Politisches Patt in Potsdam Brandenburger Landtag lehnt Neuwahl ab – BSW stimmt mit AfD

In Politik
Januar 10, 2026

Potsdam, 9. Januar 2026. Die Stimmung im Landtag ist angespannt, die Fronten sind klarer denn je. Nach Tagen politischer Unruhe und dem Bruch der Regierungskoalition richtet sich der Blick auf eine Entscheidung mit Signalwirkung. Die Frage, ob Brandenburg vorzeitig neu wählt, spaltet das Parlament – und offenbart neue politische Linien.

Der Brandenburger Landtag hat am Freitag eine vorgezogene Neuwahl abgelehnt. Ein entsprechender Antrag der AfD-Fraktion, der auf die Selbstauflösung des Parlaments zielte, verfehlte die notwendige Zweidrittelmehrheit deutlich. Brisant: Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) stimmte geschlossen mit der AfD für den Antrag. SPD und CDU stellten sich gemeinsam dagegen und verhinderten damit einen politischen Neustart an der Wahlurne. Der Landtag bleibt im Amt – vorerst.

Neuwahl-Debatte nach dem Bruch der Koalition

Auslöser der aktuellen Zuspitzung ist das Ende der rot-rosafarbenen Koalition aus SPD und BSW, die erst wenige Monate im Amt war. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte die Zusammenarbeit beendet, nachdem mehrere Abgeordnete und Regierungsmitglieder das BSW verlassen hatten. Die Koalition verlor dadurch ihre politische Basis und faktisch ihre Handlungsfähigkeit. Seitdem befindet sich Brandenburg in einer Phase politischer Neuordnung.

Die AfD griff diese Situation auf und beantragte eine Auflösung des Landtags. Ihre Argumentation: Das Kräfteverhältnis im Parlament entspreche nicht mehr dem Ergebnis der Landtagswahl von 2024. Parteiwechsel und Fraktionsaustritte hätten den ursprünglichen Wählerwillen verfälscht. Eine Neuwahl sei daher aus demokratischer Sicht geboten, um die Legitimation des Parlaments wiederherzustellen.

BSW zwischen Selbstbehauptung und Isolation

Dass das BSW den Antrag der AfD unterstützte, sorgte im Parlament für hörbare Irritation. Es ist das erste Mal, dass die junge Partei in Brandenburg offen mit der AfD stimmt. Innerhalb weniger Wochen hatte das BSW mehrere prominente Mitglieder verloren, darunter Abgeordnete und Minister. Die Partei steht unter Druck, ihr politisches Profil und ihre Handlungsfähigkeit neu zu definieren.

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Mit der Zustimmung zur Neuwahl positionierte sich das BSW demonstrativ gegen die SPD und gegen einen Verbleib des aktuellen Parlaments. Die Strategie dahinter bleibt umstritten: Während Parteivertreter betonen, man wolle politische Klarheit schaffen, sehen Kritiker darin einen Schritt, der das BSW weiter isoliert und seine Rolle im parlamentarischen Gefüge schwächt.

SPD und CDU setzen auf Stabilität

SPD und CDU lehnten den Antrag geschlossen ab. Beide Fraktionen argumentierten, dass eine Neuwahl in der aktuellen Lage keine Probleme lösen, sondern zusätzliche Unsicherheit schaffen würde. Brandenburg stehe vor wichtigen politischen und finanziellen Entscheidungen, die ein handlungsfähiges Parlament erforderten.

Ministerpräsident Dietmar Woidke machte nach der Abstimmung deutlich, dass er auf Stabilität und konstruktive Mehrheiten setzt. Sein Ziel ist es, den Landtag arbeitsfähig zu halten und eine neue politische Basis für die Regierungsarbeit zu schaffen. Dabei rückt eine mögliche Zusammenarbeit mit der CDU stärker in den Fokus.

Optionen für eine neue Mehrheit

SPD und CDU verfügen gemeinsam über eine rechnerische Mehrheit im Landtag. Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit gelten als wahrscheinlich, auch wenn beide Seiten betonen, dass noch keine formellen Vereinbarungen getroffen wurden. Inhaltlich gibt es Überschneidungen, aber auch deutliche Unterschiede – insbesondere in der Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Die Ablehnung der Neuwahl verschafft beiden Parteien Zeit, diese Fragen zu klären. Zugleich signalisiert sie den Willen, politische Verantwortung im bestehenden parlamentarischen Rahmen zu übernehmen.

AfD bleibt bei Forderung nach Neuwahlen

Die AfD zeigte sich nach der Abstimmung enttäuscht, aber kämpferisch. Sie hält an ihrer Position fest, dass der Landtag in seiner aktuellen Zusammensetzung nicht mehr den Wählerwillen abbilde. Parteiinterne Wechsel und neue Mehrheitsoptionen zwischen SPD und CDU seien aus Sicht der AfD ein politischer Bruch mit dem Wahlergebnis.

Auch wenn der Antrag gescheitert ist, dürfte die Forderung nach Neuwahlen ein zentrales Thema der AfD-Oppositionsarbeit bleiben. Die Partei nutzt die politische Unsicherheit, um ihre Rolle als fundamentaloppositionelle Kraft weiter zu schärfen.

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Politische Lage bleibt angespannt

Mit der Entscheidung gegen eine Neuwahl ist die Krise im Brandenburger Landtag nicht beendet. Das Ende der SPD-BSW-Koalition hat das parlamentarische Gefüge dauerhaft verändert. Besonders das BSW steht vor grundlegenden Fragen zu Führung, Strategie und politischer Verortung.

Gleichzeitig beginnt für die SPD eine Phase der Neujustierung. Der Ministerpräsident muss zeigen, dass er auch ohne formale Koalition regierungsfähig bleibt. Die CDU wiederum steht vor der Entscheidung, ob sie Verantwortung in einer neuen Konstellation übernimmt oder ihre Rolle in der Opposition fortsetzt.

Ein Landtag im Übergang

Die Ablehnung der Neuwahl markiert einen Moment der politischen Selbstvergewisserung. Der Brandenburger Landtag hat sich gegen einen schnellen Neustart entschieden und stattdessen für Kontinuität im bestehenden Rahmen. Diese Entscheidung verschiebt die Verantwortung vom Wahlvolk zurück ins Parlament.

Ob daraus stabile Verhältnisse entstehen oder neue Konfliktlinien sichtbar werden, ist offen. Sicher ist nur: Die Landespolitik in Brandenburg steht vor einer Phase intensiver Verhandlungen, klarer Positionierungen und wachsender öffentlicher Aufmerksamkeit. Der Landtag bleibt – doch seine Arbeit beginnt unter veränderten Vorzeichen.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.