DNA-Test soll Klarheit bringen Ex-Freund gesteht Mord an Grazer Influencerin Stefanie P.

In Ausland
November 30, 2025

Graz/Majsperk, 30. November 2025 – Ein Waldstück bei Majsperk in Slowenien, ein großer Koffer, eine tote Frau darin. Was Freunde und Familie seit einer Woche befürchteten, ist zur grausamen Gewissheit geworden. Die 32-jährige Grazer Beauty-Influencerin Stefanie P. lebt nicht mehr.

Am Samstag, 29. November 2025, führte der 31-jährige Ex-Freund Patrik M. die slowenische Polizei nach seinem Geständnis zu der Stelle, an der er die Leiche der vermissten Influencerin vergraben hatte. Die Ermittler fanden einen Koffer mit den sterblichen Überresten einer Frau. Ein DNA-Test soll in den nächsten Stunden endgültig klären, was niemand mehr bezweifelt: Es handelt sich um Stefanie P.

Das Verschwinden – eine Nacht, die alles veränderte

Stefanie P., von Freunden „Fani“ genannt, war Visagistin, Sängerin und hatte auf Instagram rund 45.000 Follower. Am Abend des 22. November 2025 feierte sie mit Kollegen eine Weihnachtsfeier in einem Grazer Nachtclub im Stadtteil Geidorf. Gegen Morgen schickte sie noch eine WhatsApp-Nachricht: „Gut heimgekommen“. Danach herrschte Funkstille.

Als die 32-Jährige am Sonntagvormittag nicht zu einem geplanten Fotoshooting erschien – völlig untypisch für die zuverlässige Grazerin – schlugen Freunde Alarm. Ihr Golden Retriever Marlow wurde allein in der Wohnung gefunden, an der Tür hing später ein Zettel der Mutter: „Stefi, bitte melde dich. Mama.“

Der Hauptverdächtige: ein toxisches On-Off-Verhältnis

Bereits früh geriet der 31-jährige slowenische Ex-Freund Patrik M., der in Graz lebte, ins Visier der Ermittler. Die Beziehung der beiden war seit längerem zerrüttet, geprägt von Trennungen und Wiederannäherungen. Am Tag des Verschwindens loggte sich Patrik M. nachweislich in das WLAN-Netz von Stefanie P. ein. Blutspuren an seinen Schuhen und eine Zeugin, die ihn mit einer großen Plane gesehen haben will, verstärkten den Verdacht.

Nur einen Tag nach dem Verschwinden wurde Patrik M. nahe der österreichisch-slowenischen Grenze bei Šentilj festgenommen – sein Auto stand in Flammen. Er schwieg zunächst. Erst nach seiner Auslieferung nach Österreich am 28. November und stundenlangen Verhören brach er sein Schweigen.

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Das Geständnis

Patrik M. gab an, Stefanie P. in ihrer Wohnung bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und anschließend in einen Koffer gesteckt zu haben. Den Koffer vergrub er in einem Waldstück nahe Majsperk, auf einem Grundstück in der Nähe von Verwandten. Auf seine Angaben hin wurde die Leiche am 29. November geborgen.

„Er ist nunmehr geständig“, bestätigte ein Polizeisprecher gegenüber Medien.

Drei Festnahmen – auch Bruder und Stiefvater in U-Haft

Neben Patrik M. sitzen sein 28-jähriger Bruder und der 57-jährige Stiefvater in Untersuchungshaft in Graz-Jakomini. Sie stehen unter dringendem Verdacht, bei der Vertuschung der Tat geholfen zu haben. Die Ermittler gehen von Verdunkelungsgefahr aus. Ob die beiden von der Tötung wussten oder erst danach eingebunden wurden, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

Ein weiterer Femizid in Österreich

Der Fall Stefanie P. ist nach aktuellen Zählungen der 14. oder 15. Femizid in Österreich im Jahr 2025. Je nach Quelle werden unterschiedliche Zahlen genannt, doch alle sind sich einig: Die Zahl der Frauen, die durch (Ex-)Partner getötet werden, bleibt erschreckend hoch.

Rund 70 Prozent aller Frauenmorde in Österreich gehen auf das Konto von aktuellen oder ehemaligen Lebensgefährten. Experten und Frauenorganisationen sehen darin ein strukturelles Problem und fordern konsequentere Prävention, bessere Früherkennung von Gewalt in Beziehungen und schnellere Hilfe für Betroffene.

„Gewalt an Frauen ist ein strukturelles Problem, dem wir geschlossen entgegentreten müssen“, betonen Frauenministerin Eva Maria Holzleitner und Justizministerin Anna Sporrer unisono.

Trauer in der Community

Auf Instagram und in den Grazer Beauty- und Friseursalons, in denen Stefanie P. verbunden war, herrscht tiefe Bestürzung. Hairstylist Dieter Ferschinger schrieb: „Du wirst für immer in unseren Herzen bleiben.“ Die Familie, angeführt von Mutter Csilla, hatte bis zuletzt gehofft und mit der Facebook-Gruppe „Österreich findet euch“ tausende Menschen mobilisiert.

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Nach dem Fund der Leiche schrieb ein naher Freund: „Als ob die Welt still stehen würde.“

Ein Fall, der Österreich erschüttert

Der Mord an Stefanie P. ist nicht nur wegen seiner besonderen Grausamkeit spektakulär – leider sind solche Taten in Österreich keine Seltenheit. Er wird vor allem durch den Bekanntheitsgrad des Opfers und die internationale Medienaufmerksamkeit zum Symbol für ein gesellschaftliches Versagen: Gewalt in Beziehungen wird zu oft bagatellisiert, Warnsignale übersehen, Hilfe kommt zu spät.

Während die Ermittler weiter nach dem genauen Motiv suchen und die Obduktion Klarheit über die Todesursache bringen wird, bleibt eine junge Frau tot, eine Familie zerstört und eine Community in Trauer. Der Koffer im slowenischen Wald hat eine Geschichte beendet, die niemals hätte geschrieben werden dürfen.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.