
08. Januar 2026. Schneefall, Eisregen und stürmische Böen legen weite Teile Deutschlands lahm. Straßen werden spiegelglatt, Züge fahren unregelmäßig, der Alltag verlangsamt sich spürbar. Während sich viele Menschen auf ein winterliches Wochenende einstellen, richtet sich der Blick der Fußballfans auf eine bange Frage: Kann der Rückrundenstart der Bundesliga unter diesen Bedingungen wie geplant stattfinden?
Mit dem 16. Spieltag beginnt an diesem Wochenende die Rückrunde der Fußball-Bundesliga. Nach einer kurzen Winterpause kehren Spieler, Trainer und Fans in den Ligaalltag zurück – doch das Timing ist heikel. Ein massives Wintertief sorgt derzeit vor allem im Norden und Osten Deutschlands für extreme Wetterverhältnisse. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor anhaltendem Schneefall, Eisregen und starken Windböen. Die Prognosen reichen bis in den Samstag und Sonntag hinein. Entsprechend wächst die Unsicherheit, ob alle angesetzten Partien wie vorgesehen angepfiffen werden können.
Bundesliga und Wetterlage: DFL hält Spielplan vorerst aufrecht
Trotz der angespannten Lage gibt es bislang eine klare Linie aus Frankfurt am Main, dem Sitz der Deutschen Fußball Liga. Offizielle Spielabsagen oder Verlegungen wurden bis zum Donnerstagabend nicht ausgesprochen. Nach Angaben aus Ligakreisen finden derzeit alle Begegnungen statt. Die DFL betont jedoch, dass die Situation kontinuierlich neu bewertet werde. Entscheidungen würden nicht pauschal, sondern standortbezogen getroffen – abhängig von Witterung, Infrastruktur und Sicherheitslage rund um die Stadien.
Gerade bei Winterspielen ist die Schwelle für eine Absage hoch. Bundesliga-Stadien verfügen über Rasenheizungen, moderne Drainagesysteme und eingespielte Winterdienstkonzepte. Schnee allein gilt längst nicht mehr als ausreichender Grund für eine Spielverlegung. Kritisch wird es vor allem dann, wenn Eisregen, extreme Glätte oder Sturm die sichere Durchführung – insbesondere die An- und Abreise von Zuschauern, Mannschaften und Einsatzkräften – gefährden.
Diese Spiele stehen besonders im Fokus
Besondere Aufmerksamkeit gilt jenen Partien, die in Regionen stattfinden, für die derzeit die schärfsten Unwetterwarnungen gelten. Am Samstagnachmittag sind unter anderem folgende Begegnungen angesetzt:
- Werder Bremen gegen TSG 1899 Hoffenheim
- 1. FC Union Berlin gegen FSV Mainz 05
- FC St. Pauli gegen RB Leipzig
Alle drei Spiele sollen um 15:30 Uhr beginnen. Sowohl Bremen als auch Hamburg und Berlin liegen in Gebieten, in denen der Deutsche Wetterdienst vor gefährlicher Glätte, Schneeverwehungen und teils stürmischen Böen warnt. Bislang halten die Vereine an den Planungen fest, bereiten sich jedoch intensiv auf winterliche Bedingungen vor.
Wintersturm „Elli“ setzt Nord- und Ostdeutschland unter Druck
Auslöser der angespannten Lage ist das Sturmtief „Elli“, das kalte Polarluft nach Deutschland bringt. Die Wettermodelle sagen eine Mischung aus starkem Schneefall und Eisregen voraus – eine Kombination, die besonders tückisch ist. Während Schnee technisch gut beherrschbar ist, sorgt Eisregen für spiegelglatte Flächen, die selbst mit Streusalz nur schwer in den Griff zu bekommen sind.
Betroffen sind weite Teile Norddeutschlands, der Harz sowie Berlin und Brandenburg. In einzelnen Regionen können Windböen von bis zu 70 Kilometern pro Stunde auftreten. Der Deutsche Wetterdienst spricht von einer „erheblichen Gefahr für den Straßen- und Schienenverkehr“. Diese Warnungen haben unmittelbare Bedeutung für den Spielbetrieb der Bundesliga, der auf funktionierende Verkehrswege angewiesen ist.
Amateurfußball bereits gestoppt – Profis hoffen auf Austragung
Während die Profiliga noch auf Durchführung setzt, sind die Auswirkungen im Amateur- und Jugendfußball bereits deutlich spürbar. In Hamburg wurden sämtliche Amateurspiele bis einschließlich Sonntag abgesagt. Auch in anderen Landesverbänden ruht der Spielbetrieb. Diese Maßnahmen verdeutlichen, wie ernst die Lage eingeschätzt wird.
Im Profifußball jedoch gelten andere Maßstäbe. Die Stadien sind technisch besser ausgestattet, die Organisation ist zentralisiert, und die Sicherheitskonzepte sind umfangreicher. Dennoch zeigt der Blick auf die aktuelle Wetterlage, dass auch die Bundesliga nicht vollständig immun gegen extreme Witterung ist.
Union Berlin: Rasenheizung reicht – Umfeld bleibt Herausforderung
Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Spiel des 1. FC Union Berlin gegen den FSV Mainz 05. Das Stadion An der Alten Försterei verfügt über eine funktionierende Rasenheizung, sodass der Platz selbst als spielfähig gilt. Die größere Herausforderung liegt im Umfeld. Zufahrtsstraßen, Gehwege und Zugänge könnten durch Eis und Schnee gefährlich werden.
Aus der Fanszene heraus gibt es daher konkrete Hilfsaufrufe. Anhänger haben angekündigt, mit Schneeschaufeln und Besen anzurücken, um Wege freizuhalten und den Ordnungsdiensten zu helfen. Der Verein unterstützt diese Initiative organisatorisch, betont jedoch, dass die Sicherheit oberste Priorität habe. Sollte diese nicht gewährleistet sein, müsste auch in Berlin neu entschieden werden.
Auch Bremen und Hamburg unter Beobachtung
Ähnlich angespannt ist die Lage in Bremen und Hamburg. An der Weser wie an der Elbe wird mit anhaltendem Schneefall gerechnet. Beide Stadien verfügen über moderne Infrastruktur, doch auch hier gilt: Der limitierende Faktor ist weniger der Rasen als vielmehr die Logistik rund um das Spiel.
Der FC St. Pauli etwa rechnet mit schwierigen Anreisebedingungen für Fans aus dem Umland. Der Verein steht in engem Austausch mit den Behörden und dem öffentlichen Nahverkehr, um kurzfristig auf mögliche Einschränkungen reagieren zu können.
Warum Spiele trotz Schnee oft stattfinden
In der öffentlichen Wahrnehmung wird häufig unterschätzt, wie robust der Profifußball inzwischen gegenüber winterlichen Bedingungen ist. Rasenheizungen verhindern ein Durchfrieren des Bodens, mobile Überdachungen schützen empfindliche Bereiche, und große Räumteams stehen bereit. In der Vergangenheit wurden Bundesliga-Spiele selbst bei starkem Schneefall ausgetragen.
Hinzu kommt der enge Terminplan. Spielabsagen ziehen umfangreiche organisatorische Konsequenzen nach sich, betreffen Fernsehübertragungen, Sicherheitsdienste, Reiseketten der Mannschaften und die gesamte Spieltagslogistik. Entsprechend hoch ist die Hürde für eine Verlegung.
Wo die Grenze erreicht ist
Die Grenze wird dort gezogen, wo Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann. Das betrifft vor allem:
- Gefährliche Glätte auf Zufahrts- und Rettungswegen
- Sturmböen, die Aufbauten oder Werbeanlagen gefährden
- Massive Einschränkungen im Bahn- und Straßenverkehr
Treffen mehrere dieser Faktoren zusammen, kann auch ein technisch bestens ausgestattetes Stadion nicht mehr als ausreichend sicher gelten. Genau diese Gemengelage wird für einzelne Regionen am Wochenende nicht ausgeschlossen.
Anreise der Fans als kritischer Faktor
Ein zentrales Thema in den Überlegungen der DFL ist die Anreise der Zuschauer. Der Profifußball trägt Verantwortung für Zehntausende Menschen, die sich gleichzeitig auf den Weg machen. Bereits jetzt warnt die Deutsche Bahn vor Verspätungen und möglichen Teilausfällen, insbesondere im Norden Deutschlands.
Vereine raten ihren Anhängern zu frühzeitiger Anreise, warmem Schuhwerk und erhöhter Vorsicht. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass kurzfristige Entscheidungen möglich sind. Fans werden gebeten, sich vor der Abfahrt über die aktuellen Entwicklungen zu informieren.
Aktueller Stand: Keine Absagen, aber maximale Wachsamkeit
Zusammengefasst lässt sich festhalten: Stand Donnerstagabend sind keine Bundesliga-Spiele am Wochenende offiziell abgesagt. Die DFL hält am Spielplan fest, betont jedoch ihre Flexibilität. Jede Partie wird einzeln bewertet, Entscheidungen können kurzfristig fallen.
Die kommenden 24 bis 48 Stunden gelten als entscheidend. Sollten sich die Wetterprognosen verschärfen oder die Verkehrslage deutlich verschlechtern, könnten einzelne Spiele doch noch betroffen sein. Bis dahin bleibt es bei erhöhter Alarmbereitschaft – auf Seiten der Liga, der Vereine und der Fans.
Ein Rückrundenstart unter Beobachtung
Der Start in die zweite Saisonhälfte steht damit unter einem besonderen Vorzeichen. Der Fußball möchte Normalität bieten, doch das Wetter setzt klare Grenzen. Ob der Rückrundenauftakt als sportlicher Neustart oder als organisatorischer Kraftakt in Erinnerung bleiben wird, entscheidet sich nicht auf dem Rasen, sondern am Himmel über Deutschland.