Radikale KI-Vision für den Staat Maschmeyer fordert KI-Revolution: Soll Künstliche Intelligenz die Verwaltung ersetzen?

26. Januar 2026 | 09:51 Uhr |

Berlin, 26. Januar 2026 – Die deutsche Verwaltung gilt als schwerfällig, überlastet und in Teilen digital abgehängt. Während Aktenstapel wachsen und Genehmigungen auf sich warten lassen, gewinnt eine Forderung an Schärfe, die bislang eher als Provokation galt. Unternehmer und Investor Carsten Maschmeyer verlangt nichts weniger als einen Systemwechsel: Künstliche Intelligenz soll die staatliche Verwaltung weitgehend ersetzen. Sein Vorstoß trifft einen Nerv – und legt zugleich die Bruchlinien einer überfälligen Debatte offen.

Die Frage, wie handlungsfähig der Staat im digitalen Zeitalter ist, beschäftigt Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seit Jahren. Onlinezugangsgesetz, digitale Bürgerportale, elektronische Akten – vieles wurde angekündigt, manches umgesetzt, vieles verschleppt. In dieses Spannungsfeld platziert Carsten Maschmeyer nun eine Forderung, die bewusst polarisiert: Statt die Verwaltung Schritt für Schritt zu digitalisieren, müsse sie grundlegend neu gedacht werden. Nicht als modernisierte Behörde, sondern als KI-gestütztes System, das Anträge prüft, Entscheidungen trifft und Verfahren beschleunigt.

Maschmeyers These ist klar formuliert und zugespitzt: Die klassische Verwaltung sei für die Anforderungen einer digitalisierten Gesellschaft nicht mehr geeignet. Was heute Wochen, Monate oder gar Jahre dauere, könne mithilfe von Künstlicher Intelligenz in Sekunden erledigt werden. Der Staat, so sein Argument, verliere nicht nur an Effizienz, sondern auch an Vertrauen, wenn er mit der Lebensrealität von Bürgern und Unternehmen nicht Schritt halte.

Maschmeyers Fundamentalkritik an der Bürokratie

Der Unternehmer, der seit Jahrzehnten zu den einflussreichsten Investoren Deutschlands zählt, spart in seiner Analyse nicht mit deutlichen Worten. Die deutsche Bürokratie beschreibt er als teuer, langsam und innovationshemmend. In Interviews verweist Maschmeyer auf konkrete Zahlen aus Kommunen und Großstädten, in denen die Zahl der Anträge sinkt, die Bearbeitungszeiten jedoch gleichzeitig steigen. Für ihn ist das ein Symptom struktureller Überforderung.

Maschmeyer argumentiert, dass viele Verwaltungsentscheidungen auf klaren Regeln, festen Kriterien und standardisierten Abläufen beruhen. Genau dort, so seine Überzeugung, liege die Stärke von Künstlicher Intelligenz. Algorithmen könnten Anträge prüfen, Daten abgleichen und Entscheidungen vorbereiten – konsistent, nachvollziehbar und ohne emotionale Verzerrung. Der Mensch, so Maschmeyers Vorstellung, würde von Routineaufgaben entlastet und könnte sich auf komplexe Einzelfälle konzentrieren.

Besonders scharf kritisiert er die langen Entscheidungswege in Bau-, Genehmigungs- und Planungsverfahren. Diese seien nicht nur ein Ärgernis für Bürger, sondern ein ernstzunehmender Standortnachteil. Unternehmen, die investieren wollen, benötigten Verlässlichkeit und Geschwindigkeit. Bleibe der Staat hier träge, wanderten Projekte und Kapital ab.

Das ist auch interessant:  Politische Werbung nach EU-Verordnung: Wann Deutschland strengere Regeln umsetzt

KI statt Aktenstapel – was Maschmeyer konkret fordert

Anders als viele Digitalisierungsbefürworter belässt es Maschmeyer nicht bei allgemeinen Appellen. Er formuliert ein klares Leitprinzip: Wird ein Antrag nicht innerhalb einer festgelegten Frist bearbeitet, soll er automatisch als genehmigt gelten. Eine solche Regelung, so seine Auffassung, würde Behörden zwingen, Prozesse zu beschleunigen – oder die Entscheidung bewusst an automatisierte Systeme zu übergeben.

Im Zentrum seiner Forderung steht dabei nicht der vollständige Verzicht auf menschliche Kontrolle, sondern eine Umkehr der Logik. KI-Systeme sollen den Regelfall abbilden, Menschen den Ausnahmefall prüfen. Verwaltung würde so vom reaktiven zum proaktiven System: Anträge würden nicht mehr abgearbeitet, sondern in Echtzeit bewertet.

Maschmeyer betont, dass es ihm nicht um einen Kahlschlag im öffentlichen Dienst gehe. Vielmehr gehe es um einen effizienten Einsatz von Ressourcen. Angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels sei es ohnehin illusorisch, die Verwaltung personell weiter aufzublähen. KI könne helfen, vorhandene Kapazitäten sinnvoller einzusetzen.

Politische Realität: Reformwille trifft auf Strukturprobleme

Maschmeyers Forderungen fallen nicht in ein politisches Vakuum. Die Bundesregierung hat mit der Schaffung eines eigenständigen Ministeriums für digitale Transformation und Regierungsmodernisierung bereits signalisiert, dass sie den Reformdruck erkannt hat. Ziel ist es, Verwaltungsprozesse zu vereinheitlichen, zu digitalisieren und medienbruchfrei zu gestalten.

Gleichzeitig zeigen zahlreiche Berichte aus Bund, Ländern und Kommunen, wie schwer sich der Staat mit der Umsetzung tut. Unterschiedliche IT-Systeme, föderale Zuständigkeiten und komplexe Vergaberegeln bremsen den Fortschritt. Selbst dort, wo digitale Lösungen existieren, werden sie oft nur zögerlich genutzt.

In diesem Kontext wirkt Maschmeyers Forderung nach einer KI-gestützten Verwaltung wie eine radikale Abkürzung. Kritiker werfen ihm vor, die Komplexität staatlichen Handelns zu unterschätzen. Befürworter hingegen sehen in seinem Vorstoß einen notwendigen Weckruf, der die Debatte aus der Komfortzone holt.

Erste Schritte: KI bereits im Einsatz

Tatsächlich ist Künstliche Intelligenz in der Verwaltung längst kein theoretisches Konzept mehr. In mehreren Bundesländern werden KI-Anwendungen getestet, etwa zur Auswertung von Anträgen, zur Priorisierung von Vorgängen oder zur Vereinfachung von Verwaltungssprache. Besonders im Bereich der Bürgerkommunikation kommen Systeme zum Einsatz, die komplexe Texte verständlicher aufbereiten.

Diese Projekte zeigen, welches Potenzial in der Technologie steckt – aber auch ihre Grenzen. Bislang fungiert KI meist als unterstützendes Werkzeug, nicht als entscheidende Instanz. Verantwortung und Entscheidungshoheit bleiben beim Menschen. Maschmeyers Vision geht deutlich darüber hinaus.

Das ist auch interessant:  Bundeskanzler dementiert Personalrochade – Bundesregierung weist Spekulationen um Jens Spahn zurück

Risiken, Verantwortung und Akzeptanz

Die Vorstellung einer Verwaltung, die weitgehend von Künstlicher Intelligenz gesteuert wird, wirft grundlegende Fragen auf. Wer trägt die Verantwortung für Fehlentscheidungen? Wie lassen sich Transparenz und Nachvollziehbarkeit algorithmischer Entscheidungen sicherstellen? Und wie kann verhindert werden, dass bestehende Ungleichheiten durch automatisierte Prozesse verstärkt werden?

Juristen und Verwaltungswissenschaftler verweisen darauf, dass staatliches Handeln immer auch Ermessensspielräume umfasst. Nicht jeder Fall lasse sich anhand von Datenpunkten entscheiden. Gerade in sensiblen Bereichen sei menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar. Maschmeyer hält dagegen, dass genau diese Ermessensspielräume heute oft zu Intransparenz und Willkür führten.

Ein weiterer Aspekt ist die gesellschaftliche Akzeptanz. Während viele Bürger über lange Wartezeiten und komplizierte Verfahren klagen, besteht zugleich ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit und Datenschutz. Der Gedanke, dass Algorithmen über Anträge, Genehmigungen oder Leistungen entscheiden, stößt nicht überall auf Zustimmung.

Maschmeyers größerer Kontext: KI als Standortfaktor

Die Forderung nach einer KI-Revolution in der Verwaltung fügt sich in Maschmeyers grundsätzliche Haltung zur technologischen Entwicklung ein. Er sieht Künstliche Intelligenz als entscheidenden Wettbewerbsfaktor für Volkswirtschaften. Staaten, die KI mutig einsetzen, würden effizienter, attraktiver für Investitionen und innovativer.

Deutschland, so seine wiederholte Warnung, laufe Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Zu oft dominierten Bedenken und Regulierung, zu selten Gestaltungswille und Tempo. Die Verwaltung sei dabei ein besonders sichtbares Beispiel für diese Zurückhaltung.

Ein Staat unter Reformdruck

Maschmeyers Vorstoß markiert einen Punkt, an dem die Debatte über Verwaltungsmodernisierung eine neue Schärfe erreicht. Ob seine Forderung nach einer weitgehenden Ersetzung der Verwaltung durch Künstliche Intelligenz realistisch oder überzogen ist, bleibt umstritten. Unübersehbar ist jedoch der wachsende Druck, den Status quo zu überwinden.

Die Frage lautet nicht mehr, ob KI in der Verwaltung eingesetzt wird, sondern wie weit dieser Einsatz gehen soll. Zwischen vorsichtiger Digitalisierung und radikalem Systemwechsel spannt sich ein Diskussionsraum, der in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen dürfte. Maschmeyer hat ihn mit seiner Forderung weit geöffnet – und damit eine Debatte angestoßen, die über Technik hinausgeht und das Selbstverständnis des Staates im digitalen Zeitalter berührt.

Avatar
Redaktion / Published posts: 3592

Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.