Menschheitsgeschichte in Frage gestellt Erich von Däniken ist tot – Prä-Astronautik-Autor und umstrittener Bestseller-Schriftsteller gestorben

In Regionales
Januar 11, 2026

Interlaken/Bern, 11. Januar 2026 – Über Jahrzehnte hinweg polarisierte er mit Thesen, die für manche faszinierend, für andere irritierend waren. Erich von Däniken, der wohl bekannteste Vertreter der Prä-Astronautik, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Mit ihm endet ein Kapitel populärer Geschichtsdeutung, das weit über Fachkreise hinauswirkte.

Erich von Däniken starb am Samstag in einem Krankenhaus in Interlaken im Kanton Bern. Der Tod des Schweizer Autors wurde am Sonntag aus seinem familiären Umfeld bestätigt. Von Däniken galt als eine der prägendsten Figuren der internationalen Mystery-Szene – ein Autor, der Millionen Leser erreichte und zugleich dauerhaft umstritten blieb.

Ein Leben zwischen Provokation und Publikumserfolg

Geboren wurde Erich Anton Paul von Däniken am 14. April 1935 im aargauischen Zofingen. Seine berufliche Laufbahn begann fernab akademischer Forschung: Er absolvierte eine Ausbildung als Koch und arbeitete in der Hotellerie, unter anderem in der Schweiz und im Ausland. Parallel entwickelte er ein wachsendes Interesse an Archäologie, alten Kulturen und religiösen Überlieferungen – allerdings aus einer Perspektive, die sich deutlich von der etablierten Wissenschaft unterschied.

Der Durchbruch gelang ihm 1968 mit dem Buch Erinnerungen an die Zukunft. Darin stellte Erich von Däniken die These auf, dass frühe Hochkulturen wie die Ägypter, Sumerer oder Maya Besuch von außerirdischen Wesen erhalten hätten. Monumentale Bauwerke, technische Darstellungen in alten Texten und Mythen deutete er als Hinweise auf Raumfahrer aus dem All. Das Buch wurde zu einem internationalen Bestseller und machte von Däniken schlagartig weltbekannt.

Ein Bestseller mit globaler Wirkung

Erinnerungen an die Zukunft markierte den Beginn einer außergewöhnlichen publizistischen Karriere. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte Erich von Däniken mehr als 40 weitere Bücher, die sich immer wieder um dieselbe Kernfrage drehten: Haben Außerirdische die Menschheitsgeschichte beeinflusst? Seine Werke wurden in über 30 Sprachen übersetzt, die Gesamtauflage wird auf rund 70 Millionen Exemplare geschätzt.

Damit erreichte von Däniken ein Publikum, das weit über das klassische Sachbuch hinausging. Seine Thesen fanden Eingang in Fernsehdokumentationen, populärwissenschaftliche Magazine und später auch in digitale Formate. Der auf seinem Erstlingswerk basierende Dokumentarfilm wurde Anfang der 1970er-Jahre sogar für einen Oscar nominiert – ein ungewöhnlicher Erfolg für ein Werk, das von der Fachwelt überwiegend kritisch betrachtet wurde.

Das ist auch interessant:  Kommt der Schulausfall bei Glätte im Kreis Stade: Hier die verlässlichen Informationen

Für viele Leser boten die Bücher von Erich von Däniken eine alternative Deutung der Geschichte, die bestehende Narrative infrage stellte. Für Archäologen, Historiker und Naturwissenschaftler hingegen galten seine Schlussfolgerungen als methodisch unhaltbar. Die Kritik richtete sich vor allem gegen selektive Quelleninterpretationen und fehlende empirische Belege.

Kritik, Zweifel und öffentliche Kontroversen

Die wissenschaftliche Ablehnung begleitete Erich von Däniken während seiner gesamten Karriere. Fachvertreter bezeichneten seine Arbeiten als pseudowissenschaftlich und warfen ihm vor, archäologische Funde aus dem Kontext zu reißen. Dennoch gelang es ihm, die öffentliche Debatte über außerirdisches Leben und menschliche Frühgeschichte nachhaltig zu prägen.

Juristische Schattenseiten

Auch jenseits inhaltlicher Auseinandersetzungen blieb von Däniken nicht frei von Kontroversen. In den 1960er-Jahren wurde er wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt und verbüßte eine Haftstrafe. Dieser Aspekt seiner Biografie wurde später immer wieder thematisiert und beeinflusste die Wahrnehmung seiner Person – sowohl bei Kritikern als auch bei Anhängern.

Von Däniken selbst wies darauf hin, dass seine Ideen unabhängig von seiner persönlichen Geschichte beurteilt werden sollten. Die Diskussionen um seine Vergangenheit ebbten jedoch nie vollständig ab und gehörten zu den wiederkehrenden Begleiterscheinungen seiner öffentlichen Auftritte.

Der Versuch eines begehbaren Weltbildes

Ein besonders sichtbares Projekt war der Mystery Park bei Interlaken, den Erich von Däniken Anfang der 2000er-Jahre initiierte. In mehreren Themenpavillons sollten Besucher mit Rätseln der Weltgeschichte konfrontiert werden – von den Nazca-Linien bis zu den Pyramiden von Gizeh. Der Park verstand sich als Erlebnisraum für seine Thesen.

Wirtschaftlich blieb das Projekt jedoch hinter den Erwartungen zurück. Nach finanziellen Schwierigkeiten musste der Park zunächst schließen, wurde später unter verändertem Konzept zeitweise wiedereröffnet. Dennoch blieb er eng mit dem Namen Erich von Däniken verbunden und symbolisierte den Versuch, seine Ideen jenseits des Buchmarktes zu vermitteln.

Das ist auch interessant:  Bombe in Essen-Altenessen: Evakuierung und Bombenentschärfung nach Blindgängerfund

Rückzug und letzte Jahre

In seinen späten Lebensjahren zog sich Erich von Däniken zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Öffentliche Vorträge, die lange Zeit ein fester Bestandteil seiner Arbeit gewesen waren, wurden seltener. Zu seinem 90. Geburtstag im Jahr 2025 war bereits bekannt geworden, dass gesundheitliche Gründe geplante Auftritte verhinderten.

Im selben Jahr erschien seine autorisierte Biografie, die sein Leben und Werk nachzeichnete. Von Däniken selbst trat dabei kaum noch öffentlich in Erscheinung. Über seine offizielle Website ließ er mitteilen, dass er keine Interviews mehr gebe und laufende Projekte abgebe. Der Rückzug erfolgte leise – ohne große Inszenierung.

Ein umstrittenes Erbe mit langer Wirkung

Mit dem Tod von Erich von Däniken endet eine Karriere, die wie kaum eine andere für die Spannung zwischen populärer Faszination und wissenschaftlicher Skepsis steht. Seine Bücher prägten das Bild der Prä-Astronautik und beeinflussten Generationen von Lesern, Filmemachern und Fernsehmachern. Unabhängig von der Bewertung seiner Thesen bleibt festzuhalten: Kaum ein Autor hat es geschafft, archäologische Fragen derart nachhaltig in den gesellschaftlichen Diskurs zu tragen.

Erich von Däniken hinterlässt kein akademisches Vermächtnis im klassischen Sinn, wohl aber ein kulturelles. Seine Ideen leben weiter – als Gegenstand kritischer Auseinandersetzung, als Inspirationsquelle populärer Formate und als Beispiel dafür, wie stark das Bedürfnis nach alternativen Erklärungen für die Geschichte der Menschheit sein kann.

Avatar
Redaktion / Published posts: 3485

Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.