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Deutsche Spionagepraxis BND und Obama: Recherchen zu mutmaßlicher Überwachung durch den Bundesnachrichtendienst

In Aktuelles
Januar 05, 2026

Berlin, 05.01.2026 – Was im Verborgenen geschieht, entfaltet seine Sprengkraft oft erst Jahre später. Neue journalistische Recherchen legen nahe, dass der Bundesnachrichtendienst über einen langen Zeitraum hinweg Telefongespräche des damaligen US-Präsidenten Barack Obama überwacht haben soll. Die Vorwürfe berühren das sensible Verhältnis zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten – und werfen grundsätzliche Fragen zur Arbeit von Geheimdiensten unter Verbündeten auf.

Recherchen deuten auf systematische Überwachung hin

Im Zentrum der aktuellen Berichterstattung steht der Vorwurf, der Bundesnachrichtendienst habe Telefongespräche von Barack Obama abgefangen, insbesondere solche, die während Flugreisen an Bord der „Air Force One“ geführt wurden. Öffentlich gemacht wurden diese Angaben durch den Journalisten Holger Stark, der als stellvertretender Chefredakteur einer großen deutschen Wochenzeitung seit Jahren zu Sicherheits- und Nachrichtendiensten recherchiert.

Demnach nutzte der BND technische Gelegenheiten, die sich aus der speziellen Kommunikationsinfrastruktur an Bord der Präsidentenmaschine ergaben. Gespräche, die nicht durchgehend oder nicht ausreichend verschlüsselt übertragen wurden, sollen für den deutschen Auslandsnachrichtendienst zugänglich gewesen sein. Die Abhörpraxis soll sich über mehrere Jahre erstreckt haben – in einer Phase, in der Obama sowohl als Präsidentschaftskandidat als auch später als Staatsoberhaupt unterwegs war.

Besonders brisant: Nach den Recherchen galt die Überwachung nicht einzelnen Zufallstreffern, sondern folgte einem strukturierten Vorgehen. Der BND soll eine begrenzte Zahl von Funkfrequenzen gekannt haben, über die entsprechende Gespräche liefen. Diese Frequenzen seien gezielt überwacht worden, um relevante Inhalte aufzuzeichnen und auszuwerten.

Technische Details und interne Abläufe

Die internen Abläufe, die in den Recherchen beschrieben werden, zeichnen das Bild eines klar geregelten, zugleich aber äußerst sensiblen Prozesses. Abgehörte Gespräche sollen transkribiert worden sein, wobei die Zahl der Kopien bewusst gering gehalten wurde. Ziel sei es gewesen, die Verbreitung der Informationen innerhalb des Dienstes möglichst eng zu begrenzen.

Nach Darstellung der Recherche existierte jeweils nur eine Abschrift, die innerhalb des BND kursierte. Diese Dokumente seien am Ende ihres internen Nutzungszyklus vernichtet worden – in der Regel durch Schreddern. Eine dauerhafte Archivierung habe es demnach nicht gegeben.

Kein offizielles Aufklärungsziel USA

Bemerkenswert ist dabei, dass die Vereinigten Staaten formal nicht zu den klassischen Aufklärungszielen des BND zählen. Der deutsche Auslandsnachrichtendienst richtet seine Arbeit traditionell auf Krisenregionen, sicherheitspolitische Brennpunkte und Staaten, von denen potenzielle Risiken für Deutschland ausgehen könnten. Die mutmaßliche Überwachung Obamas steht damit in einem Spannungsverhältnis zu den offiziell kommunizierten Prioritäten.

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Nach den vorliegenden Informationen soll es keinen expliziten politischen Auftrag gegeben haben, die Kommunikation des US-Präsidenten auszuspähen. Vielmehr habe der Dienst eine technische Möglichkeit genutzt, die sich aus der konkreten Situation ergab.

Weitere Gespräche hochrangiger US-Politiker betroffen

Die Recherchen beschränken sich nicht allein auf Barack Obama. Auch Telefongespräche weiterer hochrangiger Vertreter der US-Regierung sollen demnach erfasst worden sein. Genannt werden unter anderem die damalige Außenministerin Hillary Clinton sowie Angehörige des US-Militärs.

Diese Hinweise deuten darauf hin, dass der BND nicht punktuell, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg Kommunikationsströme aus dem Umfeld der amerikanischen Führung beobachtet haben könnte. Wie viele Gespräche tatsächlich aufgezeichnet wurden und welchen Umfang die Auswertungen hatten, bleibt jedoch offen.

Klar ist lediglich: Die mutmaßliche Abhörpraxis endete im Jahr 2014. In diesem Zeitraum wurden technische Schwachstellen offenbar geschlossen, zudem nahm der politische Druck im Zuge internationaler Überwachungsdebatten spürbar zu.

Rolle des Kanzleramts und politische Kontrolle

Eine der zentralen Fragen, die sich aus den Recherchen ergibt, betrifft die politische Verantwortung. Nach Angaben aus journalistischen Kreisen soll das Bundeskanzleramt über die Überwachung der Air Force One nicht informiert gewesen sein. Demnach habe es keine direkte politische Weisung gegeben, die Gespräche des US-Präsidenten auszuwerten.

Der Bundesnachrichtendienst untersteht der Fachaufsicht des Kanzleramts. Zugleich ist er verpflichtet, das Parlamentarische Kontrollgremium des Bundestags über seine Tätigkeiten zu unterrichten. Ob und in welcher Form die mutmaßlichen Abhörmaßnahmen dort thematisiert wurden, ist bislang nicht öffentlich bekannt.

Der BND selbst verweist in Stellungnahmen regelmäßig auf seine gesetzlich geregelten Meldewege. Zu konkreten operativen Details äußert sich der Dienst traditionell nicht. Auch im aktuellen Fall bleibt eine eindeutige Bestätigung oder ein Dementi aus.

Geheimdienste zwischen Kooperation und Konkurrenz

Die Vorwürfe gegen den BND fallen in eine Phase, in der das Thema Spionage unter Verbündeten bereits stark belastet ist. Besonders präsent ist bis heute die Affäre um die Überwachung des Mobiltelefons von Bundeskanzlerin Angela Merkel durch den US-Geheimdienst NSA. Die Enthüllungen aus dem Jahr 2013 hatten das Verhältnis zwischen Berlin und Washington nachhaltig erschüttert.

Merkels Satz, das Ausspähen unter Freunden gehe nicht, wurde damals weltweit zitiert. Die nun bekannt gewordenen Recherchen zur möglichen Überwachung Barack Obamas werfen ein neues Licht auf diese Aussage – und zeigen, dass nachrichtendienstliche Praktiken auch zwischen engen Partnern von Misstrauen geprägt sein können.

Geheimdienste operieren in einem Spannungsfeld aus nationalen Interessen, technischer Machbarkeit und politischer Kontrolle. Selbst enge Bündnisse bieten keinen absoluten Schutz vor Ausforschung. Vielmehr scheint es eine unausgesprochene Realität zu sein, dass Staaten auch Freunde beobachten – aus Vorsicht, aus Neugier oder aus strategischem Kalkül.

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Transatlantische Beziehungen auf dem Prüfstand

Ob die mutmaßlichen Abhörmaßnahmen konkrete diplomatische Folgen nach sich ziehen, ist derzeit nicht absehbar. Die Vorwürfe betreffen eine abgeschlossene Phase und liegen Jahre zurück. Dennoch haben sie das Potenzial, das Bild der transatlantischen Beziehungen in der öffentlichen Wahrnehmung zu verändern.

Für die politische Debatte in Deutschland könnten die Recherchen neue Fragen aufwerfen: Wie weit darf der Bundesnachrichtendienst gehen? Welche Rolle spielt das Kanzleramt bei der Kontrolle sensibler Operationen? Und wie transparent müssen Geheimdienste in einer demokratischen Gesellschaft sein?

Öffentliche Debatte über Grenzen der Überwachung

Seit den Enthüllungen über weltweite Überwachungsprogramme ist das Bewusstsein für digitale Sicherheit und staatliche Kontrolle deutlich gewachsen. Bürgerrechtsorganisationen, Juristen und Parlamentarier fordern seit Jahren klarere Regeln und stärkere Kontrolle der Nachrichtendienste.

Der Fall BND und Obama fügt dieser Debatte eine weitere Facette hinzu. Er zeigt, wie schnell technische Möglichkeiten politische Grundsätze unterlaufen können – selbst dann, wenn offiziell kein politischer Auftrag vorliegt.

Zugleich verdeutlichen die Recherchen, dass viele Details nachrichtendienstlicher Arbeit auch Jahre später im Dunkeln bleiben. Welche Informationen tatsächlich gewonnen wurden und wie sie genutzt wurden, lässt sich von außen kaum nachvollziehen.

Vertrauen als fragile Währung

Die mutmaßliche Überwachung von Barack Obama durch den Bundesnachrichtendienst ist mehr als eine historische Randnotiz. Sie berührt grundlegende Fragen von Vertrauen, Souveränität und politischer Verantwortung. In einer global vernetzten Welt, in der Informationen zur strategischen Ressource geworden sind, geraten selbst enge Partnerschaften unter Druck.

Die Recherchen machen deutlich, dass Geheimdienste nicht nur Instrumente der Sicherheitspolitik sind, sondern auch Spiegel politischer Prioritäten und technischer Möglichkeiten. Wie demokratische Staaten mit diesem Wissen umgehen, wird darüber entscheiden, ob Vertrauen zwischen Partnern langfristig erhalten bleibt – oder weiter erodiert.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.