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KRISTIANSTAD, 17. Januar 2026 — Es ist einer dieser Abende, an denen Hoffnung und Realität hart aufeinanderprallen. Italien feiert seine Rückkehr auf die große Bühne der Handball-Europameisterschaft, doch schon nach wenigen Minuten wird klar: Der Weg zurück in Europas Spitze ist steinig. Für Trainer Bob Hanning endet der Auftakt in Skandinavien in einer schmerzhaften Lehrstunde.
Mit einer deutlichen 26:39-Niederlage gegen Island ist die italienische Handball-Nationalmannschaft in die Europameisterschaft gestartet. Das Ergebnis ist mehr als nur ein verlorenes Spiel. Es ist ein sportlicher Rückschlag, der die Grenzen eines ambitionierten Projekts offenlegt – und den deutschen Trainer Bob Hanning ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Nach 28 Jahren EM-Abstinenz wird Italiens Comeback zu einem Abend, der viele Fragen aufwirft.
Rückkehr auf die EM-Bühne – und die Wucht der Realität
Die Rückkehr Italiens zur Handball-EM war im Vorfeld als Erfolg gewertet worden. Die Qualifikation galt als Beleg für einen vorsichtigen Aufschwung des Sports im Land. Doch das Duell mit Island machte früh deutlich, wie groß der Abstand zur europäischen Elite weiterhin ist. Bereits zur Pause lag Italien mit 12:21 zurück, die Partie war zu diesem Zeitpunkt praktisch entschieden.
Island spielte abgeklärt, physisch stark und taktisch diszipliniert. Die Skandinavier nutzten jede Unordnung in der italienischen Defensive, setzten immer wieder gezielte Nadelstiche aus dem Rückraum und über die Außenpositionen. Italien hingegen tat sich schwer, klare Abschlüsse zu kreieren, leistete sich Ballverluste und fand defensiv kaum Zugriff. Am Ende spiegelte das Ergebnis exakt das Kräfteverhältnis wider.
Bob Hanning im Fokus der Handball-EM
Bob Hanning ist eine prägende Figur des deutschen Handballs. Als Geschäftsführer der Füchse Berlin, langjähriger Funktionär und international vernetzter Stratege steht er für Erfahrung, Organisation und klare Worte. Seit Januar 2025 verantwortet er zusätzlich die italienische Nationalmannschaft – ein Engagement, das europaweit aufmerksam verfolgt wird.
Vor der Handball-EM hatte Hanning die Erwartungen bewusst gedämpft. Die Hauptrunde sei ein ambitioniertes Ziel, sagte er, Island, Ungarn und Polen seien starke Gegner. Dennoch war die Hoffnung spürbar, dass Italien zumindest phasenweise mithalten könne. Der Auftritt gegen Island zeigte jedoch, dass Wille und Leidenschaft allein nicht ausreichen, um strukturelle Defizite zu überdecken.
Hanning hatte im Vorfeld betont, dass sein Team mit Überzeugung auftreten wolle, unabhängig vom Ergebnis. Diese Haltung blieb auch nach der Niederlage erkennbar, doch sportlich blieb wenig, woran sich festhalten ließ. Einzelne Lichtblicke konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gesamtkonstrukt noch nicht tragfähig ist.
Der Spielverlauf: Hoffnung, Brüche und ein Wendepunkt
Italien begann engagiert, versuchte Tempo aufzunehmen und Island früh unter Druck zu setzen. Doch mit zunehmender Spieldauer setzte sich die Routine der Isländer durch. Technische Fehler, unpräzise Würfe und fehlende Abstimmung im Abwehrverbund kosteten die Italiener wertvolle Minuten.
Ein weiterer Einschnitt folgte in der zweiten Halbzeit: Christian Manojlovic sah nach Videobeweis die Rote Karte. Die Szene sorgte für Diskussionen, änderte aber wenig am grundsätzlichen Verlauf der Partie. In Unterzahl verlor Italien endgültig den Zugriff, Island erhöhte kontinuierlich den Druck und baute den Vorsprung weiter aus.
Auf italienischer Seite war Leo Prantner mit sieben Treffern einer der auffälligsten Akteure. Er übernahm Verantwortung, suchte den Abschluss und stemmte sich gegen die Überlegenheit des Gegners. Doch auch seine Leistung konnte das Debakel nicht verhindern.
Die Handball-EM 2026 und Italiens schwere Gruppe
Die Handball-Europameisterschaft 2026 wird in Dänemark, Schweden und Norwegen ausgetragen. 24 Teams kämpfen um den Titel, nur die jeweils zwei besten Mannschaften jeder Vorrundengruppe erreichen die Hauptrunde. In Gruppe F trifft Italien neben Island auf Ungarn und Polen – zwei Nationen mit starker Handballtradition und hoher individueller Qualität.
Nach der Auftaktniederlage ist die Ausgangslage für Italien deutlich komplizierter geworden. Jeder weitere Punktverlust könnte das frühe Aus bedeuten. Für Hanning und sein Team geht es nun darum, Stabilität zu finden und zumindest konkurrenzfähige Auftritte zu zeigen.
Vergleiche und Kontraste im Turnierverlauf
Während Italien einen schweren Start erwischte, verlief der Auftakt für andere Nationen erfolgreicher. Die deutsche Nationalmannschaft startete mit einem Sieg ins Turnier und bestätigte damit ihre Ambitionen. Der Kontrast zwischen den etablierten Handballnationen und den Rückkehrern wie Italien wurde in den ersten EM-Tagen deutlich sichtbar.
Gerade dieser Vergleich verstärkt den Druck auf Hanning. Als deutscher Trainer bei der Handball-EM steht er zwangsläufig im Spannungsfeld zwischen internationalem Anspruch und nationaler Erwartung. Sein Projekt mit Italien ist langfristig angelegt, doch Turniere wie diese lassen wenig Raum für Geduld.
Kritische Fragen an das Projekt Hanning
Das Debakel gegen Island wirft grundlegende Fragen auf. Wie schnell kann Italien den Rückstand aufholen? Welche strukturellen Veränderungen sind notwendig, um auf EM-Niveau zu bestehen? Und wie realistisch sind sportliche Ziele, wenn Schlüsselspieler fehlen und die internationale Erfahrung begrenzt ist?
Kritik richtet sich dabei weniger an einzelne Entscheidungen als an das Gesamtbild. Die Handball-EM ist ein Schaufenster, in dem Schwächen schonungslos sichtbar werden. Hanning weiß um diese Mechanismen – und um die Tatsache, dass Ergebnisse letztlich über Wahrnehmung und Bewertung entscheiden.
Zwischen Entwicklung und Ernüchterung
Für die italienischen Spieler bleibt die EM dennoch eine Chance. Internationale Spiele auf diesem Niveau sind seltene Lernfelder. Jeder Auftritt, jede Szene gegen Teams wie Island liefert Erfahrungen, die in der heimischen Liga kaum zu gewinnen sind. Ob sich daraus kurzfristig sportlicher Erfolg ableiten lässt, ist jedoch offen.
Bob Hanning steht nun vor der Aufgabe, sein Team neu auszurichten – mental wie taktisch. Die kommenden Spiele werden zeigen, ob Italien in der Lage ist, sich zu stabilisieren und ein anderes Gesicht zu zeigen. Die Handball-EM kennt keine Schonfrist, aber sie bietet die Möglichkeit, auf Rückschläge zu reagieren.
Ein Projekt unter Beobachtung
Der Auftakt bei der Handball-EM hat Italiens Grenzen offenbart und Bob Hanning in den Fokus gerückt. Zwischen ambitioniertem Aufbau und sportlicher Realität liegt ein weiter Weg. Ob dieser Weg in Skandinavien erste Fortschritte zeigt oder weitere Rückschläge bereithält, wird sich in den nächsten Spielen entscheiden. Sicher ist nur: Dieses Debakel wird als Maßstab dienen – für alles, was noch kommen soll.
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