Frankreich verschärft sein Vorgehen gegen die Wettplattform Polymarket. Die nationale Glücksspielaufsicht ANJ hat Internetanbieter angewiesen, den Zugang zu der Seite zu blockieren, nachdem eine frühere Beschränkung von Wetten und Finanztransaktionen nicht ausgereicht hatte. Wie umfassend die Netzsperre technisch greift und ob Polymarket rechtlich dagegen vorgeht, ist bislang offen.

Paris, 21. Juli 2026. Frankreich lässt den Zugang zur Wettplattform Polymarket sperren. Der Präsident der nationalen Glücksspielaufsicht Autorité nationale des jeux, kurz ANJ, ordnete am 16. Juli an, dass französische Internetanbieter den Zugriff auf die Plattform blockieren müssen. Einen Tag später machte die Behörde die Entscheidung öffentlich.

Polymarket betreibt sogenannte Prediction Markets. Nutzer setzen dort auf den Ausgang künftiger Ereignisse – etwa auf Wahlergebnisse, Sportereignisse, politische Entscheidungen oder Wetterentwicklungen. Die Märkte sind meist als einfache Ja-oder-Nein-Fragen aufgebaut. Die Preise der jeweiligen Positionen verändern sich danach, wie wahrscheinlich die Teilnehmer einen bestimmten Ausgang einschätzen.

Die Plattform präsentiert sich damit als digitaler Prognosemarkt. Frankreichs Glücksspielaufsicht bewertet das Angebot jedoch anders: Nach ihrer Auffassung handelt es sich um nicht genehmigtes Glücksspiel. Polymarket besitzt in Frankreich keine entsprechende Zulassung und darf seine Angebote dort nach Einschätzung der ANJ weder zugänglich machen noch bewerben.

Polymarket-Sperre folgt auf gescheitertes Geoblocking

Die neue Polymarket-Sperre ist nicht der erste Eingriff französischer Behörden. Bereits im November 2024 hatte die ANJ den Betreiber Adventure One QSS Inc. kontaktiert. Das in Panama ansässige Unternehmen führte daraufhin eine geografische Beschränkung für Nutzer aus Frankreich ein.

Französische Besucher konnten die Website weiterhin öffnen, sollten jedoch keine Wetten mehr platzieren und keine finanziellen Transaktionen ausführen können. Die Plattform blieb damit sichtbar, war für betroffene Nutzer aber offiziell nur eingeschränkt verwendbar.

Aus Sicht der Glücksspielaufsicht genügte diese Lösung nicht. Das Geoblocking habe sich umgehen lassen. Zugleich seien die einzelnen Märkte, ihre laufend aktualisierten Wahrscheinlichkeiten und die daraus abgeleiteten Quoten weiterhin abrufbar gewesen.

Für die Behörde liegt genau darin ein Teil des Problems. Schon die öffentliche Darstellung solcher Quoten könne ein illegales Glücksspielangebot fördern. Entscheidend sei deshalb nicht allein, ob Nutzer unmittelbar Geld einsetzen können. Auch die Sichtbarkeit der Märkte und ihrer Preisbewegungen wertet die ANJ als mögliche Werbung für ein nicht zugelassenes Angebot.

Internetanbieter sollen Zugriff auf die Plattform verhindern

Mit der aktuellen Anordnung richtet sich Frankreich nicht länger nur an den Betreiber. Nun müssen die Internetzugangsanbieter eingreifen. Der gewöhnliche Aufruf der Polymarket-Website aus französischen Netzen soll blockiert werden.

Damit erreicht der Konflikt eine neue Stufe. Die Beschränkung von 2024 beruhte auf einer technischen Maßnahme des Unternehmens selbst. Die jetzige Polymarket-Sperre wird dagegen von der Aufsichtsbehörde durchgesetzt und auf die Infrastruktur der französischen Provider verlagert.

Ob die Website bereits bei sämtlichen Anbietern vollständig gesperrt ist, lässt sich bislang nicht abschließend beurteilen. Französische Medien berichteten kurz nach Bekanntgabe der Entscheidung, dass die Seite teilweise noch erreichbar gewesen sei. Eine öffentlich benannte Frist, innerhalb der alle Provider die Blockade umsetzen müssen, nannte die ANJ nicht.

Hunderttausende Zugriffe aus Frankreich

Die Reichweite der Plattform dürfte den Druck auf die Behörde erhöht haben. Nach von der ANJ veröffentlichten Schätzungen des Analysedienstes Similarweb kam Polymarket im Juni 2026 auf 578.751 Besuche aus Frankreich. Die Zahl der einzelnen französischen Besucher wurde auf 205.057 geschätzt.

Diese Werte stammen nicht aus internen Daten des Unternehmens. Es handelt sich um externe Reichweitenschätzungen. Dennoch zeigen sie, dass die Wettplattform in Frankreich trotz der bestehenden Einschränkungen weiterhin ein großes Publikum erreichte.

Für die Aufsicht geht es dabei nicht nur um die fehlende Lizenz. Sie verweist auf mehrere Risiken, die mit unregulierten Prognosemärkten verbunden seien.

  • Die Märkte könnten ein problematisches oder suchtgefährdendes Spielverhalten fördern.
  • Für nicht zugelassene Angebote gelten die französischen Vorgaben zum Spieler- und Jugendschutz nicht in vollem Umfang.
  • Die Behörde sieht Gefahren durch Marktmanipulation und die Nutzung nicht öffentlicher Informationen.
  • Nach ihrer Einschätzung bestehen zudem Defizite bei der verlässlichen Identifizierung einzelner Nutzer.

Polymarket verbindet klassische Wettelemente mit der Funktionsweise digitaler Handelsplätze. Einsätze und Auszahlungen werden häufig über Kryptowährungen oder an den US-Dollar gekoppelte digitale Token abgewickelt. Für nationale Aufsichtsbehörden erschwert diese Struktur die Kontrolle: Der Betreiber sitzt im Ausland, die Plattform arbeitet grenzüberschreitend, und die Transaktionen laufen teilweise über Blockchain-Systeme.

Ermittlungen wegen auffälliger Wetterwetten

Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall durch einen möglichen Manipulationsversuch im Zusammenhang mit Wetterdaten. Im Mittelpunkt stehen ungewöhnliche Messwerte einer Station am Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle sowie Wetten auf bestimmte Temperaturentwicklungen.

Es besteht der Verdacht, dass technische Messwerte beeinflusst worden sein könnten, um den Ausgang entsprechender Märkte auf Polymarket zu verändern. Der französische Wetterdienst Météo-France erstattete Anzeige. Anfang Mai eröffnete die Pariser Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren und übertrug den Fall einer auf Cyberkriminalität spezialisierten Einheit.

Bewiesen ist eine gezielte Manipulation bislang nicht. Es gibt weder einen öffentlich bestätigten Tatnachweis noch eine bekannte Verurteilung. Der Vorgang zeigt jedoch, wie anfällig Prognosemärkte sein können, wenn ihre Auswertung von einzelnen Messpunkten oder externen Datensätzen abhängt.

Schon geringe Veränderungen solcher Daten könnten finanzielle Folgen haben. Das gilt besonders für Märkte, deren Ausgang automatisiert oder anhand klar definierter Messwerte festgestellt wird. Für die Aufsicht ist das ein weiteres Argument dafür, Plattformen dieser Art nicht ohne regulatorische Kontrolle agieren zu lassen.

Frankreich geht systematisch gegen illegales Online-Glücksspiel vor

Die Polymarket-Sperre steht nicht für sich. Frankreich nutzt Netzsperren seit Jahren gegen nicht genehmigte Glücksspielanbieter. Nach eigenen Angaben ließ die ANJ allein im Jahr 2025 insgesamt 1.290 Internetadressen blockieren.

Das französische Recht erlaubt der Behörde, Internetanbieter zur Sperrung entsprechender Seiten zu verpflichten. Auch die Werbung für illegale Glücksspielangebote kann sanktioniert werden. Nach Angaben der ANJ sind Geldstrafen von bis zu 100.000 Euro möglich.

Polymarket gerät auch außerhalb Frankreichs zunehmend unter regulatorischen Druck. Weitere europäische Staaten haben den Zugang zu Prediction Markets eingeschränkt oder vergleichbare Angebote als nicht genehmigtes Glücksspiel eingestuft. Die rechtlichen Verfahren unterscheiden sich allerdings, weil die Regulierung des Glücksspiels in Europa weitgehend in nationaler Verantwortung liegt.

Eine aktuelle Stellungnahme von Polymarket zur französischen Netzsperre lag zunächst nicht vor. Ebenso ist nicht bekannt, ob der Betreiber gegen die Entscheidung vorgehen will. Offen bleibt auch, wie französische Nutzer mit bereits eröffneten Positionen oder möglichen Guthaben umgehen können, falls der direkte Zugang dauerhaft blockiert bleibt.

Der Streit um digitale Prognosemärkte verschärft sich

Mit der neuen Anordnung zieht Frankreich eine klare Grenze. Das bisherige Geoblocking sollte Einsätze verhindern, ließ die Wettplattform selbst aber weitgehend sichtbar. Die nun angeordnete Polymarket-Sperre setzt früher an: beim Zugang zur Website.

Ob die Maßnahme die Plattform tatsächlich vollständig vom französischen Markt abschirmt, ist damit noch nicht entschieden. Netzsperren erschweren den regulären Zugriff erheblich, schließen technische Umgehungsmöglichkeiten aber nicht grundsätzlich aus. Für die ANJ ist die Richtung dennoch eindeutig: Solange Polymarket seine Angebote nicht mit den französischen Glücksspielregeln in Einklang bringt, soll die Plattform aus Frankreich nicht erreichbar sein.