
Sabotage im Herzen der Hauptstadt – Anschlag auf das Berliner Stromnetz rückt die „Vulkangruppe“ ins Zentrum der Ermittlungen
Berlin, 05. Januar 2026 – Die Stadt erwacht in Dunkelheit. Heizungen bleiben kalt, Straßenlaternen erlöschen, der öffentliche Verkehr stockt. Ein Brandanschlag auf eine zentrale Kabelbrücke hat den Südwesten Berlins über Nacht lahmgelegt und eine fragile Wahrheit offenbart: Die kritische Infrastruktur der Metropole ist verwundbar.
Anschlag auf das Berliner Stromnetz legt Stadtteile lahm
Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 3. Januar im Ortsteil Lichterfelde. Eine Kabelbrücke über den Teltowkanal stand in Flammen. Fünf Hochspannungskabel des 110-Kilovolt-Netzes sowie mehrere Mittelspannungskabel wurden dabei vollständig zerstört. Diese Leitungen versorgen weite Teile des Berliner Südwestens mit Strom und sind ein zentraler Knotenpunkt für die Energieversorgung in Stadtteilen wie Zehlendorf, Wannsee, Nikolassee und Lichterfelde.
Nach Angaben des Netzbetreibers Stromnetz Berlin waren rund 45 000 Haushalte und mehr als 2 000 Gewerbebetriebe unmittelbar betroffen. Besonders gravierend: Die betroffenen Leitungen sind Teil einer Ringleitung, die in diesem Abschnitt nicht redundant abgesichert ist. Eine schnelle Umleitung der Stromversorgung war daher nur eingeschränkt möglich. Zwar gelang es Technikern, etwa 7 000 Haushalte relativ zügig wieder anzuschließen, doch für viele andere blieb der Stromausfall über Tage bestehen.
Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz traf die Stadt in einer sensiblen Phase. Temperaturen unter dem Gefrierpunkt verschärften die Lage, zahlreiche Wohnungen waren ohne Heizung und Warmwasser. Notunterkünfte wurden geöffnet, Krankenhäuser schalteten auf Notstromaggregate um, Pflegeeinrichtungen und Kitas arbeiteten im Ausnahmezustand.
Bekennerschreiben bringt die „Vulkangruppe“ ins Spiel
Kurz nach dem Anschlag tauchte im Internet ein Bekennerschreiben auf. Veröffentlicht wurde es auf einer Plattform, die in der Vergangenheit wiederholt von extremistischen Gruppierungen genutzt wurde. Unterzeichnet ist das Schreiben mit dem Namen „Vulkangruppe“. Darin bekennt sich die Gruppierung zu dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz und bezeichnet die Tat als gezielte Sabotage gegen das bestehende Energiesystem.
Die Ermittlungsbehörden stufen das Schreiben nach ersten Prüfungen als glaubwürdig ein. Polizei und Staatsschutz gehen davon aus, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Brandanschlag und der selbsternannten „Vulkangruppe“ gibt. Die genaue Urheberschaft ist jedoch weiterhin Gegenstand intensiver Ermittlungen.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) reagierte mit scharfen Worten. Der Anschlag sei kein Protest, sondern ein Akt linksextremistischer Gewalt, der Menschen gefährde und das Vertrauen in die Sicherheit der Stadt erschüttere. Auch Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sprach von einem Angriff auf das Fundament des gesellschaftlichen Zusammenlebens und forderte eine enge Zusammenarbeit mit Bundesbehörden.
Zwischen Sabotage und Terrorismus
Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz wird von den Sicherheitsbehörden nicht als isolierter Vorfall bewertet. Vielmehr fügt er sich in eine Serie von Sabotageakten ein, die in den vergangenen Jahren immer wieder kritische Infrastruktur ins Visier nahmen. Die Berliner Polizei spricht von einem gezielten Angriff mit erheblichem Gefährdungspotenzial für die Bevölkerung.
Die politische Bewertung fällt entsprechend deutlich aus. Vertreter mehrerer Parteien verurteilten den Anschlag scharf. Gleichzeitig wurde betont, dass die Aufklärung mit der gebotenen Sorgfalt erfolgen müsse, um Fehleinschätzungen zu vermeiden. Die Grenze zwischen politisch motivierter Sabotage und terroristischem Handeln steht dabei im Zentrum der Debatte.
Wer steckt hinter der „Vulkangruppe“?
Die „Vulkangruppe“ ist den Sicherheitsbehörden kein unbekannter Name. Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt taucht die Bezeichnung in Bekennerschreiben auf, die nach Brandanschlägen und Sabotageakten auf technische Infrastruktur veröffentlicht wurden. Besonders im Berliner Raum und im angrenzenden Brandenburg wird der Name immer wieder mit Angriffen auf Strom-, Bahn- und Kommunikationsanlagen in Verbindung gebracht.
Konkrete Informationen über die Mitglieder der „Vulkangruppe“ liegen öffentlich nicht vor. Weder Größe noch Struktur der Gruppierung sind bekannt. Ermittler gehen davon aus, dass es sich um ein loses Netzwerk handelt, das konspirativ agiert und keine klassische Organisationsstruktur aufweist. Die Verwendung wechselnder Pseudonyme erschwert eine eindeutige Zuordnung zusätzlich.
Frühere Taten und wiederkehrende Muster
In den Jahren zwischen 2011 und 2013 wurden mehrere Brandanschläge auf Bahninfrastruktur in Berlin und im Umland verübt, zu denen sich später eine Gruppierung mit ähnlicher Namensgebung bekannte. Auch in wohlhabenderen Wohnvierteln kam es wiederholt zu gezielten Angriffen auf Starkstromkabel. Gemeinsam ist diesen Taten die präzise Auswahl der Ziele und der Versuch, mit vergleichsweise einfachen Mitteln maximale Wirkung zu erzielen.
Ein besonders aufsehenerregender Fall ereignete sich im Frühjahr 2024, als ein Brandanschlag in der Nähe der Tesla-Gigafactory im brandenburgischen Grünheide zu einem großflächigen Stromausfall führte und die Produktion über Tage zum Stillstand kam. Auch in diesem Fall tauchte ein Bekennerschreiben auf, das der „Vulkangruppe“ zugeschrieben wurde.
Ideologischer Hintergrund
Verfassungsschutzbehörden ordnen die „Vulkangruppe“ dem linksextremistischen, anarchistischen Spektrum zu. In den veröffentlichten Texten wird eine radikale Kritik an Kapitalismus, Industriegesellschaft und Energiepolitik formuliert. Sabotage wird dabei als legitimes Mittel dargestellt, um gesellschaftliche Veränderungen zu erzwingen.
Charakteristisch ist die symbolische Sprache der Bekennerschreiben. Die Gruppierung greift häufig auf vulkanische Metaphern zurück, die Zerstörungskraft und Erneuerung zugleich suggerieren sollen. Diese Selbstdarstellung dient offenbar dazu, den eigenen Aktionen eine ideologische Überhöhung zu verleihen.
Konsequenzen des Stromausfalls für Berlin
Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz hatte unmittelbare und spürbare Folgen für das öffentliche Leben. Zahlreiche S-Bahn-Verbindungen fielen aus oder konnten nur eingeschränkt verkehren. Der Straßenverkehr wurde durch ausgefallene Ampelanlagen zusätzlich belastet. In Schulen und Kitas kam es zu Schließungen oder Notbetrieb.
Besonders sensibel war die Lage in medizinischen Einrichtungen. Krankenhäuser mussten auf Notstromversorgung zurückgreifen, Pflegeheime standen vor logistischen Herausforderungen. Auch kleinere Betriebe und Selbstständige meldeten erhebliche wirtschaftliche Schäden durch den Stromausfall.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Die gesellschaftliche Reaktion auf den Anschlag fiel vielschichtig aus. Neben der breiten Verurteilung der Tat wurde auch über den Schutz kritischer Infrastruktur diskutiert. Der Vorsitzende der Partei Die Linke, Jan van Aken, verurteilte den Anschlag ebenfalls, mahnte jedoch zugleich eine sachliche Debatte über Sicherheitskonzepte und soziale Folgen an.
In der Berliner Bevölkerung wuchs der Unmut. Viele Betroffene kritisierten die lange Dauer des Stromausfalls und forderten bessere Vorsorge für vergleichbare Szenarien. Die Frage, wie resilient eine moderne Großstadt gegenüber gezielten Angriffen ist, rückte damit stärker in den öffentlichen Fokus.
Sicherheitslage und Schutz kritischer Infrastruktur
Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz hat eine sicherheitspolitische Debatte neu entfacht. Experten weisen seit Jahren darauf hin, dass Energie-, Verkehrs- und Kommunikationsnetze potenzielle Schwachstellen darstellen. Die zunehmende Komplexität dieser Systeme erschwert deren vollständige Absicherung.
Der Berliner Verfassungsschutz hatte bereits in früheren Berichten auf die Gefahr von Sabotageakten durch extremistische Gruppen hingewiesen. Der aktuelle Fall bestätigt aus Sicht vieler Beobachter die Dringlichkeit dieser Warnungen. Zugleich betonen Behörden, dass pauschale Schuldzuweisungen oder vorschnelle Schlussfolgerungen vermieden werden müssen.
Politische Diskussionen ohne einfache Antworten
Ob der Anschlag langfristige Auswirkungen auf die Energie- und Sicherheitspolitik haben wird, ist offen. Forderungen nach verstärkter Überwachung und baulicher Sicherung stehen Bedenken hinsichtlich Kosten, Umsetzbarkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz gegenüber. Klar ist jedoch: Der Angriff hat gezeigt, wie abhängig urbane Räume von stabilen technischen Systemen sind.
Der Anschlag auf das Berliner Stromnetz markiert eine Zäsur. Er zwingt Politik, Sicherheitsbehörden und Gesellschaft, sich mit der realen Verwundbarkeit moderner Infrastruktur auseinanderzusetzen. Während die Ermittlungen zur „Vulkangruppe“ weiterlaufen, bleibt die zentrale Erkenntnis bestehen: Die Stabilität des Alltags ist keine Selbstverständlichkeit. Wie Berlin auf diese Herausforderung reagiert, wird weit über den aktuellen Krisenmoment hinaus Bedeutung haben.