Macht, Akten, Namen Epstein-Akten: US-Abgeordneter macht sechs geschwärzte Namen öffentlich

11. Februar 2026 | 18:06 Uhr |

Washington, 11. Februar 2026 – Ein leiser, aber folgenreicher Moment im Plenarsaal. Während draußen der politische Betrieb routiniert weiterläuft, verändert drinnen eine kurze Wortmeldung den Ton der Debatte. Sechs Namen, bislang aus den Akten zum Fall Jeffrey Epstein getilgt, werden laut verlesen – und machen sichtbar, was jahrelang verborgen blieb.

Die Offenlegung markiert einen weiteren Einschnitt in der Aufarbeitung eines der folgenreichsten Justizskandale der Vereinigten Staaten. Mitten in der schrittweisen Veröffentlichung millionenfacher Dokumente zu Jeffrey Epstein, dem 2019 in Haft verstorbenen Sexualstraftäter, geraten erneut Fragen nach Transparenz, politischer Verantwortung und institutionellen Schutzmechanismen in den Mittelpunkt. Dass es ausgerechnet ein Abgeordneter ist, der die Schwärzungen durchbricht, verleiht der Szene eine zusätzliche Schärfe.

Eine Rede, die Akten öffnet

Der demokratische Kongressabgeordnete Ro Khanna aus Kalifornien nutzt seine Redezeit im Repräsentantenhaus für einen ungewöhnlichen Schritt. Er nennt sechs Personen, deren Identitäten in den veröffentlichten Epstein-Akten bislang unkenntlich gemacht worden waren. Khanna handelt nicht allein. Gemeinsam mit dem republikanischen Abgeordneten Thomas Massie aus Kentucky hatte er Einsicht in ungeschwärzte Dokumente erhalten, die anderen Parlamentariern und der Öffentlichkeit verwehrt blieben.

Die Entscheidung, die Namen öffentlich zu machen, sei keine politische Provokation, betont Khanna, sondern eine Frage der Rechtsstaatlichkeit. Schwärzungen dürften nicht dazu dienen, reputationsschädigende Details für einflussreiche Personen zu verbergen. Zugleich unterstreicht er einen zentralen Punkt, der im Verlauf der Debatte immer wieder betont wird: Die Erwähnung eines Namens in den Akten beweise weder Schuld noch Beteiligung an Straftaten. Sie dokumentiere zunächst nur Kontakte, Erwähnungen oder Bezüge im Rahmen der Ermittlungen.

Die sechs genannten Namen lauten:

  • Leslie „Les“ Wexner, US-Milliardär und Gründer des Modekonzerns L Brands.
  • Sultan Ahmed bin Sulayem, internationaler Geschäftsmann und Vorstandsvorsitzender von DP World.
  • Salvatore Nuara.
  • Zurab Mikeladze.
  • Leonic Leonov.
  • Nicola Caputo, italienischer Politiker und früheres Mitglied des Europäischen Parlaments.

Dass diese Namen bislang geschwärzt waren, wirft Fragen auf. Warum gerade sie? Und auf welcher Grundlage entschied das Justizministerium, ihre Identitäten zu verbergen, während andere prominente Namen offen einsehbar blieben?

Gesetzlicher Auftrag, politische Realität

Der Hintergrund der Auseinandersetzung liegt im sogenannten Epstein Files Transparency Act, einem Gesetz, das den Behörden eine möglichst vollständige Veröffentlichung aller nicht sicherheitsrelevanten Dokumente vorschreibt. Ziel war es, das Vertrauen in die staatliche Aufarbeitung wiederherzustellen – und den Eindruck zu vermeiden, mächtige Netzwerke könnten sich der öffentlichen Kontrolle entziehen.

In der Praxis jedoch zeigt sich ein Spannungsfeld zwischen juristischen Schutzmechanismen und politischem Erwartungsdruck. Das Justizministerium argumentiert, Schwärzungen seien notwendig gewesen, um Persönlichkeitsrechte zu wahren und rechtliche Risiken zu minimieren. Kritiker hingegen sehen darin eine überdehnte Vorsicht, die dem Geist des Gesetzes widerspreche.

Das ist auch interessant:  Atemreizungen in Tirol: McDonald’s-Filiale bei Innsbruck evakuiert

Ro Khanna formuliert es nüchtern, aber deutlich: Wenn Namen allein deshalb entfernt werden, weil ihre Veröffentlichung politisch oder gesellschaftlich unangenehm sein könnte, verliere das Transparenzgesetz seinen Kern. Gerade im Fall Epstein, dessen Kontakte bis in höchste gesellschaftliche Kreise reichten, sei eine vollständige Offenlegung essenziell.

Die Grenze der Schwärzung

Nach US-Recht dürfen bestimmte Informationen geschützt werden – insbesondere solche, die Opfer identifizieren könnten. Der Transparency Act schließt jedoch ausdrücklich aus, dass Namen aus Gründen der Peinlichkeit, des Imageschutzes oder politischer Sensibilität unkenntlich gemacht werden. Genau an dieser Stelle setzt die aktuelle Kritik an.

Die Enthüllung der sechs Namen nährt den Verdacht, dass die Grenze zwischen rechtlich gebotener Zurückhaltung und institutionellem Selbstschutz unscharf gezogen wurde. Ob es sich um Einzelfälle oder ein systematisches Muster handelt, bleibt offen. Fest steht jedoch, dass der politische Druck auf die Behörden spürbar wächst.

Die Namen und ihre Bedeutung

Die sechs offen gelegten Personen stehen exemplarisch für die Breite der Kontakte, die Epstein über Jahre hinweg pflegte. Sie reichen von der internationalen Wirtschaftselite bis in politische Ämter – ein Umstand, der die anhaltende Faszination und Verstörung rund um den Fall erklärt.

Les Wexner

Der Name Les Wexner ist seit Langem mit Jeffrey Epstein verbunden. Der Unternehmer, der mit L Brands ein milliardenschweres Modeimperium aufbaute, unterhielt über Jahre hinweg eine enge geschäftliche Beziehung zu Epstein. Dokumente belegen, dass Epstein für Wexner Finanzgeschäfte abwickelte und weitreichende Vollmachten erhielt.

In den Akten wird Wexner als Mitverschwörer geführt, ohne dass es zu einer strafrechtlichen Anklage kam. Die erneute Nennung seines Namens unterstreicht, wie zentral diese Beziehung für das Verständnis von Epsteins finanziellen und gesellschaftlichen Netzwerken ist.

Sultan Ahmed bin Sulayem

Der Vorstandsvorsitzende von DP World taucht in den Dokumenten in einem anderen Kontext auf. Eine E-Mail, in der Epstein sich anerkennend über ein sogenanntes Foltervideo äußert, das bin Sulayem betreffen soll, sorgt für Irritation. Der genaue Zusammenhang bleibt unklar, doch allein die Existenz solcher Passagen wirft Fragen auf – nicht zuletzt darüber, warum der Name zunächst geschwärzt wurde.

Wenig bekannte Namen, offene Fragen

Deutlich weniger öffentlich präsent sind Salvatore Nuara, Zurab Mikeladze, Leonic Leonov und Nicola Caputo. Über ihre jeweilige Rolle geben die bislang zugänglichen Dokumente nur begrenzte Auskunft. Sie erscheinen als Kontakte, Erwähnungen oder Bezugspunkte innerhalb der Akten, ohne dass konkrete Vorwürfe erhoben werden.

Gerade diese Unschärfe macht die Debatte heikel. Denn sie verdeutlicht ein Kernproblem der Epstein-Akten: Die Grenze zwischen dokumentierter Nähe und strafrechtlicher Relevanz ist nicht immer klar gezogen. Namen allein erzählen keine Geschichte – sie markieren lediglich Knotenpunkte in einem weit verzweigten Netzwerk.

Das ist auch interessant:  US-Angriff im östlichen Pazifik: Tote bei Einsatz gegen mutmaßliches Drogenboot

Reaktionen im politischen Washington

Die Reaktionen auf Khannas Vorstoß fallen parteiübergreifend aus. Demokraten wie Republikaner äußern Zweifel an der bisherigen Praxis des Justizministeriums. Selbst Abgeordnete, die sich zuvor zurückhaltend gezeigt hatten, fordern nun detailliertere Erläuterungen zu den Kriterien der Schwärzungen.

In Anhörungen verteidigt die Justizministerin das Vorgehen ihres Hauses. Man habe unter erheblichem Zeitdruck gearbeitet und juristische Risiken abwägen müssen. Von gezielter Vertuschung könne keine Rede sein. Doch diese Erklärungen stoßen zunehmend auf Skepsis – nicht zuletzt, weil der Fall Epstein seit Jahren als Symbol für institutionelles Versagen gilt.

Der politische Kontext verschärft die Lage zusätzlich. Die Veröffentlichung der Epstein-Akten fällt in eine Phase, in der das Vertrauen in staatliche Institutionen ohnehin unter Druck steht. Jede Unklarheit, jede geschwärzte Zeile wird so zum Projektionsfeld für größere Zweifel.

Öffentliche Wahrnehmung und mediale Dynamik

Auch jenseits des Kapitols entfaltet die Offenlegung Wirkung. Medien greifen die Namen auf, ordnen sie ein, prüfen Verbindungen. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass öffentliche Debatten in Vorverurteilungen umschlagen könnten. Die Balance zwischen Aufklärung und Zurückhaltung ist fragil.

Der Epstein-Fall zeigt dabei eine besondere Dynamik: Er ist weniger ein abgeschlossener Kriminalfall als ein fortdauernder Prozess der gesellschaftlichen Selbstbefragung. Wer wusste was? Wer profitierte? Und wer wurde geschützt? Jede neue Aktenveröffentlichung liefert Fragmente, aber selten abschließende Antworten.

Zwischen Transparenz und Verantwortung

Die Enthüllung der sechs Namen verdeutlicht dieses Dilemma. Transparenz ist notwendig, um Vertrauen herzustellen. Zugleich verlangt sie journalistische und politische Sorgfalt, um nicht neue Ungerechtigkeiten zu schaffen. Der Fall Epstein zwingt Institutionen, Medien und Öffentlichkeit gleichermaßen, diese Gratwanderung immer wieder neu auszubalancieren.

Was bleibt, wenn Namen sichtbar werden

Die Szene im Repräsentantenhaus war kurz, fast beiläufig. Doch ihre Wirkung reicht weit über den Moment hinaus. Sechs Namen, die zuvor verborgen waren, stehen nun im Raum – nicht als Urteil, sondern als offene Frage. Sie verweisen auf Lücken, auf Entscheidungen hinter verschlossenen Türen und auf den anhaltenden Kampf um Transparenz im Umgang mit Macht.

Ob die Offenlegung weitere Schritte nach sich zieht, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur: Der Epstein-Skandal ist auch Jahre nach dem Tod seines Hauptakteurs nicht abgeschlossen. Mit jeder Seite, die veröffentlicht wird, verschiebt sich der Fokus – von der Tat zur Struktur, vom Täter zum System. Und genau dort entfaltet der aktuelle Vorgang seine eigentliche Bedeutung.

Avatar
Redaktion / Published posts: 3690

Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.