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Telefonbetrug im Gesundheitswesen

Gefälschte 116117-Anrufe: KV Hessen warnt vor Betrügern, die Bankdaten verlangen

Smartphone mit eingehendem Anruf auf einem Schreibtisch neben Notizblock und Kugelschreiber.
Symbolbild: KI-generiert. Betrüger täuschen bei Telefonanrufen die Rufnummer des Patientenservices 116117 vor, um an Bank- und Zahlungsdaten zu gelangen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen warnt vor Betrugsanrufen, bei denen Unbekannte die Rufnummer des Patientenservices 116117 vortäuschen. Die Täter geben sich als medizinisches Personal aus und versuchen, an Bank- und Zahlungsdaten zu gelangen. Ähnliche Vorfälle waren bereits im Frühjahr in Baden-Württemberg bekannt geworden – wie viele Menschen inzwischen betroffen sind, ist weiterhin offen.

Wiesbaden, 27. Oktober 2026 – Ein Anruf mit der Nummer 116117 wirkt zunächst unverdächtig. Schließlich ist sie bundesweit als Kontakt zum ärztlichen Bereitschaftsdienst bekannt. Doch genau diese Vertrautheit nutzen Kriminelle aus. Sie lassen die offizielle Rufnummer auf dem Telefondisplay erscheinen, geben sich als Beschäftigte medizinischer Einrichtungen aus und verlangen persönliche Finanzinformationen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) hat deshalb vor einer Betrugsmasche gewarnt, die in den vergangenen Wochen wiederholt gemeldet wurde. Nach Angaben der Organisation wandten sich vermehrt Patientinnen und Patienten an die KVH, nachdem sie entsprechende Anrufe erhalten hatten.

Die Unbekannten behaupten demnach, Ärzte, Mitarbeitende des ärztlichen Bereitschaftsdienstes oder Beschäftigte einer Kassenärztlichen Vereinigung zu sein. Ihr Ziel: Bank- und Zahlungsdaten. Dass auf dem Display tatsächlich die 116117 erscheint, ist dabei Teil der Täuschung. Der Anruf stammt nicht zwangsläufig von der Einrichtung, deren Nummer angezeigt wird.

Wie viele Betrugsanrufe bislang registriert wurden und ob Betroffene bereits finanzielle Schäden erlitten haben, geht aus der aktuellen Warnung nicht hervor.

Betrugsanrufe mit der 116117: So funktioniert die Masche

Der Patientenservice 116117 gehört zu den zentralen Anlaufstellen der ambulanten medizinischen Versorgung in Deutschland. Wer außerhalb der regulären Praxiszeiten ärztliche Hilfe benötigt, ohne dass ein lebensbedrohlicher Notfall vorliegt, kann sich an den Bereitschaftsdienst wenden. Bei akuter Lebensgefahr ist dagegen die Notrufnummer 112 zuständig.

Die bundesweite Bekanntheit der 116117 macht die Nummer für Betrüger attraktiv. Während unbekannte Telefonnummern häufig Misstrauen auslösen, vermittelt eine vertraute Servicenummer zunächst Seriosität. Die Täter müssen nicht einmal den tatsächlichen Telefonanschluss des Patientenservices nutzen, um diesen Eindruck zu erzeugen.

Nach Darstellung der KV Hessen treten die Anrufer mit unterschiedlichen medizinischen Identitäten auf. Mal geben sie sich als Ärzte aus, mal als Mitarbeitende des Bereitschaftsdienstes oder einer Kassenärztlichen Vereinigung. Gemeinsam ist den gemeldeten Fällen der Versuch, sensible Finanzdaten zu erhalten.

Eine tatsächliche Verbindung der Anrufer zum Patientenservice ist damit nicht belegt. Vielmehr handelt es sich nach Angaben der KVH um eine vorgetäuschte Identität, die das Vertrauen der Angerufenen ausnutzen soll.

Warum auf dem Display trotzdem die echte Rufnummer stehen kann

Hinter der Manipulation steckt eine Technik, die als Call-ID-Spoofing bezeichnet wird. Dabei verändern Anrufer die Kennung, die beim Empfänger eines Telefonats angezeigt wird. Die sichtbare Rufnummer kann somit von der tatsächlichen Herkunft des Gesprächs abweichen.

Die Bundesnetzagentur weist seit Langem auf diese Möglichkeit hin. Eine angezeigte Telefonnummer ist demnach kein verlässlicher Nachweis dafür, wer tatsächlich anruft. Selbst eine bekannte Nummer kann missbräuchlich als Absenderkennung verwendet werden.

Bei den aktuellen Betrugsanrufen ist diese Unterscheidung entscheidend. Wer die 116117 auf seinem Telefon sieht, kann daraus nicht sicher schließen, dass sich der ärztliche Bereitschaftsdienst meldet. Die Nummer auf dem Display und die Identität des Gesprächspartners sind zwei verschiedene Dinge.

Die KV Hessen erklärt, den technischen Missbrauch der Rufnummer nicht selbst verhindern zu können. Ihre Warnung setzt deshalb vor allem darauf, Patientinnen und Patienten für verdächtige Forderungen am Telefon zu sensibilisieren.

Woran Patienten einen falschen Anruf erkennen können

Ein wesentliches Warnsignal ist die Frage nach Bank- oder Zahlungsinformationen. Die KV Hessen stellt klar, dass echte Mitarbeitende des Patientenservices solche Daten nicht telefonisch erfragen.

Wer unter dem Namen der 116117 angerufen und zur Herausgabe entsprechender Angaben aufgefordert wird, sollte das Gespräch beenden. Die angebliche berufliche Funktion des Anrufers ändert daran nichts. Auch eine korrekt wirkende Rufnummer macht eine ungewöhnliche Forderung nicht glaubwürdiger.

Die Warnung betrifft ausdrücklich die missbräuchliche Verwendung der Identität des Patientenservices. Sie bedeutet nicht, dass der reguläre Bereitschaftsdienst seine Aufgaben nicht mehr zuverlässig erfüllen könnte oder die offizielle Telefonnummer selbst ihre Gültigkeit verloren hätte.

Was Betroffene bei einem verdächtigen Anruf tun sollten

Die Empfehlungen der Kassenärztlichen Vereinigung und die Hinweise der Bundesnetzagentur lassen sich auf wenige Vorsichtsmaßnahmen konzentrieren:

  • Keine Finanzdaten herausgeben: Bankverbindungen und andere sensible Zahlungsinformationen gehören nicht in ein verdächtiges Telefongespräch.
  • Gespräch sofort beenden: Wer unter dem Namen des Patientenservices nach solchen Daten gefragt wird, sollte auflegen.
  • Selbst Kontakt aufnehmen: Besteht ein tatsächliches medizinisches Anliegen, lässt sich der Patientenservice über die eigenständig gewählte Nummer 116117 erreichen.
  • Betrugsversuch melden: Verdächtige Anrufe können der Polizei angezeigt werden. Beschwerden über manipulierte Rufnummern nimmt auch die Bundesnetzagentur entgegen.

Besonders wichtig ist die unabhängige Kontaktaufnahme. Wer Zweifel an einem Anruf hat, sollte sich nicht allein auf die eingeblendete Nummer verlassen. Erst ein selbst eingeleiteter Anruf über die bekannte Servicenummer stellt sicher, dass die Verbindung tatsächlich zum vorgesehenen Anschluss aufgebaut wird.

Bei einem begründeten Betrugsverdacht ist zudem zwischen der Meldung einer manipulierten Rufnummer und einer möglichen Strafanzeige zu unterscheiden. Die Bundesnetzagentur befasst sich mit Rufnummernmissbrauch; für die strafrechtliche Aufklärung sind Polizei und Justiz zuständig.

Warnungen vor gefälschten 116117-Anrufen gab es bereits im Frühjahr

Die aktuelle Mitteilung aus Hessen ist nicht die erste Warnung vor dieser Betrugsmasche. Bereits am 17. März 2026 machte die Landesärztekammer Baden-Württemberg auf betrügerische Anrufe im Namen des Patientenservices aufmerksam. Zuvor waren entsprechende Hinweise bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg eingegangen.

Das Deutsche Ärzteblatt berichtete am folgenden Tag über die Vorgänge. Auch der Sozialverband VdK Baden-Württemberg griff das Thema im Mai auf und informierte über die Gefahren solcher Anrufe.

Die zeitliche Abfolge zeigt, dass die missbräuchliche Verwendung der 116117 bereits Monate vor der hessischen Warnung bekannt war. Ob die damals gemeldeten Anrufe und die aktuellen Fälle miteinander zusammenhängen, ist jedoch nicht geklärt.

Aus den Meldungen verschiedener Bundesländer lässt sich auch keine belastbare Aussage über eine bundesweite Betrugswelle ableiten. Dafür fehlen konkrete Fallzahlen, vergleichbare Erhebungen und gesicherte Erkenntnisse zu möglichen Täterstrukturen.

Fest steht lediglich, dass die Masche wiederholt Gegenstand offizieller Warnungen geworden ist. Die aktuelle Mitteilung der KV Hessen bestätigt, dass weiterhin entsprechende Anrufe gemeldet werden.

Welche Möglichkeiten die Bundesnetzagentur hat

Manipulierte Rufnummernanzeigen sind kein ausschließlich medizinisches Problem. Die Bundesnetzagentur beschäftigt sich grundsätzlich mit Fällen, in denen Telefonnummern missbräuchlich verwendet werden. Die Manipulation der angezeigten Absenderrufnummer ist gesetzlich untersagt.

Die Behörde kann Beschwerden prüfen und im Rahmen ihrer Zuständigkeit gegen Rufnummernmissbrauch vorgehen. Eine vollständige technische Verhinderung solcher Anrufe ist damit allerdings nicht gewährleistet.

Für bestimmte besonders sensible Rufnummern gelten bereits spezielle Schutzvorgaben. So bestehen für die Notrufnummern 110 und 112 technische Regeln, die eine missbräuchliche Verwendung als angezeigte Absendernummer unterbinden sollen.

Bei den vorgetäuschten Anrufen des Patientenservices bleibt für die Angerufenen vor allem eines maßgeblich: Die Rufnummernanzeige allein erlaubt keine sichere Aussage über die Identität der Person am anderen Ende der Leitung.

Wie groß das Ausmaß der Betrugsversuche tatsächlich ist

Die KV Hessen berichtet von vermehrten Hinweisen aus der Bevölkerung. Eine konkrete Zahl nennt sie nicht. Damit bleibt offen, wie viele Menschen tatsächlich angerufen wurden, wie häufig die Täter persönliche Informationen erlangten und ob daraus finanzielle Schäden entstanden sind.

Auch zur Herkunft der Anrufe gibt es bislang keine gesicherten Angaben. Ob einzelne Täter oder organisierte Gruppen hinter den Vorgängen stehen, ist ebenso ungeklärt wie eine mögliche Verbindung zu den bereits im Frühjahr bekannt gewordenen Fällen.

Für die Bewertung der Warnung ist diese Unterscheidung wichtig. Die Hinweise der Kassenärztlichen Vereinigungen belegen Betrugsversuche unter missbräuchlicher Verwendung der 116117. Sie erlauben aber keine Aussage darüber, wie erfolgreich die Täter waren oder ob die Zahl solcher Anrufe deutschlandweit steigt.

Ebenso wenig ist bislang eine konkrete politische Reaktion auf die aktuelle hessische Warnung dokumentiert. Der Fall berührt zwar Fragen des Verbraucherschutzes, der Telekommunikationssicherheit und des Vertrauens in öffentliche Gesundheitsangebote. Neue gesetzliche Maßnahmen oder behördliche Entscheidungen lassen sich daraus jedoch nicht ableiten.

Wenn eine vertraute Nummer keine Sicherheit mehr bietet

Der Missbrauch der 116117 zeigt, wie wenig die Anzeige einer bekannten Telefonnummer über die tatsächliche Herkunft eines Gesprächs aussagen kann. Die Täter nutzen nicht die medizinische Dienstleistung selbst, sondern deren Wiedererkennungswert. Eine Nummer, die im Alltag Orientierung geben soll, wird so zum Mittel der Täuschung.

Für den regulären Patientenservice ändert das nichts an seiner Funktion. Die 116117 bleibt die bundesweite Anlaufstelle für den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Die Warnung der KV Hessen richtet sich gegen Personen, die sich unberechtigt auf diesen Dienst berufen.

Wie viele Menschen von den aktuellen Betrugsanrufen betroffen sind, muss offenbleiben. Die entscheidende Vorsichtsregel ist dagegen eindeutig: Wer angeblich vom Patientenservice kontaktiert und nach Bank- oder Zahlungsdaten gefragt wird, sollte das Gespräch beenden. Eine vertraute Nummer auf dem Display ist kein Beweis für einen vertrauenswürdigen Anruf.

Quellen

  1. KV Hessen warnt vor neuer BetrugsmascheKassenärztliche Vereinigung Hessen
  2. Betrugsanrufe im Namen der 116117Landesärztekammer Baden-Württemberg
  3. Manipulation von RufnummernBundesnetzagentur
  4. Achtung – Betrugsanrufe!Sozialverband VdK Baden-Württemberg
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