Schutz vor Atemwegsinfektionen
Grippe und Corona im Herbst 2026: Wer sich jetzt impfen lassen sollte

Schutz vor Atemwegsinfektionen

Mit dem Herbst steigt in Deutschland das Risiko für Erkältungen und andere Atemwegsinfektionen. Neben gewöhnlichen Erkältungsviren können auch Influenza und Corona wieder häufiger zum Problem werden. Gesundheitsbehörden raten zu einfachen Schutzmaßnahmen im Alltag. Bei den Impfungen kommt es allerdings auf Alter und Vorerkrankungen an – insbesondere die Empfehlungen zur Corona-Auffrischung haben sich 2026 verändert.
Deutschland, 11. Oktober 2026. Husten im Büro, Schnupfen im Klassenzimmer, Halsschmerzen nach der Fahrt mit Bus oder Bahn: Mit den kühleren Monaten werden Atemwegsinfektionen wieder zu einem alltäglichen Thema. Viele Menschen verbringen mehr Zeit in geschlossenen Räumen, oft dicht beieinander. Für Erkältungsviren, Influenza und das Coronavirus sind das günstige Bedingungen, um sich auszubreiten.
Eine ungewöhnlich starke Infektionswelle lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Ob und wie schnell die Zahl der Erkrankungen steigt, erfassen die Gesundheitsbehörden anhand regelmäßiger Untersuchungen. Das Robert Koch-Institut (RKI) beobachtet dafür die Verbreitung akuter Atemwegsinfektionen und verschiedener Krankheitserreger.
Unabhängig von der aktuellen Infektionslage gibt es Möglichkeiten, das persönliche Erkrankungsrisiko zu senken. Besonders wichtig sind die Grippeschutzimpfung für bestimmte Bevölkerungsgruppen, die aktualisierten Corona-Impfempfehlungen und ein bewusster Umgang mit ersten Krankheitssymptomen.
Eine Erkältung beginnt häufig unspektakulär. Erst kratzt der Hals, dann läuft die Nase, später kommt Husten hinzu. Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend. Bei ansonsten gesunden Menschen verläuft eine solche Infektion in der Regel unkompliziert und klingt häufig innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
Anders kann es bei einer echten Grippe aussehen. Die Influenza beginnt oft plötzlich, begleitet von Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Betroffene fühlen sich mitunter innerhalb weniger Stunden erheblich geschwächt. Für ältere Menschen, Schwangere und Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen kann eine Influenza gefährlich werden.
COVID-19 lässt sich anhand der Beschwerden nicht zuverlässig von anderen Atemwegsinfektionen unterscheiden. Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Fieber kommen ebenso vor wie Veränderungen des Geruchs- oder Geschmackssinns. Der Verlauf reicht von leichten Symptomen bis zu schweren Erkrankungen.
Ob Erkältung, Influenza oder Corona: Die Symptome überschneiden sich so stark, dass eine sichere Unterscheidung allein nach dem Krankheitsgefühl häufig nicht möglich ist. Wenn die genaue Ursache für die Behandlung relevant ist, können geeignete Tests weiterhelfen.
Die wichtigsten Maßnahmen gegen Atemwegsinfektionen sind weder kompliziert noch neu. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt regelmäßiges Lüften, gründliche Händehygiene und Rücksicht auf Menschen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko. Besonders in Innenräumen können diese Verhaltensweisen die Übertragung von Krankheitserregern verringern.
Beim Atmen, Sprechen, Husten und Niesen gelangen infektiöse Partikel in die Umgebungsluft. In schlecht gelüfteten Räumen können sie sich anreichern. Regelmäßiger Luftaustausch reduziert ihre Konzentration. Das gilt für das Büro ebenso wie für Klassenräume, Besprechungszimmer oder die eigene Wohnung.
Händewaschen bleibt eine weitere wichtige Vorsichtsmaßnahme. Wer nach dem Kontakt mit gemeinsam genutzten Gegenständen die Hände gründlich mit Wasser und Seife reinigt, kann das Risiko einer Übertragung bestimmter Krankheitserreger senken. Husten und Niesen sollten möglichst in die Armbeuge oder ein Einmaltaschentuch erfolgen.
Bei engem Kontakt mit Erkrankten ist Abstand sinnvoll. Wo sich Kontakte nicht vermeiden lassen, kann eine gut sitzende Maske zusätzlichen Schutz bieten. Das gilt besonders dann, wenn ältere oder gesundheitlich vorbelastete Menschen beteiligt sind.
Wer bereits deutlich erkältet ist, sollte nach Möglichkeit zu Hause bleiben. Nicht jede Erkrankung lässt sich dadurch verhindern. Die Wahrscheinlichkeit, andere anzustecken, kann jedoch sinken. Gleichzeitig bekommt der Körper Gelegenheit, sich zu erholen.
Die Vorstellung hält sich hartnäckig: Wer ohne Schal nach draußen geht oder kalte Füße bekommt, fängt sich eine Erkältung ein. Medizinisch ist das zu einfach gedacht. Eine Virusinfektion entsteht nicht durch niedrige Temperaturen allein. Dafür müssen Krankheitserreger übertragen werden.
Dass Atemwegsinfektionen in den kühleren Monaten häufiger auftreten, hängt unter anderem mit den veränderten Lebensbedingungen zusammen. Menschen halten sich länger in Innenräumen auf, begegnen sich auf engem Raum und sorgen möglicherweise seltener für frische Luft.
Warme Kleidung schützt vor Auskühlung. Als Ersatz für Hygiene, ausreichende Belüftung oder empfohlene Impfungen taugt sie nicht.
Mit dem Herbst beginnt auch die Zeit, in der die Grippeschutzimpfung besonders relevant wird. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt eine jährliche Influenza-Impfung insbesondere Menschen ab 60 Jahren.
Darüber hinaus richtet sich die Empfehlung an Schwangere, Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen und weitere Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf. Auch bestimmte berufliche Tätigkeiten oder der regelmäßige Kontakt zu besonders gefährdeten Menschen können eine Impfung sinnvoll machen.
Die Grippeimpfung soll vor allem schwere Erkrankungen und Komplikationen verhindern. Eine Garantie, sich überhaupt nicht mit Influenzaviren anzustecken, bietet sie nicht. Der Impfschutz wird deshalb nicht allein daran gemessen, ob jede Infektion ausbleibt.
Üblicherweise wird die Impfung im Herbst oder Winter vorgenommen. Wer zu einer Risikogruppe gehört oder seinen Impfstatus nicht sicher kennt, kann die individuelle Empfehlung mit der Hausarztpraxis besprechen.
Bei der Corona-Impfung hat sich die Empfehlung verändert. Die STIKO hat ihre Vorgaben im Juli 2026 aktualisiert. Eine jährliche Auffrischungsimpfung wird nun insbesondere Menschen ab 75 Jahren sowie bestimmten weiteren Risikogruppen empfohlen.
Zu diesen Gruppen gehören unter anderem Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, Bewohner von Pflegeeinrichtungen und Menschen mit besonderen beruflichen Infektionsrisiken. Auch andere gesundheitliche Umstände können eine Auffrischung erforderlich machen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Grippe- und Corona-Impfung: Die allgemeine jährliche Influenza-Impfung wird ab 60 Jahren empfohlen, die entsprechende COVID-19-Auffrischung nach der aktualisierten Empfehlung ab 75 Jahren. Für jüngere Menschen können individuelle Risikofaktoren ausschlaggebend sein.
Eine weitere Änderung betrifft die bisherige allgemeine Empfehlung, eine COVID-19-Basisimmunität durch mindestens drei Antigenkontakte aufzubauen. Diese Vorgabe wurde 2026 aufgehoben. Für gesunde Kinder und Jugendliche besteht keine generelle Corona-Impfempfehlung.
Die Auffrischung soll bevorzugt im Spätsommer oder Frühherbst erfolgen. Wer einen empfohlenen Termin versäumt hat, kann die Impfung nachholen. Sind sowohl die Influenza- als auch die COVID-19-Impfung angezeigt, ist grundsätzlich eine gleichzeitige Verabreichung möglich.
Ist die Nase bereits verstopft und der Hals entzündet, lässt sich eine gewöhnliche Erkältung meist nicht mit einem bestimmten Medikament einfach beenden. Bei unkomplizierten Verläufen heilt die Infektion von selbst aus. Die Behandlung konzentriert sich deshalb vor allem darauf, Beschwerden zu lindern.
Nach Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) können Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol bei Schmerzen und Fieber helfen. Allerdings sind diese Medikamente nicht für jeden Menschen gleichermaßen geeignet. Gegenanzeigen und Anwendungshinweise müssen berücksichtigt werden.
Abschwellende Nasensprays erleichtern kurzfristig das Atmen durch die Nase. Für eine längere Anwendung sind sie nicht vorgesehen, weil die Nasenschleimhaut dadurch beeinträchtigt werden kann.
Viele Menschen greifen bei einer Erkältung zunächst zu Hausmitteln. Warme Getränke können bei gereiztem Hals angenehm sein. Auch Honig kann Husten lindern. Für Säuglinge unter einem Jahr ist Honig allerdings ungeeignet.
Zwischen einer Linderung der Symptome und einer tatsächlichen Verkürzung der Erkrankung besteht ein entscheidender Unterschied. Dass sich ein Mittel wohltuend anfühlt, bedeutet noch nicht, dass es die Viren bekämpft oder die Genesung nachweislich beschleunigt.
Das gilt auch für Nahrungsergänzungsmittel. Hoch dosiertes Vitamin C oder Zink sind keine verlässlich belegte Methode, eine bereits ausgebrochene Erkältung rasch zu heilen. Wer entsprechende Präparate einnimmt, sollte deshalb keine sichere oder unmittelbare Wirkung erwarten.
Ein häufiger Irrtum betrifft Antibiotika. Sie wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Bei einer gewöhnlichen Erkältung können sie die Ursache der Erkrankung deshalb nicht beseitigen.
Eine unnötige Einnahme birgt Risiken: Nebenwirkungen sind möglich, außerdem kann der übermäßige Einsatz die Entwicklung resistenter Bakterien fördern. Ob zusätzlich eine bakterielle Infektion vorliegt, die behandelt werden muss, gehört in die ärztliche Beurteilung.
Eine leichte Erkältung erfordert normalerweise keinen sofortigen Arztbesuch. Anders sieht es aus, wenn Beschwerden ungewöhnlich stark werden, sich deutlich verschlimmern oder zusätzliche Warnzeichen auftreten.
Anhaltend hohes Fieber, zunehmende Beschwerden oder Schmerzen im Brustbereich sollten medizinisch abgeklärt werden. Menschen mit chronischen Erkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem sollten bei einer Verschlechterung besonders aufmerksam sein.
Bei schwerer Atemnot oder anderen akut lebensbedrohlichen Symptomen muss umgehend der Rettungsdienst über die Nummer 112 verständigt werden.
Für Menschen mit erhöhtem Risiko kann eine frühzeitige ärztliche Einschätzung auch deshalb wichtig sein, weil bei bestimmten Influenza- oder COVID-19-Erkrankungen gezielte Behandlungen infrage kommen. Ob diese geeignet sind, hängt vom Erreger, dem Krankheitsverlauf und der individuellen gesundheitlichen Situation ab.
Wie stark die Atemwegsinfektionen in diesem Herbst zunehmen, lässt sich aus der Jahreszeit allein nicht bestimmen. Dafür braucht es die fortlaufenden Daten der Gesundheitsbehörden. Einzelne Erkrankungen im persönlichen Umfeld sind noch kein Beleg für eine außergewöhnliche Grippe- oder Corona-Welle.
Für die persönliche Vorsorge ist diese Unterscheidung wichtig. Wer regelmäßig lüftet, auf Hygiene achtet und bei Krankheit Kontakte reduziert, kann unabhängig von der aktuellen Infektionslage etwas zum Schutz anderer beitragen. Besonders gefährdete Menschen profitieren zusätzlich von einem Impfschutz, der ihren individuellen Risiken entspricht.
Die aktualisierten Corona-Impfempfehlungen machen deutlich, dass Vorsorge keine pauschale Angelegenheit ist. Alter, Vorerkrankungen und persönliche Lebensumstände bestimmen mit, welche Maßnahmen medizinisch angezeigt sind. Entscheidend ist deshalb nicht, auf die nächste große Infektionswelle zu warten, sondern rechtzeitig zu prüfen, welcher Schutz im eigenen Fall sinnvoll ist.
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