
🔥 Vertrauenskrise beim Autoclub – Schon 5000 Austritte: ADAC bleibt hart und verweigert Entschuldigung
FRANKFURT AM MAIN, 3. Januar 2026 – Der Ton ist scharf, die Fronten verhärtet. Innerhalb weniger Tage haben Tausende Mitglieder dem ADAC den Rücken gekehrt. Ausgelöst durch Aussagen zu Spritpreisen und Klimapolitik steht Deutschlands größter Automobilclub unter Druck – und zeigt sich bislang unnachgiebig.
Was als Interview begann, hat sich zu einer handfesten Vertrauenskrise entwickelt. Rund 5000 Mitglieder sollen dem ADAC inzwischen den Austritt erklärt haben. Für einen Verein mit mehr als 22 Millionen Mitgliedern ist das zahlenmäßig überschaubar – politisch und symbolisch jedoch von erheblichem Gewicht. Denn selten zuvor wurde so offen infrage gestellt, wessen Interessen der Club eigentlich vertritt.
ADAC Austritte: Der Auslöser einer eskalierenden Debatte
Im Zentrum der Kontroverse stehen Aussagen von ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. In einem Interview hatte er höhere Benzin- und Dieselpreise als ein grundsätzlich geeignetes Instrument zur Erreichung von Klimazielen bezeichnet. Die Aussage fiel in einer Phase ohnehin hoher Energiepreise – und traf damit einen empfindlichen Nerv.
Viele Mitglieder interpretierten die Worte als Unterstützung weiterer finanzieller Belastungen für Autofahrer. Gerade Pendler, Selbstständige und Menschen im ländlichen Raum fühlten sich vor den Kopf gestoßen. Der ADAC, so der Vorwurf, entferne sich zunehmend von seiner Rolle als Interessenvertretung der Autofahrer und positioniere sich stattdessen politisch.
Die Reaktion folgte prompt. In sozialen Netzwerken kursierten Kündigungsschreiben, begleitet von Kommentaren voller Enttäuschung und Verärgerung. Die ADAC Austritte wurden dabei selbst zum politischen Statement – öffentlich, demonstrativ und vielfach emotional.
NADR News berichtete hier bereits über die Situation beim ADAC
Austrittswelle beim ADAC: Mitglieder kritisieren Kurs, Klimaaussagen und Selbstverständnis
Zwischen Interessenvertretung und Klimadiskurs
Die Heftigkeit der Reaktionen erklärt sich auch aus der besonderen Stellung des ADAC. Über Jahrzehnte galt der Club als verlässlicher Begleiter des motorisierten Alltags: Pannenhilfe, Rechtsberatung, Verbraucherschutz. Politische Positionierungen waren zwar nie ausgeschlossen, doch meist sorgfältig abgewogen.
In der aktuellen Debatte sehen viele Mitglieder diese Balance gestört. Die Aussage zu Spritpreisen wurde nicht als analytischer Beitrag verstanden, sondern als Parteinahme. Dass der ADAC dabei auf eine Einordnung setzte, statt die Kritik frühzeitig offensiv aufzugreifen, verschärfte den Eindruck einer Entfremdung.
- Der ADAC versteht sich offiziell als unabhängiger Mobilitätsclub.
- Ein Großteil der Mitglieder nutzt weiterhin Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
- Steigende Kraftstoffpreise wirken unmittelbar auf den Alltag vieler Haushalte.
Vor diesem Hintergrund wurde aus einer einzelnen Aussage rasch eine Grundsatzfrage: Wie politisch darf – oder muss – ein Automobilclub heute sein?
Keine Entschuldigung, sondern Klarstellung
Eine formelle Entschuldigung für die umstrittenen Aussagen blieb bislang aus. Der ADAC bestätigte zwar eine „mittlere vierstellige Zahl“ an Austritten, relativierte deren Bedeutung jedoch mit Verweis auf die Gesamtmitgliederzahl. Zugleich betonte der Club, man sei missverstanden worden.
In Stellungnahmen hieß es, der ADAC lehne zusätzliche Belastungen für Autofahrer grundsätzlich ab. Die Aussage zur CO₂-Bepreisung sei differenziert zu verstehen gewesen: Klimapolitische Instrumente müssten sozial abgefedert und durch Entlastungen flankiert werden. Diese Einordnung sei in der öffentlichen Debatte zu kurz gekommen.
Für viele Kritiker wirkt diese Argumentation jedoch defensiv. Sie vermissen eine klare, empathische Reaktion auf den Unmut der Basis. Stattdessen entsteht der Eindruck, der ADAC halte an seiner Linie fest – auch um den Preis weiterer ADAC Austritte.
Die offizielle Position des Clubs
- CO₂-Bepreisung wird als politisches Instrument grundsätzlich anerkannt.
- Soziale Ausgleichsmechanismen gelten als zwingende Voraussetzung.
- Der ADAC betont weiterhin sein Engagement für bezahlbare Mobilität.
Doch zwischen offizieller Position und öffentlicher Wahrnehmung klafft eine Lücke. Genau dort entfaltet sich die Dynamik der aktuellen Krise.
Warum die ADAC Austritte mehr sind als eine Zahl
Die Austrittswelle fällt in eine Zeit wachsender gesellschaftlicher Spannungen rund um Mobilität, Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit. Kraftstoffpreise gelten längst nicht mehr nur als wirtschaftlicher Faktor, sondern als politisches Symbol. Wer sich hier positioniert, positioniert sich unweigerlich auch gesellschaftlich.
Für viele ADAC-Mitglieder ist das Auto kein Luxus, sondern Voraussetzung für Teilhabe. Gerade außerhalb urbaner Zentren fehlen Alternativen. Wenn ausgerechnet der eigene Interessenverband höhere Preise zumindest theoretisch legitimiert, wird dies als Vertrauensbruch empfunden.
Die ADAC Austritte sind daher weniger als Massenbewegung zu verstehen, sondern als verdichteter Ausdruck eines Stimmungswandels. Sie zeigen, wie sensibel das Verhältnis zwischen Verband und Basis geworden ist.
Öffentliche Resonanz und mediale Dynamik
Die Debatte wird nicht nur intern geführt. Medienberichte, Kommentare und soziale Netzwerke haben den Konflikt verstärkt und beschleunigt. Dabei verdichteten sich einzelne Aussagen zu Schlagzeilen, die wiederum neue Reaktionen auslösten.
In diesem medialen Kreislauf geriet der ADAC zunehmend in die Defensive. Jeder weitere Austritt wurde zum Beleg einer vermeintlich falschen strategischen Ausrichtung. Dass der Club versuchte, die Debatte zu versachlichen, wurde von Teilen der Öffentlichkeit als Ausweichen interpretiert.
Gleichzeitig gibt es auch Stimmen, die die Aufregung für überzogen halten. Sie verweisen darauf, dass der ADAC längst mehr sei als ein Autoclub – ein Mobilitätsdienstleister in einer Zeit des Umbruchs. Doch diese Perspektive findet bei den Kritisierten bislang nur begrenzt Gehör.
Ein Club im Spannungsfeld des Wandels
Die aktuelle Kontroverse offenbart ein strukturelles Dilemma. Der ADAC steht zwischen Tradition und Transformation. Einerseits die Erwartung, kompromisslos für Autofahrer einzutreten. Andererseits der Anspruch, gesellschaftliche Entwicklungen wie Klimaschutz nicht auszublenden.
Diese Doppelrolle birgt Konfliktpotenzial. Während politische Entscheidungsträger differenzierte Stellungnahmen erwarten, wünschen sich viele Mitglieder klare Kante. Die ADAC Austritte sind Ausdruck dieser Erwartungslücke.
Langfristige Folgen für Glaubwürdigkeit und Selbstverständnis
Ob die Austrittszahlen weiter steigen oder sich die Lage beruhigt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Diskussion hat Spuren hinterlassen. Der ADAC sieht sich gezwungen, seine Kommunikationsstrategie zu überprüfen – und möglicherweise auch sein Selbstbild.
Vertrauen, einmal erschüttert, lässt sich nur schwer zurückgewinnen. Gerade für einen Mitgliederverein ist Glaubwürdigkeit ein zentrales Kapital. Die aktuelle Debatte zeigt, wie schnell dieses Kapital unter Druck geraten kann.
Intern dürfte nun intensiv diskutiert werden, wie künftig Positionen vermittelt werden. Nicht der Inhalt allein entscheidet über Akzeptanz, sondern Ton, Timing und Kontext. In dieser Hinsicht war die jüngste Episode für den ADAC eine lehrreiche – wenn auch schmerzhafte – Erfahrung.
Eine offene Rechnung
Die ADAC Austritte markieren keinen Endpunkt, sondern einen Zwischenstand. Sie stehen für eine ungelöste Frage: Wie kann ein traditionsreicher Verband im Zeitalter des gesellschaftlichen Wandels relevant bleiben, ohne seine Basis zu verlieren?
Ob der ADAC darauf eine überzeugende Antwort findet, wird sich nicht an Austrittszahlen allein messen lassen. Entscheidend ist, ob es gelingt, den Dialog mit den Mitgliedern neu zu justieren – und Vertrauen dort zurückzugewinnen, wo es zuletzt verloren ging.



