Rückschlag für die Mondmission NASA verschiebt Artemis II nach Wasserstoff-Leck beim SLS-Test – Mondmission startet frühestens im März

15. Februar 2026 | 09:28 Uhr |

Cape Canaveral – Bei einem entscheidenden Test für die bemannte Mondmission Artemis II sind am Kennedy Space Center erneut technische Probleme aufgetreten. Während einer umfassenden Startgeneralprobe registrierte die NASA ein Wasserstoff-Leck am Space Launch System sowie weitere Unregelmäßigkeiten in der Bodeninfrastruktur. Der geplante Starttermin im Februar wurde gestrichen; ein neuer Anlauf ist frühestens im März vorgesehen. Wie stabil die Systeme nach den Reparaturen tatsächlich sind, soll nun eine weitere Analyse klären.

Cape Canaveral, 15. Februar 2026 – Die Rückkehr von Astronautinnen und Astronauten in die Nähe des Mondes verzögert sich. Die NASA hat den geplanten Start der Mission Artemis II nach erneuten Problemen bei einem entscheidenden Test verschoben. Bei der sogenannten Wet Dress Rehearsal, einer vollständigen Generalprobe inklusive Betankung und Countdown, trat am Space Launch System (SLS) erneut ein Wasserstoff-Leck auf. Der Countdown wurde kurz vor der finalen Phase gestoppt, der Tankvorgang abgebrochen, das System anschließend wieder entleert.

Die Szene ist vertraut – und doch heikel: Flüssiger Wasserstoff strömt unter extrem niedrigen Temperaturen in die riesigen Tanks der Kernstufe, Sensoren überwachen Druck, Temperatur und Dichtigkeit. Genau an einer dieser Schnittstellen wurde das Leck registriert. Für die NASA ist das kein Nebengeräusch, sondern ein sicherheitsrelevanter Faktor. Wasserstoff ist hochreaktiv, seine Handhabung technisch anspruchsvoll. Schon kleinste Undichtigkeiten können Tests zum Stillstand bringen.

Artemis II unter Druck: Der Test als Gradmesser

Artemis II gilt als Schlüsselmission des Artemis-Programms. Vier Astronautinnen und Astronauten – drei aus den USA, einer aus Kanada – sollen auf eine etwa zehntägige Reise um den Mond geschickt werden. Es wäre der erste bemannte Flug in Mondnähe seit dem Ende der Apollo-Ära 1972. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Zuverlässigkeit, Systemintegration und Risikominimierung.

Die Wet Dress Rehearsal ist dafür ein entscheidender Meilenstein. Sie simuliert den gesamten Startablauf unter realen Bedingungen: Betankung, Countdown, Kommunikation zwischen Bodenkontrolle und Rakete, Notfallprozeduren. Dass dieser Test nun erneut wegen eines Wasserstoff-Problems abgebrochen werden musste, zwingt die NASA zur Vorsicht.

Der Countdown wurde bei T-Minus 5 Minuten 15 Sekunden gestoppt. Die Tanks wurden gesichert entleert, Ingenieurteams begannen mit der Ursachenanalyse. Bereits frühere Artemis-Tests hatten gezeigt, wie empfindlich das Betankungssystem auf minimale Abweichungen reagiert. Die NASA hatte nach früheren Vorfällen Anpassungen vorgenommen, Dichtungen überprüft und Prozesse modifiziert. Nun müssen diese Maßnahmen erneut bewertet werden.

Probleme in der Bodeninfrastruktur

Nicht nur die Rakete selbst stand im Fokus der Fehlersuche. Während eines anschließenden Confidence Tests, der der Überprüfung der Reparaturen dienen sollte, traten Unregelmäßigkeiten in der Bodeninfrastruktur auf. Die Wasserstoff-Zufuhr war reduziert. Nach ersten Analysen machten die Teams eine Filterkomponente im Versorgungssystem verantwortlich. Ob es sich um ein isoliertes Bauteilproblem handelt oder um eine systemische Schwäche, wird derzeit untersucht.

Das ist auch interessant:  US-Angriff im östlichen Pazifik: Tote bei Einsatz gegen mutmaßliches Drogenboot

Auch am Orion-Raumschiff, das bei Artemis II die Crew transportieren soll, registrierten Techniker Anomalien. Ein Ventil im Versorgungssystem des Crewmoduls reagierte während der Generalprobe nicht wie erwartet. Hinzu kamen Kommunikationsunterbrechungen zwischen Kontrollteams sowie ungewöhnlich niedrige Außentemperaturen, die den Testablauf zusätzlich beeinflussten. Jede dieser Abweichungen wird nun einzeln analysiert, bevor ein neuer vollständiger Test angesetzt wird.

Startverschiebung auf frühestens März

Die Konsequenz ist klar: Artemis II wird nicht im Februar starten. Die NASA hat die Mission auf frühestens März verschoben. Zunächst sollen sämtliche Daten ausgewertet, Reparaturen abgeschlossen und das Zusammenspiel von Rakete, Bodenanlagen und Orion-Raumschiff erneut überprüft werden.

Die Raumfahrtbehörde betont, dass Sicherheit Vorrang hat. Gerade bei einer bemannten Mission sei es unverzichtbar, jede potenzielle Fehlerquelle systematisch zu identifizieren. Artemis II markiert einen Wendepunkt in der amerikanischen Raumfahrtstrategie – und entsprechend gering ist die Bereitschaft, bei offenen Fragen Kompromisse einzugehen.

Am 12. Februar hatte die NASA mitgeteilt, dass die Ergebnisse eines weiteren Tests überprüft werden, bevor über den Zeitplan für eine neue Wet Dress Rehearsal entschieden wird. Erst wenn die Analysephase abgeschlossen ist, soll ein neues Startfenster konkretisiert werden. Der frühestmögliche Termin liegt Anfang März.

Warum Wasserstoff-Lecks so kritisch sind

Flüssiger Wasserstoff wird bei extrem niedrigen Temperaturen gelagert und ist eines der effizientesten, zugleich aber sensibelsten Raketentreibmittel. Das SLS nutzt eine Kombination aus flüssigem Wasserstoff und flüssigem Sauerstoff in seiner Kernstufe. Bereits minimale Undichtigkeiten können dazu führen, dass Sensoren Alarm schlagen und automatische Sicherheitsprotokolle greifen.

Solche Lecks sind technisch komplex zu beheben. Dichtungen müssen hohen Druck- und Temperaturschwankungen standhalten. Hinzu kommen Materialspannungen durch wiederholtes Befüllen und Entleeren der Tanks. In früheren Phasen des Artemis-Programms waren Wasserstoff-Probleme bereits ein Thema. Die aktuellen Vorfälle zeigen, wie anspruchsvoll die Integration eines Schwerlastraketen-Systems bleibt.

Artemis-Programm: Mehr als ein einzelner Flug

Artemis II ist kein isoliertes Projekt, sondern Teil eines langfristig angelegten Raumfahrtprogramms. Ziel ist es, eine nachhaltige Präsenz im Mondorbit aufzubauen und perspektivisch wieder Astronautinnen und Astronauten auf der Mondoberfläche landen zu lassen. Artemis I hatte als unbemannter Testflug wichtige Daten geliefert. Artemis II soll nun den bemannten Betrieb unter realen Bedingungen erproben.

Der geplante Flug führt das Orion-Raumschiff in einer weiten Umlaufbahn um den Mond, bevor es zur Erde zurückkehrt. Die Mission dient vor allem dazu, Navigation, Kommunikation, Lebenserhaltungssysteme und thermische Belastungen im realen Flugprofil zu testen. Die gewonnenen Daten sind entscheidend für spätere Missionen, insbesondere für Artemis III.

Technische Komplexität als Dauerherausforderung

Die Verzögerung von Artemis II verdeutlicht die enorme Komplexität moderner Raumfahrtprojekte. Rakete, Raumfahrzeug, Bodeninfrastruktur und Kontrollsysteme müssen millimetergenau zusammenarbeiten. Ein einzelnes Bauteil – etwa ein Filter oder eine Dichtung – kann den gesamten Zeitplan beeinflussen.

Das ist auch interessant:  Atemreizungen in Tirol: McDonald’s-Filiale bei Innsbruck evakuiert

Die NASA verfolgt deshalb einen iterativen Ansatz: testen, analysieren, anpassen, erneut testen. Dieser Prozess ist zeitintensiv, aber im Kontext bemannter Missionen alternativlos. Anders als bei unbemannten Flügen steht bei Artemis II die Sicherheit von Menschen im Mittelpunkt. Jede Unsicherheit im System muss vor dem Start beseitigt werden.

Internationale Perspektive und strategischer Kontext

Die Mondmission Artemis II findet in einem internationalen Umfeld statt, in dem mehrere Raumfahrtagenturen ihre Aktivitäten ausweiten. Parallel treiben andere Staaten eigene Mondprogramme voran. Der Wettbewerb um technologische Führungsrollen erhöht den politischen Druck – doch die NASA signalisiert, dass Terminziele hinter Sicherheitsstandards zurücktreten.

Artemis II ist dabei nicht nur ein technisches, sondern auch ein symbolisches Projekt. Mehr als fünf Jahrzehnte nach Apollo steht erneut eine bemannte Reise in Mondnähe bevor. Die Mission soll Vertrauen in die neue Generation von Trägersystemen und Raumfahrzeugen schaffen. Gerade deshalb wird jeder Test mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt.

Analysephase entscheidet über den weiteren Zeitplan

Derzeit konzentrieren sich die Teams am Kennedy Space Center auf die detaillierte Auswertung der Testdaten. Sensorwerte, Druckkurven, Temperaturverläufe und Kommunikationsprotokolle werden geprüft. Ziel ist es, eindeutig zu klären, ob es sich bei den jüngsten Problemen um isolierte Ereignisse oder um strukturelle Schwächen im Betankungssystem handelt.

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird die NASA eine neue vollständige Generalprobe ansetzen. Anschließend könnte das Startfenster für Artemis II im März konkretisiert werden. Ob dieser Termin gehalten werden kann, hängt maßgeblich von den Ergebnissen der aktuellen Reparatur- und Prüfphase ab.

Ein Programm zwischen Geduld und Erwartung

Die erneute Verschiebung der Mondmission ist ein Rückschlag, aber kein Abbruch. Artemis II bleibt ein zentrales Element der amerikanischen Raumfahrtstrategie. Die technischen Probleme bei den Tests unterstreichen, wie anspruchsvoll der Weg zurück zum Mond ist. In Cape Canaveral herrscht daher kein Alarmismus, sondern Routine im Umgang mit Unwägbarkeiten: Systeme werden überprüft, Komponenten ersetzt, Abläufe angepasst.

Die Frage ist nun nicht, ob Artemis II startet, sondern wann die NASA überzeugt ist, dass alle Systeme zuverlässig arbeiten. Erst dann wird der Countdown erneut beginnen – und mit ihm der nächste Versuch, Astronautinnen und Astronauten wieder in die Nähe des Mondes zu bringen.

Avatar
Redaktion / Published posts: 3708

Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.