Benzin und Diesel sind in Deutschland erneut teurer geworden. Neben gestiegenen Rohölpreisen erhöht das extreme Niedrigwasser am Rhein den Kostendruck, besonders in westlichen Bundesländern mit hoher Abhängigkeit von der Binnenschifffahrt. Wie stark das Niedrigwasser die Spritpreise bundesweit tatsächlich beeinflusst, lässt sich jedoch nur näherungsweise bestimmen.
Berlin, 19. August 2026. Die Spritpreise in Deutschland haben wieder angezogen. Nach Angaben des ADAC kostet ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt derzeit 2,162 Euro, für Diesel werden im Mittel 2,253 Euro fällig. Binnen einer Woche verteuerte sich E10 damit um 3,7 Cent, Diesel sogar um 5,3 Cent je Liter.
Der Anstieg kommt nicht überraschend. Schon in den Tagen zuvor waren die Preise an den Tankstellen deutlich nach oben gegangen. Zeitweise lag das Plus gegenüber der Vorwoche bei mehr als sechs Cent für Benzin und mehr als acht Cent für Diesel. Der Markt steht dabei gleich von mehreren Seiten unter Druck: Rohöl ist teurer geworden, zugleich erschwert das außergewöhnlich niedrige Wasser im Rhein den Transport von Kraftstoffen und Raffinerieprodukten.
Niedrigwasser am Rhein verteuert die Versorgung
Besonders sichtbar wird der Effekt in den westlichen Bundesländern. Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz gehören derzeit zu den teuersten Regionen beim Tanken. Nach Einschätzung des ADAC hängt dieses Gefälle zu einem erheblichen Teil mit den schwierigen Transportbedingungen auf dem Rhein zusammen.
Der Fluss ist für die Versorgung von Raffinerien und Tanklagern von großer Bedeutung. Über ihn werden sowohl fertige Kraftstoffe als auch Vorprodukte wie Gasöl oder Naphtha transportiert. Sinkt der Wasserstand, können Binnenschiffe nicht mehr voll beladen fahren. Die Folge: Für dieselbe Transportmenge sind mehr Fahrten nötig, oder Ware muss auf alternative und meist teurere Transportwege verlagert werden.
Wie stark sich das auf die Logistikkosten auswirkt, zeigen Angaben aus dem Frachtmarkt. Händler berichteten Reuters zufolge, dass die Frachtraten auf der Strecke von Rotterdam nach Karlsruhe von rund 45 Euro je Tonne Ende Juni auf etwa 150 bis 160 Euro Anfang August gestiegen seien. Solche Aufschläge schlagen nicht unmittelbar und vollständig auf den Zapfsäulenpreis durch, sie erhöhen jedoch die Kosten entlang der gesamten Versorgungskette.
Das Wichtigste zusammengefasst
Benzin und Diesel sind in Deutschland erneut teurer geworden. Niedrigwasser am Rhein verschärft den Kostendruck vor allem im Westen, während höhere Rohölpreise ebenfalls zur Entwicklung beitragen.
- Was ist passiert?
- Nach Angaben des ADAC kostet ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt derzeit 2,162 Euro, für Diesel werden im Mittel 2,253 Euro fällig.
- Was ist bestätigt?
- Binnen einer Woche verteuerte sich E10 damit um 3,7 Cent, Diesel sogar um 5,3 Cent je Liter.
- Wo?
- Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz gehören derzeit zu den teuersten Regionen beim Tanken.
- Was bedeutet das?
- Das Niedrigwasser am Rhein ist damit ein zusätzlicher Kostentreiber, nicht die alleinige Ursache für die aktuellen Spritpreise.
- Was ist noch offen?
- Exakt lässt sich der Anteil des Niedrigwassers jedoch nicht ausweisen.
Kaub wird zum kritischen Messpunkt
Für die Schifffahrt auf dem Mittelrhein spielt der Pegel Kaub eine zentrale Rolle. Nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes lag der gemessene Wasserstand dort am 19. August bei nur noch rund 11 Zentimetern. Damit bewegt sich der Pegel auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau.
Der Pegelstand lässt sich allerdings nicht direkt mit der tatsächlichen Fahrrinnentiefe gleichsetzen. Auch Schiffstyp, Tiefgang und Beladung beeinflussen, wie viel Fracht ein Binnenschiff noch transportieren kann. Für die wirtschaftliche Befahrbarkeit des Rheins ist der Wert dennoch entscheidend: Je niedriger der Pegel fällt, desto weniger Ladung können viele Schiffe aufnehmen.
Die aktuellen Spritpreise im Überblick
| Kraftstoff | Durchschnittspreis | Veränderung zur Vorwoche |
|---|---|---|
| Super E10 | 2,162 Euro je Liter | +3,7 Cent |
| Diesel | 2,253 Euro je Liter | +5,3 Cent |
Die regionalen Unterschiede fallen dabei deutlich aus. Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz lagen bei den zuletzt erhobenen Werten sowohl bei Benzin als auch bei Diesel im oberen Bereich. Vergleichsweise günstig waren Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Bayern.
Dass die Spritpreise regional so weit auseinanderliegen, hat strukturelle Gründe. Bayern ist weniger abhängig vom Rhein und wird unter anderem über Pipelines aus südlicher Richtung versorgt. In Berlin wiederum spielt laut ADAC der stärkere Wettbewerb zwischen den Tankstellen eine größere Rolle. Beides dämpft den Preisdruck zumindest teilweise.
Rohöl bleibt ein wichtiger Preistreiber
So auffällig der Zusammenhang mit dem Niedrigwasser ist: Allein erklärt er den jüngsten Anstieg der Spritpreise nicht. Der ADAC hatte bereits zuvor darauf hingewiesen, dass auch höhere Rohölpreise wesentlich zur Entwicklung beitragen. Brent und WTI hatten zuletzt wieder zugelegt.
Hinzu kommt der Wechselkurs. Weil Rohöl international in US-Dollar gehandelt wird, wirkt sich ein stärkerer Euro grundsätzlich entlastend auf europäische Käufer aus. Dieser Effekt konnte den Preisanstieg zuletzt zwar etwas abfedern, vollständig ausgleichen konnte er ihn nicht.
Die Preisbildung an der Tankstelle hängt deshalb von mehreren Faktoren gleichzeitig ab:
- vom internationalen Rohölpreis,
- vom Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar,
- von Transport- und Logistikkosten,
- von Raffinerie- und Handelsmargen,
- vom regionalen Wettbewerb zwischen Tankstellen.
Das Niedrigwasser am Rhein ist damit ein zusätzlicher Kostentreiber, nicht die alleinige Ursache für die aktuellen Spritpreise. Der ADAC geht davon aus, dass die eingeschränkte Schifffahrt den bundesweiten Durchschnitt inzwischen um einige Cent erhöhen dürfte. Exakt lässt sich der Anteil des Niedrigwassers jedoch nicht ausweisen.
Westdeutschland besonders betroffen
Schon vor dem jüngsten Preissprung hatte das Bundeskartellamt erhebliche regionale Unterschiede festgestellt. Für Juli wurden Differenzen von bis zu elf Cent je Liter bei Super E5 und bis zu zehn Cent bei Diesel registriert. Mit weiter sinkenden Rheinpegeln hat sich der Blick nun besonders auf den Westen Deutschlands gerichtet.
Dort treffen zwei Effekte aufeinander: Die Versorgung über den Rhein wird teurer, gleichzeitig bewegen sich die internationalen Rohstoffpreise auf erhöhtem Niveau. Das erklärt, warum sich regionale Engpässe bei der Logistik schneller an den Tankstellen bemerkbar machen können als in Regionen mit anderen Versorgungswegen.
Ein flächendeckender Mangel an Kraftstoff ist daraus bislang nicht entstanden. Deutschland verfügt über mehrere Transportwege. Kraftstoffe und Vorprodukte gelangen über Häfen, Raffinerien, Pipelines, Schienennetze, Straßen und Wasserstraßen in den Markt. Fällt ein Transportweg teilweise aus oder wird deutlich teurer, können andere Systeme einen Teil der Mengen übernehmen.
Das löst das Problem jedoch nicht kostenlos. Zusätzliche Lkw- oder Bahntransporte sind kapazitätsbegrenzt und verursachen höhere Kosten. Genau dieser Mechanismus macht Niedrigwasser wirtschaftlich relevant, lange bevor es zu tatsächlichen Versorgungsausfällen kommt.
Warum die Spritpreise derzeit schwer kalkulierbar sind
Für Autofahrer bedeutet die Gemengelage vor allem eines: Die weitere Entwicklung bleibt schwer vorhersehbar. Steigende Rheinpegel könnten die Logistikkosten wieder senken. Bleibt das Wasser niedrig, dürfte der Druck auf die westdeutschen Versorgungswege bestehen bleiben. Gleichzeitig kann jede Bewegung beim Rohölpreis die Lage zusätzlich verschärfen oder entspannen.
Auch die Entwicklung des Euro spielt hinein. Ein stärkerer Wechselkurs kann höhere Rohölpreise teilweise ausgleichen, ein schwächerer Euro würde den gegenteiligen Effekt haben. Dazu kommen Unterschiede bei Wettbewerb und regionaler Versorgung. Die Spritpreise reagieren deshalb nicht auf einen einzelnen Faktor, sondern auf ein Zusammenspiel mehrerer Marktbedingungen.
Das Niedrigwasser verschärft die Lage, erklärt sie aber nicht allein
Die aktuelle Entwicklung lässt sich deshalb klarer einordnen als mit einer einfachen Ursache-Wirkungs-Erklärung. Die Spritpreise sind gestiegen, und das Niedrigwasser am Rhein trägt dazu bei – vor allem im Westen Deutschlands. Zugleich bleiben die höheren Rohölpreise ein zentraler Faktor.
Wer derzeit an der Zapfsäule höhere Preise sieht, zahlt damit nicht für eine einzelne Krise. Vielmehr überlagern sich teurere Rohstoffe, erschwerte Transporte und regionale Unterschiede in der Versorgung. Genau diese Kombination macht den aktuellen Preisanstieg so hartnäckig – und erschwert eine schnelle Entlastung.





















