
Berlin, 29. November 2025 – Ein leiser, aber unüberhörbarer Einschnitt kündigt sich an. Ab dem 1. Dezember greifen die ersten Maßnahmen des Reformstaatsvertrags, und für das Publikum beginnt eine Phase des Umbruchs. Einige Sender verschwinden, Programme verlagern sich ins Digitale – der öffentlich-rechtliche Rundfunk sortiert sich neu.
Die ARD setzt den Reformstaatsvertrag nun schrittweise um. Die Neuausrichtung, von den Bundesländern beschlossen, soll den Verbund effizienter, digitaler und schlanker gestalten. Mit der ersten Welle an Maßnahmen zeigt sich, wie konkret dieser Wandel ausfällt: Radioprogramme werden neu geordnet, Spartensender im Fernsehen reduziert, Online-Inhalte stärker priorisiert. Der Umbau geschieht nicht abrupt, aber sichtbar – und er trifft Gewohnheiten, die das Publikum seit Jahrzehnten begleiten.
Warum der Reformstaatsvertrag notwendig wurde
Der 7. Medienänderungsstaatsvertrag gilt als zentrales Regelwerk für die künftige Organisation von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Er wurde in mehreren Ländern intensiv diskutiert, bevor alle Parlamente zustimmten. Die Stoßrichtung ist klar: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll sich an die Medienrealität des 21. Jahrhunderts anpassen, Doppelstrukturen abbauen, Kosten steuern und Inhalte stärker auf digitale Nutzungsformen ausrichten.
Die Reform zielt nicht nur auf Programmreduzierung oder strukturelle Straffung. Sie betrifft ebenso den Online-Auftritt, das Zusammenspiel der Landesrundfunkanstalten, die Aufsicht über Budgets und die Verteilung finanzieller Mittel. Ein neuer Medienrat soll für mehr Transparenz sorgen, während eine Deckelung etwa bei Sportrechten die Kosten begrenzen soll. Insgesamt entsteht ein Rahmen, der größere Klarheit über Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten schaffen soll.
Was sich ab dem 1. Dezember konkret ändert
Mit dem Starttermin werden mehrere Maßnahmen wirksam. Die ARD hat rund 40 Einzelpunkte identifiziert, die zeitnah umgesetzt werden. Besonders greifbar sind die Veränderungen im Hörfunk: Die Zahl der terrestrisch ausgestrahlten Radiowellen wird schrittweise reduziert, um regionale Doppelangebote oder thematische Überschneidungen zu vermeiden.
Deutlicher Einschnitt: Viele Radiosender entfallen oder wechseln ins Digitale
Die ARD streicht zahlreiche Radioprogramme aus der klassischen Ausstrahlung. Zu den betroffenen Angeboten zählen Jugend- und Musiksparten wie PULS oder MDR Tweens, ebenso Schlager- und Klassikwellen sowie Sonderprogramme wie WDR Event oder BR Verkehr. Ein Teil dieser Programme bleibt digital erhalten, ein anderer wird in neue Audio-Formate überführt oder in bestehenden Wellen integriert.
Die Reform führt dazu, dass einige Hörerinnen und Hörer künftig auf alternative Empfangswege ausweichen müssen. Die Umstellung ist nicht überall gleich: Jedes Landesrundfunkhaus entscheidet selbst, welche Wellen eingestellt oder umgebaut werden. Dennoch markiert die Reduktion von rund 70 auf etwa 53 Radiowellen eine deutliche Zäsur im bisherigen Angebot.
Fernsehen und Online: Spartensender werden neu geordnet
Im Fernsehen werden ebenfalls Programme zusammengelegt oder abgeschaltet. Filterkanäle für Nachrichten, Bildung oder Kultur – darunter bisherige thematische Sender – sollen verschlankt werden. Die Zahl der linearen Informationskanäle sinkt, während Inhalte zunehmend in digitale Plattformen wandern.
Parallel stärkt die ARD ihre Mediathek und das Online-Portfolio. Der Verbund plant, Audio- und Videoformate zu priorisieren und Textangebote stärker zu fokussieren. Bei der Tagesschau etwa sollen audiovisuelle Inhalte deutlicher im Vordergrund stehen, während Textbeiträge zurückgehen. Ziel ist es, die gesetzlichen Vorgaben für Telemedien einzuhalten und die Nutzungstrends in der digitalen Medienwelt zu berücksichtigen.
Wie der Umbau in den kommenden Jahren voranschreitet
Die ersten Einschnitte markieren nur den Beginn eines längeren Prozesses. Bis 2027 soll das Senderangebot vollständig angepasst sein. In mehreren Bundesländern wird bereits an Kooperationen zwischen Landesrundfunkanstalten gearbeitet, um Synergien zu schaffen und Ressourcen zu bündeln. Besonders im Südwesten sind engere Partnerschaften zwischen HR, SWR und SR vorgesehen.
Zudem baut die ARD ihr digitales Ökosystem aus. In der geplanten Audiothek sollen künftig thematische Streams, On-Demand-Formate, Genre-Kanäle und spezialisierte Inhalte wie Klassik oder Kinderprogramme gebündelt werden. Der Fokus liegt auf flexibler Nutzung, besserer Auffindbarkeit und einer konsistenten Markenstruktur.
Was das für das Publikum bedeutet
Viele Nutzerinnen und Nutzer werden sich umstellen müssen. Programme, die über UKW oder DAB+ empfangen wurden, sind künftig nur noch online verfügbar. Auch bei Fernsehinhalten wird stärker auf Abrufangebote gesetzt. Die klassische lineare Nutzung bleibt zwar bestehen, verliert aber an Bedeutung, während Streaming, Mediatheken und digitale Medienangebote weiter wachsen.
Für Menschen ohne digitale Routine kann diese Entwicklung Herausforderungen bringen. Gleichzeitig eröffnet der Reformprozess neue Zugriffsmöglichkeiten, flexiblere Nutzung und mehr thematische Vielfalt in digitalen Formaten. Die ARD will zugleich darauf achten, dass Zugänglichkeit und Auffindbarkeit sichergestellt bleiben – ein Balanceakt zwischen Modernisierung und öffentlichem Auftrag.
Ein Signal der Erneuerung in einer sich wandelnden Medienlandschaft
Der Reformstaatsvertrag markiert einen der tiefsten Eingriffe in die Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks seit Jahrzehnten. Mit der Zustimmung aller Länder und der nun beginnenden Umsetzung setzt die ARD ein deutliches Zeichen. Der Umbau ist anspruchsvoll: Einerseits sollen Effizienz und Kostenkontrolle verbessert werden, andererseits müssen publizistische Vielfalt und regionaler Auftrag erhalten bleiben.
Ob diese Neuordnung gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Klar ist jedoch: Das Medienangebot in Deutschland verändert sich. Mit dem Start der Reformmaßnahmen am 1. Dezember beginnt eine Phase der Neuorientierung – für die ARD, für die Politik und vor allem für die Menschen, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk täglich nutzen.