Wenn der Parkplatz Geld kostet Parken über Nacht: Lidl testet kostenpflichtige Supermarktparkplätze in Hamburg

In Regionales
Januar 17, 2026

Hamburg, 17. Januar 2026 – Wenn die Rollläden heruntergehen und der letzte Einkaufswagen zurückgeschoben ist, beginnt auf manchen Supermarktparkplätzen ein zweites Leben. In einem Hamburger Wohnviertel wird ab sofort getestet, wie private Stellflächen über Nacht öffentlich nutzbar werden – gegen Gebühr.

Leere Parkflächen gehören in deutschen Großstädten zu den seltenen Bildern. Umso auffälliger wirkt es, wenn große Supermarktparkplätze nach Ladenschluss ungenutzt bleiben, während Anwohner Runde um Runde drehen, auf der Suche nach einem freien Stellplatz. Genau hier setzt das Pilotprojekt „Feierabendparken Lidl“ an, das in Hamburg erstmals praktisch erprobt wird. Die Discounterkette stellt ihre Parkplätze außerhalb der Öffnungszeiten gegen Entgelt zur Verfügung – ein Modell, das städtische Verkehrsplanung, Digitalisierung und Alltagsrealität miteinander verbindet.

Ein Testlauf im Hamburger Osten

Im Stadtteil Hamm, an der Carl-Petersen-Straße, beginnt Lidl gemeinsam mit der Stadt Hamburg einen zeitlich begrenzten Versuch. Zehn Stellplätze auf dem Gelände einer Filiale können zwischen 18 Uhr abends und 8 Uhr morgens gebucht werden. Der Preis ist klar definiert: drei Euro pro Nacht. Zusätzlich stehen Wochen- und Monatspakete zur Verfügung, die das Angebot insbesondere für Anwohner attraktiv machen sollen.

Das Projekt trägt den Namen „Feierabendparken“ – ein Begriff, der inzwischen synonym für neue Konzepte der Parkraumnutzung steht. Im Kern geht es darum, private Flächen temporär für die Allgemeinheit zu öffnen, ohne die reguläre Nutzung einzuschränken. Während der Geschäftszeiten bleibt der Parkplatz für Lidl-Kundinnen und Kunden weiterhin kostenlos zugänglich.

Warum Lidl Parkplätze über Nacht öffnet

Der Hintergrund des Projekts ist pragmatisch. In vielen Hamburger Quartieren ist der Parkdruck hoch, nicht zuletzt durch Umgestaltungen des öffentlichen Raums, neue Radwege oder wegfallende Stellplätze. Gleichzeitig liegen nachts große Flächen brach – Supermarktparkplätze, die tagsüber stark frequentiert sind, werden nach Geschäftsschluss kaum genutzt.

„Feierabendparken Lidl“ soll diese Lücke schließen. Aus Sicht des Unternehmens entsteht ein Zusatznutzen für das Quartier, ohne neue Flächen zu versiegeln oder kostspielige Parkhäuser zu errichten. Lidl betont, dass der Test bewusst klein gehalten wird, um Erfahrungen zu sammeln, ohne den regulären Betrieb zu beeinträchtigen.

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Digitale Buchung statt Parkscheibe

Die Nutzung der Stellplätze erfolgt vollständig digital. Anwohnerinnen und Anwohner reservieren ihren Parkplatz über eine App, die auch die Kontrolle übernimmt. Schranken oder physische Zugangssysteme sind nicht vorgesehen. Stattdessen wird über Kennzeichenerfassung und digitale Freigaben gearbeitet – ein Modell, das in der Verkehrsplanung zunehmend eingesetzt wird.

Die zeitliche Begrenzung ist klar geregelt. Spätestens um 8 Uhr morgens müssen die Fahrzeuge die Fläche verlassen haben, damit der Parkplatz wieder uneingeschränkt für den Einkauf zur Verfügung steht. Für Lidl ist diese Trennung zentral: Das nächtliche Angebot soll kein Ersatz, sondern eine Ergänzung sein.

Konditionen im Überblick

  • Nutzung: täglich von 18 Uhr bis 8 Uhr
  • Anzahl der Stellplätze: 10
  • Preis pro Nacht: 3 Euro
  • Wochenoption: 12 Euro
  • Monatspaket: 30 Euro
  • Buchung und Kontrolle: digital per App

Teil einer größeren Strategie

Für die Stadt Hamburg ist „Feierabendparken Lidl“ mehr als ein lokaler Versuch. Das Projekt fügt sich in eine breitere Strategie ein, vorhandene Flächen effizienter zu nutzen und den Verkehr in Wohngebieten zu reduzieren. Weniger Suchverkehr bedeutet weniger Lärm, weniger Abgase und eine spürbare Entlastung für Anwohner.

Hamburg ist dabei nicht allein. Vergleichbare Modelle wurden bereits in anderen Städten getestet, unter anderem in Düsseldorf. Dort stellen Supermärkte ihre Parkflächen nachts ebenfalls zur Verfügung. Die Erfahrungen aus diesen Projekten fließen in die Bewertung des Hamburger Testlaufs ein.

Zwischen Entlastung und Kommerzialisierung

So sachlich das Modell wirkt, so emotional wird es diskutiert. Kritiker sehen im kostenpflichtigen Parken auf vormals frei zugänglichen Flächen einen schleichenden Wandel. Was heute ein Pilotprojekt ist, könnte morgen zum Standard werden – mit der Folge, dass Parkraum zunehmend kommerzialisiert wird.

Befürworter halten dagegen: Der Parkplatz gehört nicht der Allgemeinheit, sondern dem Unternehmen. Die Öffnung außerhalb der Geschäftszeiten sei daher kein Verlust, sondern ein Gewinn. „Feierabendparken Lidl“ schaffe legale Stellplätze dort, wo zuvor keine vorhanden waren, und entlaste den öffentlichen Raum.

Was das Pilotprojekt leisten soll

Der Test ist zeitlich begrenzt und dient der Datensammlung. Wie hoch ist die Nachfrage? Werden die Stellplätze regelmäßig genutzt? Kommt es zu Konflikten mit dem morgendlichen Kundenverkehr? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, soll über eine Ausweitung entschieden werden.

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Für Lidl steht dabei nicht nur der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund. Das Unternehmen positioniert sich als Teil einer städtischen Lösung und verweist auf die Verantwortung großer Flächennutzer in urbanen Räumen. Gleichzeitig bleibt der wirtschaftliche Rahmen überschaubar – drei Euro pro Nacht sind kein Zufall, sondern bewusst niedrig angesetzt.

Ein Modell mit Signalwirkung

Ob „Feierabendparken Lidl“ Schule macht, wird sich erst zeigen. Der Hamburger Versuch ist ein Baustein in einer Debatte, die viele Städte beschäftigt: Wie lässt sich der knappe Raum gerecht, effizient und zeitgemäß nutzen? Digitale Buchungssysteme, flexible Nutzungszeiten und Kooperationen zwischen Stadt und Unternehmen gelten dabei als zentrale Instrumente.

Fest steht: Der Supermarktparkplatz ist nicht länger nur Abstellfläche für Einkaufswagen und Autos am Tag. In Hamburg wird er zum nächtlichen Baustein urbaner Mobilität – klein, kontrolliert und vorerst auf Probe.

Zwischen Alltag und Zukunftsfrage

Für die Anwohner im Stadtteil Hamm ist das Projekt zunächst eine praktische Lösung. Für Städteplaner und Verkehrsexperten ist es ein Testfeld. „Feierabendparken Lidl“ zeigt, wie alltägliche Infrastruktur neu gedacht werden kann, ohne große Eingriffe oder milliardenschwere Investitionen. Ob daraus ein dauerhaftes Modell wird, entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern auf dem Asphalt – Nacht für Nacht.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.