
Amsterdam, 6. Januar 2026 – Schneefall, Eis und bittere Kälte haben den Alltag in den Niederlanden in einen Ausnahmezustand versetzt. Was sonst als Musterbeispiel reibungsloser Mobilität gilt, geriet binnen Stunden ins Stocken. Flughäfen leeren sich, Züge bleiben stehen, Straßen verwandeln sich in Rutschbahnen.
Reisende stranden, Pendler improvisieren, Verkehrsunternehmen kämpfen mit den Grenzen ihrer Systeme. Der Winter hat dem Land eine Zwangspause verordnet.
In den Niederlanden ist der Verkehr am Dienstag großflächig zum Erliegen gekommen. Heftiger Schneefall, anhaltender Frost und daraus resultierende technische Probleme haben sowohl den Luft- als auch den Schienenverkehr massiv beeinträchtigt. Besonders betroffen ist der internationale Flughafen Schiphol in Amsterdam, aber auch das nationale Bahnnetz wurde zeitweise nahezu vollständig stillgelegt. Die Auswirkungen reichen weit über die Landesgrenzen hinaus und betreffen hunderttausende Reisende.
Flugverkehr unter Druck: Schiphol im Ausnahmezustand
Der Flughafen Schiphol, einer der wichtigsten europäischen Verkehrsknotenpunkte, stand am Dienstag sinnbildlich für das Ausmaß der Störungen. Schnee bedeckte Start- und Landebahnen, Enteisungsfahrzeuge arbeiteten im Dauereinsatz, doch der Betrieb blieb stark eingeschränkt. Bereits in den frühen Morgenstunden zeichnete sich ab, dass der reguläre Flugplan nicht aufrechtzuerhalten war.
Nach übereinstimmenden Berichten wurden innerhalb von zwei Tagen mehrere hundert Flüge gestrichen. Allein am Dienstag summierten sich die Ausfälle auf einen dreistelligen Bereich. Starts verzögerten sich teils um Stunden, Landungen wurden umgeleitet oder verschoben. Für viele Passagiere bedeutete dies verpasste Anschlüsse, ungeplante Übernachtungen oder die komplette Streichung ihrer Reise.
KLM besonders stark betroffen
Besonders gravierend traf es die niederländische Fluggesellschaft KLM. Sie sah sich gezwungen, einen Großteil ihres Flugplans zu reduzieren. Mehr als 300 Verbindungen wurden gestrichen, weitere kurzfristig angepasst. Der Grund lag nicht nur in der Wetterlage selbst, sondern auch in den logistischen Folgen: Crews erreichten ihre Einsatzorte nicht, Maschinen standen an falschen Flughäfen, Umläufe gerieten durcheinander.
Der Flughafen appellierte eindringlich an Reisende, ihre Flüge vor der Anreise zu überprüfen und nur mit bestätigten Abflugzeiten nach Schiphol zu kommen. Die Terminals wirkten zeitweise ungewohnt leer, während sich an den Service-Schaltern lange Schlangen bildeten – ein Kontrast, der die angespannte Lage widerspiegelte.
Zugverkehr praktisch eingestellt
Noch drastischer als in der Luft zeigte sich die Lage auf der Schiene. Der nationale Bahnkonzern NS gab bekannt, dass der Zugverkehr in großen Teilen des Landes vorübergehend eingestellt wurde. Besonders der Großraum Amsterdam war betroffen: Dort fuhren zeitweise überhaupt keine Züge mehr – weder im Nah- noch im Fernverkehr.
Ursache waren gefrorene Weichen, vereiste Schienen und technische Störungen, die einen sicheren Betrieb unmöglich machten. Die Bahn sprach von einer außergewöhnlichen Kombination aus Kälte und Schnee, die selbst für ein wintersicher ausgelegtes System kaum beherrschbar sei.
Regionale Netze ebenfalls lahmgelegt
Auch außerhalb der Hauptstadtregion blieb die Lage angespannt. Verbindungen in Richtung Utrecht, Zwolle, Leeuwarden oder Deventer waren stark eingeschränkt oder komplett ausgesetzt. Regionale Verkehrsunternehmen versuchten zwar punktuell, einzelne Strecken zu bedienen, doch auch diese Bemühungen wurden immer wieder durch neue Störungen zunichtegemacht.
Für Pendler bedeutete dies einen abrupten Bruch im Alltag. Bahnhöfe blieben geschlossen, Anzeigen zeigten reihenweise Zugausfälle, Ersatzverkehre konnten die Nachfrage nicht annähernd auffangen. Viele Arbeitnehmer mussten kurzfristig auf Homeoffice ausweichen oder Termine absagen.
Winterwetter trifft das gesamte Verkehrssystem
Die Störungen beschränkten sich nicht auf Flughäfen und Schienen. Auch der Straßenverkehr war erheblich beeinträchtigt. Glatte Fahrbahnen, festgefahrener Schnee und eingeschränkte Sicht führten zu langen Staus und zahlreichen kleineren Unfällen. Verkehrsbehörden rieten dringend davon ab, nicht notwendige Fahrten anzutreten.
Wetterwarnungen und ihre Bedeutung
Der niederländische Wetterdienst hatte bereits im Vorfeld eine Wetterwarnung der Stufe „Code Oranje“ ausgegeben. Diese Warnstufe weist auf erhebliche Gefahren durch extreme Witterung hin und gilt nur bei außergewöhnlichen Situationen. Besonders betroffen waren die dicht besiedelten Provinzen Noord-Holland, Zuid-Holland und Utrecht, wo Schnee und Eis den Verkehr nahezu lahmlegten.
Die Warnungen erwiesen sich als zutreffend. Binnen weniger Stunden verschärfte sich die Lage, da die Temperaturen dauerhaft unter dem Gefrierpunkt blieben und Schneeräumung sowie Enteisung nur begrenzte Wirkung zeigten.
Internationale Verbindungen unterbrochen
Als wichtiger Transitstaat spüren die Niederlande die Folgen solcher Störungen besonders stark. Internationale Zugverbindungen nach Deutschland und Belgien waren betroffen, da Züge ihre Ausgangsbahnhöfe nicht erreichen konnten. Auch grenzüberschreitende Fernzüge fielen aus oder endeten vorzeitig.
Im Luftverkehr wirkte sich der Stillstand in Schiphol auf den europäischen Flugplan aus. Verbindungen nach London, Paris, Zürich oder Madrid mussten gestrichen oder umgeleitet werden. Die Folge war eine Kettenreaktion, die sich auf Flughäfen in mehreren Ländern bemerkbar machte.
Reisende zwischen Frust und Improvisation
Für viele Reisende war die Situation vor allem eines: unübersichtlich. Informationsstände waren überlastet, Umbuchungen zogen sich in die Länge. Einige Passagiere verbrachten Stunden in Terminals oder Bahnhöfen, andere suchten kurzfristig nach Hotels oder alternativen Routen.
Die Unsicherheit wurde dadurch verstärkt, dass Prognosen nur eingeschränkt möglich waren. Sowohl Bahn als auch Flughäfen mussten Entscheidungen immer wieder anpassen, abhängig von Wetterentwicklung und technischer Lage.
Blick nach vorn: Wann kehrt Normalität zurück?
Meteorologen rechneten auch für die kommenden Tage mit winterlichen Bedingungen. Solange Frost und Schnee anhalten, bleibt die Lage fragil. Verkehrsunternehmen arbeiten zwar daran, den Betrieb schrittweise wieder hochzufahren, doch jede Verbesserung hängt unmittelbar von der Wetterentwicklung ab.
Insbesondere der Zugverkehr gilt als sensibel, da eingefrorene Weichen und Signaltechnik nicht kurzfristig vollständig instand gesetzt werden können. Auch am Flughafen Schiphol ist mit einem verzögerten Hochlauf zu rechnen, selbst wenn der Schneefall nachlässt.
Die aktuellen Ereignisse verdeutlichen, wie verwundbar selbst hochentwickelte Verkehrssysteme gegenüber extremen Wetterlagen sind. Die Niederlande, bekannt für Effizienz und dichte Infrastruktur, erleben eine seltene, aber eindrückliche Zäsur. Für Reisende bleibt vorerst nur Geduld – und die Erkenntnis, dass der Winter auch im 21. Jahrhundert noch immer das letzte Wort haben kann.