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Rückführung Abschiebung afghanischer Straftäter: Deutschland weist Malek Z. nach Afghanistan aus

In Aktuelles
Januar 03, 2026

Berlin/Kabul, 3. Januar 2026 – Noch vor Tagesanbruch setzte ein Linienflug in Kabul auf. An Bord: ein Mann, dessen Name in Deutschland zum Symbol einer lange geführten politischen Auseinandersetzung geworden ist. Die Abschiebung des afghanischen Straftäters Malek Z. markiert einen weiteren Wendepunkt in der deutschen Migrations- und Sicherheitspolitik.

Zwischen innenpolitischem Handlungsdruck, rechtlichen Grenzen und humanitären Bedenken verdichtet sich an diesem Fall eine Grundsatzfrage: Wie konsequent kann und soll ein Rechtsstaat mit ausreisepflichtigen Straftätern umgehen – auch dann, wenn das Zielland politisch und menschenrechtlich umstritten ist?

Mit der Abschiebung von Malek Z. hat Deutschland erstmals seit Monaten wieder einen afghanischen Straftäter einzeln per Linienflug in sein Herkunftsland zurückgeführt. Der Mann war in Deutschland mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten und rechtskräftig verurteilt worden. Nach Angaben der zuständigen Behörden handelte es sich um schwere Delikte, darunter Gewalt- und Drogendelikte. Die Abschiebung erfolgte nach Abschluss der erforderlichen rechtlichen Verfahren und unter Begleitung der Bundespolizei.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bestätigte die Maßnahme am Samstagvormittag und ordnete sie klar ein: Die Abschiebung afghanischer Straftäter sei kein politisches Symbol, sondern eine Konsequenz aus geltendem Recht. Wer das Gastrecht durch schwere Straftaten verwirke und ausreisepflichtig sei, müsse Deutschland verlassen – unabhängig von der politischen Lage im Herkunftsland.

Einzelfall mit grundsätzlicher Bedeutung

Der Fall Malek Z. steht exemplarisch für eine veränderte Praxis. Während Abschiebungen nach Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban im Sommer 2021 weitgehend ausgesetzt worden waren, kehrte die Bundesregierung in den vergangenen Jahren schrittweise zu Rückführungen zurück – zunächst in Form größerer Sammelabschiebungen, nun erstmals wieder im Rahmen einer Einzelabschiebung.

Bereits im Jahr 2024 war ein erster Sammelflug mit 28 afghanischen Straftätern durchgeführt worden. Im Juli 2025 folgte eine weitere Rückführung mit 81 verurteilten Afghanen. In allen Fällen betonte die Bundesregierung, dass ausschließlich Personen betroffen seien, die rechtskräftig verurteilt und vollziehbar ausreisepflichtig waren. Die Abschiebung von Malek Z. unterscheidet sich nun vor allem in der Form: kein Charterflug, keine größere Gruppe, sondern eine gezielte Einzelmaßnahme.

Diese Vorgehensweise deutet auf einen Strategiewechsel hin. Statt auf seltene, logistisch aufwendige Sammeltransporte zu setzen, sollen Abschiebungen afghanischer Straftäter künftig flexibler und zeitnäher umgesetzt werden. Behördenkreise sprechen von einer „Normalisierung“ der Rückführungspraxis – zumindest für Personen, die als schwere Straftäter gelten.

Rechtslage und politische Linie

Rechtlich bewegt sich die Abschiebung afghanischer Straftäter in einem engen Rahmen. Maßgeblich ist die individuelle Prüfung jedes Einzelfalls, insbesondere mit Blick auf mögliche Abschiebungsverbote. Diese können sich aus der Gefährdungslage im Herkunftsland oder aus persönlichen Umständen ergeben. Im Fall von Malek Z. sahen die zuständigen Stellen diese Hürden als nicht gegeben an.

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Politisch wird die Linie von Innenminister Dobrindt klar vertreten. Er verweist auf die Schutzpflicht des Staates gegenüber der eigenen Bevölkerung und auf die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaats. Abschiebungen dürften nicht an politischen Symbolfragen scheitern, sondern müssten konsequent vollzogen werden, wenn die Voraussetzungen erfüllt seien. Diese Haltung findet insbesondere in konservativen Kreisen Unterstützung.

Zugleich ist die Abschiebung afghanischer Straftäter Teil einer breiteren sicherheitspolitischen Debatte. In den vergangenen Jahren hatten mehrere Gewalttaten durch ausländische Täter die Forderung nach konsequenteren Rückführungen verstärkt. Der Fall Malek Z. wird nun von Befürwortern als Beleg dafür gesehen, dass der Staat handlungsfähig bleibt.

Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Demgegenüber steht deutliche Kritik von Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen. Sie warnen davor, Abschiebungen nach Afghanistan als Routine zu behandeln. Die Sicherheitslage im Land sei weiterhin instabil, die menschenrechtliche Situation problematisch. Insbesondere Rückkehrer, die aus Europa abgeschoben werden, könnten dort Repressionen oder gesellschaftlicher Ausgrenzung ausgesetzt sein.

Diese Organisationen argumentieren nicht primär mit dem individuellen Fall Malek Z., sondern mit der grundsätzlichen Signalwirkung. Jede Abschiebung afghanischer Straftäter könne dazu beitragen, eine Praxis zu etablieren, die langfristig auch auf andere Gruppen ausgeweitet werde. Zudem kritisieren sie, dass Deutschland keine formellen diplomatischen Beziehungen zur Taliban-Regierung unterhält, was die Kontrolle von Zusicherungen erschwere.

Die Bundesregierung weist diese Vorwürfe zurück und betont, dass jede Abschiebung sorgfältig geprüft werde. Es gehe nicht um pauschale Rückführungen, sondern um klar definierte Fälle schwerer Kriminalität. Humanitäre Standards seien Teil der Entscheidungsprozesse, auch wenn dies in der öffentlichen Wahrnehmung häufig untergehe.

Internationale und diplomatische Dimensionen

Die Abschiebung afghanischer Straftäter erfolgt in einem komplexen internationalen Umfeld. Da Deutschland die Taliban-Regierung nicht offiziell anerkennt, werden Rückführungen über technische und indirekte Kanäle organisiert. In der Vergangenheit spielten dabei Drittstaaten eine vermittelnde Rolle, um logistische und administrative Abläufe zu ermöglichen.

Diese Konstruktion ist politisch heikel, wird aber von der Bundesregierung als pragmatische Lösung dargestellt. Ziel sei es, handlungsfähig zu bleiben, ohne politische Anerkennung auszusprechen. Kritiker sehen darin jedoch eine Grauzone, in der rechtliche und moralische Fragen nicht abschließend geklärt seien.

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Der Fall Malek Z. verdeutlicht, dass Abschiebungen nach Afghanistan längst nicht mehr nur eine innenpolitische Frage sind. Sie berühren außenpolitische Prinzipien, menschenrechtliche Verpflichtungen und die Glaubwürdigkeit internationaler Standards. Jede einzelne Abschiebung wird damit automatisch Teil einer größeren politischen Erzählung.

Abschiebung afghanischer Straftäter als innenpolitischer Prüfstein

Innenpolitisch wirkt die Abschiebung von Malek Z. wie ein Brennglas. Befürworter sehen darin einen Beweis dafür, dass der Staat bereit ist, rechtliche Entscheidungen durchzusetzen. Gegner warnen vor einer schleichenden Verschärfung, die langfristig das Asylsystem unter Druck setzen könnte.

In der öffentlichen Debatte wird dabei häufig verkürzt argumentiert. Der Begriff „Abschiebung afghanischer Straftäter“ wird schnell mit genereller Migrationspolitik gleichgesetzt, obwohl es sich rechtlich um klar abgegrenzte Einzelfälle handelt. Genau in dieser Verkürzung liegt jedoch das politische Konfliktpotenzial.

Für die Bundesregierung ist der Fall Malek Z. daher mehr als eine einzelne Maßnahme. Er ist ein Test dafür, ob sich eine differenzierte Linie in der Öffentlichkeit vermitteln lässt: hart gegenüber schweren Straftätern, rechtlich sauber und zugleich eingebettet in internationale Verpflichtungen.

Zwischen Rechtsstaat und Verantwortung

Die Abschiebung von Malek Z. wirft grundlegende Fragen auf, die über den Einzelfall hinausreichen. Wie weit reicht die Verantwortung eines Aufnahmestaates gegenüber Menschen, die sein Rechtssystem missachtet haben? Wo endet die humanitäre Verpflichtung, wo beginnt die Pflicht zum Schutz der eigenen Gesellschaft?

Antworten darauf bleiben politisch umstritten. Klar ist jedoch: Mit jeder Abschiebung afghanischer Straftäter verschiebt sich die Grenze dessen, was in der deutschen Migrationspolitik als praktikabel gilt. Der Fall Malek Z. zeigt, dass diese Grenze nicht statisch ist, sondern immer wieder neu verhandelt wird – juristisch, politisch und gesellschaftlich.

Ob diese Linie dauerhaft Bestand haben wird, hängt weniger von einzelnen Fällen ab als von der Fähigkeit, Rechtssicherheit, Sicherheitspolitik und menschenrechtliche Verantwortung miteinander zu verbinden. Die Abschiebung von Malek Z. ist damit kein Endpunkt, sondern ein weiterer Markstein in einer Debatte, die Deutschland noch lange beschäftigen dürfte.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.