Spotify verschärft den Umgang mit künstlich erzeugten Künstleridentitäten. Ab Mitte September sollen sogenannte „AI Personas“ sichtbar gekennzeichnet und standardmäßig aus redaktionellen sowie algorithmischen Empfehlungen herausgenommen werden. Eine pauschale Kennzeichnung aller KI-Songs führt der Streamingdienst damit jedoch nicht ein – genau darin liegt die entscheidende Grenze der neuen Regelung.
12. August 2026 – Spotify reagiert auf die wachsende Bedeutung künstlicher Intelligenz in der Musikbranche mit einer neuen Transparenzregel. Künftig sollen Profile, hinter denen keine reale Künstlerpersönlichkeit steht, sondern eine künstlich erzeugte Identität, für Nutzer klarer erkennbar sein.
Nach Angaben von Spotify soll dafür ab Mitte September ein sichtbares „AI Persona“-Kennzeichen eingeführt werden. Es richtet sich an Künstlerprofile, deren öffentliche Identität – etwa Name und bildliche Darstellung – wie eine reale Person erscheint, tatsächlich aber künstlich erzeugt wurde und keine reale Person repräsentiert.
Der Schritt betrifft damit nicht automatisch jeden Musiker, der künstliche Intelligenz beim Songwriting, bei der Produktion oder bei einzelnen technischen Arbeitsschritten nutzt. Spotify trennt ausdrücklich zwischen der Identität eines Künstlerprofils und der Frage, wie die Musik selbst entstanden ist.
Spotify kennzeichnet künstliche Künstleridentitäten
Die neue Spotify-Kennzeichnung soll an mehreren Stellen sichtbar werden. Dazu gehören nach Unternehmensangaben die Künstlerprofile selbst, der Informationsbereich zu einem Künstler, die Suche sowie Titel, die innerhalb von Playlists auftauchen.
Nutzer sollen dabei nicht nur erkennen können, dass es sich um eine sogenannte AI Persona handelt. Spotify will auch kenntlich machen, ob ein Profil diese Einordnung selbst angegeben hat oder ob der Streamingdienst sie nach eigener Prüfung vorgenommen hat.
Das Wichtigste zusammengefasst
Spotify führt ab Mitte September eine sichtbare Kennzeichnung für künstlich erzeugte Künstleridentitäten ein. Als AI Persona eingestufte Profile sollen zugleich standardmäßig aus redaktionellen und algorithmischen Empfehlungen herausgenommen werden.
- Was ist passiert?
- Nach Angaben von Spotify soll dafür ab Mitte September ein sichtbares „AI Persona“-Kennzeichen eingeführt werden.
- Was bedeutet das?
- Spotify will als AI Persona eingestufte Künstler standardmäßig aus seinen redaktionellen und algorithmischen Empfehlungen herausnehmen.
- Was gilt konkret?
- Der Streamingdienst kennzeichnet nicht pauschal jeden künstlich erzeugten oder mit KI unterstützten Titel.
- Was ist bestätigt?
- Der Konkurrent Deezer teilte im Juli mit, dass im Juni zeitweise rund 90.000 vollständig KI-generierte Titel pro Tag auf die Plattform gelangt seien.
Seit dem 11. August können sich Betreiber solcher Profile über Spotify for Artists freiwillig als AI Persona deklarieren. Bei der Selbstauskunft allein soll es allerdings nicht bleiben. Spotify kündigte zugleich an, bestimmte Künstlerprofile eigenständig zu prüfen.
Welche Kriterien dabei im Detail gelten, bleibt teilweise offen. Das Unternehmen spricht von bestimmten Reichweiten- beziehungsweise Publikumsschwellen, ab denen Profile zunächst geprüft werden sollen. Konkrete Werte hat Spotify bislang nicht veröffentlicht.
AI Personas sollen weniger Reichweite bekommen
Das neue Label ist mehr als ein bloßer Hinweis. Spotify will als AI Persona eingestufte Künstler standardmäßig aus seinen redaktionellen und algorithmischen Empfehlungen herausnehmen.
Das ist für die Sichtbarkeit auf der Plattform relevant. Ein erheblicher Teil der Musikauswahl entsteht über automatisch zusammengestellte Playlists, personalisierte Empfehlungen und redaktionell kuratierte Inhalte. Wer dort nicht mehr auftaucht, verliert einen wichtigen Zugang zu neuen Hörern.
Eine vollständige Sperre künstlicher Künstlerprofile ist dennoch nicht vorgesehen. Die Musik bleibt grundsätzlich auffindbar und kann weiterhin gezielt abgespielt werden. Wer einem solchen Profil bewusst folgt oder gezielt danach sucht, soll dessen Titel weiterhin hören können.
Spotify setzt damit nicht auf ein generelles Verbot, sondern auf eine Kombination aus Kennzeichnung und eingeschränkter automatischer Verbreitung.
Profile, die vom Unternehmen selbst als AI Persona eingestuft werden, sollen darüber informiert werden. Betroffene können die Kennzeichnung akzeptieren oder Widerspruch einlegen. Darüber hinaus plant Spotify für die kommenden Monate eine Funktion, mit der Nutzer mutmaßlich künstliche Künstleridentitäten melden können.
KI-Künstler und KI-Songs sind nicht dasselbe
Für die Einordnung der neuen Regel ist eine Unterscheidung besonders wichtig: Das „AI Persona“-Label sagt zunächst nichts darüber aus, ob ein einzelner Song vollständig oder teilweise mit künstlicher Intelligenz produziert wurde.
Ein realer Musiker wird nach der neuen Spotify-Regel nicht allein deshalb als KI-Künstler gekennzeichnet, weil er bei der Produktion generative KI verwendet. Umgekehrt kann eine künstliche Künstleridentität mit einem entsprechenden Label versehen werden, ohne dass das Kennzeichen exakt dokumentiert, welche Teile eines Songs von einer Maschine erzeugt wurden.
Für solche Angaben nutzt Spotify ein eigenes System. Seit April 2026 können Labels und Vertriebspartner sogenannte AI Credits übermitteln. Damit lässt sich offenlegen, ob künstliche Intelligenz etwa bei Gesang, Text oder Produktion beteiligt war.
Nach Angaben von Spotify werden inzwischen täglich Zehntausende dieser KI-Angaben eingereicht. Das System hat jedoch eine klare Grenze: Die Plattform ist darauf angewiesen, dass Künstler, Labels oder Distributoren die entsprechenden Informationen tatsächlich bereitstellen.
Fehlt bei einem Titel ein KI-Hinweis, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass der Song vollständig ohne künstliche Intelligenz entstanden ist.
Keine pauschale Kennzeichnung für alle KI-Songs
Die neue Spotify-Regel ist damit enger gefasst, als die Debatte über KI-Musik zunächst vermuten lässt. Der Streamingdienst kennzeichnet nicht pauschal jeden künstlich erzeugten oder mit KI unterstützten Titel.
Stattdessen entstehen zwei getrennte Ebenen: Das „AI Persona“-Label betrifft die Identität eines Künstlerprofils. Die AI Credits sollen dagegen Auskunft darüber geben, ob und in welchem Bereich künstliche Intelligenz bei einem konkreten Song eingesetzt wurde.
Gerade diese Trennung macht deutlich, wie kompliziert eine einheitliche Kennzeichnung von KI-Musik ist. Zwischen vollständig künstlich erzeugten Projekten, realen Musikern mit KI-Werkzeugen und Mischformen existieren zahlreiche Abstufungen.
Massenhafte KI-Musik setzt Streamingdienste unter Druck
Wie hoch der Anteil KI-generierter Musik auf Spotify derzeit tatsächlich ist, lässt sich öffentlich nicht beziffern. Der Streamingdienst veröffentlicht keine aktuelle Gesamtzahl zu künstlich erzeugten Songs oder täglichen KI-Uploads.
Dass das Problem längst eine erhebliche Größenordnung erreicht hat, zeigen jedoch Zahlen anderer Anbieter. Der Konkurrent Deezer teilte im Juli mit, dass im Juni zeitweise rund 90.000 vollständig KI-generierte Titel pro Tag auf die Plattform gelangt seien. Das entsprach nach Angaben des Unternehmens mehr als der Hälfte aller täglichen Neuzugänge.
Diese Werte beziehen sich ausdrücklich auf Deezer und lassen sich nicht auf Spotify übertragen. Sie zeigen dennoch, mit welchem Tempo sich automatisiert erzeugte Musik verbreiten kann.
Spotify selbst hatte bereits im September 2025 erklärt, innerhalb eines Jahres mehr als 75 Millionen als Spam eingestufte Titel entfernt zu haben. Das Unternehmen verwies dabei darauf, dass generative KI die massenhafte Produktion und Veröffentlichung solcher Inhalte erleichtert.
Die Zahl von 75 Millionen darf allerdings nicht mit der Zahl der KI-Songs gleichgesetzt werden. Sie umfasst nach Spotifys Darstellung Spam insgesamt – und nicht ausschließlich mit künstlicher Intelligenz erzeugte Musik.
Viele KI-Titel finden kaum Publikum
Eine im Juni veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung zur Verbreitung von KI-Musik auf Streamingplattformen zeigt zugleich, dass Masse nicht automatisch Reichweite bedeutet.
93 Prozent der untersuchten KI-Musik erreichten demnach nur sehr wenige oder überhaupt keine Abrufe. Die Forscher beschrieben gleichzeitig ein Veröffentlichungsmodell, bei dem große Mengen künstlich erzeugter Musik über verschiedene Genres verteilt werden. Die Strategie zielt darauf, aus vielen Veröffentlichungen einzelne erfolgreiche Titel hervorzubringen.
Damit entsteht für Streamingdienste ein doppeltes Problem: Sie müssen einerseits mit immer größeren Mengen neuer Inhalte umgehen, andererseits entscheiden, welche Titel in Empfehlungen auftauchen und wie transparent deren Herkunft gegenüber den Nutzern dargestellt wird.
Die Musikbranche arbeitet an eigenen KI-Labels
Spotify ist mit der Frage nach einer besseren Kennzeichnung nicht allein. Mehrere internationale Musikverbände stellten im Juli ein freiwilliges Modell vor, das zwischen „KI-generiert“ und „KI-unterstützt“ unterscheidet.
Als KI-generiert sollen danach beispielsweise Aufnahmen gelten, bei denen zentrale Bestandteile wie Leadgesang oder wesentliche Instrumentalpassagen künstlich erzeugt wurden. Auch vollständig aus einem Prompt generierte Musik soll in diese Kategorie fallen.
„KI-unterstützt“ bezeichnet dagegen Aufnahmen, die im Kern von Menschen geschaffen wurden, bei denen künstliche Intelligenz aber einzelne Arbeitsschritte übernommen oder beeinflusst hat.
Auch dieses Modell ist nicht lückenlos. Nach Angaben des Bundesverbands Musikindustrie werden bestimmte Formen des KI-Einsatzes – etwa bei Songtexten, Kompositionen, Musikvideos oder Coverbildern – derzeit nicht vollständig durch diese vorgeschlagenen Kennzeichnungen abgedeckt.
Transparenz wird wichtiger als ein pauschales Verbot
Spotify verschiebt die Debatte damit weg von einer einfachen Ja-oder-Nein-Frage zu künstlicher Intelligenz in der Musik. KI als Werkzeug bleibt grundsätzlich erlaubt. Neu ist vor allem, dass künstlich erzeugte Künstleridentitäten deutlicher sichtbar werden und weniger automatisch über das Empfehlungssystem verbreitet werden sollen.
Für Nutzer entsteht dadurch mehr Orientierung, aber noch keine vollständige Transparenz. Ob hinter einem Profil eine künstliche Persona steht, soll künftig klarer erkennbar sein. Wie stark KI an einem einzelnen Song beteiligt war, hängt weiterhin von gesonderten Angaben und Kennzeichnungssystemen ab.
Die eigentliche Herausforderung bleibt damit bestehen: Streamingdienste, Musikindustrie und mögliche Regulierer müssen Regeln entwickeln, die zwischen künstlichen Künstlerfiguren, vollständig generierten Songs und menschlicher Musik mit KI-Unterstützung unterscheiden können. Spotify setzt nun einen weiteren Standard – aber noch keinen endgültigen.





















