Neue AfD-Jugend unter Beschuss Die Gründung von „Generation Deutschland“ in Gießen 2025

In Politik
November 29, 2025

Gießen, 29. November 2025 – In der mittelhessischen Universitätsstadt herrscht angespannte Erwartung. Schon früh am Morgen formieren sich Menschengruppen, Polizeifahrzeuge rollen durch die Straßen, Absperrungen werden errichtet. Das Wochenende verspricht ein politisch aufgeladenes Bild, in dem die geplante Gründung einer neuen AfD-Jugendorganisation zum Fokus bundesweiter Aufmerksamkeit wird.

Neuer Anlauf der AfD-Jugend

In den Hessenhallen soll die AfD an diesem Samstag ihre neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD) aus der Taufe heben. Sie folgt auf die im Frühjahr 2025 aufgelöste Junge Alternative (JA), deren Nähe zu rechtsextremen Strukturen seit Jahren politisch und juristisch diskutiert wurde. Die Partei setzt nun auf ein Modell, das der eigenen Kontrolle stärker unterliegt und die Jugendorganisation fest in die Parteistruktur integriert.

Die zentrale Neuerung: Eine Mitgliedschaft in GD ist nur möglich, wenn gleichzeitig eine Mitgliedschaft in der AfD besteht. Die Partei verspricht sich davon mehr Disziplin, weniger Angriffsfläche und eine engere Bindung zwischen Nachwuchs und offizieller Linie. Im Kern soll die Organisation die politische Jugendarbeit der AfD neu ordnen – strukturiert, überprüfbar und ohne externe Vereinsstrukturen.

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Warum die AfD ihre Jugend neu aufstellt

Die Auflösung der JA war aus Sicht der Partei ein notwendiger Schritt, nachdem der Verfassungsschutz die Organisation als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft hatte. Aus parteiinternen Debatten heraus entstand die Überzeugung, dass eine vollständig eingebettete Jugendorganisation weniger anfällig für rechtliche Risiken und interne Alleingänge sei. GD soll diese Leerstelle füllen – nicht als unabhängiger Verein, sondern als parteiinterne Einheit.

Bereits im Vorfeld wurde deutlich, wie weit fortgeschritten die Strukturplanung ist. In den Landesverbänden wurden Jugendkoordinatoren eingesetzt, potenzielle Vorstandsmitglieder vorbereitet, organisatorische Leitlinien festgelegt. Als möglicher Vorsitzender gilt Jean-Pascal Hohm, der zuvor in der JA aktiv war und in Brandenburg unter Beobachtung steht. Kritiker sehen in solchen personellen Kontinuitäten ein zentrales Problem.

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Kontinuität oder Neuanfang?

Die AfD bewirbt GD als echten Neustart, Kritiker hingegen sprechen von einer Neuverpackung alter Strukturen. Sie warnen vor einer scheinbaren Modernisierung, hinter der sich inhaltliche und personelle Überschneidungen verbergen könnten. Diese Debatte prägt das Klima rund um die Gründung maßgeblich – und macht deutlich, wie stark die neue Organisation gesellschaftlich polarisiert.

Aus demokratietheoretischer Perspektive steht die Frage im Raum, ob GD langfristig zur Stabilisierung oder zur weiteren Radikalisierung der Partei beiträgt. Wissenschaftler und zivilgesellschaftliche Akteure äußern die Sorge, dass die Jugendorganisation als Rekrutierungsfeld für innerparteiliche Hardliner dienen könnte. Die AfD hält dagegen: GD solle Professionalität und Disziplin stärken und jungen Mitgliedern klare Entwicklungspfade bieten.

Proteste, Blockaden und höchste Sicherheitsstufe

Während die AfD ihre Gründungsversammlung vorbereitet, mobilisieren Gegendemonstranten seit Tagen. In Gießen wird ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Studierenden, Initiativen und Parteien erwartet. Für Samstag und Sonntag rechnen Beobachter mit Zehntausenden Teilnehmenden – eine Größenordnung, die für die Stadt eine Herausforderung darstellt.

Der Polizeieinsatz ist entsprechend groß angelegt. Einheiten aus zahlreichen Bundesländern unterstützen die hessische Polizei. Wasserwerfer, Reiterstaffeln, Drohnen und Hubschrauber stehen bereit, um die Lage unter Kontrolle zu halten. Die Behörden betonen, Demonstrationen seien willkommen, Gewalt jedoch werde konsequent unterbunden.

Die Belastung für Stadt und Bevölkerung

Die Stadtverwaltung kommuniziert seit Tagen umfassende Hinweise. Verkehrseinschränkungen, Halteverbote und teilweise Sperrungen gehören zum Maßnahmenkatalog. In unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsortes wird das öffentliche Leben zeitweise stark eingeschränkt sein.

Besonders betroffen sind lokale Händler. Das erste Adventswochenende gilt traditionell als wichtiger Umsatzmotor, doch viele Geschäfte rechnen mit geringerer Kundschaft – und mit einer Atmosphäre, die eher an einen politischen Ausnahmezustand als an vorweihnachtliche Einkaufsstimmung erinnert.

Argumente für und gegen die neue Organisation

  • Aus Sicht der AfD: Die Partei betont die verbesserte Kontrolle, die klare Parteibindung und die Möglichkeit, junge Mitglieder gezielt auszubilden. GD soll politische Nachwuchsarbeit professionalisieren und interne Konflikte vermeiden.
  • Aus Sicht der Kritiker: Sie sehen personelle Kontinuitäten, warnen vor einer Verstetigung radikaler Tendenzen und verstehen die Gründung als Versuch, ein bestehendes Problem strukturell zu kaschieren.
  • Gesellschaftliche Ebene: Es gibt Befürchtungen, GD könne ein Katalysator für Polarisierung sein. Die öffentlichen Reaktionen zeigen bereits jetzt, wie tief die Konfliktlinien verlaufen.
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Ein politischer Brennpunkt mit Vorlauf

Seit der Auflösung der JA ringt die AfD um ein neues Selbstverständnis in der Jugendarbeit. GD ist dabei nur der sichtbarste Ausdruck. Der Gründungsparteitag wirkt wie ein Testfall: Funktioniert das Modell einer parteiintern gesteuerten Jugendorganisation – oder verschärft es die ohnehin angespannte Lage?

Für die politischen Beobachter vor Ort haben diese zwei Tage Signalwirkung. Sie zeigen, welche Integrationskraft oder Spaltungskraft GD künftig haben könnte und wie die Partei ihren Nachwuchs strategisch formen möchte.

Ein dynamisches Wochenende mit ungewissem Ausgang

Wie sich die Lage rund um die Gründung entwickelt, hängt nun vom Verlauf der Proteste, der Stabilität der Organisation und dem Verhalten aller Beteiligten ab. Sicher scheint nur: Die Gründung von GD wird weit über Gießen hinaus diskutiert werden.

Ein Moment, der die politische Stimmung des Landes spiegelt

Die Atmosphäre in Gießen zeigt, wie sensibel die Gründung von „Generation Deutschland“ in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Zwischen Protest, politischem Anspruch und gesellschaftlicher Besorgnis markiert dieses Wochenende einen Punkt, an dem sich die Spannungen der Republik bündeln. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die neue AfD-Jugendorganisation tatsächlich Neuanfang oder lediglich Neuordnung bedeutet – und welchen Platz sie künftig im politisch ohnehin stark aufgeladenen Klima einnimmt.

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Als Autor für das Magazin "Nah am digitalen Rand" verbinde ich meine Germanistik-Expertise mit einem unstillbaren Interesse für redaktionell spannende Themen. Meine Leidenschaft gilt der Erforschung und dem Verständnis der digitalen Evolution unserer Sprache, ein Bereich, der mich stets zu tiefgründigen Analysen und Artikeln inspiriert.