Erweitert Schutzplätze Berlin erweitert Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen – Neues Frauenhaus eröffnet, Bedarf weiter hoch

24. Februar 2026 | 09:08 Uhr |

Berlin baut sein Netz an Schutzplätzen für gewaltbetroffene Frauen weiter aus. Mit der Eröffnung eines neunten Frauen- und Kinderschutzhauses entstehen zusätzliche Kapazitäten für Betroffene häuslicher Gewalt. Trotz steigender Investitionen und neuer Bundesmittel übersteigt die Nachfrage weiterhin das vorhandene Angebot.

Berlin, 24. Februar 2026 – Die Hauptstadt reagiert auf anhaltend hohe Fallzahlen häuslicher Gewalt mit einem weiteren Ausbau ihrer Schutzinfrastruktur. Im Süden Berlins hat kürzlich ein neues Frauen- und Kinderschutzhaus seinen Betrieb aufgenommen. Es ist das neunte Frauenhaus in der Stadt – ein weiterer Baustein im System der Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen.

Das neue Haus verfügt über zehn Wohnungen und bietet Platz für 26 Familien. Seit Mitte Januar leben dort bereits 18 Frauen und 13 Kinder. Rund 2,5 Millionen Euro investierte das Land in Bau und Ausstattung. Die Adresse bleibt aus Sicherheitsgründen geheim – ein Standard in der Arbeit mit Betroffenen häuslicher Gewalt.

Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen: Ausbau mit struktureller Bedeutung

Mit dem neuen Haus steigt die Zahl der Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen in Berlin auf insgesamt 393 Familienplätze mit 859 Betten in Frauenhäusern. Hinzu kommen 154 weitere Schutzplätze in sogenannten Zufluchtswohnungen. Diese ergänzen das klassische Frauenhaus-System, sind jedoch häufig mit administrativen Hürden verbunden, etwa wenn es um die Finanzierung oder Kostenübernahme geht.

Die Berliner Sozialverwaltung ordnet den Ausbau ausdrücklich in den Kontext der Istanbul-Konvention ein. Das internationale Abkommen verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, ausreichend Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen vorzuhalten und ein flächendeckendes Hilfesystem zu etablieren. Berlin sieht sich hier in der Verantwortung, strukturell nachzusteuern.

Im aktuellen Doppelhaushalt sind dafür 37,5 Millionen Euro für den Gewaltschutz vorgesehen. Für 2027 sollen die Mittel auf rund 43,1 Millionen Euro steigen. Zusätzlich plant das Land Investitionen von etwa 19,3 Millionen Euro in neue Schutzplätze. Der Ausbau ist damit politisch priorisiert – doch er bleibt eine Reaktion auf einen seit Jahren wachsenden Bedarf.

Warum Schutzplätze weiterhin knapp sind

Trotz der Erweiterung melden Fachstellen weiterhin Engpässe. Beratungsstellen berichten regelmäßig von Situationen, in denen gewaltbetroffene Frauen nicht sofort aufgenommen werden können, weil kein freier Platz zur Verfügung steht. Die Zahl der Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen wächst – aber nicht im gleichen Tempo wie die Nachfrage.

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Bereits in parlamentarischen Anfragen wurde deutlich, dass die bestehenden Kapazitäten auch nach jüngsten Erweiterungen nicht ausreichen. Berlin hatte sich im Rahmen der Istanbul-Konvention verpflichtet, eine deutlich höhere Zahl an Schutzplätzen bereitzustellen. Fachverbände verweisen darauf, dass die aktuell vorhandenen Plätze weiterhin unterhalb des rechnerisch notwendigen Bedarfs liegen.

Besonders kritisch wird die Situation für Frauen mit besonderen Schutzbedürfnissen beschrieben – etwa für Betroffene mit Behinderungen oder mit mehreren Kindern. Auch barrierefreie Schutzplätze sind bislang nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Hier bestehe struktureller Nachholbedarf.

Das Hilfesystem: Mehr als nur ein Frauenhaus

Die Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen sind nur ein Teil des Berliner Hilfesystems. Ergänzend existieren Interventionsstellen, Beratungsangebote, spezialisierte Clearingstellen sowie eine rund um die Uhr erreichbare Hotline. Diese Einrichtungen übernehmen die Erstberatung, organisieren sichere Unterbringung und begleiten Betroffene bei rechtlichen und sozialen Fragen.

Organisationen wie BIG e. V. koordinieren seit Jahren Teile dieses Netzwerks. Sie vermitteln nicht nur Schutzplätze, sondern arbeiten auch an Präventionsprogrammen und struktureller Vernetzung zwischen Polizei, Justiz und sozialen Diensten. Ziel ist es, die Übergänge zwischen akuter Gefahrenabwehr und langfristiger Stabilisierung zu verbessern.

Ein zentrales Problem bleibt die Dauer des Aufenthalts in den Schutzunterkünften. Aufgrund der angespannten Wohnungssituation in Berlin finden viele Frauen nach dem Auszug aus dem Frauenhaus nicht unmittelbar eine eigene Wohnung. Die Folge: Schutzplätze bleiben länger belegt, neue Aufnahmen verzögern sich.

Wohnungsmarkt als struktureller Engpass

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum wirkt sich unmittelbar auf die Kapazität der Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen aus. Frauenhäuser sind als Übergangslösungen konzipiert – nicht als dauerhafte Wohnorte. Wenn Anschlusswohnungen fehlen, verlängert sich der Aufenthalt, und das System gerät unter zusätzlichen Druck.

Fachstellen sprechen deshalb von einer doppelten Herausforderung: Neben dem Ausbau der Schutzplätze müsse auch der Zugang zu regulärem Wohnraum verbessert werden. Andernfalls bleibe der Effekt zusätzlicher Kapazitäten begrenzt.

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Bundesmittel sollen langfristige Stabilität sichern

Mit dem neuen Gewalthilfegesetz auf Bundesebene erhält Berlin zusätzliche finanzielle Perspektiven. Zwischen 2027 und 2037 sollen der Hauptstadt bis zu 114 Millionen Euro zufließen. Diese Mittel sind für den weiteren Ausbau von Schutzplätzen für gewaltbetroffene Frauen sowie für qualitative Verbesserungen im Hilfesystem vorgesehen.

Die langfristige Finanzierung gilt als entscheidend. Fachverbände hatten in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass kurzfristige Projektförderungen keine nachhaltige Planung ermöglichen. Verlässliche Mittel seien notwendig, um Personal zu halten, Schutzplätze dauerhaft zu betreiben und neue Einrichtungen strategisch aufzubauen.

Zwischen politischem Anspruch und praktischer Realität

Politisch ist das Ziel klar formuliert: Berlin will ein bedarfsgerechtes System an Schutzplätzen für gewaltbetroffene Frauen etablieren. Doch die Umsetzung bleibt komplex. Neben baulichen Investitionen braucht es qualifiziertes Fachpersonal, Sicherheitskonzepte, psychosoziale Betreuung und rechtliche Begleitung.

Hinzu kommt, dass die Nachfrage stark von gesellschaftlichen Entwicklungen beeinflusst wird. Steigende Sensibilisierung, niedrigere Hemmschwellen zur Anzeige und verbesserte Beratungsstrukturen führen dazu, dass mehr Betroffene Hilfe in Anspruch nehmen. Der Bedarf wird sichtbarer – und damit auch die strukturellen Defizite.

Die jüngste Erweiterung ist deshalb mehr als nur eine bauliche Maßnahme. Sie steht exemplarisch für den Versuch, institutionell auf ein dauerhaftes gesellschaftliches Problem zu reagieren. Häusliche Gewalt ist kein Randphänomen, sondern eine kontinuierliche Herausforderung für Justiz, Sozialpolitik und Zivilgesellschaft.

Ein System im Ausbau

Mit dem neuen Frauen- und Kinderschutzhaus sendet Berlin ein politisches Signal: Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen werden als Kernbestandteil öffentlicher Daseinsvorsorge verstanden. Die Investitionen steigen, die Strukturen werden ausgebaut, zusätzliche Mittel sind angekündigt.

Gleichzeitig bleibt der Abstand zwischen Anspruch und Realität sichtbar. Die Zahl der Schutzplätze wächst – doch sie deckt den Bedarf noch nicht vollständig ab. Solange Frauen abgewiesen werden müssen, bleibt der Ausbau unvollendet.

Die kommenden Jahre werden zeigen, ob es gelingt, die angekündigten Mittel effizient einzusetzen und das Hilfesystem nachhaltig zu stabilisieren. Klar ist bereits jetzt: Der Ausbau der Schutzplätze für gewaltbetroffene Frauen ist kein einmaliger Kraftakt, sondern ein fortlaufender Prozess, der politische Kontinuität und strukturelle Priorität verlangt.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.