
Herford, 04. Januar 2026. Blaulicht spiegelt sich auf nasser Fahrbahn, Motoren heulen auf, Funkdurchsagen überschlagen sich. Was als routinierter Polizeieinsatz begann, entwickelte sich am Samstagnachmittag im Kreis Herford zu einer gefährlichen Verfolgungsjagd. Eine 66-jährige Frau entzog sich über viele Kilometer der Kontrolle, beschädigte mehrere Polizeifahrzeuge und gefährdete andere Verkehrsteilnehmer.
Die Verfolgungsfahrt, die sich zwischen Vlotho und Bad Salzuflen über rund 17 Kilometer erstreckte, zählt nach Einschätzung der Polizei zu den außergewöhnlichsten Einsätzen der vergangenen Monate. Mehrere Streifenwagen wurden erheblich beschädigt, der Sachschaden ist hoch. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen niemand – ein Umstand, den die Einsatzkräfte ausdrücklich als Glücksfall bezeichnen.
Ein Einsatz mit Vorgeschichte
Der dramatische Verlauf nahm seinen Anfang bereits am Vortag. Am Freitag war die Polizei zu einer Wohnung in Vlotho gerufen worden. Der Grund: eine gemeldete häusliche Auseinandersetzung. Im Mittelpunkt stand die 66-jährige Bewohnerin, die im Verdacht stand, ihren Lebenspartner körperlich angegriffen zu haben.
Die Beamten reagierten mit mehreren Maßnahmen. Die Frau wurde aus der Wohnung verwiesen, vorübergehend in ein Krankenhaus gebracht und angewiesen, nicht an den Wohnort zurückzukehren. Damit schien der Vorfall zunächst beendet. Doch nur einen Tag später spitzte sich die Lage erneut zu.
Rückkehr trotz Verbots
Am Samstagnachmittag meldeten Zeugen, dass die 66-Jährige entgegen der polizeilichen Anordnung wieder an der Wohnung erschienen sei. Mehrere Streifenwagen wurden daraufhin entsandt, um die Situation zu klären. Was die Einsatzkräfte dort erwartete, ließ die Lage binnen Sekunden eskalieren.
Als die Polizei eintraf, stieg die Frau in einen silbernen Ford, der weder mit amtlichen Kennzeichen versehen war noch offensichtlich für den Straßenverkehr vorbereitet schien. Statt anzuhalten, setzte sie sich unvermittelt in Bewegung und ignorierte sämtliche Anhaltezeichen der Beamten.
Der Beginn der Verfolgungsjagd
Mit Blaulicht und Martinshorn nahmen die Streifenwagen die Verfolgung auf. Die 66-Jährige beschleunigte und fuhr in Richtung Bad Salzuflen davon. Bereits in den ersten Minuten wurde deutlich, dass sie bereit war, erhebliche Risiken einzugehen, um sich der Kontrolle zu entziehen.
Nach Angaben der Polizei missachtete sie mehrere rote Ampeln, nutzte Nebenstraßen ebenso wie stark befahrene Verkehrsachsen und wechselte wiederholt abrupt die Fahrspur. Andere Verkehrsteilnehmer mussten ausweichen, um Zusammenstöße zu verhindern. Die Situation blieb über weite Strecken unübersichtlich.
Gefährliche Manöver im Straßenverkehr
Während der Fahrt kam es zu mehreren kritischen Momenten. Ein 61-jähriger Autofahrer aus Minden meldete später, dass sein Fahrzeug bei einem riskanten Überholmanöver durch den flüchtenden Ford beschädigt worden sei. Zu einem schweren Unfall kam es nicht, dennoch dokumentiert der Vorfall die Brisanz der Lage.
Die Polizei versuchte mehrfach, die Fahrt kontrolliert zu beenden. Streifenwagen positionierten sich vor dem Ford, um ihn auszubremsen oder zu blockieren. Doch die 66-Jährige wich aus, beschleunigte erneut – und rammte schließlich einen der Funkwagen.
Beschädigte Polizeifahrzeuge und hoher Sachschaden
Im Verlauf der Verfolgungsjagd wurden insgesamt drei Polizeifahrzeuge erheblich beschädigt. Auch der Ford der Frau wies nach mehreren Kollisionen massive Schäden auf. Dennoch setzte sie ihre Fahrt fort, bis es den Einsatzkräften in Bad Salzuflen gelang, den Wagen einzukesseln.
Die Polizei spricht von einem Sachschaden im fünfstelligen Bereich. Allein die Reparaturen an den Streifenwagen dürften kostenintensiv ausfallen. Dass es trotz der Kollisionen keine Verletzten gab, bewerten die Beamten als außergewöhnlich.
Ende der Flucht in Bad Salzuflen
In Bad Salzuflen schien die Flucht zunächst beendet. Mehrere Streifenwagen blockierten den Ford, ein Weiterfahren schien unmöglich. Doch auch in dieser Situation gab die 66-Jährige nicht auf. Sie versuchte erneut, sich aus der Umklammerung zu befreien, beschädigte dabei weitere Fahrzeuge und gefährdete die umstehenden Beamten.
Erst nachdem Einsatzkräfte eine Seitenscheibe des Fahrzeugs einschlugen, konnte die Frau endgültig am Weiterfahren gehindert werden. Die Situation blieb angespannt, bis sie schließlich aus dem Wagen geholt wurde.
Medizinische Betreuung statt Gewahrsam
Aufgrund ihres Zustands entschieden die Beamten, die 66-Jährige nicht direkt in Gewahrsam zu nehmen. Stattdessen wurde sie erneut in ein Krankenhaus gebracht, wo sie medizinisch betreut wird. Angaben zu ihrem aktuellen Gesundheitszustand machte die Polizei nicht.
Ein wesentliches Detail rückte im Nachgang des Einsatzes in den Fokus der Ermittler: Der Führerschein der Frau war bereits Wochen zuvor sichergestellt worden. Sie verfügte somit zum Zeitpunkt der Verfolgungsjagd über keine gültige Fahrerlaubnis.
Strafrechtliche Konsequenzen
Die Polizei leitete ein umfangreiches Ermittlungsverfahren ein. Im Raum stehen mehrere Straftatbestände, darunter die Gefährdung des Straßenverkehrs, das Fahren ohne Fahrerlaubnis sowie der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Auch die Vorgeschichte der häuslichen Auseinandersetzung wird weiter geprüft.
Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet. Sie wird entscheiden, welche Anklagepunkte letztlich erhoben werden und ob weitere Maßnahmen erforderlich sind. Zudem soll eine medizinische Einschätzung klären, inwiefern der psychische Zustand der Frau eine Rolle gespielt haben könnte.
Polizeiliche Bewertung des Einsatzes
Ein Sprecher der Kreispolizeibehörde Herford bezeichnete den Einsatz als „außergewöhnlich gefährlich“. Verfolgungsjagden seien stets mit erheblichen Risiken verbunden, insbesondere für unbeteiligte Verkehrsteilnehmer. Jede Entscheidung, eine Flucht aufzunehmen oder fortzusetzen, werde deshalb sorgfältig abgewogen.
Nach Angaben der Polizei wird der Einsatz intern aufgearbeitet. Dabei gehe es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um die Analyse von Abläufen und Entscheidungswegen. Ziel sei es, aus solchen Extremsituationen zu lernen und zukünftige Einsätze weiter zu optimieren.
Auswirkungen auf Verkehr und Öffentlichkeit
- 17 Kilometer lange Verfolgungsjagd zwischen Vlotho und Bad Salzuflen
- Drei schwer beschädigte Polizeifahrzeuge
- Hoher Sachschaden im fünfstelligen Bereich
- Keine Verletzten trotz mehrerer Kollisionen
In der Region sorgte der Vorfall für großes Aufsehen. Augenzeugen berichteten von einem ungewöhnlich hohen Polizeiaufkommen, sozialen Netzwerken zufolge verfolgten zahlreiche Anwohner die Ereignisse aus unmittelbarer Nähe. Die Polizei rief zur Besonnenheit auf und bat darum, Einsatzkräfte nicht zu behindern.
Ein Fall, der Fragen aufwirft
Der Einsatz wirft über den konkreten Vorfall hinaus Fragen auf. Wie geht die Polizei mit Personen um, die sich wiederholt polizeilichen Anordnungen widersetzen? Welche Rolle spielen psychische Ausnahmesituationen bei eskalierenden Einsätzen? Und wo liegen die Grenzen zwischen notwendigem Einschreiten und dem Risiko für die Allgemeinheit?
Antworten darauf werden nicht allein in diesem Fall zu finden sein. Doch die Verfolgungsjagd im Kreis Herford zeigt exemplarisch, wie schnell ein lokaler Einsatz eine Dimension annehmen kann, die weit über den ursprünglichen Anlass hinausgeht.
Auch Tage nach dem Einsatz ist der Vorfall Gesprächsthema. Für die Polizei bleibt er ein Beispiel dafür, wie unvorhersehbar Einsätze verlaufen können. Für die Öffentlichkeit bleibt die Erkenntnis, dass selbst alltägliche Verkehrssituationen binnen Sekunden in hochgefährliche Lagen kippen können.
Die Ermittlungen dauern an. Erst wenn alle Fakten bewertet sind, wird klar sein, welche juristischen Konsequenzen die 66-Jährige erwarten. Sicher ist bereits jetzt: Die Verfolgungsjagd von Herford wird als einer der spektakulärsten Polizeieinsätze des Jahresbeginns in Erinnerung bleiben.