Das Evangelische Schulzentrum Muldental in Großbardau hat sich mit seinem Beteiligungskonzept bundesweit einen Namen gemacht. Die Schule wurde für ihre Demokratiebildung ausgezeichnet und gilt als Beispiel dafür, wie Mitbestimmung im Schulalltag dauerhaft verankert werden kann. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Beteiligung nicht auf einzelne Projekte beschränkt bleibt, sondern zahlreiche Bereiche des schulischen Lebens prägt – von der Grundschule bis zum Gymnasium.

Großbardau, 3. Juni 2026 – Wenn über Demokratiebildung an deutschen Schulen diskutiert wird, stehen häufig theoretische Konzepte, politische Bildung oder einzelne Beteiligungsprojekte im Mittelpunkt. Das Evangelische Schulzentrum Muldental verfolgt einen anderen Ansatz. Hier soll Demokratie nicht nur vermittelt, sondern im Alltag erfahrbar werden. Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen mitzugestalten und ihre Schule aktiv mitzuprägen.

Diese konsequente Ausrichtung hat dem Schulzentrum weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit eingebracht. Die Einrichtung wurde beim Deutschen Schulpreis für ihre Arbeit im Bereich Demokratiebildung ausgezeichnet. Die Würdigung macht deutlich, dass das Thema Beteiligung am Evangelischen Schulzentrum Muldental nicht als ergänzendes Angebot verstanden wird, sondern als fester Bestandteil des pädagogischen Selbstverständnisses.

Demokratiebildung als tägliche Praxis

Das Evangelische Schulzentrum Muldental vereint Grundschule, Oberschule und Gymnasium unter einem gemeinsamen pädagogischen Dach. Rund 370 Kinder und Jugendliche lernen hier in einer Schulgemeinschaft, die Beteiligung bewusst fördert und demokratische Prozesse sichtbar macht.

Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass junge Menschen demokratisches Handeln vor allem durch eigenes Erleben erlernen. Deshalb werden Schülerinnen und Schüler nicht ausschließlich als Empfänger von Wissen betrachtet. Sie sollen Verantwortung übernehmen, Entscheidungen vorbereiten, Positionen vertreten und die Folgen gemeinsamer Beschlüsse nachvollziehen können.

Dieser Anspruch prägt zahlreiche Bereiche des Schulalltags. Beteiligung wird nicht auf wenige Gremien oder besondere Anlässe reduziert. Vielmehr zieht sie sich durch Unterricht, Organisation und das soziale Miteinander der gesamten Schule.

Die Auszeichnung durch den Deutschen Schulpreis wird daher vielfach als Anerkennung eines langfristig entwickelten Schulkonzepts verstanden, das Mitbestimmung konsequent in den Mittelpunkt rückt.

Mitbestimmung beginnt bereits in der Grundschule

Besonders früh setzt das Evangelische Schulzentrum Muldental auf Beteiligung. Schon die jüngsten Schülerinnen und Schüler lernen, eigene Anliegen vorzubringen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei der Klassenrat. In regelmäßigen Sitzungen besprechen die Kinder Fragen des Zusammenlebens, organisieren Vorhaben oder beraten über Konflikte. Dabei geht es nicht allein um praktische Entscheidungen. Die Kinder lernen zugleich, unterschiedliche Meinungen wahrzunehmen, Argumente auszutauschen und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen.

Beschlüsse werden dokumentiert und anschließend umgesetzt. Für die Schülerinnen und Schüler entsteht dadurch ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Diskussion, Entscheidung und Verantwortung. Demokratie wird nicht als abstraktes Thema behandelt, sondern als erfahrbarer Bestandteil des Schulalltags.

Gerade dieser frühe Einstieg gilt als wichtiger Baustein der Demokratiebildung. Kinder erfahren bereits in jungen Jahren, dass ihre Stimme Gewicht haben kann und dass gemeinschaftliche Entscheidungen auf Beteiligung angewiesen sind.

Verantwortung wächst mit dem Alter

Mit zunehmendem Alter erweitern sich auch die Beteiligungsmöglichkeiten. In den weiterführenden Schulzweigen arbeiten die Jugendlichen unter anderem in Mentorengruppen zusammen. Dort werden organisatorische Fragen, schulische Entwicklungen und Anliegen aus dem Alltag regelmäßig besprochen.

Die Schülerinnen und Schüler wählen Vertreterinnen und Vertreter, die Themen in weitere Gremien tragen und die Kommunikation zwischen Lernenden, Lehrkräften und Schulleitung unterstützen. Dadurch entstehen feste Strukturen, die Beteiligung dauerhaft ermöglichen.

Gleichzeitig setzt das Evangelische Schulzentrum Muldental auf Unterrichtsformen, die Eigenverantwortung stärken. Lernbüros, projektorientierte Arbeitsweisen und selbstständige Lernphasen sollen den Jugendlichen ermöglichen, ihren Lernprozess aktiv mitzugestalten.

Auch hier steht nicht allein der Wissenserwerb im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu setzen und Verantwortung für ihre Arbeit zu übernehmen. Beteiligung wird damit nicht nur politisch verstanden, sondern auch als Kompetenz für das eigene Lernen.

Der Schülerrat als verbindendes Element

Fragen, die über einzelne Klassen oder Lerngruppen hinausreichen, werden im Schülerrat behandelt. Dort kommen die gewählten Vertreterinnen und Vertreter zusammen, um Anliegen zu diskutieren und gemeinsame Positionen zu entwickeln.

Informationen werden anschließend in die jeweiligen Gruppen zurückgetragen. Dieser Austausch sorgt für Transparenz und ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, Entwicklungen innerhalb der Schule nachzuvollziehen.

Nach Einschätzung der Jury des Deutschen Schulpreises gehört gerade diese systematische Einbindung zu den besonderen Stärken der Schule. Beteiligung beschränkt sich nicht auf symbolische Mitwirkung, sondern wird durch feste Verfahren und regelmäßige Kommunikation gestützt.

Dadurch entstehen Strukturen, die Schülerinnen und Schülern reale Einflussmöglichkeiten eröffnen und demokratische Prozesse nachvollziehbar machen.

Demokratie als Teil der Schulkultur

Das Evangelische Schulzentrum Muldental verbindet seine Demokratiebildung mit einem umfassenden pädagogischen Leitbild. Dieses wird häufig unter dem Begriff „Hauptfach Mensch“ zusammengefasst.

Gemeint ist damit die Überzeugung, dass soziale Kompetenzen, Verantwortung, Respekt und Gemeinschaft eine ebenso große Bedeutung besitzen wie fachliche Leistungen. Bildung soll nicht allein auf Prüfungen und Abschlüsse vorbereiten, sondern auch auf das Leben in einer demokratischen Gesellschaft.

Diese Haltung zeigt sich in zahlreichen Bereichen des Schulalltags. Entscheidungen werden möglichst transparent gestaltet, unterschiedliche Perspektiven sollen Gehör finden und Konflikte konstruktiv bearbeitet werden.

Die Schule versteht sich dabei als Lern- und Lebensgemeinschaft. Demokratiebildung wird nicht auf einzelne Unterrichtsfächer begrenzt, sondern als gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten betrachtet.

Inklusion und Beteiligung gehen Hand in Hand

Ein weiterer Schwerpunkt des Schulzentrums liegt auf der inklusiven Bildung. Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Voraussetzungen lernen gemeinsam.

Nach Angaben der Schule umfasst dies Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen Förderbedarfen ebenso wie Kinder mit besonderen Begabungen oder unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. Vielfalt wird dabei als selbstverständlicher Bestandteil der Schulgemeinschaft verstanden.

Die Verantwortlichen sehen einen engen Zusammenhang zwischen Inklusion und Demokratiebildung. Wer Beteiligung ernst nehme, müsse möglichst vielen Menschen die Chance geben, sich einzubringen und gehört zu werden.

Deshalb sollen Mitwirkungsmöglichkeiten grundsätzlich allen Schülerinnen und Schülern offenstehen. Teilhabe wird nicht als Zusatzangebot verstanden, sondern als Voraussetzung für eine funktionierende Schulgemeinschaft.

Bundesweite Aufmerksamkeit für ein regionales Modell

Die Auszeichnung beim Deutschen Schulpreis hat das Evangelische Schulzentrum Muldental über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht. Die Anerkennung lenkt den Blick auf eine Schule, die über Jahre hinweg Strukturen aufgebaut hat, in denen Beteiligung und Demokratiebildung eine zentrale Rolle spielen.

Während vielerorts über die Bedeutung demokratischer Kompetenzen diskutiert wird, setzt das Schulzentrum auf praktische Erfahrungen. Schülerinnen und Schüler erleben dort regelmäßig, wie Entscheidungen vorbereitet, diskutiert und gemeinsam getroffen werden.

Gerade diese Verbindung von Alltag und Demokratiebildung hebt die Schule nach Einschätzung vieler Beobachter hervor. Demokratie erscheint nicht als theoretisches Lernfeld, sondern als gelebte Praxis innerhalb der Schulgemeinschaft.

Warum das Schulzentrum bundesweit Aufmerksamkeit erhält

Die Debatte über Demokratiebildung an Schulen dürfte in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Das Evangelische Schulzentrum Muldental liefert bereits heute ein Beispiel dafür, wie Beteiligung dauerhaft in schulische Strukturen eingebunden werden kann.

Von den ersten Erfahrungen im Klassenrat über Mentorengruppen bis hin zu schulweiten Beteiligungsprozessen zieht sich ein gemeinsamer Gedanke durch das Konzept: Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur über Demokratie sprechen, sondern demokratische Prozesse selbst erleben.

Die bundesweite Aufmerksamkeit für das Evangelische Schulzentrum Muldental zeigt, dass dieser Ansatz zunehmend als zukunftsweisend wahrgenommen wird. Die Schule macht deutlich, dass Mitbestimmung nicht erst im Erwachsenenalter beginnt. Sie beginnt dort, wo junge Menschen ernst genommen werden und die Möglichkeit erhalten, Verantwortung zu übernehmen – Tag für Tag, im ganz normalen Schulalltag.