
Leipzig, 5. Januar 2026. Der Winter liegt schwer über der Stadt, die Straßen wirken ruhig, beinahe träge. Doch hinter dieser Oberfläche ereigneten sich am Montag zwei Taten, die ein Gefühl von Unsicherheit hinterlassen. In unterschiedlichen Leipziger Stadtteilen wurden zwei junge Männer mit einem Messer bedroht und beraubt – die Polizei bittet nun um Mithilfe aus der Bevölkerung.
Innerhalb weniger Stunden kam es in Leipzig zu zwei Raubüberfällen, bei denen Täter ihre Opfer mit einem Messer einschüchterten. Die Taten ereigneten sich unabhängig voneinander, weisen jedoch in ihrer Vorgehensweise Parallelen auf. In beiden Fällen handelte es sich um junge Männer, die im öffentlichen Raum unterwegs waren, als sie plötzlich zur Zielscheibe von Gewaltandrohung wurden. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und prüft mögliche Zusammenhänge.
Erster Raubüberfall in der Philipp-Rosenthal-Straße
Der erste bekannte Vorfall ereignete sich am Montagnachmittag gegen 16:45 Uhr in der Philipp-Rosenthal-Straße. Ein 22-jähriger Mann war zu diesem Zeitpunkt auf dem Heimweg von einer nahegelegenen Straßenbahnhaltestelle. Die Umgebung wirkte belebt, der Berufsverkehr noch nicht ganz abgeklungen. Dennoch bemerkte der junge Mann zunächst nicht, dass er verfolgt wurde.
Erst als er die Haustür seines Wohnhauses erreichte, eskalierte die Situation. Ein bislang unbekannter Täter trat an ihn heran, zog ein Messer und forderte unter Androhung von Gewalt Bargeld. Der 22-Jährige reagierte besonnen, übergab dem Täter eine geringe Geldsumme und vermied jede Gegenwehr. Nach der Übergabe flüchtete der Angreifer in unbekannte Richtung.
Nach derzeitigem Kenntnisstand blieb das Opfer körperlich unverletzt. Dennoch hinterließ die Tat deutliche Spuren – psychisch wie emotional. Bedrohungen mit Messern gelten aus Sicht der Polizei als besonders einschneidend, da sie innerhalb von Sekunden lebensgefährliche Situationen schaffen können.
Die Polizei veröffentlichte eine Beschreibung des mutmaßlichen Täters, um Hinweise aus der Bevölkerung zu ermöglichen. Demnach handelt es sich um einen Mann mit folgender Beschreibung:
- etwa 1,80 Meter groß
- schwarze, kurze, lockige Haare
- Oberlippen- und Kinnbart
- weiße Daunenjacke
- dunkle Hose
Diese Merkmale sollen es Zeuginnen und Zeugen erleichtern, Beobachtungen zeitlich und örtlich einzuordnen. Insbesondere Personen, die sich zur Tatzeit in der Philipp-Rosenthal-Straße oder deren unmittelbarer Umgebung aufhielten, könnten entscheidende Hinweise liefern.
Zweiter Raubüberfall in der Leipziger Innenstadt
Nur wenige Stunden später, gegen 22:10 Uhr, kam es zu einem weiteren schweren Raubüberfall. Dieses Mal wurde ein 23-jähriger Mann im Bereich der Leipziger Innenstadt Opfer einer Gruppe von Tätern. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde der Mann von drei Personen angesprochen und unmittelbar mit einem Messer bedroht.
Anders als beim ersten Vorfall beschränkte sich die Tat nicht auf die Wegnahme von Bargeld aus dem Portemonnaie. Die Täter zwangen den 23-Jährigen, sie zu einer nahegelegenen Bankfiliale zu begleiten. Dort musste er unter ihrer Kontrolle Geld abheben. Der gesamte abgehobene Betrag wurde ihm anschließend abgenommen.
Erst danach ließen die Täter von ihrem Opfer ab und flüchteten in Richtung des Torgauer Platzes. Auch in diesem Fall blieb der Geschädigte körperlich unverletzt, stand jedoch unter erheblichem psychischem Druck. Die Polizei wertet den Umstand, dass die Täter ihr Opfer bis in eine Bank begleiteten, als besonders schwerwiegend.
Zu den drei Tatverdächtigen liegen bislang nur allgemeine Beschreibungen vor:
- männlich
- etwa 20 bis 30 Jahre alt
- dunkle Kleidung
- teilweise deutschsprachig
Trotz der bislang eingeschränkten Täterbeschreibung hofft die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung. Gerade in den Abendstunden sind in der Innenstadt häufig Passanten unterwegs, die verdächtige Situationen oder Personengruppen wahrgenommen haben könnten.
Polizeiliche Ermittlungen und mögliche Zusammenhänge
Die Leipziger Kriminalpolizei hat in beiden Fällen Ermittlungsverfahren wegen schweren Raubes eingeleitet. Ob zwischen den beiden Raubüberfällen ein direkter Zusammenhang besteht, ist derzeit noch offen. Aufgrund der zeitlichen Nähe und der ähnlichen Tatmittel prüfen die Ermittler jedoch entsprechende Ansätze.
Nach Angaben der Polizei werden derzeit unter anderem mögliche Überschneidungen in Fluchtrouten, Tätermerkmalen und Tatzeiten ausgewertet. Auch Videomaterial aus dem öffentlichen Raum könnte eine Rolle spielen. Öffentliche Plätze, Straßenbahnhaltestellen und Bankfilialen verfügen teilweise über Überwachungssysteme, deren Auswertung jedoch Zeit in Anspruch nimmt.
Ein Polizeisprecher erklärte, dass die Ermittlungen in alle Richtungen geführt würden. Konkrete Tatverdächtige gebe es zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Die Polizei setze daher verstärkt auf Hinweise aus der Bevölkerung.
Bedeutung von Zeugenhinweisen
Zeugenaufrufe sind bei Raubdelikten dieser Art ein zentrales Instrument der Ermittlungsarbeit. Gerade dann, wenn Täter nach der Tat schnell flüchten und bislang nicht identifiziert sind, können Beobachtungen aus der Bevölkerung entscheidend sein. Dazu zählen nicht nur direkte Sichtungen der Täter, sondern auch ungewöhnliche Wahrnehmungen vor oder nach der Tat.
Die Polizei bittet daher insbesondere Personen, die sich am Montagnachmittag in der Philipp-Rosenthal-Straße oder am späten Abend im Bereich der Innenstadt aufgehalten haben, um Mithilfe. Auch scheinbar nebensächliche Details – etwa auffällige Kleidung, hektisches Verhalten oder Fluchtbewegungen – können im Gesamtbild eine wichtige Rolle spielen.
Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Leipzig telefonisch unter 0341 96 64 66 66 entgegen. Angaben können auf Wunsch auch anonym erfolgen. Die Polizei betont, dass jede Information sorgfältig geprüft werde.
Raubüberfälle und das Sicherheitsgefühl in der Stadt
Raubüberfälle mit Messern wirken über den konkreten Tatort hinaus. Sie beeinflussen das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Menschen, insbesondere wenn sie sich im öffentlichen Raum bewegen. Leipzig gilt zwar insgesamt als vergleichsweise sichere Großstadt, dennoch zeigen einzelne Vorfälle, wie schnell alltägliche Situationen kippen können.
Die Polizei verweist in diesem Zusammenhang auf präventive Hinweise: Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum, das Vermeiden abgelegener Wege in den Abendstunden und das schnelle Informieren der Polizei bei verdächtigen Beobachtungen. Gleichzeitig betonen die Ermittler, dass Opfer von Raubtaten richtig gehandelt haben, wenn sie keinen Widerstand leisten. Der Schutz der eigenen körperlichen Unversehrtheit habe stets oberste Priorität.
Zwischen Alltag und Alarmbereitschaft
Die beiden Raubüberfälle zeigen, wie dünn die Grenze zwischen alltäglicher Routine und bedrohlicher Ausnahmesituation sein kann. Ein Heimweg von der Haltestelle, ein Abend in der Innenstadt – beides Situationen, die für viele Menschen zum täglichen Leben gehören. Umso größer ist die Verunsicherung, wenn Gewaltandrohung Teil dieses Alltags wird.
Für die Polizei bleibt die Aufklärung der Taten oberstes Ziel. Gleichzeitig richtet sich der Blick auf die Stadtgesellschaft: Aufmerksamkeit, Zivilcourage und die Bereitschaft, Beobachtungen zu teilen, sind entscheidende Faktoren, um solche Straftaten aufzuklären und künftige zu verhindern. Leipzig steht damit vor einer bekannten, aber immer wieder neuen Herausforderung – Sicherheit im urbanen Raum zu gewährleisten, ohne den offenen Charakter der Stadt zu verlieren.