Hitze und Trockenheit haben die Ernte 2026 in vielen Regionen Deutschlands geschwächt. Besonders bei Getreide, Kartoffeln und Äpfeln fallen die Mengen geringer aus, bei einzelnen Lebensmitteln zeigen sich bereits höhere Preise. Eine breite neue Lebensmittel-Teuerungswelle ist bislang jedoch nicht zu erkennen – und gerade bei Brot und Fleisch erwarten Fachleute vorerst keinen starken dürrebedingten Preissprung.
Berlin, 22. August 2026. Die Erntebilanz fällt in diesem Sommer vielerorts ernüchternd aus. Zu wenig Regen, hohe Temperaturen und ausgetrocknete Böden haben mehreren Kulturen zugesetzt. Auf den Feldern sinken die Erträge, im Obstbau fällt die Ernte teilweise kleiner aus. Für Verbraucher stellt sich damit eine naheliegende Frage: Welche Lebensmittel könnten wegen Hitze und Trockenheit tatsächlich teurer werden?
Eine einfache Antwort gibt es nicht. Zwar sind die Ernteausfälle inzwischen gut dokumentiert. Doch zwischen einem schwächeren Ertrag auf dem Feld und einem höheren Preis im Supermarkt liegen mehrere Stufen – Verarbeitung, Energie, Transport, Handel und nicht zuletzt der internationale Markt. Entsprechend unterschiedlich fallen die Folgen aus.
Getreideernte 2026 deutlich schwächer als im Vorjahr
Besonders sichtbar sind die Auswirkungen bei Getreide. Der Deutsche Bauernverband erwartet für 2026 eine Erntemenge von rund 41,9 Millionen Tonnen. Im vergangenen Jahr waren es noch etwa 45,2 Millionen Tonnen. Damit fällt die Ernte nach Verbandsangaben ungefähr sieben Prozent kleiner aus.
Beim Ertrag je Hektar ist der Rückgang noch deutlicher. Er liegt knapp neun Prozent unter dem Vorjahresniveau. Beim Winterraps ging der Hektarertrag sogar um rund 20 Prozent zurück. Hinter diesen Durchschnittswerten steckt allerdings ein sehr unterschiedliches Bild: Manche Regionen melden vergleichsweise stabile Erträge, andere erhebliche Verluste.
Vor allem aus Teilen Süd- und Westdeutschlands wurden schwache Ergebnisse gemeldet. Dort macht sich die Trockenheit bei mehreren Kulturen bemerkbar. Neben Getreide stehen auch Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben unter Druck.
Das Wichtigste zusammengefasst
Hitze und Trockenheit haben die Ernte 2026 bei mehreren Kulturen geschwächt. Höhere Preise zeigen sich bislang vor allem bei einzelnen Produkten, während die amtlichen Daten keine breite neue Lebensmittel-Teuerungswelle belegen.
- Was ist bestätigt?
- Nach Angaben von ZDFheute unter Berufung auf die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft sind Kartoffeln bereits teurer geworden.
- Was bedeutet das?
- Auch Salatgurken lagen zuletzt deutlich über dem Preisniveau des Vorjahres.
- Was ist bestätigt?
- Im Juli 2026 lagen Nahrungsmittel insgesamt nur 0,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.
- Was gilt konkret?
- Gegenüber Juni betrug der Anstieg lediglich 0,1 Prozent.
- Was ist noch offen?
- Auch Versorgungsengpässe oder leere Regale werden derzeit nicht erwartet.
Warum Brot deshalb nicht automatisch deutlich teurer wird
Für Verbraucher bedeutet eine kleinere Getreideernte dennoch nicht zwangsläufig deutlich höhere Brotpreise. Der Grund liegt in der Kostenstruktur: Der Rohstoff Getreide macht nur einen begrenzten Anteil am Verkaufspreis von Brot und Backwaren aus. Energie, Personal, Verarbeitung, Logistik und Vertrieb wiegen deutlich stärker.
Auch der internationale Handel spielt eine Rolle. Deutschland ist bei Getreide in größere europäische und globale Märkte eingebunden. Schlechtere Ernten im Inland können deshalb zumindest teilweise durch andere Herkunftsregionen ausgeglichen werden.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer rechnet nach aktuellem Stand ebenfalls nicht damit, dass Brot oder Fleisch allein wegen Hitze und Trockenheit kurzfristig stark teurer werden. Eine direkte Linie von der Dürre auf dem Feld zum Preis an der Ladentheke lässt sich bei diesen Produkten derzeit nicht ziehen.
Kartoffeln und Gurken geraten stärker unter Preisdruck
Anders sieht es bei einigen Frischeprodukten aus. Nach Angaben von ZDFheute unter Berufung auf die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft sind Kartoffeln bereits teurer geworden. Auch Salatgurken lagen zuletzt deutlich über dem Preisniveau des Vorjahres.
Gerade Kartoffeln reagieren empfindlich auf anhaltende Trockenheit. Aus besonders betroffenen Regionen wurden im August teilweise vertrocknete Bestände und ein stark gebremstes Wachstum gemeldet. Wo Pflanzen zu wenig Wasser bekommen, bleiben Knollen kleiner oder entwickeln sich schlechter. Das kann die verfügbare Menge verringern.
Wie stark sich dieser Effekt bundesweit auf die Preise auswirkt, lässt sich allerdings noch nicht abschließend beziffern. Die Bedingungen unterscheiden sich von Region zu Region, ebenso die Erträge. Hinzu kommen Lagerbestände, Importe und die Nachfrage im Handel.
Bei Gemüse gilt derselbe Vorbehalt. Einzelne Sorten können in einem trockenen Sommer erheblich unter Druck geraten, andere weniger. Eine pauschale Aussage, wonach Gemüse insgesamt wegen Hitze und Trockenheit deutlich teurer wird, wäre deshalb zu weitgehend.
Bei Äpfeln ist die kleinere Ernte bereits belegt
Für Äpfel liegen dagegen konkrete amtliche Schätzungen vor. Nach Angaben der Agrarstatistik des Bundes werden in Deutschland 2026 voraussichtlich rund 934.000 Tonnen geerntet. Das wären 17,9 Prozent weniger als im außergewöhnlich guten Vorjahr und 5,4 Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Hitze und Trockenheit gehören zu den Ursachen. Sie können zu kleineren Früchten, vorzeitigem Fruchtfall und Sonnenbrandschäden führen. Regional kamen Hagelschäden hinzu.
Die geringere Apfelernte erhöht grundsätzlich den Preisdruck. Ob und wann Verbraucher das deutlich merken, hängt jedoch davon ab, wie viel Ware noch aus der Vorjahresernte in den Lagern liegt und wie sich das Angebot aus anderen Regionen entwickelt. Ein sofortiger Preissprung ist daher nicht zwingend.
Nicht jede Obstsorte leidet unter der Trockenheit
Dass die Folgen der Witterung nicht für alle Kulturen gleich ausfallen, zeigt der Blick auf Pflaumen und Zwetschgen. Für 2026 wird eine Ernte von rund 49.300 Tonnen erwartet. Damit läge die Menge sogar etwa 11,5 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt.
Die Obsternte lässt sich deshalb nicht pauschal als schlecht beschreiben. Entscheidend sind Sorte, Standort, Entwicklungsphase und regionale Wetterbedingungen. Hitze und Trockenheit treffen die Landwirtschaft nicht flächendeckend mit derselben Intensität.
Freiland-Erdbeeren mit besonders schwacher Bilanz
Bei Freiland-Erdbeeren fällt die Bilanz deutlich schwächer aus. Das Statistische Bundesamt erwartete für 2026 eine Ernte von rund 71.300 Tonnen. Das wären 11,3 Prozent weniger als im Vorjahr und die geringste Menge seit 1995.
Auch beim Spargel wurde ein Rückgang prognostiziert. Die erwartete Erntemenge liegt etwa 3,4 Prozent unter dem Niveau von 2025.
Diese Entwicklung lässt sich allerdings nicht ausschließlich mit dem trockenen Sommer erklären. Bei beiden Kulturen spielen auch strukturelle Veränderungen eine Rolle, etwa kleinere Anbauflächen. Wer die aktuelle Dürre als alleinige Ursache nennen würde, würde die Lage zu stark vereinfachen.
Lebensmittel insgesamt bisher nur leicht teurer
Der wichtigste Gegenpunkt zur Debatte über steigende Lebensmittelpreise kommt aus der amtlichen Preisstatistik. Im Juli 2026 lagen Nahrungsmittel insgesamt nur 0,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Gegenüber Juni betrug der Anstieg lediglich 0,1 Prozent.
Von einer allgemeinen neuen Preiswelle bei Lebensmitteln kann deshalb derzeit keine Rede sein. Der Durchschnitt verdeckt allerdings erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Produktgruppen.
Fleisch und Fleischwaren waren im Juli teurer als ein Jahr zuvor, besonders Rind- und Kalbfleisch. Molkereiprodukte, Speisefette und Butter lagen dagegen unter dem Vorjahresniveau. Diese Bewegungen haben unterschiedliche Ursachen und können nicht pauschal auf Hitze und Trockenheit zurückgeführt werden.
Ohnehin hängen Lebensmittelpreise von weit mehr ab als von der Erntemenge im Inland. Energie- und Transportkosten spielen ebenso eine Rolle wie Löhne, Verarbeitung, Nachfrage, internationale Rohstoffmärkte, Wechselkurse und Importe. Selbst eine deutlich schwächere Ernte muss deshalb nicht automatisch in gleicher Stärke beim Verbraucher ankommen.
Bei welchen Lebensmitteln höhere Preise am ehesten drohen
Nach dem derzeitigen Stand konzentriert sich das Risiko vor allem auf Produkte, deren Angebot unmittelbar von einer schwächeren regionalen Ernte abhängt. Dazu zählen insbesondere Kartoffeln und einzelne Gemüsesorten. Bei Äpfeln ist eine kleinere Ernte bereits amtlich belegt; mögliche Preisfolgen könnten sich mit Verzögerung zeigen.
Bei Brot, Fleisch und Milchprodukten gibt es dagegen bislang keinen belastbaren Hinweis auf einen deutlichen, unmittelbar durch die Dürre ausgelösten Preissprung. Auch Versorgungsengpässe oder leere Regale werden derzeit nicht erwartet.
Für Verbraucher bleibt damit ein gemischtes Bild: Einige Lebensmittel stehen tatsächlich unter Preisdruck, andere kaum. Die Entwicklung hängt stärker von Produkt und Markt ab als von der allgemeinen Aussage, Hitze und Trockenheit machten Lebensmittel insgesamt teurer.
Die Dürre trifft die Ernte stärker als bislang die Supermarktkasse
Die Folgen des Sommers 2026 sind auf den Feldern längst sichtbar. Weniger Getreide, schwächere Kartoffelbestände und eine kleinere Apfelernte sind belegt. Auch für die Landwirtschaft ist die Belastung damit real und in vielen Regionen erheblich.
An der Supermarktkasse zeigt sich dieses Bild bisher jedoch nur punktuell. Wo Frischeprodukte direkt von regionalen Erntemengen abhängen, können höhere Preise schneller ankommen. Bei stark verarbeiteten Lebensmitteln und Produkten aus internationalen Märkten wirkt der Zusammenhang deutlich schwächer.
Damit entscheidet nicht allein das Wetter darüber, was teurer wird. Entscheidend ist, wie knapp ein Produkt tatsächlich wird, welche Alternativen der Handel hat und wie groß der Anteil des landwirtschaftlichen Rohstoffs am Endpreis ist. Die schlechte Ernte ist bereits Realität. Eine breite Lebensmittel-Teuerungswelle ist es bislang nicht.





















