Der Markt für Freelancer verliert an Dynamik: Fast jeder zweite Befragte berichtet von einer schlechteren Auftragslage, zugleich ist der durchschnittliche Stundensatz leicht gesunken. SAP-Freelancer und ERP-Spezialisten behaupten dennoch eine vergleichsweise starke Position – mit hohen Honoraren, großer Einkommenszufriedenheit und auffälliger Nachfrage auf Projektplattformen. Ob sie dem Abschwung tatsächlich entkommen, bleibt allerdings offen.

Deutschland, 22. Juli 2026. Die Zurückhaltung der Unternehmen trifft inzwischen auch hoch qualifizierte Selbstständige. Projekte werden später freigegeben, Budgets enger geprüft, Vertragsentscheidungen vertagt. Für viele Freelancer bedeutet das: weniger Planungssicherheit, längere Lücken zwischen zwei Mandaten und einen härteren Wettbewerb um attraktive Aufträge.

Wie angespannt die Lage ist, zeigt eine aktuelle Befragung unter mehr als 5.400 Freiberuflern und Selbstständigen. 49 Prozent bewerten ihre Auftragslage schlechter als im Vorjahr. Nur 16 Prozent berichten von einer Verbesserung, bei 35 Prozent blieb die Situation nach eigener Einschätzung weitgehend unverändert. Besonders schwer wiegt ein weiterer Wert: 43 Prozent verfügen derzeit über keine gesicherte Auslastung für die kommenden Monate.

Auch die Honorare senden erstmals ein schwaches Signal. Der durchschnittliche Stundensatz sank von 104 auf 103 Euro. Der Rückgang fällt gering aus, markiert aber dennoch einen Wendepunkt. Über Jahre hinweg kannten die Durchschnittssätze vor allem eine Richtung: nach oben. Nun zeigt sich, dass selbst ein Markt mit hoher Spezialisierung und anhaltendem Fachkräftebedarf nicht von der allgemeinen Investitionszurückhaltung abgeschirmt ist.

SAP-Freelancer liegen deutlich über dem Marktdurchschnitt

Eine Fachgruppe hebt sich innerhalb dieses schwächeren Umfelds ab: SAP-Freelancer und ERP-Spezialisten erzielen im Durchschnitt 113 Euro pro Stunde. Damit liegen sie zehn Euro über dem Mittelwert aller untersuchten Freelancer und gehören zu den bestbezahlten technischen Fachkräften im Projektgeschäft.

Unter den IT-nahen Disziplinen nehmen sie damit die Spitzenposition ein. Freelancer aus Data und Analytics erreichen durchschnittlich 108 Euro pro Stunde, Fachkräfte für IT-Infrastruktur 100 Euro. In der Software- und Webentwicklung liegt der Wert bei 91 Euro.

Im Vergleich sämtlicher Berufsgruppen stehen SAP-Freelancer allerdings nicht ganz oben. Beratung und Management kommen auf durchschnittlich 121 Euro pro Stunde. Das Finanz-, Rechnungs- und Rechtswesen liegt mit 114 Euro knapp vor SAP und ERP. Der Vorsprung der SAP-Freelancer zeigt sich daher vor allem innerhalb der technischen Fachgebiete.

Fachgebiet Durchschnittlicher Stundensatz
Beratung und Management 121 Euro
Finanz-, Rechnungs- und Rechtswesen 114 Euro
SAP und ERP 113 Euro
Data und Analytics 108 Euro
IT-Infrastruktur 100 Euro
Software- und Webentwicklung 91 Euro

Die Zahlen sprechen für eine robuste Marktposition, nicht für einen ungebremsten Boom. SAP-Freelancer können ihre Spezialisierung weiterhin in überdurchschnittliche Honorare übersetzen. Ob sie auch häufiger gebucht werden oder ihre Auslastung stabiler bleibt als in anderen Fachgebieten, geht aus den vorliegenden Daten jedoch nicht hervor.

Hohe Stundensätze bedeuten nicht automatisch hohe Jahreseinkommen

Auffällig ist die hohe Einkommenszufriedenheit. 71 Prozent der befragten SAP- und ERP-Spezialisten erklären, mit ihrem Einkommen zufrieden zu sein. Nur im Bereich Personal, Personalwesen und Coaching liegt der Anteil mit 73 Prozent noch etwas höher.

Das klingt zunächst nach einem klaren Gegenbild zum schwachen Gesamtmarkt. Doch der Stundensatz allein entscheidet nicht über den wirtschaftlichen Erfolg. Für das tatsächliche Einkommen zählt, wie viele Tage im Jahr abgerechnet werden können, wie lang die Pausen zwischen Projekten ausfallen und ob Vertragsverlängerungen rechtzeitig zustande kommen.

Ein SAP-Freelancer mit einem hohen Tagessatz kann wirtschaftlich dennoch unter Druck geraten, wenn ein Anschlussprojekt fehlt. Umgekehrt kann ein niedrigerer Stundensatz bei langfristiger Vollauslastung ein stabileres Jahreseinkommen sichern. Gerade in einer Phase zögerlicher Projektvergabe ist diese Unterscheidung zentral.

Die Studie weist die fehlende Planungssicherheit nur für den Gesamtmarkt aus. Eine gesonderte Auswertung zur Auslastung von SAP-Freelancern liegt nicht vor. Deshalb lässt sich nicht seriös behaupten, dass diese Fachgruppe vom Abschwung verschont geblieben ist.

SAP ist der meistgesuchte Begriff der Auftraggeber

Für die anhaltende Relevanz der Fachrichtung spricht das Suchverhalten der Unternehmen. Auf der ausgewerteten Freelancer-Plattform war „SAP“ der häufigste Suchbegriff von Auftraggebern. Dahinter folgten Java und DevOps.

Das ist ein starkes Signal für die Sichtbarkeit des Themas im Projektmarkt. Unternehmen suchen gezielt nach SAP-Beratern, ERP-Spezialisten und Fachkräften für komplexe Systemlandschaften. Die Auswertung zeigt allerdings nicht, wie viele Suchanfragen tatsächlich gestellt wurden, ob ihre Zahl gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist oder wie häufig daraus ein Vertrag entstand.

Suchinteresse und Projektabschluss sind zwei verschiedene Größen. Ein häufig verwendeter Begriff kann auf hohen Bedarf hindeuten, sagt aber noch nichts über Projektbudgets, Laufzeiten oder den Wettbewerb unter den verfügbaren Spezialisten aus. Für SAP-Freelancer bleibt deshalb entscheidend, ob aus der grundsätzlichen Nachfrage auch verbindliche Mandate werden.

Diese Aussagen sind durch die Daten gedeckt

  • SAP-Freelancer und ERP-Spezialisten erzielen im Durchschnitt 113 Euro pro Stunde.
  • Damit liegen sie deutlich über dem Gesamtwert von 103 Euro.
  • Unter den technischen Fachgebieten erreichen sie den höchsten durchschnittlichen Stundensatz.
  • 71 Prozent sind mit ihrem Einkommen zufrieden.
  • SAP ist der häufigste Suchbegriff von Auftraggebern auf der untersuchten Plattform.

Diese Fragen bleiben offen

  • Wie sich die Auftragslage von SAP-Freelancern gegenüber dem Vorjahr entwickelt hat.
  • Ob ihre Auslastung stabiler ist als die anderer Freelancer-Gruppen.
  • Ob der durchschnittliche SAP-Stundensatz gestiegen oder gefallen ist.
  • Wie viele Suchanfragen tatsächlich zu Projekten und Vertragsabschlüssen führten.

ERP-Modernisierung hält den Bedarf an Spezialwissen hoch

Die starke Stellung von SAP-Freelancern hat einen strukturellen Hintergrund. Viele Unternehmen müssen ihre gewachsenen ERP-Landschaften modernisieren, Prozesse neu ordnen und technische Altlasten abbauen. Für zentrale Anwendungen der SAP Business Suite 7 endet die reguläre Wartung nach aktueller Planung Ende 2027. Eine kostenpflichtige verlängerte Wartung ist bis Ende 2030 vorgesehen.

Diese Fristen erhöhen den Handlungsdruck. Unternehmen müssen entscheiden, wie sie bestehende Systeme weiterbetreiben, welche Anwendungen migriert werden und wann ein Wechsel auf neuere Plattformen erfolgen soll. Solche Programme sind technisch anspruchsvoll, langwierig und eng mit Geschäftsprozessen verzahnt. Gefragt sind deshalb nicht nur Entwickler, sondern auch Berater mit Branchenkenntnis, Prozessverständnis und Erfahrung in komplexen Transformationsvorhaben.

Davon können SAP-Freelancer grundsätzlich profitieren. Dennoch führt nicht jedes Modernisierungsprojekt automatisch zu einem Auftrag für Selbstständige. Unternehmen können Leistungen intern abdecken, große Beratungshäuser beauftragen oder Investitionen verschieben. Die Wartungsfristen erklären den Bedarf an Know-how, nicht aber die konkrete Verteilung der Aufträge.

Eine starke Nische in einem schwächeren Markt

SAP-Freelancer stehen besser da als viele andere Gruppen im freien Projektgeschäft. Ihre Stundensätze sind hoch, die Zufriedenheit mit dem Einkommen ist überdurchschnittlich, und Unternehmen suchen sichtbar nach ihrer Expertise. Das spricht für eine gefestigte Position in einem anspruchsvollen Markt.

Von einem vollständigen Entkommen aus dem Abwärtstrend kann dennoch keine Rede sein. Dafür fehlen belastbare Daten zur Entwicklung von Auslastung und Auftragsvolumen innerhalb der Fachgruppe. Das Bild ist differenzierter: SAP- und ERP-Spezialisten verfügen über gefragtes Wissen und starke Honorare, bewegen sich aber im selben zurückhaltenden Investitionsumfeld wie andere Freelancer.

Ihre Spezialisierung wirkt damit eher wie ein Puffer als wie ein Schutzschild. Sie verschafft Verhandlungsspielraum und verbessert die Ausgangslage. Eine Garantie auf volle Auftragsbücher liefert sie nicht.