
BERLIN, 7. Januar 2026 – Die Tonlage ist klar, der Anspruch hoch: Mit Steuerentlastungen, einem umfassenden Bürokratieabbau und einer tiefgreifenden Rentenreform setzt die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz auf einen wirtschaftspolitischen Neustart. Es ist ein Reformkurs, der Wachstum entfesseln, Vertrauen zurückgewinnen und den Staat handlungsfähiger machen soll – und der zugleich heftige Debatten auslöst.
Kaum ein Politikfeld ist derzeit so eng miteinander verzahnt wie Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die Merz-Reformen greifen genau an diesen Schnittstellen an. Sie betreffen Unternehmen ebenso wie private Haushalte, Erwerbstätige wie Rentnerinnen und Rentner, Verwaltungen ebenso wie Kommunen. Der Anspruch der Koalition ist umfassend: Deutschland soll wettbewerbsfähiger, effizienter und demografiefester werden.
Ein wirtschaftspolitischer Neustart mit klarer Richtung
Seit dem Amtsantritt von Friedrich Merz im Frühjahr 2025 steht die Wirtschaftspolitik im Zentrum der Regierungsarbeit. Die Koalition hat sich im Vertrag ausdrücklich darauf verständigt, die Steuer- und Abgabenlast zu senken, Investitionen zu erleichtern und die staatlichen Strukturen zu verschlanken. Hinter den Merz-Reformen steht die Überzeugung, dass wirtschaftliche Dynamik und staatliche Leistungsfähigkeit untrennbar miteinander verbunden sind.
Deutschland leidet seit Jahren unter vergleichsweise hohen Energie- und Produktionskosten, komplexen Genehmigungsverfahren und einer Steuerstruktur, die internationale Investoren zunehmend abschreckt. Die Bundesregierung sieht darin ein strukturelles Risiko für Wachstum, Beschäftigung und Standortattraktivität. Die nun umgesetzten Maßnahmen sollen diese Entwicklung stoppen – und umkehren.
Steuern runter: Entlastung für Unternehmen und Verbraucher
Ein Kernstück der Merz-Reformen ist die steuerliche Entlastung. Sie setzt an mehreren Stellen an und zielt sowohl auf Unternehmen als auch auf private Haushalte. Besonders im Fokus stehen Energiepreise und Unternehmenssteuern, zwei Faktoren, die laut Regierung entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland sind.
Ab dem 1. Januar 2026 wird die Stromsteuer für das produzierende Gewerbe sowie für land- und forstwirtschaftliche Betriebe auf den europäischen Mindeststeuersatz abgesenkt. Flankierend greift eine staatliche Stabilisierung der Netzentgelte, die verhindern soll, dass regionale Preisunterschiede weiter anwachsen. Die Bundesregierung stellt dafür über mehrere Jahre milliardenschwere Mittel bereit.
Parallel dazu verfolgt die Koalition das Ziel, die steuerliche Belastung von Unternehmen spürbar zu senken. Vorgesehen ist eine stufenweise Reduzierung der Körperschaftsteuer, langfristig mit dem Ziel eines deutlich niedrigeren Satzes. Ergänzend sollen Abschreibungsregeln verbessert und Investitionen steuerlich schneller wirksam werden. Die Merz-Reformen setzen damit bewusst auf Liquiditätsentlastung und Planungssicherheit.
Auch auf der Ebene der privaten Haushalte bleibt die Steuerpolitik ein zentrales Thema. Die Diskussion um den Solidaritätszuschlag hält an, ebenso die Frage nach weiteren Entlastungen bei der Einkommensteuer. Konkrete Entscheidungen dazu sind politisch umkämpft, zeigen aber, dass die steuerpolitische Debatte längst nicht abgeschlossen ist.
Bürokratieabbau als Wachstumsfaktor
Neben der Steuerpolitik bildet der Bürokratieabbau die zweite tragende Säule der Merz-Reformen. Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Bürokratiekosten für Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger deutlich zu reduzieren. Grundlage ist die Erkenntnis, dass langwierige Genehmigungsverfahren, doppelte Berichtspflichten und komplexe Zuständigkeiten wirtschaftliche Aktivität bremsen.
Künftig sollen alle Bundesministerien verpflichtet werden, neue Gesetze und Verordnungen systematisch auf ihre Bürokratiefolgen zu prüfen. Ziel ist es, unnötige Dokumentations- und Meldepflichten von Beginn an zu vermeiden. Zugleich wird der Ausbau digitaler Verwaltungsprozesse beschleunigt, um Verfahren zu vereinfachen und Bearbeitungszeiten zu verkürzen.
Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen verspricht sich die Regierung spürbare Entlastungen. Genehmigungen sollen schneller erteilt, Förderprogramme transparenter gestaltet und digitale Schnittstellen zwischen Behörden vereinheitlicht werden. Der Bürokratieabbau ist damit nicht nur ein Verwaltungsprojekt, sondern ein zentraler Bestandteil der wirtschaftspolitischen Strategie.
Rentenreform im Zentrum der gesellschaftlichen Debatte
Am kontroversesten diskutiert wird innerhalb der Merz-Reformen die Rentenpolitik. Mit dem im Dezember 2025 beschlossenen Rentenpaket greift die Bundesregierung eines der sensibelsten Politikfelder an. Die Reform reagiert auf den demografischen Wandel, steigende Lebenserwartung und den zunehmenden Fachkräftemangel – und setzt dabei auf neue Anreize.
Die Aktivrente: Arbeiten über das Rentenalter hinaus
Herzstück der Reform ist die sogenannte Aktivrente. Sie ermöglicht es Rentnerinnen und Rentnern, über das gesetzliche Rentenalter hinaus weiterzuarbeiten und dabei monatlich bis zu 2.000 Euro steuerfrei hinzuzuverdienen. Das bisherige Vorbeschäftigungsverbot entfällt, sodass Beschäftigte nahtlos in eine Weiterarbeit übergehen können.
Die Bundesregierung verbindet damit mehrere Ziele: Ältere Fachkräfte sollen im Arbeitsmarkt gehalten, der Fachkräftemangel abgemildert und die Sozialkassen entlastet werden. Gleichzeitig soll die Aktivrente die individuelle Entscheidung über den Übergang in den Ruhestand flexibilisieren.
Die Maßnahme stößt bei Arbeitgeberverbänden und Teilen der Wirtschaft auf Zustimmung. Kritiker hingegen warnen vor Mitnahmeeffekten und einer ungleichen Wirkung, da nicht alle Berufsgruppen gleichermaßen von der Regelung profitieren können.
Stabilisierung des Rentenniveaus
Ein weiterer zentraler Punkt der Rentenreform ist die Sicherung des gesetzlichen Rentenniveaus bei 48 Prozent des Durchschnittslohns bis mindestens 2031. Diese Entscheidung wurde im Bundestag nur mit knapper Mehrheit getroffen und ist politisch hoch umstritten.
Die Bundesregierung argumentiert, dass Planungssicherheit für Millionen Beitragszahlerinnen und Beitragszahler notwendig sei. Gleichzeitig soll eine neu eingesetzte Rentenkommission bis 2026 Vorschläge für die langfristige Weiterentwicklung des Systems erarbeiten.
Kritik aus Politik und Verbänden
Die Stabilisierung des Rentenniveaus bringt erhebliche finanzielle Belastungen mit sich. Innerhalb der Union äußerten insbesondere jüngere Parteimitglieder Bedenken mit Blick auf die Generationengerechtigkeit. Auch Wirtschaftsexperten warnen vor steigenden Bundeszuschüssen und langfristigen Haushaltsrisiken.
Sozialverbände hingegen begrüßen die Sicherung des Rentenniveaus, mahnen aber an, dass zusätzliche Maßnahmen zur Bekämpfung von Altersarmut notwendig seien. Die Rentenreform bleibt damit ein politischer Balanceakt zwischen sozialer Absicherung und fiskalischer Tragfähigkeit.
Politische Dynamik und gesellschaftliche Wirkung
Die Merz-Reformen entfalten ihre Wirkung nicht im luftleeren Raum. Sie treffen auf eine Gesellschaft, die von wirtschaftlicher Unsicherheit, steigenden Lebenshaltungskosten und tiefgreifenden Strukturveränderungen geprägt ist. Entsprechend intensiv wird über Sinn, Tempo und Ausrichtung der Reformen gestritten.
Während Wirtschaftsverbände den eingeschlagenen Kurs überwiegend unterstützen, äußern Gewerkschaften und Teile der Opposition die Sorge, dass soziale Aspekte zu kurz kommen könnten. Insbesondere die Kombination aus Steuerentlastungen und zusätzlichen Rentenausgaben wird kritisch begleitet.
Gleichzeitig zeigt sich, dass viele der Reformen langfristig angelegt sind. Der Bürokratieabbau etwa wird sich erst schrittweise in der Praxis bemerkbar machen. Auch die Effekte der steuerlichen Maßnahmen hängen von der konjunkturellen Entwicklung und der Investitionsbereitschaft der Unternehmen ab.
Ein Kurs mit offenem Ausgang
Mit den Merz-Reformen hat die Bundesregierung einen ambitionierten Kurs eingeschlagen. Steuersenkungen, Bürokratieabbau und Rentenreform greifen tief in bestehende Strukturen ein und verändern wirtschaftliche wie soziale Rahmenbedingungen. Ob es gelingt, Wachstum zu fördern, den Staat effizienter zu machen und gleichzeitig soziale Stabilität zu sichern, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Sicher ist jedoch: Die Reformagenda prägt die politische Debatte und setzt neue Maßstäbe für die Ausrichtung der deutschen Politik. Der Anspruch, Deutschland zukunftsfähig aufzustellen, ist hoch – ebenso wie die Erwartungen, an denen sich die Merz-Reformen messen lassen müssen.