strukturelle Fragen: Wer wusste wann was? Gab es Hinweise, die hätten ernst genommen werden müssen? Und welche Lehren ergeben sich für den Umgang mit einflussreichen Persönlichkeiten?

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Für Bill Clinton bedeutet die Anhörung vor allem eines: erneute öffentliche Konfrontation mit einem Kapitel, das seit Jahren Teil politischer Debatten ist. Seine Verteidigung bleibt konsistent: keine Kenntnis, keine Beteiligung, kein Fehlverhalten.

Offene Fragen und politische Signalwirkung

Ob die Aussage des ehemaligen Präsidenten weitere Ermittlungen nach sich zieht, ist derzeit offen. Der Ausschuss hat bislang nicht angekündigt, Teile des Protokolls zeitnah zu veröffentlichen. Ebenso unklar ist, ob neue Dokumente oder Zeugenaussagen zusätzliche Erkenntnisse bringen werden.

Unabhängig vom juristischen Ausgang besitzt der Fall eine erhebliche politische Signalwirkung. Der Epstein-Ausschuss steht exemplarisch für die Herausforderung, gesellschaftliche Machtstrukturen transparent zu machen – ohne in parteipolitische Kalküle abzurutschen. Dass ein früherer Präsident Rede und Antwort steht, unterstreicht die Tragweite dieser Aufarbeitung.

Ein Prüfstein für institutionelle Glaubwürdigkeit

Der Fall Bill Clinton im Epstein-Ausschuss ist damit mehr als eine persönliche Verteidigung. Er berührt Fragen nach politischer Verantwortung, nach der Reichweite parlamentarischer Kontrolle und nach dem Vertrauen in demokratische Institutionen. Während die Ermittlungen weiterlaufen, bleibt entscheidend, ob es dem Ausschuss gelingt, Fakten von Spekulation zu trennen und nachvollziehbare Ergebnisse vorzulegen.

Für Clinton selbst steht fest, was er mehrfach betont hat: Er habe nichts gewusst und nichts gedeckt. Ob diese Aussage das letzte Wort in dieser Angelegenheit bleibt, wird nicht allein von politischen Mehrheiten abhängen – sondern von der Beweislage. Der Epstein-Ausschuss wird daran gemessen werden, wie transparent und sachlich er diese Beweislage bewertet.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.