Eis, Baustellen, Stillstand BVG-Tramverkehr in Berlin eingestellt: Eis legt Straßenbahnen lahm, Regional- und Fernverkehr eingeschränkt

26. Januar 2026 | 12:39 Uhr |

Berlin, 26. Januar 2026 – Es ist ein Montagmorgen, der für viele Berlinerinnen und Berliner anders beginnt als geplant. Straßenbahnen bleiben in den Depots, Anzeigetafeln springen auf Störung, Ersatzverkehr, Verzögerung. Während eisiger Regen das Hauptstadtpflaster überzieht, geraten auch die großen Verkehrsadern ins Stocken. Der öffentliche Verkehr steht unter Druck – kurzfristig durch das Wetter, langfristig durch eine der größten Bahnbaustellen der vergangenen Jahre.

Der komplette Tramverkehr der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ist seit den frühen Morgenstunden eingestellt. Eisbildung auf Oberleitungen und Schienen macht einen sicheren Betrieb unmöglich. Parallel dazu spüren Pendler und Reisende die Auswirkungen einer monatelangen Generalsanierung auf der Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg. Regional- und Fernverkehr sind eingeschränkt, umgeleitet oder durch Ersatzangebote ersetzt. Für hunderttausende Fahrgäste verdichtet sich die Lage zu einer Verkehrssituation, die Organisation, Geduld und Improvisation verlangt.

Tramverkehr in Berlin eingestellt: Wenn Eis den Takt bestimmt

Dass der Tramverkehr in Berlin vollständig zum Erliegen kommt, ist ein seltener Vorgang. Am Montag jedoch blieb der BVG keine Alternative. Gefrierender Regen, niedrige Temperaturen und anhaltende Nässe führten über Nacht zu massiver Eisbildung an den Oberleitungen. Für elektrisch betriebene Straßenbahnen ist das ein unüberwindbares Hindernis. Stromabnehmer können den Fahrdraht nicht zuverlässig kontaktieren, es drohen Schäden an Fahrzeugen und Infrastruktur – vor allem aber Sicherheitsrisiken für Fahrgäste und Personal.

In der Folge stoppte die BVG den gesamten Straßenbahnbetrieb im Stadtgebiet. Betroffen sind sämtliche Linien, vom innerstädtischen Kurzstreckenverkehr bis zu den langen Ost-West-Achsen. Straßenbahnen verblieben an Haltestellen oder wurden in Depots zurückgezogen. Fahrgäste wurden gebeten, auf Busse, U-Bahnen und die S-Bahn auszuweichen – dort, wo es möglich ist.

Die Entscheidung fiel früh am Morgen, als klar wurde, dass punktuelle Maßnahmen nicht ausreichen würden. Zwar sind Enteisungsteams im Einsatz, doch die Kombination aus anhaltender Glätte und komplexer Infrastruktur macht eine schnelle Rückkehr zum Regelbetrieb schwierig. Ein konkreter Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des Tramverkehrs wurde zunächst nicht genannt.

Warum Straßenbahnen besonders anfällig sind

Im Gegensatz zu U-Bahnen oder S-Bahnen sind Straßenbahnen vollständig der Witterung ausgesetzt. Ihre Oberleitungen verlaufen offen entlang der Straßen, oft in geringer Höhe. Eis kann sich hier besonders schnell und flächig festsetzen. Hinzu kommen glatte Schienen, die den notwendigen Halt der Fahrzeuge beeinträchtigen.

  • Vereiste Oberleitungen unterbrechen die Stromzufuhr.
  • Glatte Schienen erhöhen den Bremsweg und mindern die Traktion.
  • Sicherheitsvorschriften erzwingen bei bestimmten Wetterlagen den Betriebsstopp.
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Für die BVG ist ein vollständiger Stillstand ein drastischer, aber kalkulierter Schritt. Ziel ist es, Schäden zu vermeiden und den Betrieb erst dann wieder aufzunehmen, wenn ein stabiler und sicherer Ablauf gewährleistet ist.

Ausweichverkehr und Belastungsprobe für den Nahverkehr

Der Ausfall des Tramverkehrs trifft Berlin an einem empfindlichen Punkt. Besonders im Ostteil der Stadt sind Straßenbahnen ein zentrales Rückgrat des öffentlichen Verkehrs. Buslinien werden verstärkt, stoßen jedoch rasch an ihre Kapazitätsgrenzen. U-Bahnen und S-Bahnen übernehmen einen Teil des Fahrgastaufkommens, verzeichnen jedoch ebenfalls dichtere Takte und erhöhte Auslastung.

In sozialen Netzwerken berichten Fahrgäste von vollen Fahrzeugen, längeren Wartezeiten und improvisierten Routen. Die BVG rät dazu, Wege – wenn möglich – zeitlich zu entzerren oder auf das Homeoffice auszuweichen. Gleichzeitig wird deutlich, wie stark das Berliner Verkehrssystem auf das Zusammenspiel seiner einzelnen Komponenten angewiesen ist.

Regional- und Fernverkehr eingeschränkt: Baustelle statt Wetter

Während der Tramverkehr in Berlin witterungsbedingt ruht, haben die Einschränkungen im Regional- und Fernverkehr eine andere Ursache – und eine deutlich längere Perspektive. Seit August 2025 wird die Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg grundlegend saniert. Die Arbeiten gehören zu den größten Infrastrukturprojekten im deutschen Schienennetz und sollen die Strecke langfristig leistungsfähiger und störungsresistenter machen.

Die Konsequenz ist eine vollständige Sperrung des Streckenabschnitts über mehrere Monate. Regionalzüge verkehren nur auf Teilstrecken oder werden durch Busse ersetzt. Fernzüge werden über alternative Routen umgeleitet, was die Reisezeiten spürbar verlängert. Die Bauarbeiten sollen nach aktuellem Stand bis Ende April 2026 andauern.

Was sich für Reisende konkret ändert

Für Fahrgäste bedeutet die Generalsanierung vor allem eines: Umstellung. Gewohnte Direktverbindungen entfallen, Fahrpläne ändern sich, Reisezeiten verlängern sich teils deutlich. Besonders Pendler zwischen Berlin und Hamburg müssen sich auf zusätzliche Belastungen einstellen.

  • Fernverkehrszüge werden über Ausweichstrecken geführt.
  • Die Reisezeit verlängert sich um bis zu 45 Minuten.
  • Im Regionalverkehr kommen umfangreiche Ersatzbusse zum Einsatz.
  • Umstiege und geänderte Abfahrtszeiten sind die Regel.

Die Bahn empfiehlt, Verbindungen vor Fahrtantritt sorgfältig zu prüfen und ausreichend Zeit einzuplanen. Trotz der Einschränkungen bleibt das Angebot grundsätzlich bestehen – jedoch unter deutlich veränderten Rahmenbedingungen.

Weitere regionale Störungen im Überblick

Zusätzlich zur Großbaustelle kommt es im Berliner Umland zu weiteren, kleineren Einschränkungen. Einzelne Regionalverbindungen fallen witterungsbedingt aus oder verkehren nur eingeschränkt. Auch auf Strecken zum Flughafen Berlin-Brandenburg kann es zu Ausfällen kommen. Die Kombination aus Bauarbeiten, Winterwetter und hohem Verkehrsaufkommen sorgt für eine fragile Gesamtlage.

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Pendler zwischen Geduld und Improvisation

Für viele Berufstätige verdichten sich die Einschränkungen zu einer spürbaren Belastung. Wer morgens auf die Straßenbahn angewiesen ist und anschließend einen Regionalzug nutzt, muss derzeit mit mehrfachen Umstiegen, Wartezeiten und vollen Verkehrsmitteln rechnen. Der Alltag wird langsamer, Wege werden länger, Planbarkeit geht verloren.

Gleichzeitig zeigt sich, wie flexibel viele Fahrgäste reagieren. Fahrgemeinschaften, Fahrräder, Homeoffice-Tage – zahlreiche Berlinerinnen und Berliner passen ihre Routinen an die neue Lage an. Der öffentliche Verkehr bleibt dabei trotz aller Probleme das Rückgrat der urbanen Mobilität.

Praktische Hinweise für die kommenden Tage

Angesichts der angespannten Verkehrslage raten Verkehrsunternehmen und Behörden zu vorausschauender Planung. Wer kann, sollte Stoßzeiten meiden oder alternative Arbeitsmodelle nutzen.

  • Aktuelle Verkehrsmeldungen regelmäßig prüfen.
  • Zusätzliche Zeitpuffer einplanen.
  • Alternative Routen im Blick behalten.
  • Bei kurzen Strecken auf das Fahrrad ausweichen – sofern es die Witterung zulässt.

Ein Verkehrssystem unter Realbedingungen

Der vollständige Stillstand des Tramverkehrs und die gleichzeitigen Einschränkungen im Regional- und Fernverkehr führen vor Augen, wie verletzlich selbst große Verkehrssysteme sein können. Wetterextreme und notwendige Infrastrukturmaßnahmen treffen auf ein dicht getaktetes Netz, das im Alltag kaum Spielraum kennt. Für Berlin ist diese Woche ein Stresstest – für Fahrgäste ebenso wie für die Betreiber.

Wie schnell sich die Lage entspannt, hängt kurzfristig vom Wetter ab und langfristig vom Fortschritt der Bauarbeiten. Klar ist jedoch schon jetzt: Der öffentliche Verkehr bleibt auch im Ausnahmezustand unverzichtbar. Und er zeigt, wie sehr Mobilität in der Großstadt von Planung, Wartung – und manchmal auch von der Geduld aller Beteiligten – abhängt.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.