Entsetzen in Stuttgart Femizid in Stuttgart: Pflegeschülerin in Wohnheim getötet – Ermittlungen laufen

30. Januar 2026 | 06:52 Uhr |

Stuttgart, 29. Januar 2026 – Blaulicht spiegelt sich an den Fassaden, Einsatzfahrzeuge stehen in einer ruhigen Straße. Hinter den Fenstern eines Wohnheims endet das Leben einer jungen Frau gewaltsam. Stuttgart steht erneut unter Schock – und erinnert sich an einen nahezu identischen Fall, der hier bereits vor wenigen Jahren geschah.

Der aktuelle Fall in Stuttgart-Nord

In den Morgenstunden des 27. Januar 2026 rückt die Polizei zu einem Wohnheim für Pflege-Auszubildende in der Türlenstraße in Stuttgart-Nord aus. Eine 31 Jahre alte Frau ist nicht zur Arbeit erschienen. Als ihre Vorgesetzte sie telefonisch nicht erreicht, schlägt sie Alarm. Gegen 10.30 Uhr betreten Polizeibeamte die Wohnung der Frau. Dort finden sie die Pflegeschülerin tot auf.

Schnell wird klar, dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handelt. Die Spurenlage deutet auf ein Gewaltverbrechen hin. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung bestätigt wenig später: Die Frau ist gewaltsam zu Tode gekommen. Details zur Todesursache oder zum genauen Tatablauf halten die Ermittlungsbehörden zunächst zurück.

Bereits kurz nach dem Leichenfund nehmen die Ermittler einen 32 Jahre alten Mann fest. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich um einen Bekannten der Getöteten. Der Mann wird am Folgetag einem Haftrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnet. Gegen ihn besteht dringender Tatverdacht. Die Ermittlungen wegen eines Tötungsdelikts dauern an.

Ein Femizid mit erschreckender Nähe zur Vergangenheit

Der Femizid in Stuttgart trifft eine Stadt, die diesen Ort bereits mit einem tödlichen Verbrechen verbindet. Im August 2023 wurde in demselben Wohnheim eine 32 Jahre alte Pflegeschülerin tot in ihrer Wohnung gefunden. Auch damals war es ein Bekannter, genauer: der ehemalige Partner der Frau, der als Täter ermittelt wurde.

Der 39 Jahre alte Mann wurde später wegen Mordes verurteilt. Das Landgericht Stuttgart sah es als erwiesen an, dass er seine frühere Partnerin mit mehreren Messerstichen getötet hatte. Im Juni 2024 fiel das Urteil, im März 2025 bestätigte der Bundesgerichtshof die Entscheidung. Der Fall galt juristisch als abgeschlossen – doch gesellschaftlich blieb er präsent.

Dass nun erneut eine Pflegeschülerin an derselben Adresse Opfer tödlicher Gewalt wird, verstärkt das Gefühl von Fassungslosigkeit. Zwei Frauen, beide in der Ausbildung zur Pflege, beide getötet in ihren Wohnungen, beide Fälle mit Bezug zu persönlichen Beziehungen. Die Parallelen drängen sich auf, auch wenn die Ermittler betonen, dass jeder Fall individuell zu bewerten ist.

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Ermittlungen zwischen Zurückhaltung und öffentlichem Druck

Polizei und Staatsanwaltschaft äußern sich derzeit nur zurückhaltend. Bestätigt ist: Der tatverdächtige 32-Jährige kannte das Opfer, er befindet sich in Untersuchungshaft, die Ermittlungen laufen. Zu möglichen Motiven, zur Tatzeit oder zur Frage, ob es Anzeichen für eine Eskalation im Vorfeld gab, machen die Behörden bislang keine Angaben.

Diese Zurückhaltung ist Teil der Ermittlungsroutine – zugleich wächst der öffentliche Druck. In der Nachbarschaft berichten Anwohner von einer angespannten Stimmung. Viele erinnern sich noch genau an den Polizeieinsatz im Sommer 2023. „Schon wieder“, sagt eine Passantin leise, als sie die Absperrbänder sieht. Der Ort hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt.

Was Ermittler derzeit prüfen

Im Zentrum der Ermittlungen stehen mehrere Fragen, die nun systematisch aufgearbeitet werden:

  • Welche Beziehung bestand zwischen dem Opfer und dem Tatverdächtigen?
  • Gab es in der Vergangenheit Konflikte oder Hinweise auf Gewalt?
  • Wann genau ereignete sich die Tat, und war jemand Zeuge?
  • Welche Spuren lassen Rückschlüsse auf den Ablauf zu?

Antworten darauf sollen unter anderem durch kriminaltechnische Auswertungen, Zeugenbefragungen und die Auswertung digitaler Spuren gefunden werden. Erst wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, dürfte sich ein klareres Bild ergeben.

Femizid als Begriff – und als gesellschaftliche Realität

Der Begriff Femizid beschreibt die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts. In Deutschland wird er zunehmend verwendet, um auf die strukturelle Dimension solcher Taten hinzuweisen. Häufig sind es (Ex-)Partner oder enge Bekannte, die tödliche Gewalt ausüben. Auch in Stuttgart weisen beide bekannten Fälle in diese Richtung.

Der Femizid in Stuttgart reiht sich damit in eine Serie von Gewaltverbrechen ein, die bundesweit immer wieder Schlagzeilen machen. Die Taten sind individuell, doch das Muster ist bekannt: Nähe, Beziehung, Eskalation. Gerade deshalb wird der Begriff nicht nur juristisch, sondern auch gesellschaftlich diskutiert.

Warum der Begriff sensibel ist

Kritiker warnen davor, den Begriff Femizid vorschnell zu verwenden, solange Ermittlungen laufen. Befürworter hingegen betonen, dass die Benennung notwendig sei, um die geschlechtsspezifische Dimension sichtbar zu machen. In Stuttgart wird diese Debatte nun erneut geführt – sachlich, aber mit spürbarer Emotionalität.

Pflege, Ausbildung und Schutzräume

Besondere Aufmerksamkeit richtet sich auf das Umfeld der Tat. Wohnheime für Pflege-Auszubildende gelten als Schutzräume: Orte, an denen junge Menschen fern der Heimat leben, lernen und arbeiten. Dass ausgerechnet hier erneut ein tödliches Gewaltverbrechen geschieht, wirft Fragen auf.

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Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass strukturelle Mängel im Wohnheim eine Rolle gespielt haben. Dennoch wächst der Ruf nach Prävention, nach Anlaufstellen, nach klaren Sicherheitskonzepten. Gerade Auszubildende, die unter hohem beruflichem und emotionalem Druck stehen, gelten als besonders schutzbedürftig.

Reaktionen aus dem Umfeld

Offizielle Stellungnahmen der Träger oder der Stadt Stuttgart stehen noch aus. Intern jedoch, so berichten Beteiligte, wird das Geschehen intensiv aufgearbeitet. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnheims ist der Schock tief. Einige ziehen vorübergehend zu Freunden oder Familie, andere suchen Gespräche.

Ein Ort, zwei Taten – und viele offene Fragen

Dass zwei Femizide in Stuttgart innerhalb weniger Jahre an derselben Adresse geschehen, ist statistisch außergewöhnlich. Für die Ermittlungsbehörden bedeutet das jedoch keinen Automatismus. Jeder Fall wird getrennt betrachtet, jede Tat für sich analysiert. Gleichwohl lässt sich der symbolische Charakter des Ortes nicht leugnen.

Die Türlenstraße ist zu einem Synonym für das geworden, was in der Debatte um Gewalt gegen Frauen oft abstrakt bleibt. Hier verdichten sich Zahlen, Begriffe und Statistiken zu konkreten Schicksalen. Zwei junge Frauen, zwei abgebrochene Lebenswege.

Die juristische Perspektive

Sollte sich der Tatverdacht gegen den 32-Jährigen erhärten, droht ihm ein Verfahren wegen eines Tötungsdelikts. Ob Anklage wegen Mordes oder Totschlags erhoben wird, hängt von den Ergebnissen der Ermittlungen ab. Kriterien wie Tatmotiv, Heimtücke oder besondere Grausamkeit spielen dabei eine zentrale Rolle.

Bis zu einem möglichen Prozess gilt die Unschuldsvermutung. Die Staatsanwaltschaft betont, dass alle Schritte mit größter Sorgfalt erfolgen.

Warum der Fall über Stuttgart hinausweist

Der Femizid in Stuttgart ist kein isoliertes Ereignis. Er wirft Fragen auf, die weit über die Stadtgrenzen hinausreichen: nach dem Schutz von Frauen, nach frühzeitiger Intervention, nach gesellschaftlicher Verantwortung. Die Diskussion darüber ist nicht neu – aber sie bekommt mit jedem neuen Fall eine schmerzhafte Aktualität.

Wie viele dieser Fragen beantwortet werden können, wird auch davon abhängen, welche Lehren Politik, Institutionen und Gesellschaft aus solchen Taten ziehen.

Ein Ort der Mahnung

In Stuttgart-Nord ist der Alltag inzwischen zurückgekehrt. Doch der Ort trägt Spuren – sichtbar und unsichtbar. Der erneute Femizid erinnert daran, dass tödliche Gewalt gegen Frauen keine Randerscheinung ist, sondern eine Realität, die mitten in der Gesellschaft stattfindet. Was bleibt, ist die Verantwortung, genau hinzusehen – und nicht wegzuschauen.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.