
Paris, 27. Januar 2026 – In den Sitzungssälen der Assemblée Nationale wurde bis spät in die Nacht diskutiert. Draußen glitt der Verkehr über die Seine-Brücken, drinnen ging es um nichts weniger als die Frage, wie viel digitale Freiheit Kinder und Jugendliche in Zukunft noch haben sollen. Mit einer klaren Mehrheit hat das französische Parlament einen Gesetzentwurf gebilligt, der Minderjährigen unter 15 Jahren die Nutzung sozialer Netzwerke untersagt. Der Beschluss gilt als einer der weitreichendsten Eingriffe Europas in den digitalen Alltag junger Menschen und markiert einen Wendepunkt in der politischen Auseinandersetzung um Jugend- und Mediensozialisation.
Ein Gesetz im Zeichen wachsender digitaler Sorgen
Das Social-Media-Verbot unter 15 in Frankreich ist das Ergebnis einer Debatte, die sich über Monate zugespitzt hat. Mit 116 zu 23 Stimmen sprach sich die Nationalversammlung für den Gesetzentwurf aus, der den Zugang zu sozialen Netzwerken für Kinder und Jugendliche unterhalb der Altersgrenze grundsätzlich untersagen soll. Die Maßnahme ist Teil einer breiter angelegten politischen Strategie, mit der die Regierung auf zunehmende Sorgen über psychische Belastungen, Suchtmechanismen und soziale Dynamiken im digitalen Raum reagiert.
Präsident Emmanuel Macron hatte sich wiederholt hinter das Vorhaben gestellt und es als notwendige Antwort auf eine Entwicklung beschrieben, die Eltern, Schulen und Politik gleichermaßen herausfordere. In der öffentlichen Debatte wird das Social-Media-Verbot unter 15 in Frankreich häufig als Schutzinstrument verstanden – weniger als pädagogisches Allheilmittel, sondern als rechtlicher Rahmen, der Zeit und Raum für eine altersgerechte Entwicklung schaffen soll.
Unterstützt wird dieser Kurs von breiten Teilen der Bevölkerung. Umfragen aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass eine deutliche Mehrheit der Französinnen und Franzosen staatliche Eingriffe in die Nutzung sozialer Netzwerke durch Minderjährige befürwortet. Die politische Dynamik speist sich damit nicht nur aus parteipolitischen Motiven, sondern auch aus einem gesellschaftlichen Klima wachsender Skepsis gegenüber der digitalen Frühsozialisation.
Was das Social-Media-Verbot konkret regelt
Der verabschiedete Gesetzestext definiert klar, was unter das Verbot fällt. Untersagt wird der Zugang zu Online-Diensten, die als soziale Netzwerke konzipiert sind und den Austausch, das Teilen von Inhalten oder die algorithmische Vernetzung von Nutzerinnen und Nutzern in den Mittelpunkt stellen. Damit richtet sich das Social-Media-Verbot unter 15 in Frankreich vor allem gegen große Plattformen wie Instagram, TikTok, Snapchat oder Facebook, ohne diese namentlich zu nennen.
Gleichzeitig nimmt der Text auch hybride Angebote in den Blick – also digitale Dienste, die soziale Funktionen integrieren, ohne ausschließlich als Netzwerk aufzutreten. Ausgenommen bleiben hingegen Plattformen mit klarer Bildungs-, Informations- oder Wissensausrichtung, etwa Online-Lexika oder Lernangebote, sofern sie keine ausgeprägten sozialen Netzwerkmechanismen enthalten.
Altersverifikation als zentrales Instrument
Ein Kernpunkt des Gesetzes ist die Verpflichtung der Anbieter, wirksame Systeme zur Altersüberprüfung einzuführen. Plattformen sollen künftig sicherstellen, dass Nutzerinnen und Nutzer unter 15 Jahren keinen Zugang erhalten. Welche technischen Verfahren dabei zum Einsatz kommen, lässt der Gesetzestext offen. Diskutiert wurden in der parlamentarischen Debatte unter anderem Ausweisprüfungen, biometrische Verfahren oder altersverifizierte Nutzerkonten.
Genau hier setzt ein Teil der Kritik an: Datenschützer und Digitalexpertinnen warnen vor neuen Risiken, wenn sensible persönliche Daten zur Alterskontrolle verarbeitet werden. Befürworter halten dagegen, dass ohne verbindliche Altersverifikation jedes Social-Media-Verbot unter 15 in Frankreich ins Leere liefe.
Werbebeschränkungen und algorithmische Verantwortung
- Das Gesetz verschärft das Verbot gezielter Werbung gegenüber Minderjährigen, insbesondere bei gesundheitsrelevanten oder potenziell schädlichen Produkten.
- Plattformbetreiber sollen stärker in die Verantwortung genommen werden, wenn Empfehlungsalgorithmen gezielt auf junge Nutzerinnen und Nutzer ausgerichtet sind.
Damit geht das Gesetz über ein reines Nutzungsverbot hinaus. Es adressiert strukturelle Mechanismen digitaler Plattformen, die bislang kaum reguliert waren und gerade bei jungen Zielgruppen eine besonders hohe Wirkung entfalten.
Warum Frankreich diesen Weg geht
Das Social-Media-Verbot unter 15 in Frankreich ist nicht aus dem politischen Nichts entstanden. Bereits in den vergangenen Jahren hatte die Regierung mehrfach versucht, Altersgrenzen für soziale Netzwerke einzuführen. Ein früherer Vorstoß aus dem Jahr 2023 scheiterte jedoch an europarechtlichen Hürden und blieb weitgehend folgenlos.
Inzwischen hat sich der rechtliche Rahmen innerhalb der Europäischen Union verändert. Mitgliedstaaten verfügen nun über größeren Spielraum, nationale Schutzregelungen für Minderjährige zu erlassen. Frankreich nutzt diese Öffnung konsequent – und positioniert sich damit als Vorreiter einer restriktiveren Digitalpolitik.
Internationale Entwicklungen haben den Kurs zusätzlich beeinflusst. In Australien wurde bereits ein umfassendes Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige beschlossen. Auch in anderen europäischen Ländern, darunter Dänemark, Großbritannien und Spanien, werden vergleichbare Maßnahmen diskutiert oder vorbereitet. Frankreichs Gesetz reiht sich damit in einen globalen Trend ein, der die Rolle sozialer Netzwerke im Leben von Kindern grundsätzlich infrage stellt.
Der parlamentarische Weg und offene Rechtsfragen
Trotz der deutlichen Mehrheit in der Nationalversammlung ist der Gesetzgebungsprozess noch nicht abgeschlossen. Der Entwurf muss nun den Senat passieren, wo mit intensiven Diskussionen gerechnet wird. Insbesondere juristische Fragen dürften dort eine zentrale Rolle spielen: Wie lässt sich das Social-Media-Verbot unter 15 in Frankreich mit europäischen Grundrechten vereinbaren? Und wie verhältnismäßig ist ein pauschales Nutzungsverbot in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft?
Ursprünglich hatten einzelne Abgeordnete vorgeschlagen, Ausnahmen mit elterlicher Zustimmung zuzulassen. Diese Option wurde im finalen Text verworfen. Die Regierung argumentierte, dass nur ein klares, eindeutiges Verbot rechtliche Sicherheit schaffe und die Verantwortung nicht allein auf Familien abwälze.
Parallel enthält das Gesetz eine Ausweitung bestehender Regelungen zum Smartphone-Gebrauch an Schulen. Künftig soll landesweit gelten, dass Schülerinnen und Schüler auch an weiterführenden Schulen keine Mobiltelefone auf dem Schulgelände nutzen dürfen. Diese Maßnahme ergänzt das Social-Media-Verbot unter 15 in Frankreich und zielt auf eine stärkere Trennung von Lern- und Medienräumen.
Gesellschaftliche Resonanz zwischen Zustimmung und Skepsis
Die Reaktionen auf den Parlamentsbeschluss fallen vielschichtig aus. Viele Eltern begrüßen das Social-Media-Verbot unter 15 in Frankreich als überfälligen Schritt, der sie im Alltag entlaste. Pädagoginnen und Pädagogen sehen darin die Chance, soziale Interaktionen wieder stärker in den analogen Raum zu verlagern.
Gleichzeitig äußern Kritiker Zweifel an der praktischen Umsetzbarkeit. Jugendliche seien technisch versiert genug, um Alterskontrollen zu umgehen, lautet ein häufig vorgebrachtes Argument. Auch die Frage, ob ein nationales Verbot in einer global vernetzten digitalen Welt tatsächlich durchsetzbar ist, bleibt offen.
In politischen Stellungnahmen wird zudem darauf hingewiesen, dass Regulierung allein nicht ausreiche. Medienkompetenz, Aufklärung und elterliche Begleitung müssten weiterhin eine zentrale Rolle spielen, um die Herausforderungen digitaler Sozialisation zu bewältigen.
Ein Signal über Frankreich hinaus
Unabhängig vom weiteren Gesetzgebungsverlauf hat das Social-Media-Verbot unter 15 in Frankreich bereits jetzt eine starke Signalwirkung. Es verschiebt die Debatte über digitale Freiheit und staatliche Verantwortung deutlich. Während soziale Netzwerke lange als private Räume galten, rücken sie nun zunehmend in den Fokus öffentlicher Regulierung.
Für Plattformbetreiber bedeutet der Beschluss einen wachsenden Anpassungsdruck. Altersverifikation, Werbebeschränkungen und algorithmische Transparenz könnten künftig nicht nur in Frankreich, sondern europaweit an Bedeutung gewinnen.
Eine neue Phase der digitalen Regulierung
Mit dem Votum der Nationalversammlung beginnt für Frankreich eine neue Phase der Digitalpolitik. Das Social-Media-Verbot unter 15 in Frankreich ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Ringens um Schutz, Verantwortung und Freiheit im digitalen Zeitalter. Ob das Gesetz tatsächlich zu weniger Bildschirmzeit, geringeren Belastungen und einer nachhaltigeren Mediennutzung führt, wird sich erst zeigen.
Sicher ist jedoch: Die Entscheidung hat die Grenzen des politisch Vorstellbaren verschoben. Was lange als Eingriff in persönliche Freiheiten galt, wird nun als legitime Schutzmaßnahme diskutiert. Damit steht Frankreich am Beginn einer Entwicklung, deren Auswirkungen weit über die Landesgrenzen hinausreichen dürften.