Jetzt wirds teuer Steigende Heizkosten ab 2027: Energie-Experten warnen vor Mehrbelastungen für Gas- und Ölheizungen

27. Januar 2026 | 07:18 Uhr |

Es ist eine Entwicklung, die sich leise ankündigt – und doch das Potenzial hat, den Alltag von Millionen Menschen grundlegend zu verändern. Während politische Debatten um Wärmewende und Klimaschutz an Schärfe gewinnen, richten Energieexperten den Blick auf das Jahr 2027. Ihre Prognosen lassen aufhorchen: Für Hausbesitzer mit Gas- und Ölheizungen könnten sich die Heizkosten in einer Dimension verändern, die viele bislang unterschätzen.

Heizkosten im Umbruch: Warum Energie-Experten ab 2027 massive Preissteigerungen erwarten

Die Entwicklung der Heizkosten gehört seit Jahren zu den sensibelsten Themen der Energiepolitik. Spätestens seit der Energiekrise infolge geopolitischer Spannungen und gestörter Lieferketten ist deutlich geworden, wie verwundbar Haushalte gegenüber Preissprüngen bei Gas und Heizöl sind. Nun rückt ein weiterer Faktor in den Fokus: die grundlegende Neuordnung der CO₂-Bepreisung im europäischen Raum. Energie-Experten prognostizieren, dass ab 2027 insbesondere Hausbesitzer mit Gas- und Ölheizungen mit erheblich steigenden Kosten rechnen müssen.

Im Zentrum dieser Prognosen steht die Einführung des neuen europäischen Emissionshandelssystems ETS-2. Es soll den bestehenden Emissionshandel, der bislang vor allem Industrie und Stromerzeugung erfasst, auf den Gebäude- und Verkehrssektor ausweiten. Damit werden auch Emissionen aus fossilen Heizsystemen künftig stärker über Marktmechanismen bepreist. Der Effekt: Heizkosten, die sich nicht mehr nur aus Rohstoffpreisen und Netzentgelten zusammensetzen, sondern zunehmend vom Preis für ausgestoßenes CO₂ abhängen.

Der CO₂-Preis als Kostentreiber für Gas- und Ölheizungen

Bislang unterliegt der CO₂-Ausstoß im Gebäudesektor in Deutschland dem nationalen Brennstoffemissionshandelsgesetz. Der dort festgelegte Preis pro Tonne CO₂ steigt schrittweise an und liegt 2025 bei 55 Euro. Für 2026 ist ein Preiskorridor von 55 bis 65 Euro vorgesehen. Diese staatlich festgelegten Preise bieten eine gewisse Planbarkeit – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem das europäische Emissionshandelssystem vollständig greift.

Mit dem Start des ETS-2 ab 2027 ändert sich dieses Prinzip grundlegend. Der CO₂-Preis wird dann nicht mehr politisch fixiert, sondern über Angebot und Nachfrage am Markt gebildet. Energieökonomen und Klimaforscher gehen davon aus, dass dieser Mechanismus zu deutlich höheren Preisen führen kann. In verschiedenen Modellrechnungen werden für die Zeit nach 2027 CO₂-Preise von 100 bis 250 Euro pro Tonne genannt. Langfristige Szenarien sehen sogar noch höhere Werte.

Für Hausbesitzer mit Gas- oder Ölheizung bedeutet dies eine direkte Kostensteigerung. Denn die zusätzlichen CO₂-Kosten werden von Energieversorgern und Brennstoffhändlern an die Endkunden weitergegeben. Die Heizkosten steigen damit unabhängig von kurzfristigen Schwankungen an den Rohstoffmärkten.

Belastung für Haushalte: Konkrete Auswirkungen steigender Heizkosten

Energie-Experten haben berechnet, welche Folgen ein deutlich höherer CO₂-Preis für private Haushalte haben kann. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit Gasheizung summieren sich die zusätzlichen Kosten je nach Verbrauch schnell auf mehrere hundert Euro pro Jahr. Bei höheren Preisszenarien sind auch Mehrbelastungen von rund 1000 Euro jährlich möglich. Besonders betroffen sind ältere Gebäude mit schlechter Dämmung und hohem Energiebedarf.

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Bei Ölheizungen fällt die Belastung häufig noch stärker aus, da Heizöl einen höheren CO₂-Ausstoß pro Energieeinheit verursacht. Für Hausbesitzer in ländlichen Regionen, die oft keine Alternative zum Heizen mit Öl haben, stellt dies eine besondere Herausforderung dar. Die steigenden Heizkosten treffen sie unabhängig davon, ob sie kurzfristig auf andere Heizsysteme umsteigen können.

Warum Experten von einer Preisexplosion sprechen

  • Der Übergang vom national festgelegten CO₂-Preis zu einem marktbasierten europäischen System erhöht die Preisdynamik.
  • Steigende CO₂-Zertifikatspreise verteuern Gas und Heizöl zusätzlich zu ohnehin schwankenden Energiepreisen.
  • Hausbesitzer können kurzfristig kaum auf steigende Kosten reagieren, da Heizsysteme langfristige Investitionen sind.
  • Besonders unsanierte Bestandsgebäude geraten unter finanziellen Druck.

Der Begriff der „Preisexplosion“, den Energie-Experten in diesem Zusammenhang verwenden, beschreibt dabei weniger einen plötzlichen Schock als vielmehr eine schrittweise, aber deutliche Verteuerung. Die Heizkosten steigen Jahr für Jahr, getragen von einem politischen Instrument, das langfristig auf Lenkungswirkung ausgelegt ist.

Politische Zielsetzung: Klimaschutz durch höhere Heizkosten

Hinter der Ausweitung des Emissionshandels steht ein klar formuliertes Ziel: Der CO₂-Ausstoß im Gebäudesektor soll sinken. Fossile Heizsysteme gelten als ein zentraler Hebel, um die europäischen Klimaziele zu erreichen. Höhere Preise für CO₂ sollen Anreize schaffen, auf klimafreundlichere Alternativen umzusteigen und den Energieverbrauch zu senken.

Die Politik setzt dabei bewusst auf ökonomische Steuerung. Statt einzelner Verbote soll der Preis dafür sorgen, dass sich Investitionen in Wärmepumpen, Fernwärme oder andere erneuerbare Heizsysteme wirtschaftlich schneller lohnen. Aus Sicht von Energie-Experten ist dies ein wirksames Instrument – allerdings eines mit erheblichen sozialen Nebenwirkungen.

Übergangsregelungen und politische Debatten

Um extreme Preissprünge zu vermeiden, wurde in Deutschland darüber diskutiert, den CO₂-Preis im Jahr 2027 weiterhin zu begrenzen. Vertreter aus CDU und SPD einigten sich darauf, einen Preisrahmen zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne auch für dieses Jahr anzustreben. Ob und wie diese Regelung rechtlich umgesetzt wird, ist jedoch noch offen. Spätestens ab 2028 soll der europäische Marktmechanismus uneingeschränkt greifen.

Diese Übergangsdebatte zeigt, wie sensibel das Thema Heizkosten politisch ist. Einerseits sollen die Klimaziele eingehalten werden, andererseits wächst die Sorge vor einer Überforderung von Hausbesitzern und Mietern. Energie-Experten weisen darauf hin, dass politische Eingriffe zwar kurzfristig dämpfend wirken können, langfristig jedoch nichts an der grundsätzlichen Richtung ändern.

Zwischen Sanierungsdruck und sozialer Frage: Die Lage der Hausbesitzer

Die prognostizierten Preissteigerungen für Gas- und Ölheizungen treffen auf einen Gebäudebestand, der in weiten Teilen als energetisch sanierungsbedürftig gilt. Millionen Häuser in Deutschland wurden zu einer Zeit errichtet, als Energiepreise niedrig und Klimaschutz kein zentrales Thema waren. Für deren Eigentümer bedeutet die neue Situation einen erheblichen Anpassungsdruck.

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Energetische Sanierungen und der Austausch von Heizsystemen sind teuer und komplex. Selbst mit staatlichen Förderprogrammen bleiben hohe Eigenanteile, die nicht jeder Hausbesitzer aufbringen kann. Energie-Experten warnen deshalb vor einer sozialen Schieflage: Wer über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, kann investieren und langfristig sparen. Wer diese Möglichkeiten nicht hat, zahlt dauerhaft höhere Heizkosten.

Förderprogramme als Gegenpol – mit begrenzter Wirkung

Bund und Länder haben Förderinstrumente geschaffen, um den Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme zu erleichtern. Zuschüsse, zinsgünstige Kredite und steuerliche Abschreibungen sollen Investitionen anreizen. Dennoch zeigen Analysen, dass diese Programme nicht alle erreichen. Bürokratische Hürden, lange Planungszeiten und Unsicherheiten über zukünftige Rahmenbedingungen bremsen viele Projekte aus.

Hinzu kommt, dass nicht jedes Gebäude technisch problemlos auf alternative Heizsysteme umgestellt werden kann. In dicht bebauten Innenstädten fehlen mitunter die Voraussetzungen für Wärmepumpen, während Fernwärme nicht überall verfügbar ist. Für viele Hausbesitzer bleibt das Heizen mit Gas oder Öl vorerst die einzige Option – und damit die volle Kostenlast des steigenden CO₂-Preises.

Ein langfristiger Strukturwandel mit unmittelbaren Folgen

Aus Sicht von Energie-Experten markieren die Jahre ab 2027 einen Wendepunkt. Die Zeit vergleichsweise günstiger fossiler Heizenergie neigt sich dem Ende zu. Der Emissionshandel verleiht dieser Entwicklung eine neue Dynamik, weil er die Kosten für CO₂ transparent und spürbar macht. Heizkosten werden damit zu einem immer stärkeren Signal für den Zustand der Energiewende im Gebäudesektor.

Für Hausbesitzer bedeutet dies, dass Entscheidungen über Heizsysteme und Sanierungen künftig noch stärker unter wirtschaftlichem Druck getroffen werden. Die Prognosen der Experten zeichnen ein klares Bild: Wer auch in den kommenden Jahren auf Gas- oder Ölheizungen setzt, muss sich auf dauerhaft steigende Kosten einstellen. Die Frage ist weniger, ob die Heizkosten steigen, sondern wie schnell und wie stark.

Ein Blick nach vorn: Heizkosten als Prüfstein der Energiewende

Die Diskussion um steigende Heizkosten zeigt, wie eng Klimapolitik und private Lebensrealität miteinander verknüpft sind. Der europäische Emissionshandel soll Emissionen senken, doch er verlagert die Kosten des Klimaschutzes direkt in die Haushalte. Für viele Hausbesitzer wird sich ab 2027 entscheiden, ob die Wärmewende als gestaltbarer Übergang oder als finanzielle Belastungsprobe wahrgenommen wird.

Energie-Experten sind sich einig: Die Preisentwicklung bei Gas- und Ölheizungen ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern Teil eines langfristigen Umbaus des Energiesystems. Wie gut dieser Umbau sozial abgefedert wird und ob er breite Akzeptanz findet, wird sich nicht zuletzt an der Frage entscheiden, ob Hausbesitzer den steigenden Heizkosten etwas entgegensetzen können – oder ihnen auf Dauer ausgeliefert bleiben.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.