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Umbau bei BioNTech

Käufersuche gescheitert: BioNTech gibt drei deutsche Standorte auf

Arbeitsplatz mit Dokumenten und Laptop vor einer neutralen biotechnologischen Laborumgebung.
Symbolbild: KI-generiert. BioNTech schließt die Standorte Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein nach erfolgloser Käufersuche.

BioNTech zieht Konsequenzen aus der Neuordnung seines Produktionsnetzes: Die Standorte in Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein werden geschlossen, nachdem die Suche nach Käufern ohne Abschluss geblieben ist. Rund 1.800 Beschäftigte sind betroffen. Die BioNTech-Standorte werden jedoch nicht kurzfristig stillgelegt – der Rückzug erstreckt sich bis Ende 2028.

Mainz, 29. September 2026. Aus einer angekündigten Neuordnung wird Gewissheit. BioNTech wird drei Standorte in Deutschland schließen: Tübingen in Baden-Württemberg, Marburg in Hessen und Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz. Nach monatelanger Suche ist es dem Mainzer Unternehmen nicht gelungen, Käufer für die Werke zu finden. Laut Reuters bestätigte BioNTech, dass die Verkaufsbemühungen ohne Abschluss geblieben sind.

Für rund 1.800 Beschäftigte beginnt damit eine lange Phase des Übergangs. Denn die drei BioNTech-Standorte werden nicht gleichzeitig aufgegeben. Tübingen soll Ende 2027 schließen, Marburg Anfang 2028. In Idar-Oberstein soll der Betrieb noch bis Ende 2028 weiterlaufen.

Die Nachricht kommt nicht völlig überraschend. BioNTech hatte bereits im Mai angekündigt, sein Produktionsnetz zu verkleinern und Aktivitäten an mehreren Standorten aufzugeben. Damals blieb allerdings eine entscheidende Frage offen: Würden sich Investoren finden, die Werke oder Teile der dortigen Aktivitäten übernehmen? Diese Möglichkeit besteht für die drei deutschen Standorte nun nicht mehr.

BioNTech schließt drei Standorte bis Ende 2028

Der Zeitplan zeigt, dass es sich nicht um eine abrupte Stilllegung handelt. Zwischen der jetzt feststehenden Entscheidung und dem endgültigen Aus des letzten Standorts liegen mehr als zwei Jahre.

BioNTech-Standort Geplante Schließung Beschäftigte
Tübingen Ende 2027 mehr als 700
Marburg Anfang 2028 rund 540
Idar-Oberstein Ende 2028 rund 440

Für Marburg sind rund 540 Beschäftigte genannt, für Idar-Oberstein rund 440. Am Standort Tübingen arbeiten nach regionalen Medienberichten mehr als 700 Menschen. Eine früher von BioNTech genannte Zahl von rund 820 Stellen lässt sich dagegen nicht vollständig Tübingen zurechnen: Sie bezog sich auf deutsche und internationale Aktivitäten der übernommenen CureVac-Strukturen.

Auch deshalb ist die Gesamtzahl von rund 1.800 Betroffenen die belastbarere Größe. Sie beschreibt zunächst, wie viele Beschäftigte von der Neuordnung erfasst werden. Sie ist nicht gleichbedeutend mit 1.800 Kündigungen. Wie viele Mitarbeiter möglicherweise andere Aufgaben innerhalb des Konzerns übernehmen können, ist bislang nicht beziffert.

Die Käufersuche war die letzte offene Option

Das Wichtigste in Kürze

BioNTech schließt die Standorte Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein nach einer erfolglosen Käufersuche. Rund 1.800 Beschäftigte sind von der Neuordnung betroffen, die sich bis Ende 2028 erstreckt.

Was ist passiert?
BioNTech wird drei Standorte in Deutschland schließen: Tübingen in Baden-Württemberg, Marburg in Hessen und Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz.
Wer ist betroffen?
Für rund 1.800 Beschäftigte beginnt damit eine lange Phase des Übergangs.
Wann?
Tübingen soll Ende 2027 schließen, Marburg Anfang 2028.
Was ist bestätigt?
Nach monatelanger Suche ist es dem Mainzer Unternehmen nicht gelungen, Käufer für die Werke zu finden.
Was bedeutet das?
BioNTech hatte bereits im Mai angekündigt, sein Produktionsnetz zu verkleinern und Aktivitäten an mehreren Standorten aufzugeben.

Stand:

Die Vorgeschichte reicht bis in den Mai zurück. Damals machte BioNTech im Zuge seiner Geschäftszahlen für das erste Quartal 2026 öffentlich, dass die Produktionsstruktur konsolidiert werden soll. Für Marburg und Idar-Oberstein war schon zu diesem Zeitpunkt vorgesehen, die bisherigen Aktivitäten aufzugeben. Auch die übernommenen CureVac-Strukturen waren Teil dieser Neuordnung.

Noch war das Schicksal der Werke damit nicht endgültig entschieden. BioNTech prüfte ausdrücklich einen teilweisen oder vollständigen Verkauf der betroffenen Produktionsstätten. Ein neuer Eigentümer hätte Aktivitäten fortführen und damit zumindest eine Perspektive für Teile der Standorte schaffen können.

Im August lief diese Suche weiter. Für Marburg, Idar-Oberstein und die betroffenen CureVac-Standorte wurden weiterhin Veräußerungsmöglichkeiten geprüft. Nun steht fest: Für Tübingen, Marburg und Idar-Oberstein kam kein entsprechender Abschluss zustande. BioNTech verweist in diesem Zusammenhang auf ein schwieriges Markt- und Investitionsumfeld.

Das ist der entscheidende Unterschied zur Lage im Frühjahr. Die strategische Absicht, das Produktionsnetz zu verkleinern, war bekannt. Neu ist, dass die Alternative einer Übernahme durch andere Unternehmen für diese drei Standorte nicht zum Tragen kommt.

Marburg verliert einen Standort der mRNA-Produktion

Besondere Bedeutung hat die Entscheidung in Marburg. Das Werk war eng mit der Impfstoffproduktion während der Corona-Pandemie verbunden. Dort wurden unter anderem mRNA-Covid-19-Impfstoffe sowie Plasmid-DNA produziert. Nach Angaben des Hessischen Rundfunks sind rund 540 Beschäftigte von der geplanten Schließung betroffen.

Der Betrieb soll Anfang 2028 enden. Damit fällt die Schließung etwas später als zunächst vorgesehen. In den im Mai veröffentlichten Planungen hatte BioNTech für Marburg und Idar-Oberstein noch einen Ausstieg bis Ende 2027 in Aussicht gestellt.

In Idar-Oberstein zieht sich der Prozess deutlich länger hin. Dort ist die Schließung erst für Ende 2028 vorgesehen. Rund 440 Beschäftigte sind betroffen. Der Standort war unter anderem in die Versorgung früher klinischer mRNA-Programme sowie von Zell- und Gentherapieprogrammen eingebunden. Hinzu kamen Aufgaben in Analytik und Qualitätskontrolle.

Auch der übernommene CureVac-Standort in Tübingen schließt

Tübingen ist der dritte deutsche BioNTech-Standort, für den nun ein Enddatum feststeht. Die dortigen Aktivitäten gehören zu den Strukturen, die BioNTech im Zusammenhang mit CureVac übernommen hatte. Auch für sie wurde nach einer Veräußerungsmöglichkeit gesucht.

Der Standort soll Ende 2027 schließen und damit als erster der drei Werke den Betrieb beenden. Mehr als 700 Beschäftigte arbeiten dort nach regionalen Medienberichten. Eine genaue Zahl der Arbeitsplätze, die am Ende tatsächlich wegfallen werden, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Angaben nicht ableiten.

Dass BioNTech bei seiner Konsolidierung grundsätzlich Verkäufe realisieren konnte, zeigt der Umgang mit der Berliner Tochter JPT Peptide Technologies. Für sie wurde im August eine Übernahme durch die DUBAG Group vereinbart. Eine vergleichbare Lösung kam für die drei nun zur Schließung vorgesehenen Standorte nicht zustande.

Warum BioNTech sein Produktionsnetz verkleinert

Die Werksschließungen stehen in einem größeren strategischen Zusammenhang. BioNTech hatte die Konsolidierung bereits im Frühjahr mit veränderten Lieferbedarfen, erwarteten Überkapazitäten und vorhandenen Produktionsmöglichkeiten bei Partnern begründet. Zugleich richtet der Konzern seine Ressourcen stärker auf die eigene Onkologie-Pipeline aus.

Damit verändert sich eine Produktionslandschaft, die während der Corona-Pandemie stark vom enormen Bedarf an mRNA-Impfstoffen geprägt war. BioNTech will Kapital und Kapazitäten nun stärker dort einsetzen, wo das Unternehmen seine künftige Entwicklung sieht. Die Schließung der drei deutschen Standorte ist Teil dieser bereits länger vorbereiteten Neuordnung.

Für die Beschäftigten bleibt allerdings entscheidend, wie dieser Umbau konkret umgesetzt wird. Nach Unternehmensangaben wurden mit dem Konzernbetriebsrat Regelungen für einen sozialverträglichen Stellenabbau und zusätzliche Abfindungskonditionen vereinbart. Welche finanziellen Bedingungen im Einzelnen gelten, ist bislang nicht öffentlich bekannt.

Ebenso offen ist, wie viele Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens auf andere Stellen wechseln könnten. Die Zahl von rund 1.800 Betroffenen beschreibt deshalb die Dimension des Umbaus, nicht die endgültige Zahl möglicher Entlassungen.

Für die Standorte endet die Hoffnung auf einen Käufer

Mit dem Abschluss der Käufersuche ist die zentrale Ungewissheit der vergangenen Monate beseitigt – für die Beschäftigten allerdings in ungünstiger Richtung. Seit Mai stand fest, dass BioNTech die drei Standorte nicht dauerhaft in der bisherigen Form weiterführen wollte. Solange nach Investoren gesucht wurde, blieb eine Fortsetzung zumindest von Teilen der Aktivitäten unter einem neuen Eigentümer möglich.

Diese Option ist nun entfallen. Tübingen soll Ende 2027 schließen, Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028. Der Umbau des BioNTech-Produktionsnetzes wird sich damit über mehrere Jahre erstrecken.

Nicht abschließend geklärt ist, was nach der Stilllegung mit sämtlichen Gebäuden, Grundstücken und Produktionsanlagen geschieht. Auch die endgültigen personellen Folgen stehen noch nicht fest. Sicher ist dagegen die unternehmerische Richtung: BioNTech zieht sich aus den drei Standorten zurück und konzentriert seine Produktionsstruktur. Aus der seit Monaten diskutierten Möglichkeit eines Verkaufs wird damit ein geordneter Ausstieg.

Quellen

  1. BioNTech to shutter three sites in Germany as no buyers emergeReuters
  2. BioNTech Announces First Quarter 2026 Financial Results and Corporate UpdateBioNTech
  3. Update zur Veräußerung von JPT Peptide Technologies im Rahmen der geplanten ProduktionskonsolidierungBioNTech
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