Stuttgarter Bandenkrieg Schüsse auf Bäckerei in Göppingen: Ermittler prüfen möglichen Zusammenhang mit Gewaltserie

31. Januar 2026 | 09:35 Uhr |

Göppingen, 31. Januar 2026 – In der Nacht zerreißen harte Knallgeräusche die winterliche Stille der Innenstadt. Sekunden später splittert Glas, eine Schaufensterscheibe bricht, Menschen schrecken hoch. Die Schüsse auf eine Bäckerei treffen eine Stadt, die sich an solche Bilder nicht gewöhnen will – und zwingen Ermittler zu einer heiklen Prüfung möglicher Hintergründe.

Die Schüsse auf die Bäckerei in der Göppinger Bleichstraße markieren einen weiteren Einschnitt für das Sicherheitsgefühl der Stadt. Gegen 2 Uhr am frühen Sonntagmorgen schlagen mehrere Projektile in die Front des Geschäfts ein. Die Scheibe zerbirst, Splitter liegen auf dem Gehweg, Einschusslöcher zeichnen sich klar ab. Verletzt wird nach bisherigem Kenntnisstand niemand – ein Umstand, der den Zufall des Tatzeitpunkts betont: In den darüberliegenden Räumen einer Bar und in einem benachbarten Lokal hielten sich noch Gäste auf. Sie bleiben unverletzt, berichten später aber von Schock und Angst.

Die Polizei reagiert schnell. Ein Zeuge hatte die Knallgeräusche gehört und den Notruf gewählt. Als die ersten Streifen eintreffen, sichern sie den Tatort, sperren den Bereich ab und beginnen mit der Spurensicherung. Schon zu diesem Zeitpunkt ist klar: Die Schüsse auf die Bäckerei sind kein harmloser Zwischenfall, sondern ein Gewaltverbrechen mit potenziell weitreichenden Folgen.

Spurensuche in der Nacht

Im Verlauf der Fahndung gerät ein Fahrzeug ins Visier der Polizei, das in der Geislinger Straße kontrolliert werden soll. Doch der Fahrer beschleunigt, versucht zu entkommen. Wenige Minuten später endet die Flucht abrupt: Das Auto prallt gegen eine Hauswand und ein geparktes Fahrzeug. Mehrere Insassen fliehen zu Fuß. Zurück bleibt ein beschädigter Wagen – und eine Reihe neuer Fragen.

An dem Fahrzeug sind nach Angaben der Ermittler falsche Kennzeichen angebracht. Die Kriminaltechnik wird hinzugezogen, ebenso Spezialisten des Landeskriminalamts Baden-Württemberg. In der Nähe der Karlsallee finden Beamte später eine scharfe Schusswaffe. Ob es sich um die Tatwaffe handelt, ist Gegenstand kriminaltechnischer Untersuchungen. Sicher ist zu diesem Zeitpunkt nur: Die Schüsse auf die Bäckerei stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Flucht und dem verunfallten Fahrzeug.

Die Spurensicherung dauert bis in die Morgenstunden. Patronenhülsen, Glasfragmente, Reifenspuren – jedes Detail wird dokumentiert. Für Anwohner ist die Szene beunruhigend. Blaulicht spiegelt sich in den Fenstern, Beamte in Schutzwesten sichern den Bereich. Göppingen erwacht an diesem Sonntag mit dem Gefühl, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Festnahmen und Haftbefehle

Bereits kurz nach der Tat gelingt der Polizei eine erste Festnahme. In der Nähe der Unfallstelle nehmen Beamte einen 33-jährigen italienischen Staatsbürger fest. Die Staatsanwaltschaft Ulm beantragt Haftbefehl, ein Richter ordnet Untersuchungshaft an. Der Mann steht im dringenden Verdacht, die Schüsse auf die Bäckerei abgegeben zu haben.

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Ein weiterer Tatverdächtiger kann zunächst entkommen. Doch auch diese Flucht ist nicht von Dauer. Nach intensiven Ermittlungen und unter Einsatz von Spezialkräften wird ein 24-jähriger Italiener im Raum Stuttgart festgenommen. Auch er sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft, ebenfalls wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Die Ermittler gehen davon aus, dass er an der Tat beteiligt war.

Ob es weitere Mittäter gibt, ist offen. Die Polizei schließt nicht aus, dass weitere Personen in die Planung oder Durchführung der Tat eingebunden waren. Die Fahndung dauert an, Zeugen werden gebeten, sich zu melden. Jede Beobachtung aus der Tatnacht kann entscheidend sein, um die Hintergründe der Schüsse auf die Bäckerei vollständig aufzuklären.

Richtet sich der Blick auf den Stuttgarter Bandenkrieg?

Mit zunehmender Dauer der Ermittlungen rückt eine Frage immer stärker in den Fokus: Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Schüssen auf die Bäckerei und der seit Jahren andauernden Gewaltserie rivalisierender Gruppen im Großraum Stuttgart? Ermittler von Polizei, Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt prüfen diese Möglichkeit mit besonderer Sorgfalt.

Seit Mitte 2022 erschüttert eine Serie schwerer Gewalttaten die Region. Die Auseinandersetzungen, die in der Öffentlichkeit häufig als Bandenkrieg bezeichnet werden, haben zu zahlreichen Verletzten und mehreren Toten geführt. Besonders ein Anschlag mit einer Handgranate auf eine Trauergemeinde im Kreis Esslingen hat sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt, die Tat markierte eine neue Eskalationsstufe.

Vor diesem Hintergrund erscheint es für die Ermittler zwingend, auch die Schüsse auf die Bäckerei in diesen Kontext einzuordnen. Doch bislang betonen die Behörden Zurückhaltung. Es gebe derzeit keine gesicherten Beweise für eine direkte Verbindung, heißt es. Die Prüfung laufe, Ergebnisse müssten abgewartet werden. Spekulationen seien fehl am Platz.

Eine Region unter genauer Beobachtung

Göppingen ist in den vergangenen Jahren mehrfach Schauplatz schwerer Gewalt geworden. Im Mai 2025 kam es in der Pappelallee zu einer Schießerei, bei der ein junger Mann schwer verletzt wurde. Im Oktober 2024 erschütterte ein Mord in einer Bar in der Gartenstraße die Stadt: Ein damals 17-Jähriger schoss mit einer automatischen Waffe auf mehrere Gäste, tötete einen Mann und verletzte zwei weitere schwer.

Diese Taten stehen nicht isoliert, sondern fügen sich in ein Bild zunehmender Brutalität, das Ermittler und Justiz seit Längerem beschäftigt. Am Ulmer Landgericht läuft derzeit ein Prozess gegen einen 34-Jährigen wegen versuchten Mordes in mehreren Fällen, die ebenfalls im Zusammenhang mit der regionalen Gewaltserie stehen sollen. Die Schüsse auf die Bäckerei werden vor diesem Hintergrund besonders aufmerksam analysiert.

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Für die Bevölkerung bedeutet diese Häufung von Vorfällen vor allem eines: Verunsicherung. Viele fragen sich, ob alltägliche Orte – Bars, Straßen, Geschäfte – zunehmend zu Tatorten werden. Die Behörden versuchen, diesen Sorgen mit Präsenz und Transparenz zu begegnen, ohne dabei die laufenden Ermittlungen zu gefährden.

Offene Fragen zu Motiv und Ziel

Was die Täter zu den Schüssen auf die Bäckerei bewogen hat, ist bislang unklar. Die Verdächtigen schweigen, zu möglichen Motiven gibt es keine offiziellen Angaben. Ob die Bäckerei gezielt ausgewählt wurde oder lediglich zufällig ins Visier geriet, bleibt offen. Ebenso unklar ist, ob die Tat eine Warnung, eine Drohung oder Teil eines größeren Konflikts war.

Die Ermittler stehen vor einer komplexen Aufgabe. Sie müssen Spuren auswerten, Verbindungen prüfen, Bewegungsprofile rekonstruieren. Die kriminaltechnische Untersuchung der sichergestellten Waffe spielt dabei eine zentrale Rolle. Ballistische Gutachten sollen klären, ob sie tatsächlich bei den Schüssen auf die Bäckerei eingesetzt wurde und ob sie mit anderen Taten in Verbindung gebracht werden kann.

Zugleich müssen Zeugenaussagen sorgfältig abgeglichen werden. Wer hat in der Tatnacht etwas gesehen oder gehört? Gab es verdächtige Beobachtungen im Vorfeld? Jede Information kann helfen, das Bild zu vervollständigen. Die Staatsanwaltschaft betont, dass die Ermittlungen Zeit benötigen – und dass vorschnelle Schlüsse vermieden werden müssen.

Zwischen Aufklärung und öffentlicher Unruhe

Die Balance zwischen notwendiger Information und der Vermeidung von Panik ist schwierig. Einerseits besteht ein berechtigtes öffentliches Interesse an den Hintergründen der Schüsse auf die Bäckerei. Andererseits können unbestätigte Annahmen das Sicherheitsgefühl weiter untergraben. Die Behörden setzen daher auf sachliche Kommunikation, regelmäßige Updates und die enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Einheiten.

Für die Stadt Göppingen ist der Vorfall mehr als eine Randnotiz. Er wirft Fragen nach Prävention, Polizeipräsenz und sozialer Entwicklung auf. Gleichzeitig mahnen Experten zur Differenzierung: Einzelne Taten, so brutal sie auch sind, dürfen nicht automatisch das Bild einer ganzen Stadt prägen.

Eine Stadt wartet auf Antworten

Die Schüsse auf die Bäckerei haben Narben hinterlassen – sichtbar im beschädigten Schaufenster, spürbar in den Gesprächen der Menschen. Wer morgens Brötchen kaufen will oder abends durch die Innenstadt geht, tut dies nun mit einem anderen Blick. Die Ermittlungen laufen weiter, akribisch und unter hohem Druck.

Am Ende geht es um mehr als die Aufklärung einer einzelnen Tat. Es geht um Vertrauen in die Sicherheit öffentlicher Räume, um das Gefühl, dass Gewalt nicht ungehindert Einzug hält. Ob sich ein Zusammenhang mit größeren kriminellen Strukturen bestätigt oder nicht, wird entscheidend dafür sein, wie die Schüsse auf die Bäckerei eingeordnet werden. Bis dahin bleibt die Hoffnung, dass Transparenz, Konsequenz und rechtsstaatliche Verfahren Antworten liefern – und der nächtliche Knall nicht zum neuen Normal wird.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.